Ökumenisches Heiligenlexikon

Anianus

Gedenktag katholisch: 15. November
nicht gebotener Gedenktag im Erzbistum München und Freising

Name bedeutet: der Gequälte (griech. - latein.)

Mönch, Diakon, Glaubensbote in Bayern, Märtyrer
* in Irland oder Aquitanien in Frankreich (?)
697 (?) in Wilparting bei Irschenberg in Bayern


Anianus und Marinus kamen der Legende zufolge als Mönche nach Rom und wurden 655 von Papst Eugen I. empfangen. Er weihte Marinus zum Wanderbischof und Anianus zum Diakon. Als Einsiedler und Glaubensboten kamen sie um 655 in die Gegend von Aibling - dem heutigen Bad Aibling, wo sie mehr als 40 Jahre als Einsiedler lebten. Marinus wurde demnach von plündernden Vandalen - gemeint sind vielleicht vagabundierende Slawen - ermordet und verbrannt; am selben Tag starb Anianus eines wundersamen Todes, nachdem er die EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. empfangen und eine goldene Taube seinen Mund verlassen hatte.

Matthäus Günther: Tod des Anianus (links unten) und Erhebung des Marinus in den Himmel, Gewölbefresko, 1763, in der ehemaligen Klosterkirche in Rott am Inn
Matthäus Günther: Tod des Anianus (links unten) und Erhebung des Marinus in den Himmel, Gewölbefresko, 1763, in der ehemaligen Klosterkirche in Rott am Inn

50 Jahre später wurde der Legende zufolge dem Priester Priamus der Begräbnisort der beiden offenbart; der legendäre Bischof Tolusius von Freising ließ demnach die Gebeine von Anianus und Marinus in der Zeit unter Pippin dem Jüngeren und Karlmann erheben.

Die Verehrung ist im Sakramentar von Kaiser Heinrich II. bezeugt. Die Lebensgeschichte wurde im 12. Jahrhundert verfasst, möglicherweise aufgrund einer Notiz von Arbeo von Freising. Im 15. und im 18. Jahrhundert wurden ihre Gebeine (erneut) erhoben; um den Besitz der Reliquien stritten sich die Gemeinden Rott am Inn und Wilparting bei Irschenberg; hier wird ein Grab unter einer Tuffplatte des 8. Jahrhunderts als das der Märtyrer verehrt. Nach Erhebungen in den Jahren 1723 und 1776 wurde der Streit zugunsten von Wilparting entschieden, der Überlieferung nach der Ort des Martyriums und bis heute eine Wallfahrtsstätte; dennoch wurde die Verehrung in Rott am Inn weiter gepflegt.

Anianus geweihte Kapelle im Weiler Alb
Anianus geweihte Kapelle im Weiler Alb

Etwas südlich von der Marinus geweihten Wallfahrtskirche in Wilparting steht im Weiler Alb, getrennt durch den Röthengraben, am überlieferten Ort der Einsiedelei von Anianus eine ihm geweihte Kapelle.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.09.2020

Quellen:
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XV, Herzberg 1999
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993
• http://www.ovb-online.de/rosenheim/kultur/heiligen-marinus-anianus-4410670.html

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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