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Holzschnitt eines Zeitgenossen aus der Werkausgabe vom Jahr 1590. In:
Jean-Jacques Boissard / Theodor de Bry: Bibliotheca chalcographica, hoc est
Virtute et eruditione clarorum Virorum Imagines. Heidelberg:
Clemens Ammon, 1669 ![]()
Johannes Brenz' Vater gehörte dem Rat seiner Heimatstadt Weil der Stadt an und ist mehrfach als Schultheiß bezeugt. Nach dem Besuch der Lateinschulen in Weil der Stadt, Heidelberg und Vaihingen ging Johannes Brenz als 15-jähriger zum Studium an die Universität Heidelberg. Dort lernte er im April 1518 Martin Luther kennen, der zu einer Disputation im Rahmen einer Konferenz des Augustinerordens in Heidelberg weilte, und interessierte sich stark für dessen neue Lehren von der rechtfertigenden Gnade Gottes, dem alleinigen Heil in Christus und der Bibel als Richtschnur. Zusammen mit Johannes Oekolampad und Martin Bucer traf er sich auch zu einem persönlichen Gespräch mit Luther. Obwohl dessen Lehren von den Heidelberger Professoren auf das Schärfste angegriffen wurde, verschrieb sich Brenz fortan vollständig der Reformation.
1522 wurde Brenz wegen seines Wirkens zusammen mit seinem Freund Theobald Gerlach, genannt Billikan, vom Kurfürsten angeklagt. Brenz flüchtete nach Hall - dem heutigen Schwäbisch Hall -, wo er vom Rat der freien Reichsstadt zum Prediger berufen wurde. Am Jakobustag 1523, als die Stadt des Marktes wegen voll war, griff er offensiv den Heiligenkult an: man verehre sie, obwohl sie das selbst gar nicht geollt hätten; stattdessen solle man ihrem Glauben nacheifern; die ihnen gewidmeten Gaben solle man stattdessen Bedürftigen zueignen. Ohne Erholungspausen stand er als Prediger fast täglich auf der Kanzel, auch wenn er nur wenige Zuhörer hatte; er verglich sich mit einem Marktbrunnen, der unablässig Wasser spende, auch wenn nur wenige aus ihm schöpfen. Obwohl erst 23 Jahre alt, machte sich Brenz sehr behutsam ans Werk. Erst nach drei Jahren, 1526, wagte er endgültig den Bruch mit der Tradition, als er am Weihnachtsfest das Abendmahl in beiderlei Gestalt austeilte. Danach stieg sein Ansehen als Reformator, so dass er bald auch auswärts als Ratgeber gefragt war.
Brenz entwickelte 1527 zunächst für seine Gemeinde einen evangelischen
Katechismus, dessen zweite Fassung unter dem Titel Fragstücke des christlichen
Glaubens
1535 erschien und 1536 auch der neuen Ordnung der evangelischen Kirche
in Württemberg beigefügt wurde. 1527 entwarf er auch eine neue
Gottesdienstordnung, die 1529 in Württemberg eingeführt und auch für andere
Gebiete Vorbild wurde. 1531 bis 1533 wirkt er mit an der Kirchenordnung in der
Markgrafschaft Brandenburg und in der Reichsstadt Nürnberg,
1535 an der in Württemberg;
ihr Hauptanliegen ist die Gestaltung der Gottesdienste und die Ausbildung der
Pfarrer. Mit ihr wurden die Visitationen, die regelmäßigen Besuche in den
Gemeinden, durch Dekane eingeführt. Wesentliche Punkte dieser Kirchenordnung
wurden in Württemberg übernommen und sind hier bis heute gültig.
Zweimal betrat Brenz die politische Bühne des Reichs: zuerst 1530, als er
zusammen mit Philipp
Melanchthon auf dem Reichstag in Augsburg
das Augsburger Bekenntnis
ausformulierte; aber der Versuch, die reformatorische Lehre aus der
traditionellen Lehre der Kirche und besonders der Kirchenväter
herzuleiten, fand keine Resonanz. Ebenso erging es Brenz 1552, als er auf dem
Konzil von Trient im Auftrag von
Herzog Christoph sein Württembergisches Bekenntnis
vorlegte.
1530 heiratete Brenz, 1535 wurde er nach Stuttgart
berufen, wo er vor allem die neue württembergische Kirchenordnung erarbeitet,
die 1536 erschien und die endgültige Einführung der Reformation bezeichnet. Ende
1546 floh er vor den Wirren des Schmalkaldischen
Krieges und zog wieder nach Hall - dem heutigen Schwäbisch
Hall -; nach der Niederlage der evangelischen Fürsten gegen Kaiser Karl V.
lehnte Brenz das verordnete Interim
ab, sollte auf Befehl des Kaisers
verhaftet werden und musste deshalb 1548 auch aus Hall fliehen, dann drei Jahre
lang an wechselnden Zufluchtsorten leben, war heimat- und rechtlos. Kurz nach
der Flucht starb seine erste Frau, Mutter von sechs Kindern. In dieser Zeit
schrieb er eine Erklärung zu seinem Katechismus und zum Propheten Jesaja:
Glaubet ihr nicht, so bleibet ihr nicht.
