Ökumenisches Heiligenlexikon

Marcellinus


Marcellinus war der Überlieferung nach römischer Priester und wurde zusammen mit Petrus in den Verfolgungen unter Diokletian zum Märtyrer.

Marcellinus und Petrus wurden seit dem 4. Jahrhundert in den Katakomben an der Via Labicana, die heute nach ihnen benannt sind, verehrt. Papst Damasus I. verfasste das Epigramm über ihrem Grab, das die Legende ihres Martyriums erzählt - angeblich nach dem Zeugnis des Henkers, der sie enthauptete und bestattete. Über der nach ihnen benannten Katakombe erbaute Kaiser Konstantin eine ihnen geweihte Basilika Santi Marcellino e Pietro ad Duas Lauros, bei den zwei Lorbeerbäumen, und daneben das Mausoleum für seine Mutter Helena. Nachdem die Basilika zerfallen war, wurde innerhalb des Mausoleums von 1632 bis 1638 die kleine Kirche Santi Marcellino e Pietro ad Duas Lauros gebaut; 1765 wurde diese zur Pfarrkirche erhoben, 1922 davor die heutige Pfarrkirche Santi Marcellino e Pietro ad Duas Lauros geweiht.

Eine legendarische Leidensgeschichte wurde wohl um 600 verfasst, seitdem gehören sie zu den im römischen Messformular angerufenen Heiligen und wurde auch die Kirche Santi Marcellino e Pietro al Laterano ihnen geweiht. Beda „Venerabilis” berichtete über die beiden, das Martyrologium des Ado von Vienne nennt sie.

Zusammen mit Marcellinus und Petrus werden auch Thomatus und Rogatus sowie weitere Gefährten verehrt: die Acta Sanctorum und das Martyrologium Romanum nennen 42, ein altes Martyrologium aus Trier nennt sogar 400 an und Notker Balbulus schreibt 180 Martyrer und weit darüber.

Fresko: Das Martyrium von Marcellinus und Petrus im Wald von Lorbeerbäumen, um 1600, in der Kirche San Vitale in Rom
Fresko: Das Martyrium von Marcellinus und Petrus im Wald von Lorbeerbäumen, um 1600, in der Kirche San Vitale in Rom

Besonders in der Zeit der Karolinger erlangte die Verehrung von Marcellinus und Petrus großen Aufschwung, weil ihr Bestattungsort - die Katakomben an der Via Labicana in Rom - neben dem Mausoleum für Konstantins Mutter lag. Einhard entwendete deshalb Gebeine von Marcellinus und Petrus, überführte sie nach Steinbach - heute ein Stadtteil von Michelstadt im Odenwald - in die von ihm 815 bis 826 als Grablege für sich und seine Frau Imma erbaute Basilika und dann 828 nach Ober-Mühlheim am Main 1; daraufhin wurde dessen Ortsname in Seligenstadt geändert und die beiden wurden zu Schutzpatronen des Karolingerreiches erklärt.

Reliquien kamen auch ins ehemalige Kloster St-Pierre-au-Parvis nach Soissons - von dem heute nur noch die Kirche erhalten ist. Aus Seligenstadt wurden Gebeine verschenkt für St. Bavo in Gent, St. Servatius in Maastricht und nach Vallendar, wo die Kirche Marcellinus und Petrus geweiht ist. Aus Rom kamen Reliquien im 11. Jahrhundert nach Cremona, dann dort in die ab 1602 errichtete, ihm und Petrus geweihte Kirche Santi Marcellino e Pietro - heute als Konzertsaal genutzt - und dann in dir Krypta der Kathedrale; deren Echtheit konkurriert mit denen in Seligenstadt. Angebliche Reliquien werden auch im Kloster der unbeschuhten Trinitarier in Socuéllamos bei Ciudad Real in Spanien verehrt. 2

Reliquienschrein für Marcellinus und Petrus in der ehemaligen Klosterkirche in Seligenstadt
Reliquienschrein für Marcellinus und Petrus in der ehemaligen Klosterkirche in Seligenstadt

Seligenstadt entwickelte sich zu einem der bedeutenden Wallfahrtsorte im Frankenreich. Nachdem 1803 das Kloster säkularisiert wurde, verlor sich die Wallfahrt, bis sie 1893 wieder belebt wurde.

Patron von Seligenstadt, Cremona und Piedimonte Matese bei Neapel

1 Heute erinnert der Einhardwanderweg an den Prozessionsverlauf.

2 Diese Reliquien gehören nach Meinung der Acta Sanctorum zu einem anderen Marcellinus, der zwar auch Märtyrer in Rom war, aber vom hier behandelten unterschieden ist und als Seliger gilt. Diese Reliquien gab Papst Urban VIII. den unbeschuhten Trinitariern.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Acta Sanctorum

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Die Katakomben von Marcellinus und Petrus in Rom sind nach Voranmeldung im Pfarrbüro unter Tel. 06 2 41 94 46 täglich außer sonnntags um 10 Uhr, 11 Uhr, 14 Uhr, 15 Uhr oder 16 Uhr mit Führung zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt beträgt 8 €. (2017)
Die Kathedrale in Cremona ist täglich von 8 Uhr bis 12 Uhr und von 15.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. (2023)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 04.02.2024

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 6., Herder, Freiburg im Breisgau 1997
• https://www.op-online.de/region/seligenstadt/seligenstadt-seine-traditionsreiche-wallfahrtsgeschichte-125-jahrestag-9786676.html - abgerufen am 31.03.2023
• Acta Sanctorum zum Tage

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.


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