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Kölner Schule: Bild des Stifters Nikolaus auf dem Mittelbild, das die Kreuzigung
Jesu darstellt, des Altars im
St. Nikolaus-Hospital in Bernkastel-Kues
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Nikolaus, Sohn des Weinbauern, Schiffseigners und Kaufmanns Johann Cryfftz
(Krebs), studierte ab 1416 in Heidelberg
die Fächer Mathematik und Theologie, dann in Padua
Kirchenrecht, wo er 1423 als Doktor des Kirchenrechts abschloss. 1425 trat er in
den Dienst des Trierer
Erzbischofs Otto von Ziegenhain, gleichzeitig studierte er an der Universität
Köln
Philosophie und Theologie und lehrte als Dozent des Kanonischen Rechts. 1427
weilte er als Sekretär und Bevollmächtigter
seines Bischofs in Rom,
im September desselben Jahres wurde er Dekan des Stiftes St. Florin in Koblenz.
1430 ernannte ihn der Trierer Erzbischof Ulrich von Manderscheid zu seinem
Kanzler.
1432 bis 1437 nahm er teil am Konzil
von Basel und erlebte die Auseinandersetzungen mit Jan
Hus; er setzte sich intensiv mit dessen Positionen auseinander und
erarbeitete einen Kompromiss, der die böhmische Bewegung vom Vorwurf der Häresie
freispricht und auch den Laienkelch
akzeptiert, andererseits festhält, dass es
wahre Kirche nur unter dem Primat des Papstes gebe. Eine Einigung der
katholischen Kirche mit den Hussiten
sollte Cusanus im Auftrag des Papstes 1452 bei Gesprächen in Eger
erreichen; dies scheiterte, nicht zuletzt weil Cusanus' Rivale Johannes
von Capestrano, der ebenfalls in die Gespräche einbezogen war, dies
verhinderte. Trotz aller Anerkennung reformatorischer Ideen durch Cusanus blieb
aber auch seine unbedingte Forderung nach Anerkennung der päpstlichen Autorität
ein Trennungsgrund; der Reformator Johannes Kymeus nannte ihn abwertend des
Papstes Herkules wider die Deutschen
.
Einheit der Kirche und der Religionen war Cusanus zeitlebens ein zentrales
Thema. Beim Baseler Konzil
schwenkte er aber von der Konzilspartei, die eine konziliare Verfassung der
Kirche und eine von Rom
unabhängigere deutschen Kirche forderte, um zur päpstlichen Partei, weil er die
Einheit der Kirche gefährdet sah. Es ging ihm um die Eintracht der Christenheit,
wie seine 1434 abgeschlossene Schrift De Concordantia Catholica
, Über die
katholische Eintracht
, zeigt: er entwickelte auf der Grundlage eines
historisch-kritischen Denkens ein Reformprogramm, das die Eintracht in der
Christenheit durch eine Rückkehr zu den Ursprüngen wieder herstellen sollte.
Berühmt wurde vor allem seine Entlarvung der Konstantinischen Schenkung
, nach
der Kaiser Konstantin
dem römischen Papst die Westhälfte des Römischen Reiches geschenkt habe; was 700
Jahre lang von niemand ernsthaft bezweifelt wurde, stellte der 33-jährige
erstmals als Fälschung hin!
1435 wurde Cusanus zum Diakon geweiht und zum Propst des Stiftes Münstermaifeld ernannt, 1436 wurde er zum Priester geweiht. 1437 führte er im Auftrag von Papst Eugen IV. in Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - Verhandlungen über eine Annäherung von orthodoxer und katholischer Kirche. 1438 reist er mit dem Kaiser, dem Patriarchen und 28 Metropoliten zum Konzil von Ferrara-Florenz und wirkte so mit an der - später widerrufenen - Union der katholischen Kirche mit den Kirchen der Orthodoxie. In den Jahren 1438 bis 1448 hahm er als päpstlicher Gesandter an den deutschen Reichs- und Fürstentagen teil und setzte sich ein für die Erneuerung der Verbindungen der Kirche in Deutschland zum Papst.
Nikolaus' Geburtshaus in Bernkastel-Kues
Cusanus gilt als bedeutendster Philosoph des 15. Jahrhunderts. Als erster
lehrte er die Unendlichkeit des Kosmos und leitete damit zur mathematischen
Wissenschaft der Neuzeit über; die Erde verlor damit ihre Stellung als
Mittelpunkt des Weltalls, denn in der Unendlichkeit gibt es kein fixes Zentrum.
1440 erschien seine wohl bedeutendste Schrift De Docta Ignorantia
, Über das
belehrte Nichtwissen
: das unendliche Universum sei nicht wissenschaftlich
einzufangen, sondern anbetungswürdig und Gegenstand der Mystik. Er erneuerte das
Paradox des Sokrates, dass die wahre Weisheit in der Erkenntnis der eigenen
Begrenztheit liege. Cusanus sah die Welt als Ausfaltung
(explicatio) des
Wesens
Gottes, in das alle Dinge eingefaltet
sind (complicatio), er
beeinflusste damit u. a. Giordano Bruno. An die Lehre von Jesus
Christus schließt sich dabei ein Kapitel über die Kirche an, weil sie allein
den Menschen zur wahren Erkenntnis leiten könne und in ihr das Einigungswerk
Christi abgebildet werde.
