Ökumenisches Heiligenlexikon

Margareta Maria Alacoque

französischer Name: Marguerite-Marie

Gedenktag katholisch: 16. Oktober
nicht gebotener Gedenktag
Fest bei den Salesianerinnen und den Missionarinnen des heiligen Herzens gebotener Gedenktag bei den Herz-Jesu-Priestern (SCJ)
nicht gebotener Gedenktag im Erzbistum Mailand und im Ambrosianischen      Die Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v. a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Teil des Bistums Lugano: 13. Oktober
nicht gebotener Gedenktag in Polen: 14. Oktober
17. Oktober

Name bedeutet: Marg: die Perle (griech.)
Maria: die Beleibte / die Schöne / die Bittere / die von Gott Geliebte (aramäisch)

Ordensfrau, Mystikerin
* 22. Juli 1647 in Lhautecour in Burgund in Frankreich
17. Oktober 1690 in Paray-le-Monial in Frankreich


Margareta Maria, Tochter eines Richters, wurde mit acht Jahren Halbwaise als ihr Vater starb und kam ins Internat zu Klarissinnen. Mit zehn Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung und war vier Jahre lang ans Bett gefesselt. Nachdem sie das Gelübde abgelegt hatte, in einen Orden einzutreten, wurde sie auf wunderbare Weise plötzlich geheilt. Schon als Kind liebte sie das Gebet, die Stille und die Einsamkeit. Sie tat Bußwerke und züchtigte sich selbst; immer mehr bildeten sich mystische Züge heraus; sie begann Stimmen zu hören und Visionen zu sehen. In einer solchen Privatoffenbarung empfing sie auch die Berufung zum Ordensleben. Gegen den Widerstand der Familie konnte sie 1671 in das Kloster der Salesianerinnen in Paray-le-Monial eintreten.

Margareta Maria Alacoque betend vor dem Herzen Jesu, Altar, um 1935, an einem der Vierungspfeiler im Petersdom in Rom
Margareta Maria Alacoque betend vor dem Herzen Jesu, Altar, um 1935, an einem der Vierungspfeiler im Petersdom in Rom

Margareta Marias mystische Erfahrungen hielten an, kritisch beäugt von den Ordensvorgesetzten und strengen Prüfungen unterworfen. Ihre Verbindung zu Jesus wurde immer intensiver, fast ständig sah sie ihn bei sich, dabei erlebte und erfühlte sie die Leiden des Herzens Jesu. In einer dieser Visionen sah sie 1675 das von Liebe entflammte Herz Jesu brennen; er forderte sie auf, den Mangel an Achtung und die ihm angetane Entheiligung wieder gutzumachen; dabei wurde sie dazu bestimmt, sich für die Verbreitung eines Herz-Jesu-Festes einzusetzen. Sie selbst weihte sich und ihr Leben nun dem Herz-Jesu-Gedenken und der Verbreitung dieser Frömmigkeit. Obwohl man seitens ihrer Mitschwestern und Vorgesetzten ihre mystischen Fähigkeiten kritisch und skeptisch betrachete, hatte Margareta Maria doch auch immer wieder das Glück, Menschen als Seelenführer und Vorgesetzte zu finden, die sie verstanden und die ihr bei der Verbreitung der Herz-Jesu-Frömmigkeit halfen, am wichtigsten der Obere der Jesuiten von Paray-le-Monial, Claude de la Colombière.

Margareta Maria empfahl, in die Liebe des Herzens Jesu einzutauchen und die EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. nicht bloß in der Messe mitzuvollziehen, sondern in das ganze Leben einzubeziehen. Jesus könne die Herzen der Menschen öffnen und ihnen den Geist Gottes zur Evangelisation senden. Die Visionen hielten bis 1689 an; sie empfahlen den Herrschenden die Errichtung der Herrschaft des Herzens Jesu oder die Einfügung des Herzens Jesu in die königliche Standarte.

Altarbild in der Seitenkapelle der Visitantinnenkirche in Fribourg in der Schweiz
Altarbild in der Seitenkapelle der Visitantinnenkirche in Fribourg in der Schweiz

Margareta hinterließ Schriften zur Einkehr, Briefe und ihre Autobiografie, die den Einfluss mittelalterlicher Mystik wie der des Franz von Sales auf sie aufweist.

