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Ökumenisches Heiligenlexikon

Ida von Toggenburg

auch: Ita, Idda, Itha, Itta, Ydda, Judith und Gutta

Gedenktag katholisch: 3. November
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Basel und St. Gallen

Name bedeutet: die Seherin (althochdt.)

Inklusin
* 1156 in Oberkirchberg, heute Ortsteil von Illerkirchberg bei Ulm in Baden-Württemberg
oder in Kirchberg, heute Ortsteil von Thundorf im Kanton Thurgau (?)
† 1226 (?) in Fischingen im Kanton Thurgau in der Schweiz


Ida, Grafentochter aus Oberkirchberg bei Ulm oder aus Kirchberg im Kanton Thurgau, heiratete der Überlieferung zufolge mit 19 Jahren Heinrich von Toggenburg. Der bezichtigte sie - wie die Legende erzählt - des Ehebruchs, weil ein Rabe ihren Ehering gestohlen hatte; er stieß sie demnach 1191 von seiner Burg - der heutigen St. Iddaburg - in den Abgrund. Doch die zu Unrecht Beschuldigte blieb unversehrt und lebte von nun an als fromme Einsiedlerin in einer Höhle - oder einer verlassenen Köhlerhütte - gegenüber der Burg unterhalb des Berges Hörnli; ein Hirsch mit zwölf Lichtern im Geweih soll ihr beim Gang zur Morgenmesse stets den Weg durch den dunklen Wald geleuchtet haben. Nach einiger Zeit fanden Bedienstete des Grafen die im Wald lebende; nach der Aussöhnung mit ihrem einstigen Peiniger lebte sie nun in einer ihr von diesem erbauten Klause bei der Kirche in Au, wo sie nun viele Menschen aufsuchen und Hilfe und Rat bekommen. Ab 1218 lebte sie als Inklusin beim Benediktinerinnenkloster Fischingen.

Kirche in Märstetten
Kirche in Märstetten. Hier stand 1155 ein Gehöft und eine Kirche, deren Wehrmauern 1928/29 archäologisch nachgewiesen wurden.

Hintergrund der Legende ist wohl eine historische Ida, möglicherweise die mit dem Freiherrn Diethelm aus dem Geschlecht der späteren Grafen von Toggenburg und nach dessen Tod um 1160 mit dessen Nachfolger Gottfried von Märstetten verheiratet war. Seit 1138 übten die Grafen von Toggenburg die Vogtei über das Kloster Fischingen aus. Das Erzählmotiv der Legende ist wie das der in Westdeutschland verbreiteten Legende der Genoveva von Brabant.

Am 3. November - daher der Gedenktag - soll Ida von ihrem Sohn nördlich der damaligen Klosterkirche in Fischingen beigesetzt worden sein. Die Verehrung ist schon vor 1410 nachweisbar. Die Legende verfasste 1481 der Humanist Albrecht von Bonstetten im Kloster in Einsiedeln im Auftrag des Abtes des Klosters in Fischingen. Bald nach ihrem Tod wurde über dem Grab in Fischingen eine Kapelle errichtet, Ida wurde als Heilige verehrt, 1496 ein Kenotaph errichtet. 1580 gründete Abt Christoph Brunner von Fischingen eine Ida-Bruderschaft zur Verbreitung des Kultes und Förderung der Wallfahrt. Der Neubau der Klosterkirche führte 1704 zum Abbruch der alten Kapelle und zu einem architektonisch reich gegliederten Neubau. Im selben Jahr setzte Abt Franz Troger die detaillierten Jahreszahlen in die Legende ein. Das Kloster wurde 1848 aufgehoben, aber 1977 wiederhergestellt als Männerkloster Unserer Lieben Frau bei der heiligen Idda.

Kanonisation: Idas Verehrung wurde 1724 von Papst Benedikt XIII. anerkannt.
Patronin bei Leib- umnd Kopfschmerzen und Schwangerschaftsbeschwerden, für das Wiederfinden von entlaufenem Vieh

Die Ida-Legende des Albrecht von Bonstetten






Ida in der Barockkirche in Fischingen und auf St. Iddaburg

Buchmalerei: älteste Darstellung der Ida, auf dem Kirchgang mit dem Lichter tragenden Hirsch, in der Stadtbibliothek in Winterthur
Buchmalerei: älteste Darstellung der Ida, auf dem Kirchgang mit dem Lichter tragenden Hirsch, in der Stadtbibliothek in Winterthur

  Über St. Iddaburg, den Wallfahrtsort zur heiligen Idda - Einst und Jetzt informiert das Buch von Pfarrer Anton Restle, weiland Wallfahrtspriester.



Web 3.0 - Leserkommentare:

Es ist doch immer wieder eine Überraschung gut, das Heiligenlexikon online. Die Ida-Legende, die nun eingefügt wurde, ist in weiten Zügen identisch zur Genoveva-Legende der Genoveva von Mayen. In Mayen scheint die Genoveva-Verehrung allerdings schon deutlich älter zu sein. Die Legenden sind zum Teil auch mit den Legenden der Genoveva von Paris vermengt. So etwa das Wunder mit der vom Teufel ausgeblasenen Kerze. Allerdings gibt es auch Parallelen zur heidnisch-keltischen Genoveva-Legende der britischen Inseln, in der Hirsch und Hirschkuh vorkommen, die den Lauf des Jahres darstellen (daher auch die zwölf Kerzen auf dem Geweih des Hirschen, für die zwölf Monate!) In Mayen hat man die Genoveva offiziell durch den hl. Clemens substituiert (Festtag Genoveva: 26. 11., Festtag Clemens: 23. 11.), aber die Volksseele hat die Genoveva behalten.

Wegen der (in Mayen tradierten) Zeit von 7 Jahren in einer Höhle scheint sie auch Patronin von Eremitagen in Höhlen gewesen zu sein, denn das Petrus-Relief der Externsteine zeigt eine Person mit weiblichen Zügen und einem Schlüssel (ca. 1105 entstanden, Altarweihe laut Inschrift am Sonntag nach dem 26. 11. 1105). Ältere Zeichnungen, entstanden offenbar zu Zeiten, als das Relief noch nicht von Neoheiden als Hades-Wächter tituliert und verehrt wurde, so dass es sehr litt, zeigen auch eine Kopfbedeckung des Mittelalters, das Gebände, das auch Ida auf ihrem Grab trägt. Gerade die fälschliche Beschuldigung des Ehebruchs war Kern der Heiligmäßigkeit, weil Gott die infame Beschuldigung durch wundersame Rettung wieder richtet. Daher wurde in der Darstellung dieses Symbol, die Haube, worunter die Frau gekommen war, wichtig.
Mit herzlichen Grüßen aus dem tiefsten Westen

Christian Wiltsch über E-Mail, 13. Dezember 2012





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 31.08.2015
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/St-Ida-gefragt-wie-eh-und-je;art4299,802500
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
• Michael Tilly. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. II, Hamm 1990