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Ökumenisches Heiligenlexikon

Sebastian

Gedenktag katholisch: 20. Januar
nicht gebotener Gedenktag
Hochfest in der Stadt Palma, nicht gebotener Gedenktag im übrigen Bistum Mallorca
Hochfest in der Stadt Ciudad Rodrigo, gebotener Gedenktag im übrigen Bistum Cuidad Rodrigo
Hochfest in der Stadt San Sebastián
gebotener Gedenktag in Malta, im Erzbistum Mailand und in der Stadt Huelva
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

gebotener Gedenktag im mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Ritus: 19. Januar
Erscheinung in Frascati: 18. Juni
in Soissons: Übertragung der Gebeine: 15. Oktober, 9. Dezember

Gedenktag evangelisch: 20. Januar

Gedenktag orthodox: 24. Oktober, 18. Dezember

Name bedeutet: der zum Kaiser Gehörende (griech.)

Märtyrer
* in Mailand in Italien (oder Narbonne in Frankreich ?)
† 288 (?) in Rom


Pietro Perugino: Sebastian, 1493/1494, Hermitage in St. Petersburg
Pietro Perugino: Sebastian, 1493/1494, Hermitage in St. Petersburg

Sebastian war nach dem Zeugnis des Ambrosius Mailänder, möglicherweise aber auch in Narbonne geboren, so eine Legende im Umfeld des Sebastiangrabes an der Kirche S. Sebastiano fuori le mura in Rom.

Die Legende schildert Sebastian - über den man nichts wusste, sondern nur sein Grab kannte - ausgehend von der Bedeutung seines Namens: Demnach war er zur Zeit von Papst Gaius Hauptmann der Prätorianergarde am kaiserlichen Hof Diokletians. Er verheimlichte am Hof seinen christlichen Glauben, aber seine Stellung erlaubte ihm, seinen christlichen Glaubensgenossen in den Gefängnissen Roms beizustehen - so Marcus und Marcellianus, Tiburtius, und den vier Gekrönten Claudius, Castorius, Nicostratus und Symphorianus. Er sprach ihnen Mut zu, konnte auch immer weitere Römer bekehren, wirkte Wunder, bekehrte auch römische Adlige und sorgte für die Bestattung der Märtyrer.

Dieser Legende nach ließ Kaiser Diokletian, als er von Sebastians Glauben erfuhr, diesen an einen Baum binden und von numidischen Bogenschützen erschießen. Sebastian wurde für tot gehalten und am Hinrichtungsort liegen gelassen; aber er war von den Pfeilen nicht getötet worden. Die Witwe des Märtyrers Castulus namens Irene nahm sich seiner an und pflegte seine Wunden. Als er sich wieder erholt hatte, trat er dem erstaunten Kaiser öffentlich entgegen, um ihm die grausame Sinnlosigkeit seiner Verfolgungen vorzuhalten. Diokletian ließ ihn daraufhin im Hippodrom des Palastes Domus Augustana auf dem Palatin in Rom zu Tode peitschen und die Leiche in die cloaca maxima werfen, den größten Abwasserkanal, der vom Palatin zum Tiber führte und am Pons Aemilius in den Fluss mündete. Sebastian erschien dann der Christin Lucina im Traum und wies ihr den Ort; sie holte den Leichnam heraus und bestattete ihn im Coemeterium an der Via Appia, den Katakomben des Sebastian.

Giorgetti: Statue am Grab, um 1665, in der Kirche S. Sebastiano in Rom
Giorgetti: Statue am Grab, um 1665, in der Kirche S. Sebastiano fuori le mura in Rom

Das Martyrium von Sebastian in Rom wurde erstmals 354 bezeugt, als Ort der Bestattung das Coemeterium ad Catacumbas an der Via Appia genannt - heute die Katakomben des Sebastian -, wo eine Zeit lang auch Petrus und Paulus verehrt wurden. Im 4. Jahrhundert wurde bei diesem Friedhof die Apostelkirche errichtet, diese gehörte zu den sieben frühchristlichen Pilgerkirchen Roms. Anfang des 5. Jahrhunderts wurde das Grab so umgebaut, dass die vielen Pilger besseren Zugang bekamen. Im 9. Jahrhundert wurde die Apostelkirche in S. Sebastiano fuori le mura oder auch ad Catacumbas umbenannt.

Die Leidensgeschichte Sebastians hat den Charakter eines epischen Romans, nur geringen historischen Wert und fasst verschiedene römische Märtyrergeschichten in einer Handlung zusammen. Gelegentlich wird sie Ambrosius zugeschrieben, tatsächlich entstand sie wohl Mitte des 5. Jahrhunderts.

