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Ökumenisches Heiligenlexikon

Pirmin

Gedenktag katholisch: 3. November
nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet
Diözesankalender Chur, Freiburg i.Br., Speyer

Gedenktag evangelisch: 3. November

Gedenktag orthodox: 3. November
in Deutschland

Name bedeutet: ?

Bischof, Glaubensbote am Oberrhein, Klostergründer
* um 690 in Irland
oder in Narbonne oder in Paris in Frankreich (?)
† 3. November 753 (?) in Hornbach in Rheinland-Pfalz (?)


Pirmin wird in den Legenden als Westgote, Iroschotte oder als von romanischer Herkunft bezeichnet. Er wurde um 720 - möglicherweise in Meaux - zum Wanderbischof geweiht und zur Mission nach Nordwest-Frankreich und an den Oberrhein gesandt.

Ankunft des heiligen Pirmin auf der Insel Reichenau
Ankunft des heiligen Pirmin auf der Insel Reichenau

Pirmin unterhielt gute Beziehungen zum fränkischen Hausmeier Karl Martell, der ihn 724 unter seinen Schutz stellte, und gründete zahlreiche Klöster, darunter wohl Pfungen bei Winterthur und sicher 724 das Kloster Mittelzell auf der Bodenseeinsel Reichenau; alles kriechende Getier, das die Insel schädigte, soll bei seiner Ankunft ins Wasser gestürzt und so verschwunden sein. Auf der Reichenau hielt Pirmin sich der Überlieferung nach bis 726 auf und wurde dann von Herzog Theobald vertrieben.

Pirmin ging nun ins Elsass, um seine Tätigkeit fortzusetzen; hier war er im karolingischen Herrschaftsgebiet tätig. Er gründete 727 das Kloster in Murbach und konnte dort seine Vorstellungen verwirklichen: Klosterleben in Anlehnung an die Regel der Benediktiner, verstanden als ständige Wallfahrt ohne weltliche Bindungen und Freiheit des Klosters vom Ortsbischof mit Leitung durch einen eigenen Klosterbischof, der der Abt ist; dieses Amt übte Pirmin in Murbach aus. Pirmin zugeschrieben wird auch die Gründung der Klöster in Neuweiler - dem heutigen Neuwiller-lès-Saverne 1, Schwarzach in Rheinmünster in Baden 2 sowie in Pfäfers bei Chur 3.

Kirche des ehemaligen Klosters Schwarzach im heutigen Rheinmünster, erbaut um 1150 bis 1190
Kirche des ehemaligen Klosters Schwarzach im heutigen Rheinmünster, erbaut um 1150 bis 1190

Auch die Gründung des Klosters in Gengenbach erfolgte Überlieferungen des 9. und 12. Jahrhunderts zufolge durch Pirmin mit Unterstützung durch den fränkischen Adeligen Ruthard; um 820 war es das größte Kloster der Gegend und Reichsabtei. Im Kloster in Schuttern führte er demnach die Benediktinerregel ein und leitete sein Aufblühen ein. Das Kloster in Amorbach geht möglicherweise tatsächlich auf ihn zurück. Um 742 gründete Pirmin das Kloster in Hornbach in der Pfalz auf einem Hügel, auf dem früher wohl schon ein römisches Heiligtum stand. Die im 5./6. Jahrhundert gegründeten Klöster in Weißenburg / Wissembourg und Maursmünster / Marmoutier im Elsass reformierte er, zur Gründung des Klosters Niederaltaich sandte er 741 Mönche aus Mittelzell aus.

