Benedikt von Aniane
Geburtsname: Witiza
latinisiert: Euticius
Gedenktag katholisch: 12. Februar
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Aachen und im Benediktiner-, Trappisten- und
Zisterzienserorden: 11. Februar
Übertragung der Gebeine: 1. März
Name bedeutet: der Gesegnete (latein.)
Witiza war der Sohn des westgotischen Grafen Aigulf von Maguelone - dem heutigen Villeneuve-lès-Maguelone im Languedoc, der 773 im Auftrag von Karl Martell die Gegend erobert und dabei den Bischofssitz in Maguelone eingenommen und zu seiner Residenz gemacht hatte. Witiza diente als Ritter Frankenkönig Pippin dem Kleinen und Karl dem Großen. Bei dessen erstem Feldzug gegen die Langobarden wollte er nahe Pavia seinen Bruder vor dem Ertrinken retten, was misslang, aber er wäre dabei fast selbst auch gestorben. Daraufhin beschloss er, Mönch zu werden. 773/774 trat er während einer Reise gegen den Willen der Familie in Saint-Seine bei Dijon in ein Kloster ein.
Bald schon zog Witiza sich mit einigen Anhängern auf sein Erbgut Aniane bei Montpellier zurück und lebte dort mit ihnen nach den strengen Regeln von Basilius. Als seine Gefährten ihm Widerstand leisteten und ihn verließen, gründete er mit einigen anderen Gefährten 782 auf diesem elterlichen Gut Aniane ein eigenes Kloster nach der Regel der Benediktiner, die er zuvor als nur für Anfänger und Schwächlinge geeignet hielt. Er nahm den Ordensnamen Benedikt an und entwickelte nicht zuletzt dank der Unterstützung von Arnold von Arnoldsweiler, des Regenten für König Ludwig den Frommen, ein Vorzeigekloster, von dem aus bald schon die vom König unterstützte Reform aller Klöster im Frankenreich ausging, die seither nach einer Mischform von Regeln geordnet waren.
Das Kloster in Aniane hatte als eines der
größten im Frankenreich bald schon 300 Mönche und eine beispielhafte Ausstrahlung, es wurde 792 mit einem Prachtbau
erweitert. König Ludwig der Fromme machte Benedikt ob seiner Erfolge im selben Jahr zum Oberaufseher aller Klöster in
Aquitanien, schließlich zum Generalabt
des ganzen
Frankenreiches. In dieser Funktion konnte er nachhaltig das klösterliche Leben vieler Gemeinschaften - v. a. in Südfrankreich
- erneuern.
Hugo gründete selbst mehrere Klöster, so das damalige Kloster in Saint-Savin-sur-Gartempe, das er einige Zeit als Abt leitete; andere Klöster entwickelten sich nach dem Vorbild von Aniane. Damit konnte Benedikt der Benediktinerregel zum Durchbruch verhelfen. 804 erfolgte die Gründung des von Wilhelm von Aquitanien gestifteten Klosters Saint-Guilhem-le-Désert, das mit Mönchen aus Aniane besiedelt wurde. Ludwig der Fromme, inzwischen Kaiser, räumte dem Kloster Aniane 814 umfangreiche Rechte ein, darunter das der freien Abtswahl und Benedikt wurde Generaloberer aller Klöster nördlich der Alpen. Im selben Jahr wurde Benedikt von ihm zum Abt des Klosters Maursmünster - des heutigen Marmoutier - im Elsass und zum ersten Abt im von Ludwig gestifteten Kloster Inda im späteren Kornelimünster - dem heutigen Stadtteil von Aachen - ernannt.
Im Kloster Inda konnte Benedikt seine
Leitungsaufgabe effizient und dem Kaiser nahe wahrnehmen. Hier wurden Mönche für die Klöster im Frankenreich ausgebildet,
das Scriptorium entfaltete große Wirkung. Auf der SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
in Aachen 816 wurde eine Regel beschlossen, die
das Leben der Kanoniker neu ordnete und ihr Leben dem der Mönche annäherte.
817 wurde vom Kaiser eine Generalversammlung aller Äbte nach Aachen einberufen und eine für alle Klöster gemeinsame Ordnung
festgelegt: das Capitulare monasticum
, eine veränderte Benediktinerregel; damit wurde die vom Kaiser beabsichtigte
Einheit von kirchlichem und politischem Wirken durchgesetzt. In diesem Jahr nahm auch das
Kloster Saint-Chaffre im heutigen Le
Monastier-sur-Gazeille bei Le-Puy-en-Velay in Frankreich die neue Regel an. Ergebnis der Arbeit von Benedikt war, dass bis ins
Hochmittelalter hinein die Klöster allgemein nach der benediktinischen Regel geordnet waren.