Erst Jahre nach Margareta Marias Tod wurde in Besançon das erste Herz-Jesu-Fest begangen, 1856 wurde das Fest von Papst Pius IX. für die ganze katholische Kirche eingeführt, es wird am Freitag acht Tage nach Fronleichnam gefeiert. Pius' Nachfolger, Papst Leo XIII., weihte 1899 die ganze Welt dem Göttlichen Herzen Jesu.

Nachdem die Herz-Jesu-Verehrung weithin in Vergessenheit geraten war, wurde sie seit 1971 von dem kanadischen Ordensmann Pierre Gendron neu belebt.

Kanonisation: Am 18. September 1864 wurde Margareta Maria von Papst Pius IX. selig-, am 13. Mai 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen.

Worte der Heiligen

Ratschläge für das rechte Verhalten in den Abgründen des Lebens:
Wenn wir uns in einem Abgrund des Widerstandes und der Gegensätzlichkeit gegen den Willen Gottes befinden, müssen wir uns in jenen der Unterwürfigkeit und der Gleichförmigkeit mit dem heiligen Willen des heiligsten Herzens des Heilandes versenken und da all unseren Widerstand verlieren, um uns mit jener glücklichen Gleichförmigkeit zu bekleiden in allen Verfügungen, die er über uns treffen will.
Wenn Sie sich in dem Abgrund der Trockenheit und der Ohnmacht befinden, versenken Sie sich in das liebenswürdigste Herz Jesu, das ein Abgrund der Macht in Ihnen ist, ohne dessen Süßigkeit kosten zu wollen, es sei denn, es gefiele ihm so.
Wenn Sie in einem Abgrund der Armut sind, entblößt von allem und auch von sich selbst, versenken Sie sich in das heiligste Herz; es wird Sie bereichern und Sie mit Freude umkleiden, wenn Sie es gewähren lassen.
Wenn Sie sich in einem Abgrund der Schwachheit befinden, in den Sie jeden Augenblick fallen, versenken Sie sich in die Kraft des heiligsten Herzens, das Sie stärken und ebenso häufig wieder aufrichten wird.
Wenn Sie in einem Abgrund der Armseligkeiten sind, versenken Sie dieselben in die Erbarmungen dieses anbetungswürdigen Herzens; und verlieren Sie da Ihre Armseligkeiten und betrachten Sie sich als ein Gebilde seiner Erbarmungen.
Wenn Sie sich in einem Abgrund des Hochmutes und der eitlen Selbstschätzung befinden, versenken Sie ihn sogleich in jenen der Demut des heiligsten Herzens, in dem Sie alles verlieren müssen, was sich in Ihnen erhebt, um sich mit seiner heiligen Vernichtung zu umkleiden durch die Liebe zu Ihrer Erniedrigung.
Wenn Sie in einem Abgrund der Unwissenheit sind, versenken Sie sich in das liebenswürdige Herz Jesu, das ein Abgrund der Wissenschaft ist und in dem Sie lernen werden, es zu lieben und zu tun, was es von Ihnen wünscht.
Wenn Sie sich in einem Abgrund der Untreue und der Unbeständigkeit befinden, versenken Sie sich in jenen der Festigkeit und Beständigkeit des heiligsten Herzens Jesu, unseres wahren und treuen Freundes, der uns lehren wird, ihm treu und beständig zu sein, wie er es immer in seiner Liebe zu uns war.
Wenn Sie sich in einem Abgrund der Dürftigkeit befinden, versenken Sie sich in jenen der Fülle aller Art und der Güter des anbetungswürdigen Herzens Jesu; und da verlieren Sie sich wie eine abflusslose Quelle, um darin durch wahre Abtötung eine Quelle des Lebens zu finden, damit Sie nur mehr mit den Augen Jesu schauen, nur mehr mit seinen Ohren hören, nur mehr mit seiner Zunge sprechen und nur mehr durch sein liebenswürdiges Herz lieben.
Wenn Sie sich in einem Abgrund der Undankbarkeit für die großen Güter, die Sie von Gott empfangen haben, befinden, versenken Sie sich in das göttliche Herz, das eine Quelle der Dankbarkeit ist, mit der es Sie erfüllen wird, wenn Sie es bitten, für Sie Ersatz zu leisten, und das selbst uns verschaffen wird, was wir ihm schulden.
Wenn Sie sich in einem Abgrund der Heftigkeit und des Zornes sehen, versenken Sie sich in jenen der Sanftmut des liebenswürdigen Herzens Jesu, damit er Sie sanft und demütig mache, wie es ist.
Wenn Sie sich in einem Abgrund der Zerstreuungen befinden, versenken Sie dieselben in den Abgrund der Ruhe des heiligsten Herzens, das Ihnen unfehlbar den Sieg geben wird, wenn Sie dieselben großmütig bekämpfen.
Wenn Sie sich in einem Abgrund der Finsternis befinden, versenken Sie sich in jenen des Lichtes des göttlichen Herzens; es verlieren sich da Ihre Schatten und es umkleidet Sie mit seinem Licht, von dem Sie sich führen lassen müssen wie eine Blinde, die alles nur mehr in diesem göttlichen Licht sehen will.
Wenn Sie sich in einen Abgrund der Traurigkeit getaucht finden, versenken Sie sich in jenen der göttlichen Freude des heiligsten Herzens und Sie werden einen solchen Schatz derselben finden, der all Ihre Traurigkeit und Betrübnis des Geistes zerstreuen wird.
Wenn Sie sich in Angst und Unruhe befinden, versenken Sie sich in den Frieden dieses anbetungswürdigen Herzens, den Ihnen niemand nehmen kann.
Wenn Sie sich in einem Abgrund der Furcht befinden, versenken Sie sich in jenen des Vertrauens des heiligsten Herzens und lassen Sie da die Furcht vor der Liebe weichen.
Wenn Sie sich im Abgrund des Missvergnügens und der Unzufriedenheit fühlen, versenken Sie sich in das heiligste Herz, um sie darin zu verlieren und nur in ihm allein Freude zu haben.
Wenn Sie sich in einem Abgrund der Bitterkeit und des Leidens befinden, versenken Sie sich in das heiligste Herz Jesu, um sie mit dem seinen zu vereinigen; da werden Sie einen Schatz der Freude finden, der Sie unterwürfig macht gegen alles, was er mit Ihnen tun will, und Sie werden alles schweigend leiden, ohne zu klagen.
Versenken Sie sich oft in die Liebe dieses liebenswürdigen Herzens, damit Sie dem Nächsten nichts tun, was nur irgendwie diese Tugend verletzt, und tun Sie den anderen nichts, was Sie nicht wollten, dass man Ihnen tue.
Sie können sich in dasselbe auch versenken als in einen Abgrund der Reinheit und der Vollendung, um Ihre Absichten zu reinigen und Ihre Wünsche und Bestrebungen zu vollenden, Ihr Leben der Sünde und der Unvollkommenheit abzuschließen und jenes der Gnade, der Liebe und der Vollkommenheit zu finden, zu dem es Sie bestimmt.
O verlieren Sie sich in diesem heiligen Abgrund und verlassen Sie denselben nicht mehr, denn er wird Ihr verhärtetes Herz erweichen und es empfindlich machen für seine Gnaden und seine Liebe.