Die von ihm überlieferten Predigten geben Zeugnis, wie tief er vom
christlichen Offenbarungsglauben durchdrungen war und immer wieder über die
Kraft der Vernunft Annäherungen an den verborgenen Gott suchte. 1445 erschien
Cusanus' Trilogie De Deo abscondito
, Vom verborgenen Gott
, De quaerendo
Deum
, Vom Fragen nach Gott
und De filiatione Dei
, Von der
Gotteskindschaft
, außerdem der erste von zehn mathematischen Traktaten, De
geometricis transmutationibus
, Von den geometrischen Verwandlungen
.
Der Fall Konstantinopels - des heutigen Ístanbul
- 1453 erschütterte ihn; er entwickelte die Vision eines Dialogs der Religionen.
In seiner Schrift De pace fidei
, Über den Frieden im Glauben
von 1453 setzen
sich Vertreter der verschiedenen Nationen und Religionen auseinander; Gott habe
den Völkern jeweils ihre eigenen Propheten und Lehrer gesandt, es gelte, die
eine Religion in der Mannigfaltigkeit der Bräuche
zu erkennen und in
gegenseitiger Achtung friedlich zu leben. 1460 wurde dieser Ansatz fortgeführt
in seiner Cribratio Alchorani
, Sichtung des Korans
.
1448 gelang es Cusanus, mit dem Wiener Konkordat die Einheit der Kirche zu retten, er wurde nun von Papst Nikolaus V. zum Kardinal ernannt. 1450 wurde er Bischof von Brixen als vom Papst eingesetzter Gegenbischof gegen den dort amtierenden Kanzler des Herzogs von Tirol. Papst Nikolaus V. schickte Cusanus 1451/52 auf Legationsreise mit dem Auftrag der Kirchenreform im Deutschen Reich. Er hielt Diözesansynoden ab und bemühte sich um eine Reform der Klöster. Nach dem Tod von Papst Nikolaus galt er als möglicher Nachfolger.
Nach lang anhaltenden Auseinandersetzungen um sein Bistum Brixen
musste Cusanus 1458 Herzog Sigismund von Tirol weichen, er wurde von seinem dem
Humanismus zugewandten Freund, dem neu ernannten Papst Pius II., nach Rom
gerufen, zum Generalvikar ernannt und entwarf 1459 ein Programm zur
Generalreform
der Kirche, Reformatio generalis
: Aufgabe sei die Rückkehr zum
Urbild des Glaubens in Jesus
Christus; im Glauben an ihn und in der Liebe zu ihm bestehe die wahre
Einheit der Kirche; der Papst solle sich von einem ständigen Konzil aus
Kardinälen unterstützen und in seiner Amtsführung überprüfen lassen. 1461
erschien seine Sichtung des Korans
, Cribratio Alchorani
. 1460 versuchte er
noch einmal die Rückkehr nach Brixen, wurde in Bruneck
von Sigismund überfallen und wich endgültig nach Rom aus.
Cusanus entschloss sich zur Errichtung einer Stiftung schon einige Jahre vor seiner Erhebung zum Kardinal: Zusammen mit seiner Schwerster Klara und seinem Bruder Johannes wollte er nach dem Tod seines Vaters das gesamte elterliche Vermögen der Stiftung zuwenden, die den Namen seines Patrons Nikolaus erhielt und die zwischen 1450 und 1457 ein Hospital an der Stelle errichtete, an der zuvor am Ufer der Mosel eine Nikolauskapelle stand. In seiner Heimatgemeinde Kues - dem heutigen Bernkastel-Kues - hielt sich Cusanus zum letzten Mal im November 1451 während seiner Legationsreise auf, das von ihm gestiftete Hospital hat er also nie selbst gesehen.
St.-Nikolaus-Hospital in Bernkastel-Kues
Cusanus starb während einer Reise im Zusammenhang mit einem von Papst Pius II. geplanten Kreuzzug gegen die Türken: er hatte den Auftrag, die in Mittelitalien marodierenden Kreuzfahrer zu sammeln und nach Ancona zu bringen, von wo die Kreuzzugsflotte auslaufen sollte.
Cusanus' Leib ruht in Rom,
sein Herz in der Kapelle des von ihm gestifteten St.-Nikolaus-Hospitals in
Bernkastel-Kues.
Das Geburtshaus von Cusanus wurde 1980 vollständig renoviert und enthält seitdem
die ständige Ausstellung Nikolaus von Kues, 1401 - 1464, Leben und Werk im
Bild
.
Literatur zu Nikolaus von Kues
und ergänzend das Werk der Frau, die uns wertvolle Tipps zu dieser Seite
gegeben hat:
Gabriele
Neusius: Nikolaus von Kues (1401-1464) - ein bewegtes Leben
Einen
Lebenslauf
und weitere interessante Informationen bietet die Stadt Bernkastel-Kues auf
ihrer Website.
Franz-Peter
Kropp informiert ausführlich über Cusanus, sein Denken und sein Wirken auf
seiner sehr informativen Website Berühmte
Personen von der Mosel.
Das
Cusanuswerk ist die Stiftung der deutschen katholischen Bischöfe zur Förderung
begabter Studenten und informiert auf seiner
Website; die Studenten betreiben
eine eigene Seite.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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