Ökumenisches Heiligenlexikon

Dionysius von Alexandria, der Große

Gedenktag katholisch: 8. April
3. Oktober, 17. November

Gedenktag orthodox: 3. Oktober, 5. Oktober

Gedenktag armenisch: 3. Oktober

Gedenktag koptisch: 9. März

syrisch-orthodox
bedacht in der Jakobus-Anaphora

Name bedeutet: dem (griechischen) Gott Dionysos geweiht (latein. - griech.)

Bischof von Alexandria, (Märtyrer)
* um 180 in Ägypten
um 265 in Alexandria in Ägypten


Griechische Ikone
Griechische Ikone

Dionysius, Sohn einer angesehenen nichtchristlichen Familie, war philosophisch und rhetorisch bestens ausgebildet - auch durch Origenes. Er wurde - wohl von Bischof Demetrius I. - getauft und um 231 zum Vorsteher der berühmten Katechetenschule in Alexandria berufen als Nachfolger des zum Bischof gewählten Heraklas. Diesem folgte er um 247 in hohem Alter auch im Amt des Bischofs nach. Gleich nach seiner Amtsübernahme suchte eine Pestepidemie Alexandria heim, zudem gab es Aufstände der Bevölkerung. Bald schon musste er vor den Christenverfolgern des 249 an die Macht gekommenen Kaisers Decius fliehen und begab sich 250 nach Libyen und ins Nil-Delta. Als er 260 unter Kaiser Gallienus zurückkehren konnte, fand er sein Bistum verwüstet; die Gemeinde nahm ihm seine Flucht übel.

Gegen die Novatianer unterstützte Dionysius die Wiederaufnahme der in den Verfolgungen unter Kaiser Decius Abgefallenen in die Gemeinschaft der Kirche und trat für eine mildere Bußpraxis ein; im Streit zwischen Novatian und dem römischen Bischof Cornelius in der Frage der Gültigkeit einer Taufe, die von Irrgläubigen vollzogen wurde, versuchte Dionysius zu vermitteln, schrieb viele Briefe und mahnte in einem persönlichen Schreiben Novatian zur Umkehr. Auch in den Auseinandersetzungen zwischen dem römischen Bischof Stephanus I. und Cyprian von Karthago bemühte er sich um Ausgleich. Viele von Dionysius' Briefen wurden für Eusebius von Cäsarea eine wertvolle Quelle, einige sind bis heute erhalten. Ein sorgfältiger Vergleich der Offenbarung des Johannes und des Evangeliums des Johannes brachte ihn dazu, die Verfasserschaft des Apostels für die Offenbarung zu bestreiten, den Nachweis erbrachte er in seiner Schrift Über die Verheißungen und trat damit auch den schwärmerischen Chiliasten seiner Zeit entgegen.

Dionysius vertrat - v. a. wieder in der Auseinandersetzung mit den Schwärmern in Libyen -, dass Jesus Christus nicht auf einer Stufe mit dem Vater stehe, sondern nur dessen Geschöpf sei. Ägyptische KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. wandten sich daraufhin an Bischof Dionysius von Rom; eine römische SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. verurteilte 262 den Subordinatianismus, Dionysius von Rom teilte dem Bischof von Alexandria die Beschlüsse der Synode in einer Lehrschrift mit: der Sohn sei nicht geschaffen, aber gezeugt; er kann nicht geworden sein, da es sonst eine Zeit gab, in der er nicht war; er war aber immer, da er im Vater ist und des Vaters Logos, Macht und Weisheit, ohne die Gott niemals gewesen sein kann. Dionysius von Alexandria widerrief nun seine Anschauung von der Geschöpflichkeit des Logos und betonte in einer ausführlichen Schrift die Ewigkeit des Logos und seine Wesenseinheit mit dem Vater - dennoch galt seine Position später als Vorläufer des Arianismus.

Seinem Sohn Timotheus widmete Dionysius seine Schrift Über die Natur, in der er sich gegen den Materialismus der Epikureer wandte. Von seinen Werken sind nur Bruchstücke erhalten, zwei seiner vielen Briefe nach Rom sind erhalten. Gegen Ende seiner Amtszeit wurde er in den Verfolgungen unter Kaiser Valerian um 259 verbannt, hat aber überlebt. Aufgrund seiner Exile und des verwüstet vorgefundenen Bistums gilt Dionysius in der Tradition auch als Märtyrer.

