Ökumenisches Heiligenlexikon

Eustochia Calafato

auch: Smaragda
Taufname: Smeralda Calafato

Gedenktag katholisch: 20. Januar
nicht gebotener Gedenktag bei den Franziskaner-Observanten: 19. Januar
Ausstellung der unverwesten Gebeine: 22. August

Name bedeutet: die wohl Geratene (griech.)

Äbtissin in Messina
* 25. März 1434 im Stadtteil Santissima Annunziata in Messina auf Sizilien in Italien
20. Januar 1485 in Messina auf Sizilien in Italien


Bild an der Eustochia geweihten Pfarrkirche im Neubaugebiet Annunziata Alta in Messina
Bild an der Eustochia geweihten Pfarrkirche im Neubaugebiet Annunziata Alta in Messina

Smeralda, einer reichen und adeligen Familie entstammend, trat gegen den Widerstand ihres Vaters und ihrer Brüder 1449 ins damalige Kloster Santa Maria di Basciò der Klarissen - das unterhalb des heutigen Sacrario Cristo Re lag - in Messina ein und erhielt den Ordensnamen Eustochia.

Kirche des Klosters Montevergine; über dem Altar ist goldgerahmt der unversehrte Leichnam der Eustochia ausgestellt
Kirche des Klosters Montevergine; über dem Altar ist goldgerahmt der unversehrte Leichnam der Eustochia ausgestellt

1457 gründete Eustochia mit päpstlicher Erlaubnis, angeregt durch die Reformen von Matthäus Guimerá von Agrigento, in Messina das neue Klarissenkloster Montevergine, dem ein Krankenhaus angeschlossen war und das eine strengere Regel befolgte; mehrfach war sie Äbtissin ihres Klosters, das - nach dem Einsturz des Daches der Kirche und eines Teils des Gebäudes - 1460 an den heutigen Platz kam. Gestärkt durch ihre mystische Betrachtung des Leidens Jesu Christi ertrug sie Krankheiten und Anfechtungen. Darüber Zeugnis gab sie in dem für ihre Mitschwestern verfassten Libro della Passione, Buch des Leidens.

Auch Eustochias Mutter Macalda und ihre Schwester Franciscina lebten dann in diesem Kloster, in dem bis heute die Praxis der ewigen Anbetung der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. ausgeübt wird. Zudem wird das Leben im Kloster heute wie damals durch die strikte Einhaltung der strengen ersten Regel der Klara von Assisi geprägt.

Beim Erdbeben von 1615 wandten sich die Autoritäten der Stadt am 22. August hilfesuchend an die Schwestern des Klosters Montevergine; diese holten den unverwesten Leichnam von Eustochia und platzierten ihn im Chor der Kirche; wundersamer Weise öffnete der Leichnam die Lippen und sprach die erste Zeile eines Psalms, woraufhin das Erdbeben aufhörte; an diesem Tag besuchen die Stadtoberen deshalb bis heute die Kirche und danken mit dem Geschenk von 38 Pfund Wachs.

Geburtshaus</a> von Smeralda / Eustochia
Geburtshaus von Smeralda / Eustochia

Das Geburtshaus von Smeralda / Eustochia im Stadtteil Santissima Annunziata von Messina ist heute Gedenkstätte.

Kanonisation: Die Verehrung von Eustochia Calafato wurde am 14. September 1782 von Papst Pius VI. anerkannt; am 11. Juni 1988 wurde sie durch Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen.

