Ökumenisches Heiligenlexikon

Gerhard Sasso

französischer Name: Gérard
gelegentlich: Gerhard Sasso, irrtümlich: Gérard Tonque

1 Gedenktag katholisch: 13. Oktober
Fest im Malteserorden

Name bedeutet: der Speerstarke (althochdt.)

Ordensgründer
* 1040 in Scala bei Amalfi in Italien 1
3. September um 1120 in Jerusalem in Israel


Steinrelief, 1999, vor der Kathedrale in Scala
Steinrelief, 1999, vor der Kathedrale in Scala

Gerhard zog - noch vor dem 1. Kreuzzug - ins Heilige Land und trat als Laienbruder der Benediktiner in das von diesen betriebene Hospiz an der Kirche St. Maria Latina in Jerusalem ein, das zuerst Johannes „dem Almosengeber”, später Johannes der Täufer gewidmet war. Dort wurden christliche Pilger, aber auch hilfsbedürftige Juden und Muslime aufgenommen. Nachdem Gerhard sich durch Frömmigkeit und Klugheit hervorgetan hatte, wurde er um 1080 zu dessen Vorstand erhoben. Nach der Einnahme Jerusalems im 1. Kreuzzug erhielt das Hospiz großen Zulauf. Gerhard bewirkte nun die vollständige Trennung des Hospizes vom Kloster St. Maria und wurde so 1099 zum Gründer des neuen, nach dem Patron des Hospizes benannten Johanniterordens. Seine Mönche legten die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab und verpflichteten sich, die christlichen Pilger und Kreuzfahrer zu pflegen.

Gerhard und zwei Ordensbrüder versorgen einen Kranken, Bild im Museum Wignacourt in Rabat auf Malta
Gerhard und zwei Ordensbrüder versorgen einen Kranken, Bild im Museum Wignacourt in Rabat auf Malta

Gottfried von Bouillon, der Heerfüher des 1. Kreuzzuges und ab 1099 Jerusalems Regent, sowie dessen Nachfolger, König Balduin I. von Jerusalem, statteten den neuen Orden mit einem Teil der reichen Beute aus dem Sieg über die Muslimen aus, viele dankbar Kreuzfahrer schenkten ihm Besitzungen in frankreich, Spanien und Italien. Papst Paschalis III. bestätigte 1113 den Orden und erteilte ihm die Unabhängigkeit vom Patriarchen von Jerusalem.

Gerhards Nachfolger Raimund von Puy wandelte den Mönchsorden der Johanniter in einen geistlichen Ritterorden um, zu dessen Aufgaben nun auch der militärische Schutz gehörte. Gerhards Gebeine wurden nach dem Fall von Akko in die neue Ordensresidenz auf Rhodos gebracht. Sein Kopf kam in die Ursulinenkirche nach Valetta auf Malta.

Da es nie eine förmlich Kanonisation für Gerhard gab, förderten die Johanniter seien Verwechslung mit Gerald von Aurillac; die Reliquien, die seit 1283 im Schloss Gassaud - heute Teil einer gated community - in Manosque in der Provence verehrt wurden, sind deshalb die von Gerald von Aurillac; andere Gerhard zugeschriebene Reliquien wurden in der Französischen Revolution zerstört.

In der korrigierten Fassung des Martyrologium Romanum von 2004 ist Gerhard nicht mehr enthalten.

Patron gegen Dürre

1 Gelegentlich wird als Geburtsort auch Martigues in der Provence in Frankreich angegeben, was aber wohl unhaltbar ist.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 21.05.2024

Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 2. Band: E-H. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler, B. Schmid'sche Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg, 1861
• Infotafel
• https://en.wikipedia.org/wiki/Blessed_Gerard - abgerufen am 06.05.2022
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%A8re_G%C3%A9rard - abgerufen am 06.05.2022

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.


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