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Heinrich Bullinger. Aus: Boissard, Jean-Jacques: Bibliotheca chalcographica,
Partes 1-5, Heidelberg,
Clemens Ammon o.J. (1669) 
Heinrich Bullinger wurde als Sohn eines römisch-katholischen Priesters geboren. Nach dem Besuch der Lateinschule studierte er in Emmerich und 1519 - 22 in Köln, wo Schriften von Erasmus von Rotterdam und Martin Luther großen Eindruck auf ihn machten. Er wurde dann Lehrer im Zisterzienserkloster in Kappel und legte in seinen Vorlesungen über die paulinischen Briefe den Grundstein für die Reformation des Klosters - es wurde 1529 aufgehoben. 1528 nahm er an der Berner Disputation teil, im selben Jahr wurde er in die Züricher Kirchensynode aufgenommen. 1529 bis 1531 war er Pfarrer in seinem Heimatort Bremgarten - neben seinem Vater, der inzwischen auch zum reformierten Glauben übergetreten war.
Als die Reformierten bei der Schlacht von Kappel
am 11. Oktober 1531 unterlagen und Huldreich
Zwingli in den Kämpfen fiel, mussten auch Bullinger und sein Vater nach
Zürich
fliehen. Er erhielt den Auftrag, im Großmünster zu predigen und beeindruckte so,
dass es vielen vorkam, Zwingli sei nicht tot, sondern er sei gleich einem
Phoenix wieder erstanden
- so Zwinglis Freund Oswald Myconius. Nach zwei
Monaten wurde Bullinger zum Nachfolger Zwinglis als Kopf der Züricher Kirche
gewählt. Er sah sich selbst immer nur als Nachlassverwalter Zwinglis, aber er
prägte durch seine mehr als 7000 Predigten, seine Schriftauslegungen und die
Leitung der SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
des Stadtstaates Zürich über 44 Jahre die Reformation. In der
Prädikanten- und Synodalordnung
von 1532 schuf er eine dauerhafte
Kirchenverfassung, welche die Beziehungen zwischen Kirche und Obrigkeit im Sinne
eines Staatskirchenmodells regelte; die scharfe Form der Genfer Kirchenzucht
lehnte er ab. Bullinger baute das Schul- und Stipendienwesens aus, gegenüber der
Obrigkeit trat er für die Interessen von Kirche und Pfarrerschaft ein.
Bullinger gelang es, die Stellung der reformierten Kiche von Zürich
in der Schweiz und im Protestantismus insgesamt zu stärken. Um Martin
Bucers Einigungsbestrebungen unter den verschiedenen Strömungen der
Reformation entgegenzukommen, arbeitete er zusammen mit Oswald Myconius und
Johann Jakob Grynäus 1536 die Confessio Helvetica
aus. Die
Konkordienverhandlungen mit Luther
zur Vereinigung von lutherischer und reformierter Kirche scheiterten zwar 1538,
mit Johannes Calvin verständigte sich
Bullinger aber 1549 im Consensus Tigurinus
in der Abendmahlsfrage und
ermöglichte so eine Einigung der reformierten Kirchen. Er verhinderte gegen
starken Druck die Teilnahme der reformierten Schweizer Kirchen am Konzil
von Trient. Weithin erfolglos blieb sein Versuch, von den Lutheranern eine
Duldung der refomierten Gemeinden auf deren Territorium zu erreichen. Ebenso
scheiterte sein Vorschlag an die katholische Kirche, sie möge alle Kirchen
anerkennen, deren Lehre auf den altkirchlichen Bekenntnissen fuße, und die Taufe
als einigendes Band sehen.
Bullinger verstand sich trotz seiner Leitunsaufgaben vor allem als Seelsorger und Prediger. Er suchte aufzuzeigen, wie Gott auch vom Schicksal gezeichneten Menschen neue Wege weisen kann, und verfasste Handbücher zur Seelsorge am Krankenbett und in Ehefragen. Sein Haus war eine Heimstadt für viele Flüchtlinge. Seine gedruckten Predigten waren in ganz Europa verbreitet. Rund 12.000 Schreiben aus seinen Briefwechseln mit Gelehrten und Reformatoren des 16. Jahrhunderts sind erhalten, Bullinger übte großen Einfluss aus auf die Reformation in der Schweiz, in Deutschland, England, Polen und Litauen. Auch als Dramatiker trat er hervor und mehrere Arbeiten verfasste er zur Geschichte der Schweiz.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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