Gedenktag katholisch: 13. Dezember
in Winchester: 9. Januar (Übertragung der Gebeine)
in Amiens: Übertragung der Gebeine: 26. Juli
Name bedeutet: der Kämpfer (keltisch)
Hanspeter Widrig: moderne Bronzeplastik, 1998, in der Stadt Ornbau im Altmühltal
Jodokus war der Überlieferung nach ein bretonischer Prinz. Sein Vater Judhaël regierte demnach die aus England in die Bretagne eingewanderten keltischen Stämme erstmals als ihr gemeinsamer König; seine Mutter hieß Prizel. Als sein älterer Bruder Judikaelus um 636 in ein Kloster eintrat, erbat sich Jodokus acht Tage Bedenkzeit und schloss sich dann einer zufällig vorbeikommenden Pilgergruppe an, um den Thron nicht besteigen zu müssen. Berichtet wird, wie er seine Krone zu Boden warf, worauf dort eine Quelle entsprungen sei. Er kam an den Hof des Grafen Haymon in der Picardie, der sein lebenslanger Gönner wurde und ihm das Priesterstudium ermöglichte. Sieben Jahre dient er ihm dafür als Hofkaplan. Jodokus zog es dann aber in die Einsamkeit; Haymon baute ihm eine Klause in Brahic am Authie - dem heutigen Raye-sur-Authie -, wo er acht Jahre blieb.
Jodokus zog dann um 652 nach Runiac - beim heutigen Montreuil-sur-Mer - an der Canche, wo er wiederum von Haymon beim Bau der Zelle unterstützt wurde. Jodokus' Zelle war vom Fluss umgeben; Fische und Vögel, die er fütterte, wurden der Legende nach zahm; bei der Messfeier erschien eine segnende Hand; dreimal erschien ihm Christus als Bettler; jedesmal teilte Jodokus sein Brot, bis nichts mehr übrig blieb, aber durch das Fenster sah er Schiffe mit Nahrungsmitteln landen. Nachdem Jodokus dort von einer Schlange gebissen worden war, zog er weiter - etwas vom Fluss entfernt - in den heute nach ihm benannten Wald in St-Josse, wo er auch eine Petrus und Paulus geweihte Kapelle errichtete.
Jodokus-Statue in St-Josse-sur-Mer,
wo sich heute in der Pfarrkirche sein Reliquienschrein befindet

Auf einer Wallfahrt nach Rom
ums Jahr 665 hatte Jodokus der Überlieferung nach Gespräche mit Martin
von Tours *. Mit Reliquien
beladen kam er zurück in seine Einsiedelei
beim heutigen St-Josse-sur-Mer, die inzwischen weiter ausgebaut worden war und aus der später das Kloster
St-Josse-sur-Mer entstand. Der Überlieferung nach heilte er noch auf dem Rückweg ein blindes Mädchen.
Ein paar Monate nach seiner Rückkehr starb Jodokus nach Versuchungen
und Heilungen, wie ein Engel anzusehen
. 40 Jahre lang wurde sein
Leib im Grab der Martin geweihten Kirche gesehen als ob er lebe
,
später wurde er in einen Schrein umgebettet.
In der Zeit der Überfälle durch die Normannen nahmen die Mönche die Reliquien von Jodokus 902 mit ins Kloster Hyde bei Winchester in England, das zum englischen Zentrum seiner Verehrung wurde. Andere waren angeblich versteckt worden und kamen 977 zurück ins Kloster St-Josse-sur-Mer, wo sie feierlich präsentiert wurden. Der mehrfach erneuerte Reliquienschrein steht heute in der Pfarrkirche des Ortes, wohin man ihn in der Französischen Revolution gerettet hat; das Dorf ist bis heute ein bedeutender Wallfahrtsort. Weitere Reliquien kamen 1338 in die St.-Jodok-Kirche in Landshut in Bayern, von dort auch nach Tännesberg in der Oberpfalz und Ravensburg, andere sind in Langenfeld in der Eifel, Bielefeld, St-Josse-ten-Noode / Sint-Joost-ten-Node in Brüssel und an anderen Orten.