Pedro de Orrente (1580 bis 1645): Sebastians Martyrium, in der Kathedrale in Valencia
Pedro de Orrente (1580 bis 1645): Sebastians Martyrium, in der Kathedrale in Valencia

Sebastians Verehrung findet sich im 6. Jahrhundert in Ravenna mit Mosaiken, in Spanien und Nordafrika. Eine Pestepidemie sei in Pavia im Jahr 680 erloschen, nachdem man seine Reliquien hierher brachte und durch die Straßen trug. 836 wurden Reliquien nach St-Médard in Soissons - dem traditionellen Sitz der französischen Könige - gebracht. Papst Gregor IV. errichtete um 840 ein Oratorium mit Sebastians-Reliquien nahe der Peterskirche in Rom, Papst Leo IV. ließ wenig später Reliquien in die Kirche der SS. Quattro Coronati bringen. Ein Reliquiar ist heute in der vatikanischen Bibliothek. Eine Armreliquie kam 1250 ins damalige Franziskanerkloster in Haguenau, weitere sollen in der Kirche des ehemaligen Klosters in Andlau im Elsass, in Ebersberg in Bayern sowie an anderen Orten Italiens und Europas sein. 1464 erhielt das Kloster Bebenhausen in Württemberg von Papst Pius II. einen - tatsächlich ins Spätmittelalter zu datierenden - Pfeil, der schnell als Sebastians-Pfeil verehrt wurde; er kam im 17. Jahrhundert in die Martinskirche nach Hirrlingen bei Tübingen.

Gemälde: Sebastians Martyrium, 1788, in der Kathedrale in Narbonne
Gemälde: Sebastians Martyrium, 1788, in der Kathedrale in Narbonne

Sebastianspfeile trug man früher als Schutz gegen die Pest - die anfliegende Krankheit. Das erste Martyrium des heiligen Sebastian wurde zum beliebten Thema in der Kunst der Renaissance, der unbekleidet am Baum stehende Märtyrer beliebtes Thema der Aktmalerei. Heute findet er das Interesse von Homosexuellen und er gilt ihnen als Patron gegen Aids. Seit dem Mittelalter ist das Trinken des ersten neuen Weines an diesem Tag üblich, dieser Wein wird als Sebastians-Pfeil bezeichnet.

Sein Aussehen nach der Marter mit so vielen Pfeilen machte Sebastian zum Patron der Bürstenmacher. Die Sebastianikälte bezeichnet traditionell die Zeit vom 16. bis 26. Januar, in der in Mitteleuropa meist niederschlagsarmes, frostiges Hochdruckwetter mit den niedrigsten Temperaturen des Jahres vorherrscht. Weil am Sebastianstag der Saft in den Bäumen zu steigen beginnt, durften nach dem Sebastianstag, an dem die jungen Burschen sich Weidenpfeifchen fertigten, keine Bäume mehr gefällt werden.

An der Stelle des angeblichen Geburtshauses in Narbonne wurde 1451 eine Kirche errichtet, die Sitz des Domkapitels wurde und 1620 Karmeliterkloster; dieses wurde in der Französischen Revolution 1794 aufgelöst, es ist seit 1986 Seniorenresidenz, die Kirche Pfarrkirche.

Während einer Pestepidemie entstand 1541 in Rheinfelden in der Schweiz die bis heute aktive Sebastiani-Bruderschaft. In San Sebastián im Norden Spaniens wird der Festtag des Stadtpatrons mit der Tamborrada, einem großen Festumzug, begangen. In San Sebastián auf Gomera feiert man den Tag mit einem rituellen Bad im Meer, an dem auch Tiere teilnehmen.

Sankt Sebastian

Wie ein Liegender so steht er; ganz
hingehalten von dem großen Willen.
Weitentrückt wie Mütter, wenn sie stillen,
und in sich gebunden wie ein Kranz.

Und die Pfeile kommen: jetzt und jetzt
und als sprängen sie aus seinen Lenden,
eisern bebend mit den freien Enden.
Doch er lächelt dunkel, unverletzt.

