Ökumenisches Heiligenlexikon

Cäsar Baronius

italienischer Name: Cesare Baronio

Gedenktag katholisch: 30. Juni

Name bedeutet: aus dem Geschlecht der Cäsarianer (latein.)

Kardinal, Kirchengeschichts-Wissenschaftler
* 30. August 1538 in Sora bei Neapel in Italien
30. Juni 1607 in Rom


Cäsar Baronius war einer der ersten Schüler von Philipp Neri und Mitglied in dessen 1552 eröffneten Wohngemeinschaft des Dritten Weges, deren Vorsitzender er 1593 wurde. 1586 erschien das von ihm erarbeitete neue Martyrologium Romanum. 1588 begann er nach langen Vorarbeiten, sein monumentales Werk Annales ecclesiastici a Christo nato ad annum 1198, Kirchliches Geschichtsbuch von Christi Geburt bis zum Jahr 1198 zu veröffentlichen, schon 1593 erschien der zwölfte Band. Bis heute ist sein Werk durch die Fülle der in ihm enthaltenen Dokumente beachtenswert, Baronius wurde ob seiner Leistung zum päpstlichen Beichtvater und apostolischen Protonotar und 1596 zum Kardinal mit der Titelkirche Santi Nereo e Achilleo und zum Bibliothekar der römischen Kirche ernannt. 1605 wurde er zum neuen Papst gewählt, aber er weigerte sich standhaft, die Wahl anzunehmen, denn er sei des Amtes unwürdig; so wurde Leo XI. Papst.

Cäsar Baronius' Grab ist in der Kirche Santa Maria in Vallicella - allgemein Chiesa Nuova genannt - in Rom.

Eine Fortsetzung von Baronius' Annalen verfasste für die Zeit bis 1565 Odoricus Raynaldus aus Philipp Neris Oratorium in den Jahren bis 1676. Die Ergänzung für die Jahre 1572 bis 1585 verfasste in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Augustin Theiner, der dann die Annalen vollständig überarbeitet in 37 Bänden herausgab.

Kanonisation: 2008 wurde im Auftrag von Papst Benedikt XVI. der Seligsprechungsprozess für Cesare Baronio wieder aufgenommen.

Worte von Cäsar Baronius

Christus als die Sonne der Gerechtigkeit:
Als der Schöpfer und Lenker aller Dinge den Himmel und die Erde geschaffen hatte und beiden keine Anmut und Schönheit innewohnen konnte ohne das Licht und alles von Dunkelheit bedeckt und auch die Erde wüst und leer war: da beschloss er, wie es recht war, zuallererst von allem für die ersten Dinge das Licht zu erschaffen, durch dessen Glanz sowohl das Geschaffene wie das noch zu Schaffende, wie mit dem Gewand von Helligkeit und Glanz bekleidet, in ihrem natürlichen Schein erstrahlen sollte.
Nachdem dies bei der Errichtung des Erdkreises geschah, wurde dies zu entsprechender Zeit bei der Wiedererrichtung noch glückbringender erfüllt. Als nämlich durch die Schuld der Sünde über das ganze Menschengeschlecht die Finsternis immerwährender Nacht ausgegossen und alles von allen Seiten her durch dichte Finsternis verdunkelt war und das Antlitz aller Dinge von Schmutz starrte, da sorgte Gott in seiner unermesslichen Güte dafür, dass er über allem ein neues Licht erstrahlen ließ, dadurch dass er seinen aus ihm selbst gezeugten Sohn, gleichen Wesens wie er selbst, sandte, den Glanz des ewigen Lichts, das Licht vom Licht, die Sonne der Gerechtigkeit und so einen neuen Tag anbrechen ließ, nämlich jenen, von dem einst prophetisch gesagt wurde: Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Lasst uns nun, nachdem schon von der Morgendämmerung die Rede war, das, was noch aussteht, die aufgehende Sonne selbst anschauen und den, der in rechter Weise von einer leichten Wolke verdeckt ist, damit er nicht das Augenlicht blende und er seine Aufgabe erfüllen könne, die er übernommen hat. Wohlan, lasst uns das Wort selbst, der durch das Fleisch verhüllt ist, den Mensch gewordenen Gott und den Sohn der heiligsten Jungfrau, betrachten und über ihn berichten, was vor allem der Evangelist uns gesagt hat.