Nach dem Tode Benedikts richtete Kaiser Ludwig an die Mönche des Klosters Inda und den von ihnen gewählten Abt Tructesindus einen Brief, in dem er das monastische Ideal darlegte, und bestätigte die Privilegien der Abtei. Im 11. Jahrhundert lebte das Kloster Aniane in Rivalität mit dem in Saint-Guilhem-le-Désert, im 14. und 15. Jahrhundert setzte ein spiritueller und wirtschaftlicher Niedergang ein, 1561 bis 1563 wurde es in den Hugenottenkriegen weitgehend zerstört. Ab 1630 wurde das Kloster von Mönchen aus Saint-Maur-des-Fossés übernommen und wieder aufgebaut. In der Französischen Revolution wurde das Kloster verkauft und zur Baumwollspinnerei, 1845 wurde es Gefängnis; ab 1945 wurde es Jugendgefängnis mit Einrichtungen zur Ausbildung, wodurch die Räumlichkeiten wieder hergerichtet wurden. Nach dessen Schließung 1998 war es wieder dem Verfall preisgegeben, bis es 2010 die Gemeinden der Region erwarben, um es seit 2011 als Anziehungspunkt für Touristen zu restaurieren.
Der gräfliche Nachfahre von Benedikts Familie anerkannte 1085 die Herrschaft über Maguelone gegenüber Papst Gregor VII., woraufhin Papst Urban II. 1096 die Kirche von Maguelone als erste nach der in Rom anerkannte. 1536 wurde der Bischofssitz von hier in die neu erbaute Kathedrale nach Montpellier verlegt. 1632 wurde die Kirche in den Hugenottenkriegen zerstört, 1791 in der Französischen Revolution verkauft, Mitte des 19. Jahrhunderts vom Staat wieder erworben, 1885 wieder geweiht und 1949 der Diözese zurückgegeben; seit 1969 wird sie mit Unterstützung von Region und Spendern durch einen Verein restauriert und betrieben.
Das Kloster in Saint-Savin-sur-Gartempe war Anfang des 9. Jahrhunderts durch Benedikt von Aniane im Auftrag von Karl „dem Großen” gegründet worden. Es blieb viele Jahre lang eine der einflussreichsten Abteien Frankreichs, litt dann aber im Hundertjährigen Krieg und wieder während der Religionskriege. In der Französischen Revolution wurde es aufgehoben, die Kirche wurde 1792 Pfarrkirche. Ab 1836 gab es erste Restaurierungen in der Kirche mit ihren nahezu einzigartigen Fresken - den ältesten in Frankreich. 1983 wurde sie von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Worte des Heiligen
Benedikt von Aniane grüßt seinen Sohn Guarnarius.
[…] Erwarte den Herrn an deiner Seite und er wird deinen Fuß bewachen,
damit du nicht auf falschem Wege gehst. Der Weg ist nämlich nicht Sache des Menschen und auch nicht des Mannes, sondern
vom Herrn werden die Schritte des Menschen gelenkt und er will dessen Weg. Füge dich also dem Willen Gottes, der deinen Weg
will, indem du seinem Weg folgst, auf dass nicht dein Wille geschehe, sondern du gemäß den Umständen der Zeit erwartest,
dass sein unwandelbarer Wille geschehe. Im Übrigen wer kann schon Seinem Willen widerstehen, wenn er unwandelbar ist? Diese
Unwandelbarkeit wirst du - um die Worte des höchst beredten Augustinus zu
gebrauchen – magst du auch wandelbar sein insoweit sehen, als du in ihr nicht Wandelbares zu schauen vermagst, weder an
Orten und Zeiten wie die Körper, noch nur zu Zeiten und gleichsam an Orten wie die Gedanken unseres Geistes und auch nicht
nur zu [bestimmten] Zeiten ohne jedes Bild von Orten, wie manche Vernunftschlüsse unseres Geistes. Überhaupt ist es das
Wesen Gottes, welches nichts Wandelbares hat weder in Bezug auf die Ewigkeit noch auf die Wahrheit noch auf den Willen.
