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Ökumenisches Heiligenlexikon

Dietlinde

auch: Dietlind, Theodelinde, Theodelind, Theudelinde

Gedenktag katholisch: 22. Januar

Name bedeutet: die im Volk Milde
oder die das Volk mit dem Lindenholzschild Schützende (althochdt.)

Königin der Langobarden
* um 570 in Bayern
† 22. (oder 28.) Januar 627/28 bei Varenna am Comer See in Italien


Dietlinde war das fünfte Kind des ersten namentlich bekannten bayerischen Herzogs, Garibald I., und dessen Frau Walderada, der Tochter des Langobardenkönigs Wacho, die zuerst mit dem König der Franken, Theudebald, verheiratet war. Dietlinde hatte drei Brüder: Grimoald I., Tassilo I. und Gunduald sowie eine namentlich nicht bekannte Schwester, die Evin, den ersten langobardischen Herzog von Trient verheiratet war. Dietlinde sollte nach den Plänen der Heiratspolitik ihres Vaters den katholischen Frankenkönig Childebert II. heiraten, was aber dessen Mutter Brunichild vereitelte. Wohl 588 griff Childebert die Langobarden an, wurde aber vom Heer des Königs Autharis geschlagen; Authari suchte nun das Bündnis mit Bayern, das mit der Verlobung mit Theodelinde besiegelt wurde. Als dann Garibald I. 589 von Childebert bedroht wurde, schickte er seine Kinder Gundoald und Theodelinde nach Italien zu ihrem Schwager Evin von Trient; Authari ritt seiner Braut entgegen und auf dem Sardisfeld vor den Toren von Verona wurde unter dem Jubel der Bevölkerung 589 die Hochzeit gefeiert; Theodelindes Bruder Gunduald setze Authari als Herzog von Asti ein.

Die Langobarden waren Anhänger des Arianismus, ihr Übertritt zum katholischen Glauben war Ziel nicht nur für Papst Gregor „den Großen”; dazu konnte nun Theodelinde dienen. Ihr Einfluss zeigte sich in der Gründung von Kirchen und Klöstern und der Unterstützung von Missionen. Bald nach ihrer Hochzeit veranlasste sie den Bau einer königlichen Sommerresidenz, die mit edlen Kunstschätzen ausgestattet wurde, und den Bau des Johannesdomes. und des Johannesdomes in Monza. Doch Authari verbot auch weiterhin die Taufe von Langobarden nach katholischem Ritus. 590 griffen die Franken wieder das Langobardenreich an, nun im Bündnis mit den Byzantinern, aber die Angriffe scheiterten; noch vor einem endgültigen Friedensschluss starb Authari im September 590 in Pavia; man nimmt an, dass er vergiftet wurde.

Als Witwe konnte Dietlinde das Reich nicht allein halten, sie lud noch i590 einen Verwandten ihres verstorbenen Mannes zu sich ein: Agilulf, den Herzog von Turin. Beim ersten Zusammentreffen soll sie zu ihm, der ihr die Hand küssen wollte, gesagt haben: Der meinen Mund küssen darf, braucht die Hand nicht küssen. Anfang November 590 heirateten die beiden, im Mai 591 wurde Agilulf in Mailand als König der Langobarden gekrönt. 1 Agilulf hielt auch noch am Arianismus fest. Zudem nahm er die Eroberungspolitik wieder auf und richtete seine Energie vor allem gegen Byzanz, was Dietlinde nicht verhindern konnte. Agilulf konnte aber auch in Italien an Boden gewinnen: 593 stand er vor Rom, wurde aber von Papst Gregor I., der zunehmend die Rolle eines Stadtherren an Stelle des Kaisers in Byzanz übernahm, zu einem Friedensvertrag bewogen; Dietlind übte dabei offenbar entscheidenden Einfluss auf ihren Mann aus. Gregor wusste, dass Theodelinde zu jeglichem guten Werk schnelle bereit war, wie Paulus der Diakon schrieb.

Papst Gregor hatte schon früh erkannt, dass Theodelinde eine gute Verfechterin ihres Glauben war; als päpstlicher Vertrauensmann bei der Königin wirkte ein einflussreiche Berater, der Mönch Secundus, und der Mailänder Diakon Konstantius, der 593 Bischof von Mailand wurde. Die Machtverhältnisse in Italien waren zu jener Zeit zersplittert: In Ravenna vertrat ein Exarch und in Rom der Dux den byzantinischen Kaiser; die Päpste führten dagegen eine eigenständige, den Franken freundliche Politik. Die langobardischen Herzogtümer Friaul und Trient an den Grenzen des Reiches, sowie Benevent und Spoleto im abgelegenen Süden neigten zu Unbotmäßigkeit. Papst Gregor begann mit Dietlinde zu korrespondieren. Seinen ersten Brief bekam sie jedoch nicht zu Gesicht, Konstantius schickte ihn an den Papst zurück, dieser überarbeitete ihn und schickte auch in Ampullen abgezapftes Öl aus den Lampen römischer Märtyrergräber, fläschchenweise Heilandsblut und vor allem das Gregoriuskreuz, ein Brustkreuz aus Gold mit Bergkristallfassung, das einen Reliquienbehälter für einen Splitter des Kreuzes Christi enthält und heute im Domschatz in Monza zu besichtigen ist sowie einen von den Nägeln, mit welchen Christus ans Kreuz geschlagen worden war; dazu widmete er ihr vier seiner Bücher.

