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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes Tauler

Gedenktag katholisch: 24. Oktober

Gedenktag evangelisch: 16. Juni

Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)

Ordensmann, Mystiker
* um 1300 in Straßburg in Frankreich
† 1361 daselbst


Ferdinand Riedel: Statue, 1898, an der Kirche Alt-St.-Peter, evang. Teil, in Straßburg
Ferdinand Riedel: Statue, 1898, an der Kirche Alt-St.-Peter, evang. Teil, in Straßburg Foto: Ji-Elle

Johannes trat um 1315 ins Dominikanerkloster - an der Stelle des heutigen Temple Neuf - in Straßburg ein und studierte dann Logik, Naturwissenschaften und Theologie, wohl bei Meister Eckhard an der Fakultät am Dom in Köln. Er wandte er sich den Mystikern zu. Nach Straßburg zurückgekehrt, war er als Prediger und Seelsorger in Frauenklöstern bzw. Gemeinschaften von Beginen tätig, er lehrte in der Sprache des Volkes ein prakisches Christentum in tätiger Liebe. Er selbst erlitt schwere Anfechtungen und körperliche Leiden.

1339 wurden die Dominikaner aus Straßburg vertrieben, da sie sich im Streit zwischen Papst Johannes XXII. und Kaiser Ludwig von Bayern auf die Seite des Papstes gestellt hatten; Tauler kam mit seinem Konvent nach Basel. Dort kam er in Kontakt zu den Gottesfreunden, einer Selbstbezeichnung frommer Kreise im Umfeld der Mystik des 14. Jahrhunderts, die auch bei Laien verbreitet war; eine Repräsentantin war Margarete Ebner, mit der er in Briefkontakt stand. Noch im selben Jahr reiste Tauler nach Köln, der letzten Wirkungsstätte von Meister Eckhard, und befasste sich intensiv mit den Ansichten des Mystikers. Nach zehn Jahren konnte Tauler nach Straßburg zurückkehren.

In einigen Predigen berief Tauler sich ausdrücklich auf Meister Eckhard, obwohl einige von dessen Anschauungen vom Papst als häretisch verurteilt worden waren. Mit Eckhard teilte Tauler die Auffassung, dass es in der menschlichen Seele einen innersten Kern gibt, der eine besondere Nähe zu Gott hat, beinahe selbst schon göttlich ist; Tauler nannte ihn den Grund. Dieses tiefste Seelenzentrum strebt zu einer Vereinigung mit Gott, der Unio mystica, welche schon im diesseitigen Leben möglich ist. Der spirituelle Weg, den ein Mensch gehen muss, um diese Vereinigung zu erleben, ist das wichtigste Thema der Predigten Taulers. Der Gottsucher kann dieses Ziel erreichen auf dem Weg der inneren Abkehr von allem Weltlichen. So kann die menschliche Seele leer werden, so dass sie von Gottes Gegenwart ganz erfüllt wird.

Johannes' Grabstein im Temple Neuf in Straßburg
Johannes' Grabstein im Temple Neuf in Straßburg Foto: Ji-Elle

Tauler kritisierte veräußerlichte Frömmigkeitspraktiken sowie die in seiner Zeit verbreiteten harten körperlichen Bußübungen. Nach ihm kommt es in erster Linie auf die innere Einstellung des Gläubigen an, während der Äußere Vollzug von religiösen Handlungen sekundär ist. Weitere Themen waren die tätige Nächstenliebe sowie die Berufsarbeit der Laien, die von ihm besonders hoch bewertet wurden.

Systematische Schriften sind von Tauler nicht bekannt. Er wirkte vor allem durch seine Predigten - 84 sind überliefert, davon sind 80 authentisch. Seine Mystik war weniger spekulativ als vielmehr an den religiösen Ansprüchen des Alltags orientiert. Heilsgeschichte, Kirche und Bibel traten gegenüber der unmittelbaren Begegnung zwischen Gott und der gläubigen Seele eher in den Hintergrund.

Martin Luther schätzte Taulers Theologie sehr. Im 16. Jahrhundert war Taulers Werk in der katholischen Kirche deshalb in den Verdacht der Häresie und auf den Index der verbotenen Bücher gekommen, wurde aber bald darauf wieder auch zustimmend rezipiert. Mitte des 16. Jahrhunderts gab es gegenreformatorisch gesinnte Taulerausgaben, besorgt durch Petrus Canisius und den Kartäuser Surius.

Johannes Tauler: Es kommt ein Schiff geladen

Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG³)

Catholic Encyclopedia

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.11.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• http://www.glaubenszeugen.de/kalender/t/kalt006.htm
• RGG³, Johannes Tauler