Jodokus galt im Mittelalter neben Jakobus
als der Patron der Pilger. Von jenem unterscheidet ihn in den Darstellungen oft die
abgelegte Krone zu seinen Füßen. In zahlreichen Wallfahrtsorten
wird Jodokus zusammen mit Jakobus verehrt. In Deutschland verbreitete sich die Verehrung Jodokus'
über die Klöster in Prüm
in der Eifel, St. Maximin in Trier
und Walberberg
bei Köln seit dem 9. Jahrhundert. Gleichzeitig wuchs die Verehrung in ganz Europa, v.a.
entlang der Pilgerwege. Im Mittelalter galt: Wem Sant Jago - also Santiago
de Compostela zu weit ist, der geht nach Saint Josse!
Jodokus wurde zum Begleiter
aller Menschen, die unterwegs sind. Ihm geweihte Kirchen und Kapellen gab es besonders
entlang der Pilgerwege in ganz Europa. Die größte ihm geweihte Kirche ist St-Josse-ten-Noode
in Brüssel,
wo auch ein ganzer Stadtteil in der Innenstadt seinen Namen trägt. Die Orte St.
Jodok am Brennerpass und Jobst
in der Steiermark sind nach ihm benannt, ebenso St-Judoce
und der Weiler St-Josse-au-Bois
in der Bretagne, Jobstgreuth
in Franken, das ehemalige Kloster Jobstenberg
bei Bayreuth, Jostal
- heute Ortsteil von Titisee-Neustadt - im Schwarzwald und St.
Joost an der Nordsee.
Jodokus-Statue in der Pfarrkirche
in St. Jodok am Brenner 
In St-Josse-sur-Mer
wird bis heute während der Pfingstwoche
sein Schrein in einer Prozession zu seinen Lebensstationen getragen. In der
Eifel werden von Jodokus-Bruderschaften Pilgerzüge zur Jost-Kapelle im
Nitztal bei Langenfeld
organisiert, in Tännesberg
in der Oberpfalz wird am letzten Julisonntag eine große Pferdeprozession, der
St.-Jodok-Ritt
abgehalten. In Stinstedt
bei Cuxhaven hat die Wallfahrt die
Reformation nicht überlebt; in Fischbachtal
im Odenwald gibt es dagegen einen ganz neuen ökumenischen Jodokus-Pilgerweg.
Kupferstich, 1667, aus Montreuil - heute Montreuil-sur-Mer
- in der Picardie 
Attribute:
als Pilger
Patron
der Pilger, Schiffer, Bäcker, Bauern und Winzer; der Blinden; der Siechenhäuser und Haustiere; bei Kinderwunsch;
für eine gute Ernte; gegen Gewitter, Schadenfeuer, Getreidebrand, Fieber, Pest und Krankheiten
* Tatsächlich war Martin damals natürlich längst gestorben.
Das wichtigste deutschsprachige Buch über
Jodokus hat Jost Trier schon 1924 als Doktorarbeit verfasst: Der
Heilige Jodocus: Sein Leben und seine Verehrung, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Namengebung,
2008 in 2. Auflage als Reprint neu erschienen.
Alfred Rössler,
jetzt Pfr. i. R., früher in der Pfarrei St. Jodok in Landshut, bietet auf seiner ausgezeichnet gestalteten Homepage
ausführliche Informationen zu Jodokus, auch auf Englisch und
Französisch.
Eine interessante
wissenschaftliche Abhandlung über Pilgerfahrten
aus Deutschland zu Jodokus mit Ausführungen zu Jodokus und seinem Kloster und die Bedeutung von Pilgerzeichen
bietet Andreas Haasis-Berner auf seiner Web-Site.
Grabungsergebnis für die ehemalige Klosterkirche Jobstenberg
bei Bayreuth, 1975 gefunden 
Der Landrat des
Landkreises Neustadt a. d. Waldnaab, Simon Wittmann, informiert auf seiner Homepage über Jodokus, die
Sankt Jodokkirche und den Sankt Jodokritt in seinem Heimatort Tännesberg.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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