Quelle: M. Breig: Leben und Werke der heiligen Margareta Maria Alacoque - Unterweisungen. Leutesdorf 1993, S. 148 - 151

Zitate von Margareta Maria Alacoque:

Wir müssen die Echtheit unserer Absichten mehr durch Werke als durch Worte zu erkennen geben.
Jesus Christus kennt keine Kompromisslösungen. Er will alles oder nichts.
Seien Sie arm in allem, und das heiligste Herz wird Sie reich machen! Werden Sie leer von allem, und dieses Herz wird Sie erfüllen!
Machen wir unser Herz leer von allem Irdischen, liebvoll gegen den Nächsten und freigebig gegen die Armen!
Wer reine Liebe sagt, der sagt Ja zum reinen Leiden.
Beunruhigen Sie sich nicht, sondern haben Sie großes Vertrauen auf die barmherzige Güte des Heilands!

Quelle: Hildegard Waach: Margareta Maria Alacoque - Botin des Herzens Jesu. Franz-Sales-Verlag, Eichstätt 1992, S. 147ff

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 02.12.2019

Quellen:

• http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Kasing-Botschafterin-des-Herzens-Jesu;art599,2295101
• Pfarrer Bernhard Hesse aus Türkheim
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 6., Herder, Freiburg im Breisgau 1997

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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