Einmal nur wird seine Trauer groß,
und die Augen liegen schmerzlich bloß,
bis sie etwas leugnen, wie Geringes,
und als liessen sie verächtlich los
die Vernichter eines schönen Dinges.
Rainer Maria Rilke: Neue Gedichte
Winter 1905/06, Meudon

Attribute: Pfeil, der seine Brust durchbohrt; an Baumstamm gebunden
Patron von Selm in Westfalen, Beckum im Münsterland, Stein am Kocher, Dürrwangen bei Ansbach, Landsberg am Lech und Aichach bei Augsburg; San Sebastián im Norden Spaniens, Palma di Mallorca, San Sebastián auf Gomera und 70 weiteren Orten, davon 28 in Andalusien; der Brunnen; der Sterbenden, Bogen- und Armbrust- Schützen, Schützengilden, Soldaten, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisengießer, Zinngießer, Steinmetze, Gärtner, Waldarbeiter, Gerber, Töpfer, Bürstenbinder und Leichenträger; gegen Pest und Seuchen, Geschwüre, Infektionen, Wunden, kranke Kinder; modern bei Homosexuellen: gegen Aids

Bauernregeln: Haben Fabian und Sebastian nach Kälte Verlangen, / musst du um deinen Vorrat an Brennholz bangen. Schütten Fabian und Sebastian viel Schnee auf’s Dach, / wird vor Matthias der Frühling nicht wach. Können Fabian und Sebastian Schneemänner bau’n, / türmt sich der Schnee bald mannshoch am Zaun. Verschließt tiefer Schnee zu Sebastian die Saaten, / wird unser täglich Brot gut geraten. An Fabian und Sebastian / fängt Baum und Tag zu wachsen an.
An Fabian und Sebastian / soll der Saft in die Bäume gahn.
Fabian, Sebastian, / da steigt der Saft den Baum hinan.
An Fabian und Sebastian / fängt der rechte Winter an.
Sonnenschein um Fabian und Sebastian, / lässt den Tieren das Futter ausgah'n. Ist es um Fabian und Sebastian schon warm, / wird das Jahr meist futterarm.
Um Fabian und Sebastian, / da nimmt auch der Tauber die Taube an.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Eine große Fülle von Gemälden, Skulpturen und anderen Darstellungen von Sebastian gibt es auf der Webseite The Iconography of Saint Sebastian, dazu auch eine ausgewählte Bibliografie.

  Ein 25-minütiges Laien-Theaterstück über den heiligen Sebastian hat die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Winnekendonk am 27. Juni 2009 in Reichswalde vorgeführt.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Anthonis van Dyck: Martyrium des Heiligen Sebastian, Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München
Anthonis van Dyck: Martyrium des Heiligen Sebastian, Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München

Die Kathedrale in Palma de Mallorca ist täglich außer sonntags von 10 Uhr bis 20 Uhr, von Oktober bis März nur bis 18 Uhr und nur dienstags bis samstags, zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt beträgt 7 €. (2016)


Web 3.0 - Leserkommentare:

Nach einem Museumsbesuch in der Alten Pinakothek in München und der inhaltlichen Beschäftigung mit dem Bild Das Martyrium des Sebastian wollte ich noch weitere Informationen zu diesem besonderen Heiligen finden. Das Besondere an der Darstellung van Dyks ist, dass Sebastian vor der geplanten Hinrichtung gezeigt wird und in seiner Haltung und seinem Gesichtsausdruck bereits die Unverletzbarkeit und die Kraft des Glaubens zu erkennen ist.

Aufgestoßen ist mir folgende Textstelle auf Ihrem Portal dazu und besonders das Wort deshalb: Das erste Martyrium des heiligen Sebastian wurde zum beliebten Thema in der Kunst der Renaissance, der unbekleidet am Baum stehende Märtyrer beliebtes Thema der Aktmalerei; heute findet er deshalb das Interesse von Homosexuellen und er gilt ihnen als Patron gegen Aids. *

Es ist sicher wahr, dass die Unbeirrbarkeit im Handeln des gefehmten Sebastian und die Unversehrbarkeit Attribute sind, die ein homosexueller Mensch in seiner nicht einfachen Entwicklung in der Gesellschaft, gerade auch nach Aufkommen von AIDS in den 80er-Jahren, als vorbildlich und ein Hoffnungsschimmer empfindet. Dass er aber deswegen interessant ist, wie Sie schreiben, da er als unbekleideter Mann am Baum steht, da unterschätzen Sie die Verehrungsmotivation von Homosexuellen. Vielleicht oder hoffentlich aus Unkenntnis.

Miro Craemer über E-Mail, 23. und 27. Februar 2013

* Wir haben den Text aufgrund des Hinweises geändert, s. o.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 24.09.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Microsoft Encarta 98 Enzyklopädie
• http://www.bauernregeln.net/januar.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Benjamin Wolff, E-Mail vom 14. Juni 2007
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000
• http://www.osthessen-news.de/beitrag_C.php?id=1160782
• http://www.agrarheute.com/landleben/umwelt/%27haben_fabian_und_sebastian_nach_k%E4lte_verlangen,_musst_du_um_deinen_vorrat_an_brennholz_bangen%27.html?redid=326375
• http://www.gralon.net/tourisme/monuments/info-l-eglise-collegiale-saint-sebastien-ne--a-narbonne-11-narbonne-21579.htm