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Pietro Perugino: Sebastian, 1493/1494, Hermitage in St.
Petersburg ![]()
Sebastian war nach dem Zeugnis des Ambrosius Mailänder, möglicherweise aber auch in Narbonne geboren, so eine Legende im Umfeld des Sebastiangrabes an der Kirche S. Sebastiano fuori le mura in Rom.
Die Legende schildert Sebastian - über den man nichts wusste, sondern nur
sein Grab kannte - ausgehend von der Bedeutung seines Namens: Demnach war er zur
Zeit von Papst Gaius Hauptmann
der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof Diokletians. Er verheimlichte am Hof
seinen christlichen Glauben, aber seine Stellung erlaubte ihm, seinen
christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen Roms beizustehen - so Marcus
und Marcellianus, Tiburtius,
und den vier Gekrönten
Claudius,
Castorius, Nicostratus
und Symphorianus. Er sprach
ihnen Mut zu, konnte auch immer weitere Römer bekehren, wirkte Wunder, bekehrte
auch römische Adlige und sorgte für die Bestattung der Märtyrer.
Dieser Legende nach ließ Kaiser Diokletian, als er von Sebastians Glauben
erfuhr, diesen an einen Baum binden und von numidischen Bogenschützen erschießen.
Sebastian wurde für tot gehalten und am Hinrichtungsort liegen gelassen; aber er
war von den Pfeilen nicht getötet worden. Die Witwe des Märtyrers Castulus
namens Irene nahm sich seiner
an und pflegte seine Wunden. Als er sich wieder erholt hatte, trat er dem
erstaunten Kaiser öffentlich entgegen, um ihm die grausame Sinnlosigkeit seiner
Verfolgungen vorzuhalten. Diokletian ließ ihn daraufhin im Hippodrom
des Palastes Domus Augustana
auf dem Palatin in Rom zu Tode peitschen und die Leiche
in die cloaca maxima
, den größter Abwasserkanal
, der vom Palatin zum
Tiber führte und am Pons
Aemilius in den Fluss mündete. werfen. Sebastian erschien dann der Christin
Lucina im Traum und wies ihr den
Ort; sie holte den Leichnam heraus und bestattete ihn im Coemeterium an der Via Appia,
den Katakomben
des Sebastian.
Giorgetti: Statue am Grab, um 1665, in der Kirche S.
Sebastiano fuori le mura in Rom ![]()
Das Martyrium von Sebastian in Rom
wurde erstmals 354 bezeugt, als Ort der Bestattung das Coemeterium ad Catacumbas
an der Via Appia genannt - heute die Katakomben
des Sebastian -, wo eine Zeit lang auch Petrus
und Paulus verehrt wurden. Im 4.
Jahrhundert wurde bei diesem Friedhof die Apostelkirche errichtet, diese gehörte
zu den sieben frühchristlichen Pilgerkirchen Roms. Anfang des 5. Jahrhunderts
wurde das Grab so umgebaut, dass die vielen Pilger besseren Zugang bekamen. Im 9.
Jahrhundert wurde die Apostelkirche in S.
Sebastiano fuori le mura oder auch ad Catacumbas
umbenannt.
Die Leidensgeschichte Sebastians hat den Charakter eines epischen Romans, nur geringen historischen Wert und fasst verschiedene römische Märtyrergeschichten in einer Handlung zusammen. Gelegentlich wird sie Ambrosius zugeschrieben, tatsächlich entstand sie wohl Mitte des 5. Jahrhunderts.
Lorenzo Costa: Sebastian, 1490/91, Galleria degli Uffizi in Florenz
![]()
Sebastians Verehrung findet sich im 6. Jahrhundert in Ravenna mit Mosaiken, in Spanien und Nordafrika. Eine Pestepidemie sei in Pavia im Jahr 680 erloschen, nachdem man seine Reliquien hierher brachte und durch die Straßen trug. 826 wurden Reliquien nach St-Médard in Soissons - dem traditionellen Sitz der französischen Könige - gebracht. Papst Gregor IV. errichtete um 840 ein Oratorium mit Sebastians-Reliquien nahe der Peterskirche, Leo IV. ließ wenig später Reliquien in die Kirche der SS. Quattro Coronati bringen. Ein Reliquiar ist heute in der vatikanischen Bibliothek. Weitere Reliquien sollen in Haguenau im Elsass, in Ebersberg in Bayern sowie an anderen Orten Italiens und Europas sein. 1464 erhielt Bebenhausen in Württemberg von Papst Pius II. einen - ins Spätmittelalter zu datierenden - Pfeil, der schnell als Sebastians-Pfeil verehrt wurde; er ist heute in der Martinskirche in Hirrlingen bei Tübingen.