Vom antiken Kult der heiligen Märtyrer:
Wie einst in Rom Schreibern die Aufgabe übertragen wurde, Berichte über die heiligen Martyrer zu verfassen, so scheint dies auch in anderen Kirchen, auch jenseits des [Mittel-] Meeres einem Vertreter des Klerus aufgetragen worden zu sein, der den Geburtstag eines jeden Märtyrers (so nannte man nämlich gewöhnlich den Übergang aus diesem Leben in den Himmel) aufzeichnen sollte, damit in jedem Jahr am selben Tag Gott zum Gedächtnis desselben Märtyrers das Opfer dargebracht würde. …
Was das Opfer für sie darzubringen besagt, so soll niemand annehmen, dies geschehe gewöhnlich zur Entsühnung ihrer Sünden; denn alles wird im Blut gereinigt und zudem hat keiner eine größere Liebe, wie der Herr selbst bezeugt (Johannesevangelium 15, 13), als wenn er sein Leben für seine Freunde hingibt. Wenn nämlich der weinenden Sünderin viele Sünden vergeben wurden, weil sie viel liebte (Lukasevangelium 7, 37 - 50), wer wagte da noch zu behaupten, dass nach dem Vergießen des Blutes bei der Vollendung des Martyriums noch zu sühnender Schmutz übrig sei? Vielmehr muss das Opfer für sie darbringen so verstanden werden, als wenn man sagte, man vollziehe dies zu ihrem Gedächtnis. … Daher findet sich bei Augustinus (Tractus in Joannem 84, Nr. 1) folgende Aussage: Darum erwähnen wir sie am Altartisch nicht so, wie andere, die im Frieden ruhen, um auch für sie zu beten, sondern eher, dass sie für uns beten, dass wir ihren Spuren folgen. …
Doch das verehrungswürdige Altertum und die von den Aposteln ausgehende und immer bewahrte und fortgeführte Tradition war nicht nur bestrebt, das Jahresgedächtnis der heiligen Märtyrer feierlich zu begehen, sondern auch zu ihren Ehren allenthalben Gedenkstätten (Memoriae) zu errichten; denn mit diesem Namen wurden von unseren Vorfahren Kirchen bezeichnet, die zu Ehren der heiligen Märtyrer Gott geweiht wurden, wie der heilige Augustinus bezeugt (De civitate Dei 22, 10). Dieser lobwürdige Brauch scheint angeblich in den apostolischen Zeiten seinen Anfang genommen zu haben, bei der Gelegenheit nämlich, da die verehrungswürdigen Leiber der Märtyrer unter dem Altar bestattet zu werden pflegten gemäß der Johannesapokalypse (6, 9), wie es zumal alle älteren Ausleger erklären: Ich sah unter dem Altar die Seelen derer, die wegen des Wortes Gottes und wegen des Zeugnisses, das sie gaben, getötet wurden. Da nun die Altäre selbst Grabmäler der Märtyrer zu sein schienen und sie infolgedessen für besonders ausgezeichnet gehalten wurden, hießen die Kirchen, die aus diesem Grund über ihnen erbaut wurden, Memorien der Märtyrer.

Quelle: Tractatio de Martyrologio Romano Caesaris Baronii, Kapitel X, S. 27; Kapitel IV, S. 9 - 12; eigene Übersetzung

Zitat von Cäsar Baronius:

Wenn jemand nach dem Ursprung all dieser Martyrologien, die von uns betrachtet wurden, fragt und sie auf ihren Anfang zurückführen will, so wird er erkennen, dass alles aus dem römischen Martyrologium, gleichwie die Zweige aus dem Stamm, hervorgegangen ist. Sollten sie (wie es bei den Flüssen geschieht, mögen sie aus ihrer Quelle in bescheidener Wassermenge hervorströmen, mögen sie auch anschwellen durch das Hinzukommen größerer Flüsse, so verlieren sie doch nicht nur nicht ihren Namen, den sie von der Quelle empfangen hatten, sondern teilen ihn den übrigen Flüssen mit) so nach ihrem Anfang benannt werden, so müssten all vorgenannten Martyrologien nicht mit dem Namen des Hieronymus, nicht des Beda oder des Florus, nicht des Usuardus, des Ado oder anderer, sondern eher mit dem des römischen Martyrologiums bezeichnet werden, auch wenn sie von diesem oder jenem Zuwachs erhalten haben.

Quelle: Tractatio de Martyrologio Romano Caesaris Baronii, Kapitel IX, S. 26; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia

  Schriften von Cäsar Baronius gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 28.09.2022

Quellen:

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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