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Ökumenisches Heiligenlexikon

Adelindis von Buchau

auch: Adallint

Gedenktag katholisch: 28. August

Name bedeutet: die edle Weise (althochdt.)

Äbtissin in Buchau
* um 855
† nach 915 in Buchau, heute Bad Buchau in Baden-Württemberg


Adelindis war die Tochter von Heinrich von Ostfranken; sie war mit dem Grafen des Ertgaus aus dem Geschlecht der Welfen, Atto, vermählt. Zusammen mit ihrem Mann belebte sie das darniederliegende Kloster Buchau und wirkte dort nach dem Tod ihres Mannes, der in einer Schlacht gegen die eingefallenen Ungarn gestorben war, ab etwa 900 als Äbtissin.

Adelindis wird oft mit der um 735 geborenen Adelindis verwechselt, die die Tochter von Herzog Hildebrand aus langobardischem Hochadel war und um 770 zusammen mit ihrem Mann, dem fränkischen Grafen Warin, das Kloster gegründet hatte, für das seit 816 die Benediktinerregel galt.

1929 wurde bei Bauarbeiten die alte Krypta unter der Kirche in Buchau entdeckt, 1930 unter dem Altar ein Sammelgrab; 1939 aufgefundene Dokumente wiesen darauf hin, dass dies das Grab von Adelindis war; die Sargöffnung enthüllte deren Gebeine zusammen mit denen ihrer Brüder * Peringer, Reginolph und Kerhart; sie waren 902 beim Versuch, ihre Schwester aus dem Kloster zu entführen, erschlagen worden. 1941 wurden die Reste von Mutter und Söhnen in der instandgesetzten Krypta neu bestattet.

1209 wurde das Kloster verweltlicht, seine Vorsteherin selbständige Landesherrin und Fürstin, die Kanonissen lebten weiter nach der Benediktinerregel, ab einem ungewissen Zeitpunkt nach der Augustinerregel. Das Kloster wurde 1803 säkularisiert, die Kirche Pfarrkirche, in den Klostergebäuden ist heute eine Kurklinik untergebracht. An der überlieferten Stelle des Todes der drei Brüder von Adelindis wurde die Plankentalkapelle - auch Tränentalkapelle - errichtet, die zuletzt 1886 neu gebaut wurde und 1945 bis 1947 von Paul Hirt mit Bildern der Adelindissage ausgemalt wurde.

Adelindis wird bis heute mit der Adelindisbrotspende an ihrem Gedenktag verehrt zum Gedenken daran, dass sie selbst Brot an Arme verteit hatte. Ob sich dieser Brauch auf die Äbtissin oder auf die Klostergründerin bezieht, ist unklar; Adelindis' Gedenktag ist auch der von Augustinus, er geht also wohl tatsächlich auf die Zeit der Einführung der Augustinerregel zurück; überliefert ist, dass an diesem Tag einst durch die Äbtissin bis zu 4000 Brote an Bedürftige verteilt wurden. Aus der Adelindisquelle sprudelt Thermalwasser, das heute eine moderne Badeanlage speist.

Attribute: Rosenkranz

* Nach anderer Überlieferung waren die drei Adelindis' Söhne, die beim Ungarneinfall starben.



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 09.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München, 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Otto Wimmer, Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen, bearb. u. erg. von Josef Gelmi. Tyrolia, Innsbruck, 1988
• Kirchen und Kapellen in Bad Buchau, 2. Aufl. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2010