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Ökumenisches Heiligenlexikon

Christina von Bolsena

orthodox: Christina von Tyrus

Gedenktag katholisch: 24. Juli
Gedenktag IV. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die IV. Klasse einem nichtgebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Feste der IV. Klasse können außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) statt der Tagesliturgie gefeiert werden, müssen aber nicht gefeiert werden, sondern können stattdessen auch nur kommemoriert werden (dann wird das zweite oder dritte Gebet von dem Gedenktag IV. Klasse genommen, während die übrigen Texte vom Tag sind).

gebotener Gedenktag im mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Ritus: 26. Juli

Gedenktag orthodox: 24. Juli

Gedenktag armenisch: 24. Juli
liturgische Feier am zweiten Montag nach dem Verklärungssonntag

Name bedeutet: die Christin (griech. - latein.)

Märtyrerin
* in Volsinii, heute Ruinen bei Bolsena in Italien
† um 287/307 daselbst oder: in Tyrus, heute Sur im Libanon


Brevier des Martin von Aragon, Ende des 14. Jahrhundert, Bibliothèque Nationale de France in Paris

Brevier des Martin von Aragon, 15. Jahrhundert, Bibliothèque Nationale de France in Paris

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Von Christina, Tochter heidnischer Eltern aus edlem Geschlecht, wird in der Legende erzählt, dass sie von einer Dienerin zum Christentum bekehrt wurde. Von ihrem Vater wurde sie dann mit zwölf Dienerinnen in einen Turm auf einer Insel im See von Bolsena eingeschlossen, denn Christina sollte den silbernen und goldenen Göttern, die er ihr aufgestellt hatte, geweiht bleiben. Christina aber zerbrach die Götterbilder, warf andere in den See und schenkte das Gold den Armen. Der wütende Vater ließ sie von zwölf Männern schlagen, bis diese schwach wurden, dann ins Gefängnis werfen, wo ihre weinende Mutter sie beschwor, nachzugeben; aber Christina blieb standhaft. Der zum Richter in den Christenverfolgungen jener Zeit bestellte Vater ließ ihr die Glieder zerbrechen und ihre Haut mit Nägeln reißen, worauf sie ihm einen Fetzen ihres Fleisches ins Gesicht warf. Als man sie auf ein Rad band, unter dem ein Feuer angezündet wurde, schlugen die Flammen aus und töteten 1500 Umstehende.

Christina wurde daraufhin der Zauberei angeklagt, wieder ins Gefängnis geworfen, dann in der Nacht auf einer Basaltplatte in den See hinausgestoßen, damit sie ertrinke; Engel hielten sie aber über Wasser und Christus selbst erschien ihr, taufte sie und übergab sie dem Erzengel Michael, der sie an Land brachte. Wieder als Zauberin angeklagt, sollte sie nun enthauptet werden, da wurde ihr Vater tot aufgefunden. Sein Nachfolger im Richteramt setzte die Martern fort: Er ließ in einer eisernen Wiege Öl, Pech und Harz entzünden, Christina hineinlegen und von vier Männern schaukeln, auf dass sie um so heftiger brenne. Sie aber lobte Gott, dass er sie als Neugeborene - weil neu getaufte Christin - sanft wiegen lasse und entstieg unverletzt.

Christina wurde geschoren und nackt vor eine Apollo-Statue geschleift, diese zerfiel zu Staub, der Richter starb vor Schreck. Sein Nachfolger sperrte sie fünf Tage in einen glühenden Ofen, sie wandelte darin und sang mit den Engeln. Schlangen wurden gebracht - sie leckten ihren Schweiß ab und legten sich kühlend um ihren Hals. Als ein Zauberer nun die Schlangen reizen sollte, stürzen sich diese auf ihn und töten ihn; Christina aber gebot den Schlangen, an einen wüsten Ort zu entweichen und erweckte den toten Zauberer. Schließlich wurden ihr die Brüste abgeschnitten, sie verströmten Milch statt Blut. Als ihr die Zunge abgeschnitten wurde, behielt Christina die Sprache, und sie warf die Zunge dem Richter ins Gesicht, worauf der erblindete. Von den Pfeilen, die er nun auf sie abschoss, trafen sie zwei und töteten sie.

Christina wurde in den Katakomben der Christen von Volsinium außerhalb der Stadt bestattet - an der Stelle, wo heute die ihr geweihte Basilika steht. Archäologische Funde bezeugen dort Christinas Verehrung schon im 4. Jahrhundert, Notizen über eine ihr geweihte Kultstätte stammen aus dem 8. Jahrhundert. Im 11. Jahrhundert wurde über der Katakombe eine Kirche erbaut, 1115 wurde die zuvor zum Bistum Volsinium gehörende Christina-Kirche dem Bischof von Orvieto übertragen.

amerikanische  Ikone

amerikanische Ikone

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Offenbar wurde schon früh die Verehrung der Märtyrerin Christina mit der im 5. Jahrhundert bezeugten Legende einer sonst unbekannten orientalischen Märtyrerin verbunden. Die byzantinische Überlieferung brachte Christina seit dem 9. Jahrhundert mit Tyrus dem heutigen Sur - im Libanon in Verbundung.

