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Ökumenisches Heiligenlexikon

Luitgard von Wittichen

auch: Liutgard, Ludgard, Lutgard

Gedenktag katholisch: 16. Oktober

Name bedeutet: die Schützerin des Volkes (althochdt.)

Klostergründerin, Mystikerin
* 1291 bei der Burg in Reinerzau bei Alpirsbach in Baden-Württemberg
† 16. Oktober 1349 in Wittichen in Baden-Württemberg


Luitgrad zieht mit ihren Gefährtinnen ins Kloster Wittichen ein, 1745, aus der „Vita beatae Luitgradis”, in der Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen
Luitgrad zieht mit ihren Gefährtinnen ins Kloster Wittichen ein, 1745, aus der Vita beatae Luitgradis, in der Fürstenbergischen Hofbibliothek in Donaueschingen

Luitgard, Tochter eines wohlhabenden Bauern im Dienst des Herren auf der - heute abgegangenen - Burg in Reinerzau, wurde mit einer leichten Behinderung - einem schiefen Hals - geboren. Schon als Kind habe sie sich durch große Frömmigkeit und Hilfsbereitschaft ausgezeichnet. Im Alter von zwölf Jahren kam sie als Begine nach Oberwolfach in Baden. Dort kam sie in Kontakt mit den Gottesfreunden - einer Bewegung im Umfeld der Mystik des 14. Jahrhunderts - des Rulman Merswin, eines Freundes von Johannes Tauler, und lebte dort auch 20 Jahre lang als Reklusin. In einer mystischen Begegnung mit Jesus Christus bekam sie 1324 den Auftrag, ein Kloster zu gründen, das 34 Jungfrauen aufnehmen sollte entsprechend der Lebensjahre Jesu 1; in ihrer Klause sammelte sie nun diese 34 Gefährtinnen. Um Unterstützung für den Klosterbau an dem ihr in der Vision geoffenbarten einsamen Ort nahe ihres Geburtsortes zu erhalten, besuchte sie den Herzog von Schiltach, von dessen Tochter sie Patin war. In Wittichen gründete sie dann 1325 mit Unterstützung von Agnes, der Witwe des ungarischen Königs, die seit 1317 in dem von ihr am Todesort ihres Vaters gestifteten Kloster Königsfelden in Windisch bei Aarau lebte, ein Kloster für Franziskaner-Tertiarinnen und leitete es.

Luitgard-Lied
übertragen von Dr. Gottfried Hertzka

Ich lobe des Vaters Uranfang.
Sein Sohn für uns den Tod bezwang,
auf dass durch Heil'gen Geistes Rat
ein Kloster in der Wüst aufgaht.

Nun bitten wir die göttlich Kraft,
dass Gottes Ehr den Sieg verschafft.
Dir ewiglich zu eigen sein
befehlen wir dem Namen Dein.

Die Königin, die Gott gebar,
nimmt unser aller treulich wahr,
einsetzt sie und entsetzet wieder;
ohn' sie liess keines sich hier nieder.

Sie bäte denn ihr Kindelein
und sprach: Es soll dein eigen sein!
So bitten wir die Königin,
dass wir der Pfründe würdig sin.

Die Engel schreiben alles an,
was man im Kloster müsse han.
Und liegt des Klosters Geld auch weit,
sie bringen's an zur rechten Zeit.

Nur haltet euer Herze frei,
damit's der Engel Wohnung sei.
Weil Sankt Kathrin liess locker nicht
sei sonder Andacht eure Pflicht.

Wie fröhlich ging sie in den Streit,
darob sie mahnt uns alle Zeit.
Sie spricht: Wollt ihr bestehn,
lasst eignen Willen untergehn!


Drum hütet euch vor Eigenheit,
wollt siegreich ihr besteh'n den Streit.
Zwölfboten, Jungfraun, Märtyrer
blieb eigner Wille nimmermehr.

Sie hatten sich auf Erd ergeben;
den Lohn gibt Gott, das ewig Leben.
Treibt euern eignen Willen aus,
wollt ihr ins Allerheil'gen-Haus

Nehmt guter Leute Kindersegen,
ihrer Seelen wohl zu pflegen,
zu lernen gute Zucht und Sitten,
selig zu wohnen dort inmitten.

