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Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes von Gott

portugiesischer Name: João de Deus
spanischer Name: Juan de Dios

Gedenktag katholisch: 8. März
nicht gebotener Gedenktag
Hochfest in der Stadt Granada
gebotener Gedenktag in Portugal und im Erzbistum Granada
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

Übertragung der Gebeine: 28. November
Hochfest im Orden der Barmherzigen Brüder: 28. November
nicht gebotener Gedenktag in Mailand und im Ambrosianischen      Die Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v. a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Teil des Bistums Lugano: 28. November
nicht gebotener Gedenktag bei den Barmherzigen Brüdern: 20. Januar (Tag der Bekehrung aufgrund der Predigt von Johannes von Ávila)

Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)

Ordensgründer
* 8. März 1495 in Montemor-o-Novo in Portugal
† 8. März 1550 in Granada in Spanien


Pedro de Raxis: älteste und authentischste Darstellung, im Museum Casa de los Pisa in Granada
Pedro de Raxis: älteste und authentischste Darstellung, im Museum Casa de los Pisa in Granada

Johannes lief als kleines Kind von zuhause fort, nachdem ihm ein Priester, der bei seiner Familie zu Gast war, begeistert von Spanien erzählt hatte. Als nach Wochen das Kind noch nicht wiedergefunden war, starb die Mutter vor Verzweiflung, der Vater trat als Laienbruder in einen Orden ein, ohne je im Leben sein Kind wiederzusehen. Das Kind jedoch fand nahe Oropesa in Spanien Unterschlupf bei einem Hirten, lernte lesen und schreiben, entwickelte sich zu einem klugen und vielversprechenden jungen Mann. Als man ihn drängte zu heiraten, floh er in den Militärdienst und kämpfte erst im spanisch-französischen Krieg, dann 1532 gegen die Türken vor Wien.

Johannes fühlte sich berufen, wusste aber nicht so recht, wozu. Eine seiner Ideen war, nach Afrika in die Mission zu gehen und dort das Martyrium zu erleiden. Von einer Wallfahrt zu Jakobus nach Santiago de Compostela erhoffte er Klärung. Ein Mönch hielt ihm vor, in seiner Berufung verstecke sich viel Stolz und Selbstliebe, er solle sich bescheiden. Nach einer kurzen Zeit als Hirte auf einem Landgut bei Sevilla ging Johannes 1534 nach Ceuta und verdingte sich als Bauarbeiter an der Festung; 1538 ging er erst nach Gibraltar und verkaufte als fliegender Buchhändler fromme Schriften und Heiligenbildchen, dann nach Granada, wo er eine kleine Buchhandlung eröffnete.

1538 hörte Johannes dort in der Einsiedelei im Campo Martires den berühmten Bußprediger Johannes von Ávila. Der begeisterte ihn so, dass Johannes anschließend seine Bücher zerstörte, wie besessen und nackt durch die Stadt rannte und als Geisteskranker angesehen wurde; zwei Menschen nahmen sich seiner an und brachten ihn ins königliche Spital. Als Johannes von Ávila von der verblüffenden Wirkung seiner Predigt erfuhr, besuchte er den Patienten und legte ihm als Buße auf, seine Begeisterung in Bahnen zu lenken, die anderen Menschen nützen. Johannes stellte sich die Krankenpflege zur Aufgabe. Nachts sammelte er Holz, mit dem Verkaufserlös kaufte er Arznei und Pflegemittel. 1540 konnte er in Granada ein erstes eigenes Krankenhaus eröffnen direkt hinter dem Haus der Familie Pisa, die ihm inwischen Unterkunft und Unterstützung bot; in dem Haus ist heute ein Altersheim untergebracht. Er praktizierte völlig neue Pflegemethoden, bei denen die Zuwendung zum Patienten und sein Einzelschicksal im Mittelpunkt standen und nicht Fesseln mit Handschellen, Exorzismen, Ketten, Peitschenschläge, Schmerzen und Strafe, wie er das an sich selbst erlebt hatte. Er kümmerte sich außerdem um Straßenkinder, Prostituierte, Arbeitslose und andere Randgruppen. Immer mehr junge Leute schlossen sich ihm an, die Bewunderung und Verehrung in der Bevölkerung wuchs, es entstand ein Verein für Laien mit Aufgaben in der Krankenpflege. Ob seines Wirkens erhielt er von seinen Zeitgenossen den Beinamen von Gott (gesandt).

