Nektarios von Konstantinopel
Gedenktag katholisch: 11. Oktober
Gedenktag orthodox: 11. Oktober
Gedenktag syrisch-orthodox: 22. Dezember
Name bedeutet: der Honiggleiche (griech.)
Nektarios war Senator und Praetor in Konstantinopel.
Kaiser Theodosius I. schlug den nicht Getauften dem 1.
Konzil von Konstantinopel zur Wahl als Nachfolger von Bischof
Gregor von Nazianz vor, er wurde damit der erste Amtsinhaber
an der Großen Kirche
- der späteren Hagia Sophia
- mit dem Titel Patriarch
, was auch von Papst Damasus I. gebilligt wurde.
Nektarios bekämpfte Irrlehren und schaffte um 390 die öffentliche Beichte zugunsten der Ohrenbeichte ab, weil damit Missbräuche
und Ärgernisse hervorgerufen wurden.
Das nicht erhaltene Glaubensbekenntnis von Konstantinopel
, formuliert auf der Basis der Beschlüsse und des
Glaubensbekenntnisses des 1. Konzils von Nicäa, das überliefert
ist in der Fassung des Konzils von Chalkedon, war möglicherwesie das
Bekenntnis, das Nektarios bei seiner Taufe abgelegt hat.
Worte des Heiligen
Nektarios von Konstantinopel leitet seinen Bericht über den
Märtyrer Theodor folgendermaßen ein:
Welch ein Wunder! Obwohl Gott vor den Zeiten existierte und keinen Anfang hatte, und was uns immer wieder
erschaudern lässt, er hat uns nach seinem Bild und ihm ähnlich geschaffen, obwohl er Herr war. Hierauf machte seine
Güte nicht Halt. Vielmehr stattete er uns mit göttlichem Odem aus. Zudem gewährte er uns eine geistige und vernünftige
Seele und machte so den Menschen zu einem Bürger des Paradieses, des Paradieses, dessen Schönheit unsagbar und unbegreiflich
ist: Alles, was er geschaffen hatte, unterstellte und schenkte er ihm und machte ihn so wie ein kinderliebender und
wohlwollender Vater zum Erben und überhäufte ihn mit all seinen Gaben. …
Aber die größte aller Wohltaten Gottes dem Menschen gegenüber war dies: Des Menschen größte Verfehlung war sozusagen:
Er, der mit so großen Wohltaten überhäuft worden war, erhob sein Haupt gegen seinen Schöpfer. Wie reagierte nun Gott,
der ihn gebildet hatte, jenen Staub, jene ungeformte Erde, die er mit eigenen Händen geformt und mit so großen Wohltaten
ausgestattet hatte? Und was sage ich nicht, was noch schlechter ist? Hat er jenen Abtrünnigen, Übertreter des göttlichen
Gesetzes nicht mehr beachtet, ja verlassen? Keineswegs, vielmehr hat er den gesucht, der sich verborgen hat und ihn, nachdem
er ihn gefunden hat, unterwiesen. …
Was geschah daraufhin? Hat er ihn verstoßen oder verabscheut? Keineswegs. Vielmehr wie ein Vater, der uns früher auf
vielerlei Weisen seiner Güte erzogen hat, als er sah, dass wir vom Schlechteren her nicht gebeugt wurden, was tut er da?
Er kam herab aus dem Schoß des Vates. Welch ein Mitleiden! Obwohl der
Gott war, ewig und unsterblich, wurde er – um es kurz zu machen – Fleisch aus der reinen
Jungfrau, übernahm die Gestalt eines Sklaven. Danach ließ er sich kreuzigen, wurde er begraben, erstand er [von den
Toten], erweckte er auch mich, der gefallen war. Was ist menschenfreundlicher und empathischer als das?
Ein Vater begnügt sich nicht, seinen Sohn, den er gezeugt hat, den er aus seinem Inneren [ans Licht der Welt] gebracht
hat, wenn er auch nur ein wenig von seinem Willen und Auftrag abgewichen ist, zu schlagen und zu geißeln, sondern er
enterbt ihn auch, verflucht ihn und verfolgt ihn, den er einst liebte, aus einem noch so geringen Grund. Auf ähnliche
Weise verfährt ein Hausherr mit seinem Diener, wenn der Unglückliche ihn auch nur ein wenig beleidigt, er quält ihn mit
Strafen und Fesseln, Hunger und Durst, verkauft ihn und schickt ihn möglich weit weg in Verbannung.
Wie verhält es sich aber, was uns betrifft? Wir wurden geschaffen, mit Ehre und Glanz versehen und unermesslichen
Gütern beschenkt. Was haben wir aber unsererseits dem Geber dieser Gaben zurückerstattet? Wir haben ihn zum Zorn gereizt,
geschmäht, betrübt. Er aber hat es keineswegs übersehen. Aber da er Gott ist, und es nicht verschmähte, von den Undankbaren
Vater und Hirte genannt zu werden, gab sein Leben für seine Schafe. Ja er richtet die Fallenden wieder auf, hat Mitleid
mit den Wankenden und übt nicht die unseren Vergehen entsprechende Vergeltung. Wenn du das Unrecht beachtest Herr, Herr
wer kann dann noch bestehen? (Psalm 119, 3). Er kümmert sich sogar voll um das Wohl selbst des geringsten Schafes und
erwartet die Umkehr eines jeden. Ich bin nämlich, so sagt er, Gott, der nicht den Tod des Sünders will, sondern seine
Umkehr (Ezechiel 33, 11).
Quelle: Nektariou Archiepiskopou Konstantinoupoleos Diegesis. In: Patrologia Graeca 39, Sp. 1821 - 1826;; eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn
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Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 28.10.2026
Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 4. Band: M-P. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler, Fortgesetzt von
J. N. Ginal, B. Schmid'sche Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg, 1875
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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