Worte der Heiligen

In ihrem Buch des Leidens gibt Eustochia Calafato Zeugnis von ihrer Liebe zum gekreuzigten Herrn. Darin zeichnet sie meditierend die einzelnen Stationen des Leidens Christi nach, wobei sie den Leser immer wieder zu eigener Betrachtung einlädt. So wendet sie sich an diesen anlässlich des letzten Abendmahls:
Lass dich nun nieder, andächtige Seele, und bedenke alles … in Andacht und nicht ohne Tränen; denn der liebenswürdige Bräutigam freut sich sehr über Tränen, die aus Liebe zu ihm im Gebet vergossen werden. Betrachte zuerst das wunderbare Geheimnis des Sakraments seines Leibes und Blutes, das Christus bei diesem heiligsten Mahl geschaffen hat, und vermerke, wie dieses Sakrament anordnet, dass man das Andenken an ihn und an sein heiligstes Leiden pflege, und sprich zu deinem geliebten Bräutigam und sage ihm: Wie sollte ich dich und dein Kreuz vergessen, habe ich doch beständig diese heiligste Gedächtnis an dein Sakrament vor Augen? Aber gib mir, liebreicher Herr, die Gnade, dass ich es würdig empfange und seinen köstlichen Geschmack verkoste und mir ein Beispiel nehme an der Handlung, die du zuvor an deinen Jüngern vollzogen hast, … nämlich dass du ihnen die Füße gewaschen hast. Möge auch ich zuerst meine Hände und Füße reinigen durch Tränen der Zerknirschung und durch meine innerliche Andacht, damit ich dies Sakrament würdig empfangen und beständig deines Todes gedenken kann.

Eustochia lädt weiter dazu ein, das Gespräch Jesu mit seinen Jüngern nach dem Abendmahl zu betrachten:
Betrachte und bedenke voll Andacht das freundliche und erfreuliche Gespräch Jesu mit seinen Jüngern! Betrachte, wie sie auf die lieblichen Worte ihres lieben Meisters achteten, von denen Petrus schon vorher einmal gesagt hatte: Herr, du hast Worte des ewigen Lebens. Sag auch du zu liebenswerten Gemahl: Gib mir, Herr, diese Liebe, dass ich dich über alles liebe und mit dem Apostel sagen kann: Wer wird mich von der Liebe meines Jesus trennen können? Ich bin mir sicher: Weder Tod noch Leben noch Verfolgung noch Hunger noch eine andere Trübsal wird mich je von deiner Liebe trennen können. (Römerbrief 8, 35) Bedenke auch voll Andacht, welche Pein die Jünger empfanden, als sie ihren Meister zum Tode gehen sahen; und wie sie ihm weinend zum Garten [Gethsemane] folgten.
Folge auch du zusammen mit ihnen unter Tränen dem lieben Jesus mit den Worten: Sieh, ich will dich in den Tod begleiten, bereit dir zu folgen in Gefangenschaft und Tod. Sieh, ich verleugne mich selbst und nehme mein Kreuz auf mich und will dir folgen. Halte mich aufrecht, lieber Herr, und lass in mir die Sehnsucht wachsen, und verbinde mich mit dir in Liebe, so, dass ich dich nie mehr verlassen kann.

Quelle: Francesco Terrizzi S.J.: Il libro della passione, scritto dalla beata Eustochia Calafato Clarissa messinense, Messina 1975, S. 58f; eigene Übersetzung

Zitate von Eustochia Calafato:

Der Herr will mit reinem Herzen geliebt werden; er verdient es geliebt zu werden, ohne dass wir uns um unseren Nutzen kümmern, sondern um die Ehre Gottes und um den Nutzen der Seelen. Alles, was ihr tut, tut es allein aus Liebe und kümmert euch dabei um kein Verdienst! … Denn nichts ist vor Gott angenehmer, da er es schätzt, dass, was jemand macht und denkt, nur aus Liebe zu ihm geschieht und nicht um eines Verdienstes willen, nicht um dafür Ehre zu ernten und nicht aus Furcht vor der Hölle!

Dankgebet: Du meine schönste Liebe, Jesus Christus, … ich lobe dich und danke dir wegen der so großen Wohltat …, die du mir erwiesen hast, … du hast mich geschaffen und führst mich jetzt auf der Erde, … ich könnte die großen Wohltaten, die du mir erwiesen hast ohne mein Verdienst, gar nicht aufzählen und besonders die Gnade der Berufung, da du mich auf den Weg der Vollkommenheit berufen hast. … Du hast mir die Vergebung geschenkt, du bist mir nahegekommen … Du hast für mich den Tod erlitten unter so großen Schmerzen … Du pflegst die Sünder zu rechtfertigen.

Quelle: Francesco Terrizzi S.J.: Il libro della passione, scritto dalla beata Eustochia Calafato Clarissa messinense, Messina 1975, S. 63f; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 03.03.2020

Quellen:
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1995
• http://www.vatican.va/news_services/liturgy/saints/ns_lit_doc_19880611_calafato_it.html
• https://eustochia.jimdofree.com/santa-eustochia/

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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