Worte des Heiligen

Seinem Sohn Timotheus widmete Dionysios seine Schrift Über die Natur, in der er sich gegen die materialistische Atomlehre Demokrits und Epikurs wandte:
Wieviele Atome und welcher Art hat Epikurs Vater ausgestreut, als er Epikur zeugte? Wie sind sie im Schoß seiner Mutter zusammengewachsen, haben sie Gestalt und Form angenommen, wie bewegten und vermehrten sie sich? Wie hat jener winzige Tau [des Samens], nachdem er noch sehr viele Atome Epikurs herbeigeholt hatte, die einen in Haut und Fleisch umgewandelt, wie konnte er sich fest erheben, nachdem andere sich in Knochen verwandelt haben, wie konnte er durch andere Atome ein Nervensystem ausbilden? Auf welche Weise schließlich konnte eine solche Kraft der anderen Glieder, der Eingeweide, der inneren Organe, der Sinneswerkzeuge von innen und außen ausbilden, wodurch der Körper Leben empfing? Denn von all diesen Teilen des Körpers ist nichts untätig, nichts unnütz: weder die Haare, noch die Nägel noch alles Übrige, das verächtlich scheinen könnte: Alles trägt bei zur Herstellung seiner Gesundheit oder zur Schönheit und Würde. Denn die Vorsehung sorgt nicht nur für den Nutzen, sondern auch für die Schönheit und Gestalt.
So ist das Haar gewissermaßen Schutz und Schirm des ganzen Hauptes, der Bart Schmuck und Zierde des Philosophen. So hat die Vorsehung also die Natur des ganzen menschlichen Körpers aus allen nötigen Teilen zusammengefügt, und allen Gliedern hat sie wechselseitigen Austausch verliehen und besonders auch aus den Schätzen des Ganzen ganz reichlich und freigebig zugemessen. Ja, und welche Kraft und Fähigkeit gerade die vorzüglichsten Glieder besitzen, das kennen durch Gebrauch und Erfahrung sogar die Ungebildeten: die Vorherrschaft des Hauptes, das wie einen Feldherrn das Gehirn umschließt, die Schutzwachen der Sinne an herausragender Stelle: die hervortretenden Augen, die Nachrichten überbringenden Ohren, der Geschmacksinn, der Nahrung und Proviant zuführt; der Geruchsinn, der gewissermaßen aufspürt und entdeckt; der Tastsinn, der alles, was ihm unterworfen ist, verteilt und ordnet; schließlich der Dienst der Hände, die Funktionen aller Art verrichten und einzigartige Künste vollbringen, mit den ihnen eigenen Fähigkeiten ausgerüstet, um ein gemeinschaftliches Funktionieren zu gewährleisten; die Schultern geeignet zum Transport von Lasten, das Greifen der Finger, die Beugung der Ellbogen, die sich nach innen und außen bewegen können, um Dinge heranzuziehen oder wegzustoßen; der Dienst der Füße, durch die uns alles Geschaffene auf der Erde zur Verfügung steht; mit denen man Länder durchreist, die Meere befährt, die Flüsse überquert, Austausch aller mit allen geschieht; der Magen, die Kammer der Speisen, der, wenn alle Glieder an ihrem Platz und der rechten Ordnung sind, von sich aus die rechte Nahrung verteilt und, was überflüssig ist, ausstößt, und alles Übrige, worin die Stärke und Erhaltung des Menschen gründet.

Quelle: Dionysius von Alexandria: Fragmenta ex libro de natura. In: Patrologia Graeca, Band 10, Sp. 1258 - 1262; eigene Übersetzung

Zitat von Dionysius von Alexandria:

Wie können wir diese Leute ertragen, wenn sie behaupten, die weise geordneten und darum von sich aus schon guten Werke seien durch Zufall entstanden. die sowohl einzeln für sich, als auch zugleich insgesamt dem, auf dessen Befehl hin sie entstanden waren, gut erschienen?
… So z. B. wenn ein Haus gebaut wird, dann nimmt dieses nicht Steine auf, die von sich aus Fundamente bilden, andere die von selbst Schicht für Schicht nach oben springen, sondern ein Architekt lässt jeden an seinen Platz bringen und passt sie dann harmonisch ein. Doch sobald es zerstört wurde, liegen die Steine, wohin sie der Zufall trug, einzeln und ohne Ordnung umher.
Genauso, wenn ein Schiff gebaut wird, bildet sich der Kiel nicht selbst, der Mastbaum erhebt sich nicht gerade in die Höhe, auch die übrigen Hölzer nehmen ihren Platz nicht zufällig ein. Auch nicht die - wie man sagt - hundert Hölzer auf einem Lastwagen fügen sich nicht von selbst an dem Platz ein, den sie gerade leer gefunden haben, sondern der Baumeister bringt sie jeweils an den ihnen bestimmten Platz. Wenn aber das Schiff mitten im Meer Schiffbruch erleidet oder der Lastwagen bei einer Fahrt auf der Erde zu Bruch geht, dann werden die Hölzer entweder durch die Fluten oder die Wucht eines Aufpralls verstreut. So müsste man diesen Leuten offen sagen, dass auch ihre sogenannten Atome, weil sie untätig, durch keine Hand verfertigt und daher nutzlos bleiben, blind umhergestreut werden.

Quelle: Dionysius von Alexandria: Fragmenta ex libro de natura. In: Patrologia Graeca, Band 10, Sp. 1253f; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia

  Schriften von Dionysius und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 04.04.2020

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1995

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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