Brenz-Epitaph von Jonathan Sauter, 1584, in der Stiftskirche in Stuttgart.
Die Inschrift - oben: Das Wort des Herrn ist eine Leuchte meinen Füßen
und ein Pfad des Lebens
(nach Psalm 119, 105) - unten: Durch Wort, Schrift,
Frömmigkeit, Glauben, Lauterkeit bewährt, ist Johannes Brenz von solchem Antlitz
gewesen.
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1550 heiratet der Witwer Brenz seine zweite Frau, mit der er weitere 13
Kinder haben wird. Ab 1551 war Brenz maßgeblich an der Abfassung des
Württembergischen Bekenntnisses beteiligt; nach dem Friedensschluss von 1553
berief Herzog Christoph ihn als herzoglichen Rat und Landespropst auf
Lebenszeit
an die Stiftskirche nach Stuttgart.
Er beriet den Landesherrn in allen Glaubensfragen und bekam die Fürsorge für die
verarmten, notleidenden Menschen in den Städten und Dörfern des Landes
übertragen. Auch außerhalb Württembergs war er als Ratgeber und Vermittler in
innerprotestantischen Streitfragen unterwegs.
Mit der Großen Kirchenordnung
von 1559 führte Brenz die Partikularschulen
in Dörfern und kleinen Städten ein: Zuvor konnten nur die Kinder reicher Eltern
eine Schule besuchen, nun galt das Prinzip Schule für alle
als Vorläufer der
späteren allgemeinen Schulpflicht, die in den folgenden Jahrzehnten in allen
deutschen Ländern eingeführt wurde.
Das Grabmal des Reformators befindet sich in der Stuttgarter
Stiftskirche am Fuß der Kanzel, auf der er predigte. Johannes Brenz wird gerne
zitiert mit dem Satz: Sollte je ein Prediger das Evangelium verfälschen, so
will ich mein Haupt aus dem Grabe heben und rufen: Du lügst.
Brenz' Katechismus wurde bis ins 20. Jahrhundert benutzt, in viele Sprachen
übersetzt, bei der Missionsarbeit in Afrika und Asien verwendet. Noch heute
werden im Konfirmanden-Unterricht in Württemberg Auszüge aus diesem Katechismus
gelehrt:
• Die Taufe ist ein Sakrament und göttlich Wortzeichen, womit Gott,
der Vater, durch Jesus Christus, seinen Sohn,
samt dem heiligen Geist bezeugt, dass er dem Getauften ein gnädiger Gott wolle
sein und verzeihe ihm alle Sünden aus lauter Gnade von wegen Jesu Christi und
nehme ihn auf an Kindes Statt und zum Erben aller himmlischen Güter.
• Das Abendmahl Christi ist ein Sakrament und göttlich Wortzeichen,
worin uns Christus wahrhaftig und gegenwärtig mit Brot und Wein seinen Leib und
Blut schenkt und darreicht, und vergewissert uns damit, dass wir haben
Verzeihung der Sünden und ein ewiges Leben.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
Web 3.0 - Leserkommentare:
Mit einer Mischung aus Schmunzeln und Ärger habe ich Ihre
Biographie des Heiligen
Johannes Brenz gelesen.
Dass ausgerechnet Johannes Brenz, der so beharrlich gegen die Heiligenverehrung
gekämpft hat, heute nun selber ihr anheimfällt, ist natürlich ein wenig grotesk.
Auch seine Ausflucht, man solle sich Heilige nur zum Vorbild nehmen, ist auf ihn
selber kaum anwendbar; was er geleistet hat, ist heute kaum noch wiederholbar.
Selbst wenn ganz gewiss ein paar protestantische Winkeltheologen
einen Dreh dafür finden werden.
(Dass Johannes Brenz' Unterscheidung zwischen Heiligen als Gegenständen der
Verehrung und Heiligen als Vorbildern natürlich die Grenze zu genau der
scholastischen Spitzfindigkeit überschreitet, die die frühe protestantische
Theologie eigentlich ausmerzen wollte, macht die Groteske nicht eben kleiner.)
Dass demgegenüber seine langjährige Zusammenarbeit
mit Herzog Ulrich
von Württemberg weitgehend totgeschwiegen wird , stört mich sehr. Immerhin ging
es Ulrich ja nicht um irgendeinen richtigen
oder wahren
Glauben,
sondern schlichtweg darum, die durch seine aufwendige Lebensführung verschuldete
Staatskasse mit den Geldern der Klöster und Kirchen sanieren zu können. Dafür
lieferte ihm Brenz bereitwillig den theologischen Vorwand. Wenn Sie sich mal
den heutigen Zustand des von Ulrich und Brenz ausgeräuberten Klosters Alpirsbach
anschauen, werden Sie hoffentlich genau so empört sein wie ich. Überspitzt
formuliert: Es ist dem Kirchenraum heute nicht mehr wirklich anzusehen, ob
das mal eine Kirche oder ein Kuhstall werden sollte.
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