Christina findet sich schon in den ältesten Martyrologien und den meisten Kalendarien des Mittelalters. In Mittel- und Norditalien wurde sie seit dem 6. Jahrhundert verehrt, in Gallien nennt ein Zusatz zum Martyrologium des Hieronymus sie mit Gedenktag 24. Juli und Hinweis auf Tyrus. Auch die Orthodoxen Kirchen feiern sie als Christina von Tyrus. Nördlich der Alpen war die Verehrung zunächst kaum verbreitet. Aldhelm von Sherborne nennt sie in seinen Laudibus virginitatis, Lobreden auf die Jungfräulichkeit. Ado von Vienne war um 850 der erste, der sie mit der Ortsangabe am See von Volsinium in Italien verband, was die Lokalisierung von Tyrus an diesem See zur Folge hatte. Seit etwa 900 ist der Vorname v. a. in Sachsen und im Rheinland, seit dem 11. Jahrhundert in Skandinavien sehr bekannt; der Name wurde wohl seines Sinngehaltes wegen gewählt und erst Ende des Mittelalters auf die Heilige bezogen, deren Verehrung nun durch die Namensträgerinnen gefördert wurde. Im 10. Jahrhundert erschien Christina in Heiligenlitaneien, ab dem 11. Jahrhundert wurden ihr Messen gefeiert.

Altar mit einer Nachbildung des blutbefleckten Corporale des 'Blutwunders von Bolsena', im Dom in Orvieto

Altar mit einer Nachbildung des blutbefleckten Corporale des Blutwunders von Bolsena, im Dom in Orvieto

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Die Basilika in Bolsena bewahrt in einem Sarkophag die Gebeine Christinas und die Basaltplatte mit ihren Fußabdrücken, mit der sie auf den See hinausgestoßen worden sei. In dieser Kirche ereignete sich das Blutwunder von Bolsena, das zur Einführung des Festes Fronleichnam Anlass gab:

1263 feierte der böhmische Priester Peter von Prag auf seiner Pilgerfahrt nach Rom in der nach Christina benannten Kirche in Bolsena eine Messe. Er hatte Mühe mit dem Glauben an die Transsubstantiation der Elemente bei der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23., aber er wurde nun überzeugt, als bei dieser Messe einige Tropfen Blut von der Hostie auf das Corporale - also das Tuch, worauf Hostienteller und Kelch stehen - oder nach anderer Überlieferung auf die Messgewänder und den Marmorfußboden der Kirche fielen.

Zum Andenken daran erhob Papst Urban IV. schon ein Jahr danach das 1246 in Belgien enstandene Fronleichnamfest zum allgemeinen Kirchenfest und veranlasste den Bau des prachtvollen Domes von Orvieto. Im Dom von Orvieto wird das Corporale in der danach benannten Capella del Corporale gezeigt. Noch heute findet am 18. Juni, dem Tag des Wunders, in Bolsena ein großartiges Blumenfest zum Thema der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. in den Straßen des Städtchens statt.

Der Ort Sankt Christina in Gröden/Santa Cristina in den Südtiroler Dolomiten ist nach Christina benannt. Sie wird auch in nach ihr benannten Kirchen in Ravensburg und Herzebrock bei Gütersloh sowie in Lloret de Mar bei Barcelona in Spanien verehrt.

Attribute: Feuerofen, Mühlstein, Pfeile, Rost, Schlangen
Patronin von Bolsena, Palermo und Torcello bei Venedig; der Müller, Bogenschützen und Seeleute

Basilika aus dem 11. Jahrhundert mit Renaissancefassade von 1490 (Mitte) und Santuario Santa Cristina (links) in Bolsena Bilder zu Christina





Maurizio Ravelli: Reliquiar für einen Blutstropfen auf dem Marmorboden, 1940, im Santuario Santa Cristina in Bolsena Bilder zum Blutwunder von Bolsena


Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Die Basilika der Christina und das Eucharistische Heiligtum in Bolsena sind täglich von 7.30 bis 12:30 und von 15:30 bis 19:30 Uhr geöffnet (zwischen Oktober und Ostern nachmittags 15:00 bis 17:30 Uhr, der Eintritt ist frei. (2012)

Der Dom in Orvieto ist werktags ab 7.30 Uhr, sonntags ab 13 Uhr zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt ist frei, für die Kapelle des Brictius beträgt er 3 €, in Kombination mit den Museen 5 €. (2012)




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
• Peter Reckordt, E-Mail vom 1. 11. 2004
• http://www.rositour.it/Italia/Umbria/Orvieto/Orvieto.htm
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994