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Ökumenisches Heiligenlexikon

Martin Bucer

eigentlich: Butzer

Gedenktag evangelisch: 28. Februar

Name bedeutet: dem (römischen) Kriegsgott Mars geweiht (latein.)

Ordensmann, Reformator
* 11. November 1491 in Schlettstadt, heute Sélestat im Elsass in Frankreich
† 28. Februar 1551 in Cambridge in England


Aus: Jean-Jacques Boissard / Theodor de Bry: Bibliotheca chalcographica, hoc est Virtute et eruditione clarorum Virorum Imagines, Partes 1-5. Clemens Ammon, Heidelberg, 1669
Aus: Jean-Jacques Boissard / Theodor de Bry: Bibliotheca chalcographica, hoc est Virtute et eruditione clarorum Virorum Imagines, Partes 1-5. Clemens Ammon, Heidelberg, 1669

Martin Bucer war das - wahrscheinlich einzige - Kind des Küblerehepaares Claus und Eva Butzer. Er wurde im Kloster der Dominikaner in seiner Heimatstadt ausgebildet, 1517 kam er zum Studium ins Ordenshaus nach Heidelberg, wo er 1518 Martin Luther begegnete und ein Anhänger seiner Theologie wurde. Anfang 1521 flüchtete er vom Dominikanerorden und fand zunächst Zuflucht auf der Burg des Reichsritters Franz von Sickingen. 1522 - also schon zwei Jahre vor der Skandalhochzeit Luthers mit Katharina von Bora - heiratete er die ehemalige Nonne Elisabeth Silbereisen. Bucer bekleidet dann eine Pfarrstelle in Landstuhl und wirkte reformatorisch im elsässischen Weißenburg / Wissembourg. 1523 wurde er deshalb von der katholischen Kirche exkommuniziert und für vogelfrei erklärt, deshalb suchte er Zuflucht in Straßburg.

Hier war er ab 1524 in einer Vorstadt seelsorgerlich tätig als Pfarrer an der Kirche Sankt Aurelien, der Gemeinde der Gemüsegärtner, ab 1529 war er Pfarrer an der Thomaskirche. Bucer wurde zum Führer der Reformation in Südwestdeutschland, maßgeblich beteiligt an der Reformation in den Reichsstädten Ulm im Jahr 1530, Memmingen und Biberach an der Riß im Jahr 1531 und Augsburg in den Jahren 1534 - 1537 und verfasste verschiedene Kirchenordnungen. 1533 wurde Bucer Präses des Straßburger Kirchenkonvents, 1541 - nachdem seine Frau an der Pest gestorben war - Superintendent der Straßburger Kirche und Mitglied des Thomaskapitels, 1544 Dekan des Thomaskapitels.

Bucer versuchte auch im Streit der Reformatoren um die Frage des Abendmahls zu vermitteln: Huldreich Zwingli vertrat die Auffassung, dass das Abendmahl nur eine Symbolhandlung ist, Luther hielt an einer der katholischen Lehre näherliegenden Auffassung fest, dass nämlich Christus in den Elementen von Brot und Wein real anwesend sei und sich den Gläubigen schenke. Auf vielen Reisen bemühte Bucer sich, die Parteien zu einer einheitlichen Formulierung zu bewegen. Nach gescheiterten Verhandlungen beim Augsburger Reichstag 1530 verfasste er sein eigenes Bekenntnis, die Confessio Tetrapolitana, das Glaubensbekenntnis der vier Städte Straßburg, Memmingen, Lindau und Konstanz. Nach Zwinglis Tod 1531 war Bucer Führer der oberdeutschen und schweizerischen Reformation; schon 1530 hatte er Luther auf der Veste Coburg besucht, um mit ihm eine Vereinigung der lutherischen und der oberdeutschen Reformation zu besprechen. Bucers großer Erfolg war dann die Mitarbeit an der Wittenberger Konkordie von 1536: die oberdeutschen Reformatoren unter Bucer schlossen sich in der Abendmahlsfrage der lutherischen Sicht an, damit führte er den von Zwingli beeinflussten südwestdeutschen Raum wieder an das Luthertum heran. Seine Losung war: Auf dass sie alle eins seien, so kämpfte er für die Einheit der Reformation und gegen die Spaltung in Reformierte und Lutheraner.

moderne Gedenktafel in Wissembourg im Elsass
moderne Gedenktafel in Weißenburg / Wissembourg im Elsass

Über das Elsass und Deutschland hinaus pflegte Bucer Verbindungen nach Italien, Böhmen, Dänemark, Schweden, Polen und bis nach Palästina und förderte die Reformation in Frankreich und England. Bucer war Vermittler zwischen den Konfessionen und Nationen, Vorkämpfer dessen, was wir heute unter Ökumene verstehen. Von herausragender Bedeutung ist Bucers Theologie für das Verhältnis von Kirche und Staat: Er versuchte einerseits, die Freiheit der evangelischen Kirche von der Obrigkeit zu wahren bis hin zu freikirchlichen Ansätzen - darauf beruht auch seine Wirkung auf den Pietismus im 17. und 18. Jahrhundert. Anderseits betonte er nachdrücklich die Bedeutung christlicher Tradition für die Gesamtgesellschaft.

1538 rief Landgraf Philipp von Hessen Bucer nach Hessen, er sollte dort die Täuferbewegung eindämmen, was ihm durch Einführung der Ziegenhainer Zucht- und Ältestenordnung gelang; diese Gemeindeordnung sah u. a. die Einführung der Konfirmation vor. 1542 bemühte er sich auf Bitten von Erzbischof Hermann von Wied um die Reformation des Erzbistums Köln, die aber scheiterte. Nach dem Tod seiner Frau 1541, die ebenso wie vier der fünf Kinder an der Pest starb, heiratete Bucer die Witwe von Wolfgang Capito, die ihm noch einmal zwei Kinder schenkte. 1549 musste er auf Druck des katholischen Kaisers Straßburg verlassen, weil er das Augsburger Interim ablehnte. Er folgte der Einladung von Erzbischof == Thomas Cranmer, ging nach Cambridge, wo er einen Lehrstuhl erhielt, großen Einfluss auf die Theologie der noch jungen Anglikanischen Kirche und die Erstellung des Common Book of Prayer nahm und in seinem Werk De Regno Christi, Von der Regierung Christi, 1551 die Grundlage für das englische Staatskirchentum erarbeitete. Schon kurz darauf starb Bucer und wurde mit allen Ehren beigesetzt.

Luthers Urteil über den um Vermittlung bemühten Bucer war streng: er nannte ihn ein Plappermaul. Während der - vorübergehenden - Rekatholisierung in England unter Königin Maria wurde Bucer 1557 posthum zum Ketzer erklärt, seine Gebeine wurden zusammen mit seinen Schriften in Cambridge öffentlich verbrannt. 1560 wurde er durch Königin Elisabeth rehabilitiert.

Bucer war Herausgeber eines Gesangbuchs, das von Hans Baldung Grien bebildert wurde. Erhalten sind viele seiner Schriften und 2700 Briefe; sein Werk wird seit 1952 wieder herausgegeben.

Die Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG³)

Catholic Encyclopedia

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 23.09.2015
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:

• Daniela Ziegler: Streiter für die Einigkeit der Christen. In: Deutsches Pfarrerblatt 10/2007