Ökumenisches Heiligenlexikon

Simplicius

Gedenktag katholisch: 10. März

Gedenktag orthodox: 10. März

Name bedeutet: der Einfache (latein.)

Papst
* in Tivoli bei Rom in Italien
10. März 483 in Rom


Medaillon, um 1848, in der Kirche San Paolo fuori le Mura in Rom
Medaillon, um 1848, in der Kirche San Paolo fuori le Mura in Rom

Simplicius wurde 468 als Nachfolger von Hilarius zum Papst gewählt. Im Unterschied zum Vorgänger standen für Simplicius - im zerbrechenden Römischen Reich des Westens angesichts der von Norden eingedrungenen Germanen unter Odoaker - wieder die Beziehungen zum Osten im Vordergrund seines Wirkens. Den beim Konzil in Chalkedon festgehaltenen Vorrang des Patriarchen von Konstantinopel bestritt Simplicius gegenüber Achatius von Konstantinopel; dies führte zu heftigen Konflikten und zur ersten Spaltung zwischen West- und Ostkirche, dem Acacianischen Schisma, das erst 519 unter Papst Hormisdas beigelegt wurde.

In der Frage des Streites um den Monophysitismus setzte Simplicius sich auch bei den Kaisern für die Beschlüsse des Konzils von Chalkedon ein, aber es gelang ihm nicht, diese Lehren in Alexandria durchzusetzen; dort gab es zeitweise nebeneinander zwei Patriarchen, gegen den Willen von Simplicius bestätigte Kaiser Zeno 482 den Monophysiten Petrus Mongus. Die Kirche in Spanien band Simplicius enger an Rom, indem er Bischof Zeno von Sevilla zum apostolischen Vikar ernannte.

In Rom gehen mehrere Kirchenbauten auf Simplicius zurück, so die Kirche San Stefano Rotondo - die erste Stephanus geweihte Kirche -, die Basilika Siciniana als Vorgängerbau von San Antonio Abate und Santa Bibiana.

Simplicius starb nach langer Krankheit, er wurde in der Peterskirche in Rom bestattet.


Worte des Heiligen

In einem Brief an Patriarch Achatius von Konstantinopel vom 10. Januar 476 betont Simplicius sehr selbstbewusst die Stellung des römischen Bischofs, zudem äußert er sein großes Misstrauen gegenüber einem möglichen KonzilSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.. Dabei spielt er auf die Konzilien von Nicäa 325, Ephesus 431 und Chalkedon 451 an:
Weil die Lehre Unserer Vorgänger heiligen Angedenkens, gegen die zu diskutieren nicht erlaubt ist, vorliegt und daher keiner, der bei rechtem Verstand zu sein scheint, mit neuen Erklärungen belehrt zu werden braucht, sondern alles klar und vollkommen ist, womit entweder ein von Häretikern Getäuschter unterwiesen oder einer, der im Weinberg des Herrn gepflanzt werden soll, unterrichtet werden kann, so flehe den Glauben des gütigsten Fürsten an und lass ihn den Vorschlag, ein Konzil abzuhalten, verwerfen. …
Ich fordere also dazu auf, liebster Bruder, dass auf alle Weisen den Versuchen verruchter Leute, ein Konzil abzuhalten, Widerstand geleistet werde; ein solches wurde stets nur dann einberufen, wenn in verkehrten Sinnen etwas Neues oder in der Erklärung der Glaubenslehren (etwas) Zweifelhaftes aufgetaucht ist; damit denjenigen, die zum gemeinsamen Nutzen eine etwaige Unklarheit behandeln, (diese) die Autorität priesterlicher Überlegung erhelle, so wie zuerst die Gottlosigkeit des Arius und dann die des Nestorius, zuletzt die des Dioskur und Eutyches zu verfahren zwang. Und es ist einzuschärfen, dass es abscheulich ist - was die Barmherzigkeit Christi, unseres Gottes und Erlösers, verhüte! -, gegen die Entscheidungen der Priester des Herrn aus dem ganzen Erdkreis und der beiden regierenden Fürsten Verurteilte zu rehabilitieren.

Quelle: Heinrich Denzinger: Kompendium der Glaubensbekenntisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, hrsg. von Peter Hübermann, 42. Auflage. Herder, Freiburg i Br. 2009, Nr. 343

Zitate von Papst Simplicius:

Brief an Kaiser Basiliscus (476):
Die Norm der apostolischen Lehre bleibt stets dieselbe bei den Nachfolgern dessen, dem der Herr die Sorge für die ganze Herde anvertraut und dem er versprochen hat, dass er bei ihm sein werde bis ans Ende der Welt, dass ihn die Pforten der Hölle nicht überwältigen werden, und von dessen Urteil er bezeugt hat, dass, was durch dasselbe auf Erden gebunden wird, auch im Himmel nicht gelöst werden könne.

Brief an Kaiser Basiliscus (476):
Man muss dies öfter wiederholen, was von apostolischen Händen unter Zustimmung der gesamten Kirche mit der evangelischen Sichel abgeschnitten zu werden verdiente, kann nicht weder neue Lebenskraft erlangen, noch kann ein fruchtbringender Setzling am Weinstock des Herrn werden, was einmal ganz entschieden für das ewige Feuer bestimmt wurde.

An die Priester und Archimandriten von Konstantinopel (476):
Es schließt sich nicht das Gute an das Schlechteste, das Rechte an das Verkehrte an, noch kann sich das Heilsame mit dem Schädliche verbinden, weil das Licht keine Gemeinschaft mit der Finsternis noch der Ungläubige Anteil hat an dem Gläubigen.

An den Patriarchen Achatius von Konstantinopel:
Indem wir uns auch über den Glauben und die Andacht des christlichen Volkes freuen, bitten und flehen wir unaufhörlich zu Gott um dessen Gedeihen und Vermehrung, auf dass es in der Furcht und Liebe des Herrn verharrend sowohl der Zahl nach vermehrt wie auch durch den göttlichen Beistand geschützt zu werden verdiene. Hierin rühmen wir uns ganz besonders und freuen uns, das Wohlgefallen unseres Gottes zu erwerben, weil das Wachstum der heiligen Herde eine Frucht des Hirteneifers ist.

Quelle: Franz Xaver Reithmayr und Valentin Thalhofer (Hrsg.: Bibliothek der Kirchenväter. Die Briefe der Päpste, Bd. 6. Kösel, Kempten 1879, S. 114, 119, 131

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Briefe von Simplicius und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Die Kirche San Stefano Rotondo in Rom ist täglich von 10 Uhr bis 13 Uhr und von 15.30 Uhr bis 18.30 Uhr geöffnet. (2017)
Der Petersdom - die Basilika Sancti Petri in Vaticano - in Rom ist täglich von 7 Uhr bis 19 Uhr, mittwochs erst ab 13 Uhr geöffnet, der Eintritt ist wie in alle Kirchen Roms frei. Die Vatikanischen Grotten unter der Peterskirche mit dem Petrusgrab sind vom linken vorderen Vierungspfeiler des Petersdoms aus zugänglich und können von 8 Uhr bis 18 Uhr kostenfrei besucht werden. Der Besuch der darunter liegenden Nekropole ist nur nach Anmeldung unter scavi@fsp.va und mit Führung möglich, diese kostet 13 €. Der Besuch des Museums in der Sakristei ist von 8.30 Uhr bis 18.30 Uhr möglich, der Eintritt beträgt 5 €; der Besuch des Daches des Petersdoms, von dem man auch die Kuppel besteigen kann, kostet 6 €, bei der Fahrt mit dem Aufzug 8 €. (2017)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 06.03.2022

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.


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