Ökumenisches Heiligenlexikon

Kamillus von Lellis

italienischer Name: Camillo


Kamillus war Sohn eines kaiserlichen Offiziers; seine Mutter starb früh, so wuchs das Kind sehr vernachlässigt auf. Kamillus wurde Landsknecht, in venezianischen Diensten nahm er 1569 bis 1574 an den Kriegen der Stadtrepublik gegen die Türken teil und trat dann in den Dienst der Spanier. Gleichzeitig war er ein leidenschaftlicher Spieler und deshalb bald verarmt. Wegen einer nicht verheilten Wunde am Fuß musste er den Wehrdienst aufgeben, kam 1575 als Patient ins Ospedale San Giacomo degli Incurabili, einem Krankenhaus für Unheilbare in Rom und wurde dann dort als Hilfskraft angestellt; diese Arbeit verlor er er aber ob seiner Streit- und Spielsucht wieder. 1574 arbeitete er mit beim Bau des neuen Klosters der Kapuziner in Manfredonia 1. Hier fand seine Bekehrung statt, die Kapuziner nahmen ihn als Laienbruder in das Kloster auf, entließen ihn aber wieder wegen des Wiederauflebens seiner Fußwunde.

Kamillus ging wieder nach Rom ins Ospedale San Giacomo degli Incurabili, arbeitete als Krankenpfleger und brachte es wegen seiner Zuverlässigkeit und seiner Geduld bis zum Hospitalmeister. Er lernte Philipp Neri kennen, der förderte ihn weiter, bis Camillo sich entschloss, Priester zu werden, und Studien am Jesuitenkolleg begann. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter gründete er 1582 die Regularkleriker der Diener der Kranken, die Kamillianer, die gelobten, sogar unter Lebensgefahr die Kranken zu pflegen und also auch den Pestkranken zu dienen. Kamillus wurde 1584 zum Priester geweiht.

Juan Navarro: Bild, 18. Jahrhundert, in der Kamillus geweihten Kapelle in der Kathedrale in Murcia
Juan Navarro: Bild, 18. Jahrhundert, in der Kamillus geweihten Kapelle in der Kathedrale in Murcia

Prägend für Kamillus' Frömmigkeit waren mystische Begegnungen mit dem gekreuzigten Christus; in den Kranken sah er das Schicksal Christi, das durch dessen Liebe überwunden werden kann. Kamillus hatte entscheidenden Einfluss auf die Verbesserung der Krankenpflege in Italien nach dem Muster des Johannes von Gott in Spanien.

Papst Sixtus V. bestätigte diese Kongregation 1586 und übergab ihr die Kirche Santa Maria Maddalena in Rom; Kamillus wurde der erste Obere der Kamillianer. 1591 erhob Gregor XIV. die Kongregation zum Orden mit allen Privilegien. 1607 legte Kamillus die Leitung des Ordens nieder, in den letzten Lebensjahren litt er zunehmend an Krankheiten, doch wann immer es ihm möglich war, stand er aus seinem Bett auf, um Kranke zu besuchen. Während einer bewegenden Rede vor seinen Brüdern starb Kamillus.

Kamillus ist in der Kirche Santa Maria Maddalena bestattet.

Kanonisation: Kamillus wurde am 7. April 1742 von Papst Benedikt XIV. selig- und am 29. Juni 1746 vom selben Papst heiliggesprochen; 1886 ernannte Papst Leo XIII. zusammen mit Johannes von Gott zum Patron der Kranken und der Krankenhäuser; 1930 ernannte Papst Pius XI. ihn zum Patron aller Krankenschwestern, Krankenpfleger und ihrer Vereinigungen.
Patron von Zabrze / Hindenburg, der Region Abruzzen; der Kranken und Sterbenden, der Krankenpfleger, Krankenschwestern und Krankenhäuser

1 Die von den Türken 1620 zerstörte und 1662 wieder aufgebaute Kirche Santa Maria della Vittoria des 1811 aufgelösten Kapuzinerklosters in Manfredonia ist heute die Friedhofskirche.

