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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johann Amos Comenius

tschechischer Name: Jan Ámos Komenský

Gedenktag evangelisch: 16. November

Name bedeutet: J: Gott ist gnädig (hebr.)
A: Gott ist stark (hebr.)

Bischof der Böhmischen Brüderkirche, Pädagoge
* 25. März 1592 in Nivnice bei Ungarisch-Brod, dem heutigen Uherský Brod in Tschechien
† 15. November 1670 in Amsterdam in den Niederlanden


Johann Amos Comenius
Johann Amos Comenius

Jan Amos Komensky, Sohn von Eltern, die der böhmischen Brüderkirche angehörten, wurde früh Waise und verdiente dann seinen Lebensunterhalt als Hirte. Schließlich konnte er doch die Lateinschule besuchen, ab 1611 die Universitäten in Herborn und Heidelberg. Er arbeitete zunächst als Lehrer in Přerov, verfasste ein Wörterbuch der tschechischen Sprache und Bücher über Pädagogik und Didaktik. Nach der Ordination zum Pfarrer wurde er 1618 ins Pfarramt in Fulnek eingesetzt, wo er auch Deutsche unterrichtete und seelsorgerlich betreute.

1620 siegten die kaiserlichen Spanier über den protestantischen Böhmenkönig Friedrich V. bei der Schlacht am Weißen Berg nahe Prag; danach wurde auch Comenius' Gemeinde dem Erdboden gleichgemacht, sein Haus geplündert, seine Bücher verbrannt; Frau und Kinder verlor er durch die Pest; wie 100.000 andere Menschen der böhmischen Brüdergemeinde musste er versteckt im Untergrund leben. Als einer der letzten Evangelischen verließ er 1628 seine Heimat. In jener Zeit verfasste er Trostschriften wie Das Labyrinth der Welt und das Lusthaus des Herzens: Jesus Christus im Herzen ist der Wegweiser, der aus den Wirren der Zeit herausführt. In Lissa - dem heutigen Leszno - in Polen fand er zusammen mit vielen Glaubensgenossen schließlich ein Asyl.

Comenius wurde Leiter des Gymnasiums in Lissa/Leszno und als Pfarrer seiner Gemeinde eingesetzt. Er verfasste zusammen mit anderen exilierten Pfarrern eine Konkordanz der Bibel. Und hier entwarf er pädagogische Schriften, die bald höchste Beachtung fanden, noch von vielen Generationen nach ihm benützt und in sechzehn Sprachen übersetzt wurden. Eine Anfrage führte ihn nach England, hier entstand seine Reformschrift Via lucis, Weg ins Licht. Die Gedanken von Johann Valentin Andreä waren ihm dabei wichtig, seine Bücher bezeichnete er als kostbare Schätze, beruft sich auf die Ideen der Rosenkreuzer und schreibt: Möge es Gott geben, dass der Welt dieses große Licht angezündet werde: eine neue, wirklich universelle und philadelphische Kirche.

Die Aufgabe, das Schulwesen in England zu reformieren, konnte Comenius nicht erfüllen, da Oliver Cromwells Wüten ihn vertrieb. Ein Ruf nach Schweden führte dort zu sechs Jahre langem, fruchtbarstem Wirken. Auf dem Weg dorthin traf er in Holland René Descartes, mit dessen skeptischer Weltauffassung, die ohne Gott zu denken auskommt, er sich kritisch auseinandersetzte: Wir bewundern mit Recht den Scharfsinn, aber wir wundern uns, dass man hat überzeugt sein können, dass durch seine Hypothesen schon allen Erscheinungen der ganzen Natur Genüge geschieht.

In Schweden erreichte Comenius die Einführung schulischer Ausbildung für alle Kinder. Grundsatz jeder Lehrtätigkeit sei, den Schülern nicht etwas gewaltsam eintrichtern zu wollen, sondern die von Gott im Schöpfungswerk angelegten Gaben zu fördern und fruchtbar zu machen. Friedenserziehung war ihm sehr wichtig; Grundlage hierfür sei, dass der Mensch in Gott Frieden finde. Der Ertrag dieser Jahre ist zusammengefasst in der Didactica Magna, der Großen Kunde vom Lehren, die er zwischen 1627 und 1657 verfasste.

Comenius zog weiter ins damalige schwedische Elbing - das heutige Elbląg in Polen. Dort führte er interkonfessionelle Gespräche, um im Dreißigjährigen Krieg zum friedlichen Zusammenleben beizutragen. Er vertrat schon in seiner Zeit den ökumenischen Gedanken, beklagte die Aufsplitterung der Christen in Konfessionen, Meinungen und Riten und hielt auch die Reformation für noch unabgeschlossen, weil sie die Menschen noch nicht genügend auf ein Leben in den Fußspuren Jesu geführt habe.

Aus Comenius' bebildertem Lehrbuch: 'Orbis sensualium pictus. Hoc est, omnium fundamentalium in mundo rerum & in vitâ actionum pictura & nomenclatura', zuerst gedruckt von Michael Endter in Nürnberg, 1658
Aus Comenius' bebildertem Lehrbuch: Orbis sensualium pictus. Hoc est, omnium fundamentalium in mundo rerum & in vitâ actionum pictura & nomenclatura, zuerst gedruckt von Michael Endter in Nürnberg, 1658

Comenius ließ sich zum Bischof der Brüderkirche wählen und kehrte nach Lissa/Leszno zurück; dort starb bald seine zweite Frau. Die Evangelischen konnten auch und gerade nach Ende des Krieges nicht wie erhofft in Frieden Leben, Böhmen und Mähren waren fest in katholischer Hand. Comenius empfahl seinen Glaubensbrüdern in der Schrift Vermächtnis der sterbenden Mutter, der Brüderunität von 1650 ein ökumenisches Christentum. Er selbst ging nach Siebenbürgen ans Gymnasium in Sárospatak; hier entstand sein berühmtes Werk Orbis Pictus, Die sichtbare Welt in Bildern, das die Bilder den Worten beigab und noch heute verbreitet ist; aber auch hier musste er kriegerische Auseinandersetzungen mit den einfallenden Türken erdulden, dabei verlor er seine gesamte Bibliothek.

1653 kehrte Comenius wieder nach Lissa/Leszno zurück - und musste alsbald erneut fliehen, weil nun auch in Polen die Protestanten verfolgt wurden. Er gelangte schließlich nach Amsterdam, wo er versuchte, seine zerstreute Gemeinde zu sammeln, und wo er seine wissenschaftlich-pädagogische Arbeit weiterführte. Als er auch hier den englisch-holländischen Krieg erleben musste, verfasste er die Schrift Angelus pacis, Friedensengel als verzweifelten Versuch, die Völker zum Weg gewaltloser Konfliktlösung zu rufen: Wir sind alle Bürger einer Welt, ja ein Blut. Einen Menschen hassen, weil er anderswo geboren ist, weil er eine andere Sprache spricht, weil er anders über die Dinge denkt - welche Gedankenlosigkeit! Ein Jahr vor seinem Tod gab er das Bischofsamt an seinen Schwiegersohn ab.

  Das religionspädagogische Institut der Evangelischen Kirche nennt sich nach Comenius und bietet auf seiner Homepage auch biografische Informationen über seinen Namensgeber.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 20.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:

• Wolfgang Wagner: Europäischer Friedensengel: Comenius. In: Evang. Gemeindeblatt für Württemberg 3/2001. Stuttgart 2001