Johannes' Krankenhaus in Granada
Johannes' Krankenhaus in Granada

1544 wurde mit Unterstützung der Mönche des Hieronymus-Klosters in dessen Nähe der Bau eines neuen Krankenhauses begonnen, das bei Johannes' Tod fast fertiggestellt war. Beim Versuch, einen jungen Mann aus dem Wasser vor dem Ertrinken zu retten, erkrankte der durch jahrelangen rücksichtslosen Einsatz geschwächte Johannes und starb.

Francisco de Castro, der Seelsorger im Krankenhaus in Granada, veröffentlichte 1585 einen Bericht über das Leben von Johannes. Johannes wird als Schöpfer des modernen Krankenhauses bezeichnet. Der von Johannes gegründete Verein übernahm 1572 die Regeln der Augustiner, aus ihm entwickelte sich der Orden der Barmherzigen Brüder, der 1586 vom Papst bestätigt wurde. Die Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott gelten als bedeutendster Männerorden für Krankenpflege und sind heute auf der ganzen Welt verbreitet.

Kanonisation: Am 21. September 1630 wurde Johannes durch Papst Urban VIII. selig- und am 16. Oktober 1690 durch Papst Alexander VIII. heiliggesprochen. Papst Urban VIII. verlangte in einem Breve von 1634 das alleinige Recht des Papstes, einer verstorbenen Person den Titel Heilige(r) oder Selige(r) zu verleihen, außerdem setzte er die Regeln für beide Verfahren fest.
Attribute: mit Körbchen oder Töpfen; das Jesuskind mit Granatapfel tragend
Patron von Granada, der Kranken und Sterbenden; der Krankenhäuser, Krankenpfleger, Friseure, Papiermüller, Buchdrucker und Buchhändler

Catholic Encyclopedia

  Der Orden der Barmherzigen Brüder hat eine sehr informative Homepage mit Informationen über die Arbeit des Ordens.

  Auszüge aus Johannes' Beichtspiegel gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Reliquiar (Mitte) und Votivgaben - darunter vorne Schuhe von Papst Benedikt XVI. - im Museum im Haus der Familie Pisa in Granada
Reliquiar (Mitte) und Votivgaben - darunter vorne Schuhe von Papst Benedikt XVI. - im Museum im Haus der Familie Pisa in Granada
Statue der Kirche, 1916 zur Basilika erhoben, neben dem Krankenhaus in Granada
Statue an der Kirche, 1916 zur Basilika erhoben, neben dem Krankenhaus in Granada

Das Haus der Familie Pisa, in dem Johannes in Granada lebte und starb, wurde 1927 vom Orden der Barmherzigen Brüder gekauft und als Museum eingerichtet, das Zeugnisse aus seinem Leben und Wirken sowie viele Dankesgaben für den Orden aus aller Welt enthält. Es ist montags bis samstags von 10 Uhr bis 13 Uhr geöffnet, im März und April auch von 17 Uhr bis 19.30 Uhr; der Eintritt mit individueller Führung, auch auf Englisch, kostet 3 €. (2015)
Die ab 1737 erbaute - inwischen zur Basilika erhobene - Kirche neben dem neuen Krankenhaus in Granada ist täglich von 10 Uhr bis 13 Uhr und von 16 Uhr bis 19 Uhr geöffnet; der Eintritt beträgt 4 €. (2015)




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 26.03.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
• https://www.sjd.es/?q=hospital-san-juan-de-dios-granada
• https://www.sjd.es/sites/default/files/ckfinder/userfiles/files/Biografia%20SJD.pdf
• http://dialnet.unirioja.es/descarga/articulo/4715160.pdf