Gedenktag evangelisch: 10. Februar
Name bedeutet: F: der Friedensreiche (althochdt.)
C: der Christusträger (griechisch)
Friedrich Christoph Oetinger besuchte ab 1717 die evangelischen Klosterschulen in Blaubeuren und Bebenhausen, ab 1722 studierte er Theologie in Tübingen. Er lernte Jakob Böhme kennen und kehrte der vorherrschenden Aufklärungstheologie den Rücken, sein Vorbild wurde Johann Albrecht Bengel, dessen bedeutendster Schüler er war: er wies Oetinger einen Weg, die Trennung von Naturwissenschaft, Medizin und Theologie zu überwinden.
In seiner Jugend lernte Oetinger rastlos, mit großer Planmäßigkeit und großer
Weite, in den Wissenschaften der Antike wie der Gegenwart. Geradezu körperlich
litt er unter, wie er fand, den lebensfeindlichen Konsequenzen einer formalen,
idealistischen
Wissenschaft, die das Leibliche, die Gefühle und die Nähe zur
Lebenswirklichkeit verleugnet. Oetinger wollte an Stelle von Aufklärung und
Orthodoxie, die beide nur den Verstand ansprachen, eine Theologie als Begründung
aller Wissenschaften und aller Wirklichkeitsdeutung entwickeln. Er versuchte,
Gegensätzliches zusammen zu bringen, um die Menschen der entdeckungsfreudigen
Neuzeit auf die Zukunft vorzubereiten, denn die Zukunft gehöre Gott, nicht dem
Teufel, dass war seine Überzeugung. Ab 1730 lehrte Oetinger als Repetent am
Tübinger
Stift; 1734 studierte er in Leipzig
und Halle
Medizin, weitere Reisen waren Ausdruck seiner Krisen und Auseinandersetzungen.
Bei dem deutsche Philosophen
Jakob
Böhme, in der Kabbala der jüdischen Mystik und der antiken und
neuplatonischen Philosophie fand Oetinger Grundbausteine seiner Theologie und
Philosophie. In den verschiedensten frommen Gruppen, vor allem in Graf
von Zinzendorf und seiner Brüdergemeine
entdeckte er viel gelebtes Christentum, doch auch Einseitiges und Enge; 1734
trennte er sich von Zinzendorf. Dann gehe ich doch lieber zur Kirche
, dem
allgemeinen Weg Gottes
, sagte er sich nach zehnjähriger Prüfung. 1738 kam er
als Pfarrer nach Hirsau,
heiratete und wurde sesshaft. 1743 übernahm er die Pfarrstelle in Schnaitheim
bei Heidenheim, 1746 die in Walddorf
bei Tübingen, 1752 wurde er Dekan in Weinsberg,
1759 Dekan in Herrenberg
und 1766 Prälat in Murrhardt.
Mit umfassender Bildung und dem unstillbaren Streben, Gott überall in der
Welt am Werk zu finden, beschäftigte Oetinger sich mit fast allen Wissenschaften
und schrieb weit über 100 Werke. Er war in Kontakt mit dem Priester Prokop
Diwisch in Mähren,
der sich mit dem Bau von Blitzableitern beschäftigte und gab - als das wohl
erste deutschsprachige Fachbuch zur Elektrizität - dessen in Mähren verbotene
Anleitung zum Blitzableiterbau heraus; ob man mit Blitzableitern in Gottes
Handeln eingreifen dürfe, war eine theologisch brisante Frage. Für Oetinger war
es keine Frage, dass Gottes Wort und sein in der Welt und Natur sichtbares
Wirken eine Einheit sind: Das Wort ward Fleisch
(1. Johannesevangelium 1, 14)
war ihm eine besonders wichtige Bibelstelle.
Wichtig war Oetinger die Treue zum biblischen Text; die Bibel beinhalte nicht
bloße Gleichnisreden, die man nicht so genau nehmen müsse
. Seine Predigten,
Lieder, die Selbstbiographie und manche theologischen Schriften werden bis heute
aufgelegt, jüngst sein Biblisches und emblematisches Wörterbuch
von 1776,
eines seiner Hauptwerke.
Oetinger war als frommer Mensch, als Anhänger des Pietismus,
der tiefen Überzeugung, dass Christen in Solidarität mit allen Menschen für das
soziale, technische, kulturelle Wohl auf dieser Welt sorgen können, weil sie an
Gott, den Schöpfer und den Heiligen Geist glauben. Christus
bringt das Heil nicht nur einzelnen Menschen, sondern für alle und für die ganze
Natur; Christen leben deshalb zukunftsweisend und erwarten die Ankunft einer für
die Schöpfung Güldenen Zeit
. Mit weitem Herzen und gelassen sollen sie in
Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur Mitverantwortung als Vorarbeit
für das Reich Gottes übernehmen.
Bis heute viel zitiert ist die ihm zugesprochene Gebetsbitte *:
Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht Ändern kann;
den Mut, Dinge zu Ändern, die ich Ändern kann; und die Weisheit, das eine vom
anderen zu unterscheiden.
* Tatsächlich geht das Gebet auf den evangelischen Theologen
Reinhold Niebuhr und das Jahr 1943 zurück, wie
die
Württembergische Landesbibliothek überzeugend aufzeigt.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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