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Hanspeter Widrig: moderne Bronzeplastik, 1998, in der Stadt Ornbau im Altmühltal
Jodokus war der Überlieferung nach ein bretonischer Prinz. Sein Vater Judhaël regierte demnach die aus England in die Bretagne eingewanderten keltischen Stämme erstmals als ihr gemeinsamer König; seine Mutter hieß Prizel. Als sein älterer Bruder Judikaelus um 636 in ein Kloster eintrat, erbat sich Jodokus acht Tage Bedenkzeit und schloss sich dann einer zufällig vorbeikommenden Pilgergruppe an, um den Thron nicht besteigen zu müssen. Berichtet wird, wie er seine Krone zu Boden warf, worauf dort eine Quelle entsprungen sei. Er kam an den Hofe des Grafen Haymon in der Picardie, der sein lebenslanger Gönner wurde und ihm das Priesterstudium ermöglichte. Sieben Jahre dient er ihm dafür als Hofkaplan. Jodokus zog es dann aber in die Einsamkeit; Haymon baute ihm eine Klause in Brahic am Authie - dem heutigen Raye-sur-Authie -, wo er acht Jahre blieb.
Jodokus zog dann um 652 nach Runiac - beim heutigen Montreuil-sur-Mer - an der Canche, wo er wiederum von Haymon beim Bau der Zelle unterstützt wurde. Nachdem Jodokus dort von einer Schlange gebissen worden war, zog er weiter - etwas vom Fluss entfernt - ins heutige St-Josse-sur-Mer, wo er auch eine Petrus und Paulus geweihte Kapelle errichtete. Jodokus' Zelle in Runiac war vom Fluss umgeben; Fische und Vögel, die er fütterte, wurden der Legende nach zahm; bei der Messfeier erschien eine segnende Hand; dreimal erschien ihm Christus als Bettler; jedesmal teilte Jodokus sein Brot, bis nichts mehr übrig blieb, aber durch das Fenster sah er Schiffe mit Nahrungsmitteln landen.
Jodokus-Statue in St-Josse-sur-Mer,
wo sich sein Reliquienschrein befindet
![]()
Auf einer Wallfahrt nach Rom
ums Jahr 665 hatte Jodokus der Überlieferung nach Gespräche mit Martin
von Tours *. Mit Reliquien
beladen kam er zurück in seine Einsiedelei Runiac
an der Canche, die inzwischen weiter ausgebaut worden war und aus der später
das Kloster von St-Josse-sur-Mer
entstand. Der Überlieferung nach heilte er noch auf dem Rückweg ein blindes Mädchen.
Ein paar Monate nach seiner Rückkehr starb Jodokus nach Versuchungen
und Heilungen, wie ein Engel anzusehen
. 40 Jahre lang wurde sein
Leib im Grab der Martin geweihten Kirche gesehen als ob er lebe
,
später wurde er in einen Schrein umgebettet.
In Deutschland verbreitete sich die Verehrung Jodokus' über die Klöster in Prüm in der Eifel und St. Maximin in Trier seit dem 9. Jahrhundert. In der Zeit der Überfälle durch die Normannen nahmen die Mönche die Reliquien von Jodokus 902 mit ins Kloster Hyde bei Winchester in England, das zum englischen Zentrum seiner Verehrung wurde. Andere waren angeblich versteckt worden und kamen 977 zurück ins Kloster in St-Josse-sur-Mer, wo sie feierlich präsentiert wurden. Der mehrfach erneuerte Reliquienschrein steht heute in der Dorfkirche des Ortes, wohin man ihn in der Französischen Revolution gerettet hat; das Dorf ist bis heute ein bedeutender Wallfahrtsort. Weitere Reliquien kamen 1338 in die St.-Jodok-Kirche in Landshut in Bayern, von dort auch nach Tännesberg in der Oberpfalz und Ravensburg, andere sind in Langenfeld in der Eifel, Bielefeld, St-Josse-ten-Noode / Sint-Joost-ten-Node in Brüssel und an anderen Orten.
