Gedenktag katholisch: 24. Juli
Gedenktag orthodox: 24. Juli
Gedenktag armenisch: 24. Juli
liturgische Feier am zweiten Montag nach dem Verklärungssonntag
Name bedeutet: die Christin (griech. - latein.)
Brevier des Martin von Aragon, 15. Jahrhundert, Bibliothèque Nationale de France
in Paris

Von Christina, Tochter heidnischer Eltern aus edlem Geschlecht, wird in der Legende erzählt, dass sie von einer Dienerin zum Christentum bekehrt wurde. Von ihrem Vater wurde sie dann mit zwölf Dienerinnen in einen Turm auf einer Insel im See von Bolsena eingeschlossen, denn Christina sollte den silbernen und goldenen Göttern, die er ihr aufgestellt hatte, geweiht bleiben. Christina aber zerbrach die Götterbilder, warf andere in den See und schenkte das Gold den Armen. Der wütende Vater ließ sie von zwölf Männern schlagen, bis diese schwach wurden, dann ins Gefängnis werfen, wo ihre weinende Mutter sie beschwor, nachzugeben; aber Christina blieb standhaft. Der zum Richter in den Christenverfolgungen jener Zeit bestellte Vater ließ ihr die Glieder zerbrechen und ihre Haut mit Nägeln reißen, worauf sie ihm einen Fetzen ihres Fleisches ins Gesicht warf. Als man sie auf ein Rad band, unter dem ein Feuer angezündet wurde, schlugen die Flammen aus und töteten 1500 Umstehende.
Christina wurde daraufhin der Zauberei angeklagt, wieder ins Gefängnis
geworfen, dann in der Nacht auf einer Basaltplatte in den See hinausgestoßen,
damit sie ertrinke; Engel hielten sie aber über Wasser und Christus
selbst erschien ihr, taufte sie und übergab sie dem Erzengel Michael,
der sie an Land brachte. Wieder als Zauberin angeklagt, sollte sie nun
enthauptet werden, da wurde ihr Vater tot aufgefunden. Sein Nachfolger im
Richteramt setzte die Martern fort: Er ließ in einer eisernen Wiege Öl, Pech und
Harz entzünden, Christina hineinlegen und von vier Männern schaukeln, auf dass
sie um so heftiger brenne
. Sie aber lobte Gott, dass er sie als Neugeborene -
weil neu getaufte Christin - sanft wiegen lasse und entstieg unverletzt.
Der Altar des Blutwunders von Bolsena
, darunter die Basaltplatte, auf der Christina
in den See gestoßen wurde, mit ihren Fußabdrücken, in der ihr
geweihten Basilika in Bolsena 
Christina wurde geschoren und nackt vor eine Apollo-Statue geschleift, diese zerfiel zu Staub, der Richter starb vor Schreck. Sein Nachfolger sperrte sie fünf Tage in einen glühenden Ofen, sie wandelte darin und sang mit den Engeln. Schlangen wurden gebracht - sie leckten ihren Schweiß ab und legten sich kühlend um ihren Hals. Als ein Zauberer nun die Schlangen reizen sollte, stürzen sich diese auf ihn und töten ihn; Christina aber gebot den Schlangen, an einen wüsten Ort zu entweichen und erweckte den toten Zauberer. Schließlich wurden ihr die Brüste abgeschnitten, sie verströmten Milch statt Blut. Als ihr die Zunge abgeschnitten wurde, behielt Christina die Sprache, und sie warf die Zunge dem Richter ins Gesicht, worauf der erblindete. Von den Pfeilen, die er nun auf sie abschoss, trafen sie zwei und töteten sie.
Christina wurde in den Katakomben der Christen von Volsinium außerhalb der Stadt bestattet - an der Stelle, wo heute die ihr geweihte Basilika steht. Archäologische Funde bezeugen dort Christinas Verehrung schon im 4. Jahrhundert, Notizen über eine ihr geweihte Kultstätte stammen aus dem 8. Jahrhundert. Im 11. Jahrhundert wurde über der Katakombe eine Kirche erbaut, 1115 wurde die zuvor zum Bistum Volsinium gehörende Christina-Kirche dem Bischof von Orvieto übertragen.
Offenbar wurde schon früh die Verehrung der Märtyrerin Christina mit der im 5. Jahrhundert bezeugten Legende einer sonst unbekannten orientalischen Märtyrerin verbunden. Die byzantinische Überlieferung brachte Christina seit dem 9. Jahrhundert mit Tyrus dem heutigen Sur - im Libanon in Verbundung.
Christina findet sich schon in den ältesten Martyrologien und den meisten Kalendarien des
Mittelalters. In Mittel- und Norditalien wurde sie seit dem 6. Jahrhundert verehrt,
in Gallien nennt ein Zusatz zum Martyrologium des Hieronymus
sie mit Gedenktag 24. Juli und Hinweis auf Tyrus.
Nördlich der Alpen war die Verehrung zunächst kaum verbreitet. Aldhelm
von Sherborne nennt sie in seinen Laudibus virginitatis
, Lobreden auf die
Jungfräulichkeit
. Ado von Vienne war
um 850 der erste, der sie mit der Ortsangabe am See von Volsinium
in Italien
verband, was die Lokalisierung von Tyrus an diesem See zur Folge hatte.
Seit etwa 900 ist der Vorname v. a. in Sachsen und im Rheinland, seit dem 11. Jahrhundert in
Skandinavien sehr bekannt; der Name wurde wohl seines Sinngehaltes wegen gewählt
und erst Ende des Mittelalters auf die Heilige bezogen, deren Verehrung nun durch die
Namensträgerinnen gefördert wurde. Im 10. Jahrhundert erschien Christina in
Heiligenlitaneien, ab dem 11. Jahrhundert wurden ihr Messen gefeiert.
Altar mit einer Nachbildung des blutbefleckten Corporale des Blutwunders von Bolsena
, im
Dom in Orvieto