Pirmins Grab in der 1957 errichteten Kapelle neben der evangelischen Kirche im ehemaligen Kloster in Hornbach
Pirmins Grab in der 1957 errichteten Kapelle neben der evangelischen Kirche im ehemaligen Kloster in Hornbach

Pirmin starb in seinem Kloster in Hornbach, bereits Ende des 8. Jahrhunderts wurde er in einer Handschrift aus Metz als Heiliger bezeichnet. Der Abt des Klosters Hornbach, Wyerund, ließ nach 814 Pirmins Gebeine erheben und in der von ihm neu erbauten Kirche bestatten. 827 wurde Pirmin erstmals als deren Titelheiliger genannt, Hrabanus Maurus verfasste eine Grabinschrift. 1953 wurde das Grab freigelegt, 1957 darüber die heutige Kapelle errichtet.

In der möglicherweise von Pirmin verfassten Schrift De singulis libris canonicis scarapsus, Auszug aus den einzigartigen kanonischen Büchern, findet sich die erste Überlieferung des heute gebräuchlichen Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Darin schildert er, wie die Apostel an Pfingsten beisammen sind, der Heilige Geist auf sie herabkommt und sie dann der Reihe nach zu sprechen beginnen:
Petrus: Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Johannes: Und an Jesus Christus, seinen einzigen Sohn, unseren Herrn.
Jakobus sagte: Dieser ist vom Heiligen Geist empfangen und von der Jungfrau Maria geboren worden.
Andreas sagte: Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.
Philippus sagte: Er ist hinabgestiegen in die Unterwelt.
Thomas sagte: Am dritten Tag erstand er von den Toten.
Bartholomäus sagte: Er ist zum Himmel aufgestiegen und setzte sich zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Matthäus sagte: Von dort wird er kommen, die Lebenden und Toten zu richten.
Jakobus, der Sohn des Alfeus, sagte: Ich glaube an den Heiligen Geist.
Simon der Zelote sagte: Und die heilige katholische Kirche.
Judas, der Sohn des Jakobus, sagte: an die Gemeinschaft des / der Heiligen und die Vergebung der Sünden.
• Ebenso sagte Thomas [er redete zum zweiten Mal]: An die Wiederauferstehung des Fleisches und das ewige Leben.

Pirmins Lebensgeschichte entstand Mitte des 9. Jahrhunderts, wohl im Kloster Hornbach

Das Kloster auf der Insel Reichenau erlebte im 9. bis 11. Jahrhundert seine Blüte, wurde Schule mit bedeutenden Gelehrten, geistiges Zentrum im Reich von Karl dem Großen und der Ottonen, bedeutend auch durch seine große Kunst in der Herstellung von Handschriften. in der Säkularisation wurde das Kloster 1802 aufgehoben, 2001 wieder von Benediktinern besiedelt.

Das zum Benediktinerorden gehörende Kloster Schwarzach in Rheinmünster wurde 1802/03 in der Säkularisation aufgelöst, die Kirche Pfarrkirche.

Pirmin ist Namensgeber der Stadt Pirmasens, wo ihm die das Stadtbild prägende, 1897 bis 1900 gebaute Pfarrkirche geweiht ist. Seine Reliquien kamen 1558 zur Rettung vor der Reformation vom Kloster Hornbach in den Dom nach Speyer, seit 1576 sind Teile davon in der Jesuitenkirche in Innsbruck; weitere Orte sind im Besitz von Reliquien, darunter die heutige, 1926 bis 1930 gebaute katholische Pfarrkirche in Hornbach und seit 1953 die Pfarrkirche Sankt Martin in Medelsheim nahe Hornbach; 2009 wurden solche in Mondsee in Oberösterreich gefunden, dort hatte Pirmin im Auftrag von Bayernherzog Odilo das Kloster gegründet, das 1791 aufgehoben wurde.

