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Ökumenisches Heiligenlexikon

Friedrich Christoph Oetinger

Gedenktag evangelisch: 10. Februar

Name bedeutet: F: der Friedensreiche (althochdt.)
C: der Christusträger (griechisch)

Pfarrer, Prälat in Murrhardt
* 2. Mai 1702 in Göppingen in Baden-Württemberg
† 10. Februar 1782 in Murrhardt in Baden-Württemberg


Friedrich Christoph Oetinger war das dritte von elf Kindern des Göppinger Stadt- und Amtsschreibers Johann Christoph Oetinger und seiner Frau Rosina Dorothea geb. Wölffing. Ab 1717 besuchte er die evangelische Klosterschule in Blaubeuren, dann in die in Bebenhausen, ab 1722 studierte er Theologie im Stift in Tübingen. Er lernte Jakob Böhme kennen und kehrte der vorherrschenden Aufklärungstheologie den Rücken, sein Vorbild wurde Johann Albrecht Bengel, dessen bedeutendster Schüler er war: er wies Oetinger einen Weg, die Trennung von Naturwissenschaft, Medizin und Theologie zu überwinden.

Klosterschule in Blaubeuren
Klosterschule in Blaubeuren

In seiner Jugend lernte Oetinger rastlos, mit großer Planmäßigkeit und großer Weite, in den Wissenschaften der Antike wie der Gegenwart. Geradezu körperlich litt er unter, wie er fand, den lebensfeindlichen Konsequenzen einer formalen, idealistischen Wissenschaft, die das Leibliche, die Gefühle und die Nähe zur Lebenswirklichkeit verleugnet. Oetinger wollte an Stelle von Aufklärung und Orthodoxie, die beide nur den Verstand ansprachen, eine Theologie als Begründung aller Wissenschaften und aller Wirklichkeitsdeutung entwickeln. Er versuchte, Gegensätzliches zusammen zu bringen, um die Menschen der entdeckungsfreudigen Neuzeit auf die Zukunft vorzubereiten, denn die Zukunft gehöre Gott, nicht dem Teufel, das war seine Überzeugung. Ab 1730 lehrte Oetinger als Repetent am Tübinger Stift; 1734 studierte er in Leipzig und Halle Medizin, weitere Reisen waren Ausdruck seiner Krisen und Auseinandersetzungen.

Bei dem deutsche Philosophen Jakob Böhme, in der Kabbala der jüdischen Mystik und der antiken und neuplatonischen Philosophie fand Oetinger Grundbausteine seiner Theologie und Philosophie. In den verschiedensten frommen Gruppen, vor allem in Graf von Zinzendorf und seiner Brüdergemeine entdeckte er viel gelebtes Christentum, doch auch Einseitiges und Enge; 1734 trennte er sich von Zinzendorf. Dann gehe ich doch lieber zur Kirche, dem allgemeinen Weg Gottes, sagte er sich nach zehnjähriger Prüfung. 1738 kam er als Pfarrer nach Hirsau, heiratete und wurde sesshaft. 1743 übernahm er die Pfarrstelle in Schnaitheim bei Heidenheim, 1746 die in Walddorf bei Tübingen. 1752 wurde er Dekan in Weinsberg, 1759 Dekan in Herrenberg und 1766 Prälat in Murrhardt.

Friedrich Christoph Oetinger
Friedrich Christoph Oetinger

Mit umfassender Bildung und dem unstillbaren Streben, Gott überall in der Welt am Werk zu finden, beschäftigte Oetinger sich mit fast allen Wissenschaften und verfasste weit über 100 Werke. Er war in Kontakt mit dem Priester Prokop Diwisch in Mähren, der sich mit dem Bau von Blitzableitern beschäftigte und gab - als das wohl erste deutschsprachige Fachbuch zur Elektrizität - dessen in Mähren verbotene Anleitung zum Blitzableiterbau heraus; ob man mit Blitzableitern in Gottes Handeln eingreifen dürfe, war eine theologisch brisante Frage. Für Oetinger war es keine Frage, dass Gottes Wort und sein in der Welt und Natur sichtbares Wirken eine Einheit sind: Das Wort ward Fleisch (1. Johannesevangelium 1, 14) war ihm eine besonders wichtige Bibelstelle.

Wichtig war Oetinger die Treue zum biblischen Text; die Bibel beinhalte nicht bloße Gleichnisreden, die man nicht so genau nehmen müsse. Seine Predigten, seine Lieder, die Selbstbiographie und manche theologischen Schriften werden bis heute aufgelegt, jüngst sein Biblisches und emblematisches Wörterbuch von 1776, eines seiner Hauptwerke.

Oetinger war als frommer Mensch, als Anhänger des Pietismus, der tiefen Überzeugung, dass Christen in Solidarität mit allen Menschen für das soziale, technische, kulturelle Wohl auf dieser Welt sorgen können, weil sie an Gott, den Schöpfer und den Heiligen Geist glauben. Christus bringt das Heil nicht nur einzelnen Menschen, sondern für alle und für die ganze Natur; Christen leben deshalb zukunftsweisend und erwarten die Ankunft einer für die Schöpfung güldenen Zeit. Mit weitem Herzen und gelassen sollen sie in Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur Mitverantwortung als Vorarbeit für das Reich Gottes übernehmen.

Bis heute viel zitiert ist die ihm zugesprochene Gebetsbitte *: Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht Ändern kann; den Mut, Dinge zu Ändern, die ich Ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

* Tatsächlich geht das Gebet auf den evangelischen Theologen Reinhold Niebuhr und das Jahr 1943 zurück, wie die Württembergische Landesbibliothek überzeugend aufzeigt.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 13.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:

• Evang. Gemeindeblatt für Württemberg 6/2007