Der Heilig Geist Schulmeister ist,
der lehrt den Weg zu Jesus Christ.
Barmherzig ist er allezeit,
wenn man aus Reue zu ihm schreit.

So also tut, wollt ihr genesen,
dass ihr möget selig wesen!

Dazu verhelfe uns die heilige Dreifaltigkeit, die Fürbitte der gebenedeiten Jungfrau Maria und aller Heiligen Gottes. Amen.

Aus: Berchtold von Brombach: Das Leben der heiligen Luitgard von Wittichen, hg. von Arnold Guillet. Christiana, Stein am Rhein 1976

Auf einer Reise zum Papst nach Avignon warb Luitgard vergeblich um Anerkennung ihrer Gemeinschaft; diese konnte schließlich mit Hilfe der einflussreichen Königswitwe Agnes erzielt werden. Nachdem das Kloster schon 1329 niederbrannte, musste es neu gebaut werden. Luitgard wurden immer wieder mystische Gnadenerweise zuteil und hatte die Gaben, Kranke zu heilen und in die Zukunft zu blicken. In Schaffhausen hatte sie eine Vision des Fegefeuers. Erfüllt war sie von der Verehrung der Liebe und des Leidens Christi erfüllt; um ihm stets verbunden zu bleiben, entwickelte sie ein dem Rosenkranz ähnliches Gebet.

Luitgards Zeitgenosse und Beichtvater, der Priester Berchtold von Bombach - heute Ortsteil von Kenzingen bei Freiburg - verfasste kurz nach Luitgrads Tod ihre Lebensgeschichte. An ihrer Grabstätte ereigneten sich viele Krankenheilungen, sie wurde Ziel vieler Wallfahrer. Sie wurde nie offiziell kanonisiert, aber 1629 wurden ihre Gebeine erhoben und in die Kirche des Klosters Wittichen übertragen; dabei wurde ihr Gehirn unversehrt gefunden.

Das Kloster in Wittichen wurde 1376 zur Abtei mit der Regel der Klarissen, um 1500 kam es in Besitz der Grafen von Fürstenberg aus Donaueschingen. Bei einem Brand 1663 wurde es zerstört, dann bis 1682 wieder aufgebaut, 1802 aufgehoben; 1858 wurde ein Großteil der Gebäude abgebrochen. 1979 kamen die Kirche und das übriggebliebene Klostergebäuder wieder in den Besitz der katholischen Kirchengemeinde.

In Wittichen wird Luitgards Gedenktag bis heute am Sonntag davor als Wallfahrtstag mit einer Prozession begangen.

Attribute: Rosenkranz, MonstranzEine Monstranz ist ein in der katholischen Kirche benütztes, meist kostbar mit Gold und Edelsteinen gestaltetes Schaustück, in dem eine geweihte Hostie gezeigt wird. Monstranzen gibt es seit dem 13. Jahrhundert, die Hostie in ihr wird verehrt und oft bei Prozessionen vorangetragen.

1 Nach allgemeiner Auffassung lebte Jesus Christus 31 oder 33 Jahre lang; die Zahl 34 wird erklärt mit diesen 33 Jahren plus einem Jahr im Mutterleib.

Im übriggebliebenen Klostergebäude ist ein kleines Museum untergebracht mit Exponaten aus dem Kloster und vom Bergbau in der Gegend; es ist auf Anfrage unter der Telefonnummer 07836 93 97 51 geöffnet, der Eintritt beträgt 2 €. (2014)

Kloster Wittichen heute
Kloster Wittichen heute




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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 10.12.2016

Quellen:

• Hans-Ernst Stüwer, E-Mail vom 19. Oktober 2005
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 6. Herder, Freiburg im Breisgau 1997
• Berchtold von Brombach: Das Leben der heiligen Luitgard von Wittichen, hg. von Arnold Guillet. Christiana, Stein am Rhein 1976
• Infotafel am Klostergebäude in Wittichen

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.