Attribute: als Bischof, mit Schlangen
Patron der Pfalz, des Elsass, der Insel Reichenau und von Innsbruck; der Wöchnerinnen; bei Augenleiden; gegen Pest, Schlangen, schädliches Gewürm, Vergiftung und Rheumatismus

Statue in der Pfarrkirche Sankt Martin in Medelsheim
Statue in der Pfarrkirche Sankt Martin in Medelsheim

1 Tatsächlich wurde dieses Kloster von Sigebald von Metz gegründet.

2 Das Kloster Schwarzach wurde 748/749 durch den fränkischen Grafen Ruthard im benachbarten Stollhofen gegründet, dass als geistlicher Gründer Pirmin an dessen Wiege stand ist tatsächlich nicht unwahrscheinlich; es wurde dann an die Schwarze Ach verlegt; an dieser Stelle wird es in der Ende des 9. Jahrhunderts enstandenen Lebensgeschichte Pirmins genannt.

3 Das Kloster Pfäfers wurde tatsächlich - nach einer Nachricht von Hermann dem Lahmen - möglicherweise 731 geründet und mit Mönchen aus dem Kloster Reichenau besiedelt; in der ältesten Pirmin-Biografie fehlt aber jeder Hinweis auf Pfäfers. Die später enstandene Legende erzählt, Pirmin habe die Gründung des neuen Klosters auf der anderen Seite des Rheintals geplant; beim Holzschlagen verletzte sich ein Bauarbeiter und sein Blut tropfte auf einen Holzspan, den eine weiße Taube an den Ort des späteren Klosters trug, was Pirmin zur Verlegung des Bauplatzes bewog.

Worte des Heiligen

Pirmin gibt in der Frühzeit des alemannischen Christentums Anweisungen, die Einblick geben in das damalige christliche Leben:
Bringt zur heiligen Kirche als Opfer Kerzen, Öl und Weihrauch, die Erstlinge und den Zehnten, Almosen und alle eure guten Versprechen. Dorthin sollt ihr kommen an den hohen Festen und sonntags, an den Festen heiliger Märtyrer und Bekenner; kommt zu den Vigilien und Tagzeiten, zum Hören der heiligen Messe und zum Empfang des Opfers, wie es die Heilige Schrift lehrt.
Keiner soll wagen, in der Kirche selbst oder wo sonst die heilige Lesung vorgetragen wird, zu schwatzen, vielmehr sollt ihr gern die heiligen Lesungen hören. Sagt doch der Herr durch Moses: Höre, Israel, und schweige (5. Mose 27, 9).
Verachtet nicht den Herrentag, haltet ihn mit Ehrfurcht. Knechtliches Werk, wie das Arbeiten auf dem Acker, auf der Wiese, im Weinberg oder was sonst schwere Arbeiten sind, sollt ihr nicht verrichten. Auch sollt ihr an den Herrentagen keine Rechtshändel oder Anklagen untereinander verhandeln außer der Arbeit, die zum Kochen einer Speise für die Erquickung des Leibes notwendig ist. Denn der Herrentag wurde als erster geschaffen, an ihm wurde die Finsternis vertrieben, es erschien das Licht, an ihm sind die Grundfesten der Welt gebildet und die Engel geschaffen worden. An diesem Tag wurde das Volk aus Ägypten durch das Rote Meer befreit so, wie durch das Wasser der Taufe aus dem Dunkel der Sünde. Am gleichen Tag wurde den Menschen als himmlische Speise das Manna erstmals gegeben. Zu diesem Tag befahl Moses dem Volk: Den Tag sollt ihr als den ersten und wichtigsten halten [vgl. 2. Mose 12, 14]. Und der Prophet sagt darüber: Diesen Tag hat der Herr gemacht; an ihm wollen wir jubeln und fröhlich sein (Psalm 118, 24).
An diesem Tag ist auch Christus von den Toten auferstanden; an ihm ist der Heilige Geist vom Himmel auf die Apostel herabgekommen. Deswegen heißt er Herrentag, damit wir an ihm nur dem göttlichen Kult dienen und uns irdischer Arbeiten und weltlicher Vergnügen enthalten. So bitten wir euch also, diesen Tag nach so großen und heiligen Zeugnissen, wie oben geschrieben ist, in aller Ehrfurcht und aller Hingabe, wie es sich für Christen ziemt, zur ewigen Vergeltung zu halten.