Die Basilika in Bolsena bewahrt
in einem Sarkophag die Gebeine Christinas und die Basaltplatte mit ihren
Fußabdrücken, mit der sie auf den See hinausgestoßen worden sei. In dieser Kirche ereignete sich das Blutwunder
von Bolsena
, das zur Einführung des Festes Fronleichnam
Anlass gab.
1263 feierte der böhmische Priester Peter von Prag auf seiner Pilgerfahrt nach Rom in der nach Christina benannten Kirche in Bolsena eine Messe. Er hatte Mühe mit dem Glauben an die Transsubstantiation der Elemente bei der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23., aber er wurde nun überzeugt, als bei dieser Messe einige Tropfen Blut von der Hostie auf das Corporale - also das Tuch, worauf Hostienteller und Kelch stehen - oder nach anderer Überlieferung auf die Messgewänder und den Marmorfußboden der Kirche fielen.
Zum Andenken daran erhob Papst Urban IV. schon ein Jahr danach das 1246 in
Belgien enstandene Fronleichnamfest
zum allgemeinen Kirchenfest und veranlasste den Bau des prachtvollen Domes
von Orvieto. Im Dom von Orvieto wird das Corporale in der danach benannten Capella del
Corporale
gezeigt. Noch heute findet am 18. Juni, dem Tag des Wunders, in
Bolsena
ein großartiges Blumenfest zum Thema der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.
in den Straßen des Städtchens statt.
Ugolino di Vieri: Reliquiar für das Corporale, 1338, in der Kapelle des Corporale im
Dom in Orvieto

Der Ort Sankt Christina in Gröden / Santa Cristina in den Südtiroler Dolomiten ist nach Christina benannt. Sie wird auch in nach ihr benannten Kirchen in Ravensburg und Herzebrock bei Gütersloh sowie in Lloret de Mar bei Barcelona in Spanien verehrt.
Attribute:
Feuerofen, Mühlstein, Pfeile, Rost, Schlangen
Patronin
von Bolsena,
Palermo
und Torcello
bei Venedig; der Müller, Bogenschützen und Seeleute
Bilder zum Blutwunder
von Bolsena
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Die
Basilika der Christina und das Eucharistische Heiligtum in
Bolsena sind täglich
von 7.30 bis 12:30 und von 15:30 bis 19:30 Uhr geöffnet (zwischen Oktober und Ostern nachmittags 15:00 bis 17:30
Uhr, der Eintritt ist frei. (2012)
Der
Dom in Orvieto ist werktags ab
7.30 Uhr, sonntags ab 13 Uhr zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt ist frei, für die Kapelle des Brictius
beträgt er 3 €, in Kombination mit den Museen 5 €. (2012)
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