Denn dort ist die Wahrheit, die ewige Liebe. Und dort ist die wahre Liebe, die wahre Ewigkeit. Und dort ist die wahre
Ewigkeit, die wahre Liebe.
Und wenn du dich mit dem Auge des Herzens betrachtest und irdische Angst hinter dir lässt, wirst du, erfahren in dem
feststehenden unverkrampften göttlichen Willen, mit unaussprechlichen sowohl zeitlichen wie ewigen Geschenken erfreut
werden. Sobald du hierauf einen Bund mit dem Glauben eingehst und du eine [feste] Gestalt des Glaubens verlangst […?],
von der du dich ergreifen lässt; und wenn alle Missgestalt des Irrtums beseitigt ist und du zusammen mit uns deinen
inneren Geist erneuerst [?], dann mag unser äußerer Mensch vernichtet werden, der innere Mensch aber wird erneuert. Das
bekräftigte der selige Apostel Paulus mit der Aussage: Lasst euch im inneren
Geist erneuern und zieht des neuen Menschen an, der gemäß Gott geschaffen ist. Ein andermal drückt er das noch deutlicher
aus: Zieht den alten Menschen mit seinen Handlungen aus, zieht den neuen Menschen an, der erneuert wird in der Erkenntnis
Gottes nach dem Bild dessen, der ihn geschaffen hat. Nachdem also das alte Menschlein der Begierde verworfen wurde, sollst
du mit entsprechendem Hilfsmittel versehen dich bemühen, in der Neuheit des Lebens zu wandeln, dazu fordere ich dich, mein
Sohn, dringend auf. Und da der Apostel sagt, dass, wer sich Gott nähern will, glauben muss, und sich nähern hören heißt,
weil der Glaube aus dem Hören kommt, das Hören aber durch das Wort Christi, nach Übereinkunft, was diese Neuheit bedeutet,
derjenige Glauben hat, der in Liebe handelt, so handle nunmehr nun - kurz zusammengefasst -, dass du zur Schau dieses
Austausches [von Glauben und Lieben] übergehst! Denn nicht allein im Wirken der Tugenden oder in der bloßen Beobachtung
der Gebote, sondern, wie auch der selige Papst Leo versicherte, im Pfad
des Glaubens besteht der enge und steile Weg, der zum Leben führt und es bedarf großer Anstrengung und einer beträchtlichen
Unterscheidungsgabe, um bei den zweifelhaften Meinungen und wahrscheinlichen Irrtümern der Unerfahrenen auf dem einen
gesunden Pfad der Lehre unangefochtenen Schrittes zu wandeln und, während von allen Seiten her die Schlingen der Irrtümer
ausgespannt sind, jedem gefährlichen Irrtum zu entgehen.
Quelle: Opus 3. In: Patrologia Latina 103, Sp. 1412f; eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn
Am Historischen Seminar der
Universität Tübingen wurde die von dem Mönch
Ardo in Benedikts Kloster Aniane verfasste Lebensgeschichte des
Benedikt von Aniane
übersetzt und, ergänzt mit weiteren Informationen, online zugänglich gemacht.
Schriften von Benedikt und Ardos Lebensgeschichte auf Lateinisch gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.
Die
ehemalige Kathedrale Maguelone kann täglich von
9 bis 18 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei, die Zufahrt zum Parkplatz führt nur über einen davor liegenden
Parkplatz für Badegäste und kostet deshalb 4 €. (2014)
Das Kloster in Aniane wird restauriert
und kann noch nicht besichtigt werden, auch die Kirche ist nur zu Gottesdiensten geöffnet.
Die Kirche des ehemaligen Klosters in
Saint-Savin-sur-Gartempe ist täglich von 10 Uhr bis 12 Uhr und von 14 Uhr bis 17 Uhr - von April bis Oktober von 10 Uhr bis
18 Uhr - geöffnet; die in den Räumen der Abtei untergebrachte Ausstellung kann gegen eine Eintrittsgebühr von 10 € besucht
werden. (2025)
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Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 18.09.2026
Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• https://www.katolsk.no/biografi/benanian.htm - abgerufen am 20.07.2023
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart /
Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl.,
Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• Friedrich Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I,
Hamm 1990
• Infotafel in der Klosterkirche Maguelone
• Richard Mayer (Hg.): Die Heiligen in Deutschland. Verlag Neue Stadt, München 1987
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_de_Saint-Savin-sur-Gartempe - abgerufen am 28.05.2025
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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