Die „eiserne Krone”, die der Überlieferung zufolge Dietlind 593 ihrem Mann schenkte und in die der Nagel, den sie von Papst Gregor erhalten hatte, eingearbeitet ist
Die eiserne Krone, die der Überlieferung zufolge Dietlind 593 ihrem Mann schenkte und in die der Nagel, den sie von Papst Gregor erhalten hatte, eingearbeitet ist. Die Krone entstand tatsächlich erst in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Den Nagel hatte einer anderen Legende nach Helena ihrem Sohn, Kaiser Konstantin, zum Geschenk gemacht.

Agilulf suchte unter Dietlindes Einfluss die Annäherung an den Papst; er gestattete einigen vor den Langobarden geflohenen katholischen Bischöfen die Rückkehr und gab enteignete Kirchengüter zurück. Andererseits hielten sich die Langobarden weiter an die schismatischen Bischöfe, die infolge des Dreikapitelstreits um den Monophysitismus vom Papst abgefallen waren, und Agilulf versuchte, einen dem Monophysitismus zugeneigten, vom Kaiser in Byzanz - dem heutigen Ístanbul unterstützten Mann als Bischof von Mailand wählen zu lassen; Papst Gregor erklärte, ein Schismatiker könne nicht den Stuhl von Ambrosius einnehmen, und verhinderte dadurch, dass auch der Nordwesten Italiens, wie der Nordosten unter dem Patriarchen von Aquileia, dem Einfluss des Papstes entzogen wurde.

Um 595 ließ Agilulf die aufständischen Herzöge von Verona, Bergamo und Pavia umbringen; er duldete nun zunehmend die missionarischen Bemühungen seiner Frau und ihrer Berater, was die allmähliche Konversion der Langobarden vorbereitete. Den vor den Franken fliehenden Kolumban konnte Dietlinde unterstützen, indem sie für ihn das später berühmt gewordene Kloster Bobbio stiftete, das zum Zentrum des Wirkens gegen Arianismus und Heidentum wurde. 603 konnte ihr einjähriger Sohn Adaloald auf Drängen Dietlindes von Secundus von Trient - wie schon zuvor die Tochter Gundiperga - katholisch getauft werden; er wurde 604 durch öffentliche Akklamation im Circus von Mailand zum Mitherrscher erhoben und mit einer Tochter von Frankenkönigs Theudebert II. verlobt. Paulus der Diakon urteilte: Durch diese Königin gewann die Kirche des Herrn viele Vorteile.

Agilulf starb 615 nach 25 Regierungsjahren als erster Langobardenkönig eines natürlichen Todes. Für den noch unmündigen Adaloald führte Theodelinde die Regentschaft bis zu dessen Volljährigkeit. Wohl wegen der nun der katholischen Kirche und dem byzantinischen Kaiser gegenüber freundlichen Politik, aber wohl auch wegen der sich ab 624 zeigenden Anzeichen einer Geisteskrankheit Adaloald, bildete sich eine Opposition lombardischer Fürsten; sie erhoben 626 seinen Schwager Arioald, den Herzog von Turin, zum König und Adaloald wurde gestürzt, möglicherweise vergiftet, er starb kurz danach. Ein oder zwei Jahre später starb auch Dietlinde eines natürlichen Todes.

Dietlinde wurde in ihrem Dom in Monza bestattet.

Secundus von Trient verfasste ein - verlorenes - Geschichtswerk, in dem Dietlinde wohl sehr positiv dargestellt wurde und auf das sich wohl die Schilderungen bei Paulus dem Diakon stützten, der die Hauptquelle für Dietlinde darstellt. In der Walhalla bei Donaustauf nahe Regensburg befindet sich eine Gedenktafel für Dietlinde.

1 Der deutsche Jurist, Schriftsteller und Historiker Felix Dahn weist darauf hin, dass die Überlieferung der Hochzeit der beiden legendenhafte Züge trägt, lehnt aber die von Georg Waitz vertretene Meinung ab, dass Agilulf den Thron usurpiert und Theodelinde zur Heirat gezwungen habe.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 10.12.2016

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Johannes Hofmann. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XVIII, Herzberg 2001
• Prof. Helmut Bouzek aus Wien, E-Mail vom 9. Januar 2012

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.