Sebastianspfeile
trug man früher als Schutz gegen die Pest - die
anfliegende Krankheit
. Das erste Martyrium des heiligen Sebastian wurde zum
beliebten Thema in der Kunst der Renaissance, der unbekleidet am Baum stehende
Märtyrer beliebtes Thema der Aktmalerei; heute findet er deshalb das Interesse
von Homosexuellen und er gilt ihnen als Patron gegen Aids
. Seit dem
Mittelalter ist das Trinken des ersten neuen Weines an diesem Tag üblich, dieser
Wein wird als Sebastians-Pfeil
bezeichnet. Sein Aussehen nach der Marter mit
so vielen Pfeilen machte ihn zum Patron der Bürstenmacher. Die Sebastianikälte
bezeichnet traditionell die Zeit vom 16. bis 26. Januar, in der in Mitteleuropa
meist niederschlagsarmes, frostiges Hochdruckwetter mit den niedrigsten Temperaturen
des Jahres vorherrscht. Weil am Sebastianstag der Saft in den Bäumen zu steigen
beginnt durften nach dem Sebastianstag, an dem die jungen Burschen sich Weidenpfeifchen
fertigten, keine Bäume mehr gefällt werden.
In San
Sebastián im Norden Spaniens wird der Festtag des Stadtpatrons mit der Tamborrada
,
einem großen Festumzug, begangen. In San
Sebastián auf Gomera feiert man den Tag mit einem rituellen Bad im Meer, an dem
auch Tiere teilnehmen.
| Sankt Sebastian
Wie ein Liegender so steht er; ganz hingehalten von dem großen Willen. Weitentrückt wie Mütter, wenn sie stillen, und in sich gebunden wie ein Kranz. Und die Pfeile kommen: jetzt und jetzt und als sprängen sie aus seinen Lenden, eisern bebend mit den freien Enden. Doch er lächelt dunkel, unverletzt. Einmal nur wird seine Trauer groß, und die Augen liegen schmerzlich bloß, bis sie etwas leugnen, wie Geringes, und als liessen sie verächtlich los die Vernichter eines schönen Dinges. Rainer Maria Rilke: Neue Gedichte Winter 1905/06, Meudon |
Attribute:
Pfeil, der seine Brust durchbohrt
Patron
von Selm
in Westfalen, Beckum
im Münsterland, Stein
am Kocher; San
Sebastián im Norden Spaniens, Palma
di Mallorca, San
Sebastián auf Gomera und 70 weiteren Orten, davon 28 in Andalusien;
der Brunnen; der Sterbenden, Bogen- und Armbrust- Schützen, Schützengilden,
Soldaten, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisengießer, Zinngießer, Steinmetze, Gärtner,
Waldarbeiter, Gerber, Töpfer, Bürstenbinder und Leichenträger; gegen Pest und Seuchen; modern bei
Homosexuellen: gegen Aids
Bauernregeln:
Haben Fabian und Sebastian nach Kälte Verlangen, /
musst du um deinen Vorrat an Brennholz bangen.
Schütten Fabian und Sebastian viel Schnee auf’s Dach, /
wird vor Matthias der Frühling nicht wach.
Können Fabian und Sebastian Schneemänner bau’n, /
türmt sich der Schnee bald mannshoch am Zaun.
Verschließt tiefer Schnee zu Sebastian die Saaten, / wird unser täglich Brot gut geraten.
An Fabian und Sebastian fängt Baum und Tag zu wachsen an.
An Fabian und Sebastian / soll der Saft in die Bäume gahn.
Fabian, Sebastian, / da steigt der Saft den Baum hinan.
An Fabian und Sebastian / fängt der rechte Winter an.
Sonnenschein um Fabian und Sebastian,
/ lässt den Tieren das Futter ausgah'n.
Ist es um Fabian und Sebastian schon warm,
/ wird das Jahr meist futterarm.
Um Fabian und Sebastian, /
da nimmt auch der Tauber die Taube an.
Statue an der Kathedrale Gallipoli
in Apulien ![]()
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Eine
große Fülle von Gemälden, Skulpturen und anderen Darstellungen von Sebastian
gibt es auf der Webseite The
Iconography of Saint Sebastian
, dazu auch eine ausgewählte Bibliografie.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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