Jodokus galt im Mittelalter neben Jakobus
als der Patron der Pilger. Von jenem unterscheidet ihn
in den Darstellungen oft die abgelegte Krone zu seinen Füßen.
In zahlreichen Wallfahrtsorten
wird Jodokus zusammen mit Jakobus verehrt. Seine Verehrung verbreitet sich
über die Benediktinerklöster in Prüm
in der Eifel, St. Maximin in Trier,
Walberberg
bei Köln sowie entlang der Pilgerwege über ganz Europa, ab dem 9. Jahrhundert
gehörte er besonders in Deutschland zu den am meisten verehrten Heiligen. Im
Mittelalter galt: Wem Sant Jago zu weit ist, der geht nach Saint
Josse!
Jodokus wurde zum Begleiter aller Menschen, die unterwegs sind.
Ihm geweihte Kirchen und Kapellen gab es besonders entlang der Pilgerwege
in ganz Europa. Die größte ihm geweihte Kirche ist St-Josse-ten-Noode
in Brüssel,
wo auch ein ganzer Stadtteil in der Innenstadt seinen Namen trägt. Die
Orte St.
Jodok nahe Innsbruck und Jobst
in der Steiermark sind nach ihm benannt, ebenso St-Judoce
und der Weiler St-Josse-au-Bois
in der Bretagne, Jobstgreuth
in Franken, das ehemalige Kloster Jobstenberg
bei Bayreuth, Jostal
- heute Ortsteil von Titisee-Neustadt - im Schwarzwald und St.
Joost an der Nordsee.
In St-Josse-sur-Mer
wird bis heute während der Pfingstwoche
sein Schrein in einer Prozession zu seinen Lebensstationen getragen. In der
Eifel werden von Jodokus-Bruderschaften Pilgerzüge zur Jost-Kapelle im
Nitztal bei Langenfeld
organisiert, in Tännesberg
in der Oberpfalz wird am letzten Julisonntag eine große Pferdeprozession, der
St.-Jodok-Ritt
abgehalten. In Stinstedt
bei Cuxhaven hat die Wallfahrt die
Reformation nicht überlebt; in Fischbachtal
im Odenwald gibt es dagegen einen ganz neuen ökumenischen Jodokus-Pilgerweg.
Kupferstich, 1667, aus Montreuil - heute Montreuil-sur-Mer
- in der Picardie ![]()
Attribute:
als Pilger
Patron
der Pilger, Schiffer, Bäcker, Bauern und Winzer; der Blinden; der Siechenhäuser
und Haustiere; bei Kinderwunsch; für eine gute Ernte; gegen Gewitter, Schadenfeuer,
Getreidebrand, Fieber, Pest und Krankheiten
* Tatsächlich war Martin damals natürlich längst gestorben.
Das
wichtigste deutschsprachige Buch über Jodok hat Jost Trier schon 1924 als
Doktorarbeit verfasst: Der
Heilige Jodocus: Sein Leben und seine Verehrung, zugleich ein Beitrag
zur Geschichte der deutschen Namengebung, 2008 in 2. Auflage als
Reprint neu erschienen.
Alfred Rössler,
jetzt Pfr. i. R., früher in der Pfarrei St. Jodok in Landshut, bietet auf seiner ausgezeichnet gestalteten
Homepage ausführliche Informationen
zu Jodokus auch auf Englisch und Französisch..
Eine
interessante wissenschaftliche Abhandlung über Pilgerfahrten
aus Deutschland zu Jodokus mit Ausführungen zu Jodokus und seinem Kloster
und die Bedeutung von Pilgerzeichen bietet Andreas Haasis-Berner auf seiner
Web-Site.
Der
Landrat des Landkreises Neustadt a. d. Waldnaab, Simon Wittmann, informiert auf
seiner Homepage über Jodokus, die
Sankt Jodokkirche und den Sankt Jodokritt in seinem Heimatort Tännesberg.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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