Worte des Heiligen

Im folgenden Abschnitt aus der ersten von Kamillus verfassten Konstitution der Kamillianer von 1599 geht es um die Werke der Barmherzigkeit:
Wer auf Antrieb Gottes entschlossen ist, die leiblichen und geistlichen Werke der Barmherzigkeit nach Art unseres Institutes auszuüben, der wisse: Fortan muss er allen Dingen der Welt abgestorben sein: Verwandten, Freunden, irdischem Besitz und sich selbst. Er darf nur für Jesus, den Gekreuzigten, leben unter dem sanften Joch beständiger Armut und Keuschheit sowie beständigen Gehorsams und Dienstes an den armen Kranken, selbst den Pestkranken. Tag und Nacht, wie es ihm befohlen wird, muss er ihnen in ihren leiblichen und seelischen Nöten beistehen. Das soll geschehen aus wahrer Liebe zu Gott und zur Buße für die eigenen Sünden.
Er soll an Christus Jesus denken, der die Wahrheit ist und gesagt hat: ‚Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Matthäusevangelium 25, 40). Und ein anderes Mal: Ich war krank, und ihr habt mich besucht; kommt mit mir, ihr Gesegneten und besitzt das Reich, das euch vor Beginn der Welt bereitet ist (Matthäusevangelium 25, 36.34). Und wiederum sagt der Herr: Mit dem gleichen Maße, mit dem ihr ausmesst, wird auch euch wieder zugemessen werden (Matthäusevangelium 7, 2).
Er achte deshalb auf den Sinn dieser vollkommenen Wahrheit; er schätze dieses vorzügliche Mittel, mit dem man die kostbare Perle der Liebe erwerben kann, von der das heilige Evangelium sagt: Der Mensch, der sie findet, verkauft alles, was er hat, und kauft sie. Diese Liebe formt uns um in Gott und reinigt uns von allem Makel der Sünde, denn die Liebe deckt eine Menge Sünden zu.
Jeder, der in unseren Orden eintreten will, soll also bedenken, dass er sich selbst tot sein muss.
Der Heilige Geist wird ihm eine solche Gnadenfülle schenken, dass er sich nicht mehr sorgt um Tod und Leben, Krankheit und Gesundheit. Der Welt gestorben, gehe er ganz in der Erfüllung des Gotteswillens auf, im vollendeten Gehorsam seinen Oberen gegenüber und im völligen Verzicht auf den Eigenwillen. Er betrachte es als großen Gewinn für unseren Herrn Christus Jesus, den Gekreuzigten, zu sterben; hat er doch gesagt: Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde … zur Verherrlichung Gottes und für das eigene Seelenheil und das der Mitmenschen.

Quelle: Ordensregel der Kamillianer; http://www.kamillianer.at/spirit/kamregel.htm, abgerufen am 20. November 2019

Eine Anekdote gibt treffend die Geisteshaltung des Kamillus wieder:
Bei einem überraschenden Besuch des Papstes, flüsterte ihm jemand aus dem Gefolge entrüstet zu: Zieht doch euren Pflegekittel aus, wenn Ihr mit dem hl. Vater sprecht! Dieser antwortete ungerührt: Wieso? Wenn ich mit Christus selber beschäftigt bin, habe ich keine Zeit, mich für seinen Stellvertreter umzuziehen.

Zitate von Kamillus von Lellis:

Die Krankheit sagt uns was wir sind.
Legt euer Herz in eure Hände.
Jeder soll sich unbedingt davor hüten, dem armen Kranken mit Abschätzigkeit oder mit lieblosen Worten zu begegnen. Er soll sie mit Geduld und Liebe behandeln. Denn der Herr hat gesagt: Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan (Matthäusevangelium 25, 40). Daher soll jeder im Kranken die Person des Herrn sehen.
Eine Frömmigkeit, die die Werke der Nächstenliebe vernachlässigt, ist falsch. Für mich gibt es eine Frömmigkeit der Tat, die die Arbeit zum Gebet macht. … Der Herr will von uns Werke der Liebe. Mir ist es lieber, wenn sich ein Ordensmann bereithält für den Ruf zu einem Sterbenden, als wenn er in Verzückung in seiner Zelle sitzt.
Denke gut, sprich gut, handle gut: Diese drei öffnen - mit der Gnade Gottes - dem Menschen den Himmel.

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 18.10.2020

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• http://www.newadvent.org/cathen/03217b.htm
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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