Pirmin warnt vor abergläubischen Praktiken, die zu seiner Zeit offensichtlich noch eine große Rolle spielten:
Ihr sollt nicht Götzenbilder anbeten; besonders Felsen und Blumen, Ecksteinen, Quellen und Kreuzwegen [Wegkreuzungen] sollt ihr keine Gebete und keine Gelübde darbringen. Besprechern und Losdeutern, Gauklern, Opferschauern, Propheten, Wahrsagern, Magiern, Zauberern, gottlosem Wahrsagen beim Niesen, Weissagen durch Vögel oder anderen schlechten und teuflischen Einfällen sollt ihr nicht glauben und sie auch nicht üben. Das Fest der Frühlingsfeuer und das Begehen des Ersten eines Monats, einen Lorbeerzweig aufhängen, auf den Schritt achten, über einen Leichnam Frucht und Wein ausschütten, Brot in den Brunnen werfen, oder wenn die Frauen beim Weben Minerva anrufen, den Tag der Venus oder einen anderen bestimmten Tag nur zur Hochzeit nehmen, einen bestimmten Tag für das Reisen vorbehalten: was ist dies anders als teuflisches Werk?
Zeichen, Amulette, Kräuter und Bernstein sollt ihr euch und den euren nicht umhängen. Wetterpropheten sollt ihr nicht glauben. Auch sollt ihr denen nichts geben, die sagen, die Seelen der Verstorbenen könnten Gewinn bringen.
Glaubt nicht den Feuerschauerinnen, die den Menschen ein Schicksal nennen, um irgendetwas Zukünftiges anzukündigen, was ihnen Gutes oder Schlechtes geschehen wird. Glaubt ihnen nicht, Gott allein ist es gegeben, die Zukunft zu wissen.
Am ersten Tag des Monats sollt ihr nicht Felle von Hirschen oder Pferden anziehen. Männer sollen keine Frauenkleider und Frauen sollen keine Männerkleider an diesen Tagen oder zu anderen Spielen tragen.
Glieder aus Holz sollt ihr nicht für Kreuzwege, für Bäume oder für etwas anderes schnitzen und darbringen, denn sie können euch die Gesundheit nicht bringen.
Bei Mondfinsternis sollt ihr nicht schreien. Keiner soll Teufelsgesängen glauben und nicht wagen, sie über sich singen zu lassen.
Kein Christ soll es wagen, bei den Kirchen, in den Häusern, an Kreuzwegen oder an irgendeinem anderen Ort Reigen, Sang- und Tanzspiele oder Scherze und verwerfliche Spiele zu treiben. Gaukeleien, Lästerreden, Liebeleien oder Unzüchtiges sollt ihr nicht aussprechen. Alle teuflischen Amulette [sollt ihr nicht anbeten] sowie allem, was hier genannt ist, sollt ihr nicht glauben, [es] nicht anbeten, darauf keine Gelübde machen und dafür keine Ehre aufwenden.

Quelle: U. Engelmann (Übersetzer): Der heilige Pirmin und sein Pastoralbüchlein. Sigmaringen 1976, S. 57, 53 - 55

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Der Kaiserdom in Speyer ist werktäglich von 9 Uhr bis 19 Uhr, von November bis März nur bis 17 Uhr, sonntags von 11.30 Uhr bis 17.30 Uhr zur Besichtigung geöffnet. (2019)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 03.12.2019

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://derstandard.at/?url=/?id=1234509407267
• http://www.evangelische-kirche-bebenhausen.de/texte/Credo-Geschichte.pdf
• http://www.petrus-giesensdorf.de/themen/2002/01/glaubensbekenntnis.htm
• Reif für die Insel, Stuttgarter Zeitung, 12. März 2011
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999
• Gengenbach - Kirche und Berglekapelle, 2. Aufl. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2010

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.