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Ökumenisches Heiligenlexikon

Kilian von Würzburg

Gedenktag katholisch: 8. Juli
nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet und in Irland
Hochfest im Bistum Würzburg
Diözesankalender Fulda, Paderborn und Rottenburg
kein Gedenktag im Bistum Essen
Übertragung der Gebeine: 14. Februar
in Paderborn: Ankunft der Gebeine: 25. März

Gedenktag evangelisch: 8. Juli

Name bedeutet: Mann in der Zelle = Mönch (?) (keltisch)

Bischof von Würzburg, Glaubensbote im Frankenland, Märtyrer
* in Mullagh bei Cavan (?) in Irland
† 689 (?) in Würzburg in Bayern


Kilian stammte der - weithin legendären - Überlieferung nach aus einer vornehmen iroschottischen Familie. Er schloss sich demnach der Klosterregel von Kolumban an, suchte zunächst die Einsamkeit auf, studierte dann die Wissenschaften seiner Zeit.

Mit seinen 12 Mitstreitern nach dem Vorbild Jesu und seiner Jünger, darunter der Priester Kolonat und der Diakon Totnan, zog er nach Germanien, um für den christlichen Glauben zu werben. Er fuhr mit dem Schiff den Rhein und Main aufwärts bis Aschaffenburg. Es sei die schöne Lage von Würzburg gewesen, die Kilian veranlasste, dort zu bleiben. Geschätzt waren Kilian und seine Mitstreiter zunächst vor allem wegen ihrer praktischen Kenntnisse beim Ackerbau, in der Holzwirtschaft und Viehzucht; die von Irland ausgehende Missionsbewegung war immer auch ein Stück Kultivierung und Zivilisierung des rückständigen Mitteleuropa, die iroschottischen Mönche waren auch Entwicklungshelfer.

Mit steigendem Wohlstand wuchs bei den Germanen die Bereitschaft, sich mit der neuen Religion auseinanderzusetzen. Zahlreiche Taufen waren die Folge. Auch Herzog Gozbert ließ sich der Überlieferung nach von Kilian taufen - tatsächlich war er zweifellos schon getauft, aber sein Leben kaum vom Glauben geprägt. 686 pilgerte Kilian nach Rom, um von Papst Konon die Bestätigung zu erhalten für seinen inneren Auftrag, Glaubensbote in Thüringen und im fränkischen Ostreichzu sein, dabei erhielt er demnach die Bischofsweihe. *

Oswald Onghers: Martyrium des Kilian, 1659, Altarbild im Neumünster in Würzburg
Oswald Onghers: Martyrium des Kilian, 1659, Altarbild im Neumünster in Würzburg

Herzog Gozbert wurde dann von Kilian wegen seines Lebenswandels kritisiert: er verlangte der Überlieferung nach von Gozbert, sich von der Witwe seines Bruders namens Gailana zu trennen; eine Heirat der verwitweten Schwägerin war nach römischem Recht erlaubt, nicht jedoch nach kirchlichem. Gozbert erfüllte die Forderung, Gailana aber verzieh das Kilian nicht. Die Leidensgeschichte über Kilian berichtet: Als ihr Mann auf einem Kriegszug war, ließ sie Kilian mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan im Jahr 689 beim nächtlichen Gebet in deren Klause überraschen. Den gezückten Schwertern streckten Kilian, Kolonat und Totnan die Bibel entgegen *. Die Täter ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken - wie noch heute an den Flecken auf dem Bucheinband in der Würzburger Universitätsbibliothek zu sehen ist. Die Mörder verwischten alle Spuren des Überfalls, verscharrten die Leichen und ließen darüber einen Pferdestall errichten, den aber die Pferde scheuten.

Dem vom Krieg heimkehrenden Gozbert sollen die vom Wahnsinn geschlagenen Mörder die Tat gestanden und eine Einsiedlerin, die die blutgetränkte Erde gesammelt hatte, ihm den Ort des Frevels gewiesen haben. So wurden die Leichen - wunderbarer Weise unversehrt - aufgefunden. Der Mörder Kilians beging geistig umnachtet Selbstmord, die Anstifterin starb im Wahnsinn. Ihr Mann wurde ermordet. Das Volk sah darin einen Erweis der Kraft der neuen Religion und bekehrte sich zum Christentum.

Die Spuren von Kilians Wirksamkeit sind spärlich. Er hat in Würzburg kein Kloster gegründet. Dass Kilian tatsächlich als Bischof von Würzburg gewirkt und dass er den Herzog getauft habe, wird in anderen Quellen verneint, dennoch gilt Kilian als der Apostel des Frankenlandes. So soll er auf dem Kreuzberg bei Bischofsheim in der Rhön ein Kreuz errichtet haben, um den Kelten seinen Glauben zu bringen; darunter entstand ein Kloster, das bis heute Wallfahrtsort ist und einen Holzpartikel des Kreuzes Christi besitze.

Der Bericht, dass die Gebeine der Märtyrer unter einem Pferdestahl gefunden wurden, weist auf eine zunächst eher geringe Verehrung. Diese entstand erst, nachdem Bischof Burkhard von Würzburg die Gebeine am 8. Juli 752 erstmals erheben ließ - daher der Gedenktag. Die um 788 oder um 840 entstandene Leidensgeschichte verarbeitete ältere Überlieferungen, sie ist ausgeformt nach dem schon traditionellen Typus der Wanderbischöfe, viele Lebensdaten sind fragwürdig. 788 wurden die Reliquien in Anwesenheit von Karl dem Großen in die durch Bischof Burkhard - angeblich über der Stätte des Martyriums erbauten - Salvatorkirche überführt, deren Nachfolgebau das heutige Neumünster mit dem Kilians-Grab ist; Kilian wurde zum fränkischen Reichsheiligen erhoben. In Würzburg findet am Kilians-Tag bis heute eine Wallfahrt statt. Die Karolinger förderten die Verehrung. Auch in den von Würzburg aus missionierten sächsischen Gebieten, so in Paderborn, verbreitete sich die Verehrung, in Irland entstand spätestens im 9. Jahrhundert ein Kult. Um 965 entstand die jüngere Leidensgeschichte mit weiterer Anreicherung der Schilderungen.

Patron von Würzburg, Heilbronn und von Franken; der Weißbinder und Tüncher; gegen Augenleiden, Gicht und Rheumatismus; der Bistümer Erfurt und Würzburg, 2. Patron des Bistums Paderborn
Attribute: Krummstab und Schwert
Bauernregeln: St. Kilian / ist der rechte Rübenmann.
Säh' Kilian die Rüben, Mann, / stell' die ersten Schnitter an!
An St.Kilian / säe Wicken und Rüben an.
Kilian, der heil'ge Mann, / stellt die ersten Schnitter an.
Ist's zu St. Kilian schön, / werden viele gute Tage vergehn.

* Der Bericht des Besuchs beim Papst gilt als legendär, er ist gezeichnet nach dem Vorbild von Bonifatius.

** Auch dieses Motiv ist gezeichnet nach dem bei Bonifatius.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 10.08.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.bauernregeln.net/juli.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
• http://www.mainpost.de/regional/franken/Das-Ziel-Der-Kreuzberg;art420653,7636574
• Adriaan Breukelaar. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. III, Herzberg 1992