
Hinweise zu Stadlers Heiligen-Lexikon
Abkürzungen
S. Wigbertus, Abb. Conf. (13. Aug.). Dieser Heilige *,
dessen Namen auch Wichbertus und Wippertus geschrieben wird, war ein geborner
Engländer und lebte anfänglich längere Zeit in der Einsamkeit des Klosters
Glaston (Glestingaburg) unter dem Abte Ingeldus. Der heilige Bonifacius
lud ihn ein, als Mitarbeiter in der Verkündigung des Evangeliums nach
Deutschland zu kommen. Der fromme Jüngling, welcher damals schon Priester oder
wenigstens Diakon war (secundi ordinis presbyter), wurde von ihm dem Kloster
Fritzlar (mansio pacifica, Friedstadt) am l. Edderufer (Adrana), errichtet im
Jahre 732, vorgesetzt, damit er von hier aus in Hessen und Thüringen wirke.
Unter strenger Beaufsichtigung der Brüder (laxam antehac fluidam fratrum
conversationem coërcuit) bildete er hier zuvörderst eifrige und muthvolle
Verkünder des Evangeliums. Nebenher arbeiteten die Missionäre auch für die
Cultur des Landes, besonders den Weinbau. In gleicher Weise wirkte der Heilige
auch im Kloster Ordruf (Ortdorff) in Thüringen als Vater und Lehrmeister: Was
verkehrt war, wurde durch ihn verbessert; er selbst ging ohne Ausflucht auf dem
engen Wege, welcher alle nicht Ermüdenden zum Leben führt, den Seinigen voran,
und zog (auf diese Weise) die Brüderschaar nach sich.
Nachdem er einige Jahre
in Ordruf gewirkt hatte, kehrte er nach Fritzlar zurück. Als bald nachher die
Sachsen neuerdings ins Land einfielen, und Alles verwüsteten, trug und milderte
er diese Leiden des Volkes mit Gottvertrauen und Standhaftigkeit, die Kirche zu
Fritzlar blieb von dem Brande wunderbar verschont. **
Nachdem die Ruhe wieder zurückgekehrt war, nahm er die klösterlichen Uebungen
und seine evangelischen Arbeiten wieder auf. Bis in das höchste Alter unterzog
er sich mit jugendlicher Lebendigekeit nicht bloß allen vorgeschriebenen,
sondern auch freiwilligen Abtödtungen. Auch wenn er krank war, ließ er in der
Enthaltung von Fleischspeisen keine Milderung eintreten, ohne aber jene, welche
ihm hierin nicht nachfolgen wollten oder konnten, zu tadeln. Niemals sprach er
ohne Nothwendigkeit oder ohne Nutzen, damit er sich den Geist der
Beschaulichkeit bewahre. Auch seelsorglichen Arbeiten, z. B. der Beichte der
Kranken in ihren Wohnungen, oblag er noch in seinen letzten Lebensjahren, und
benützte jede sich darbietende Gelegenheit zum Unterrichte im katholischen
Glauben, zu heilsamen Belehrungen und Ermahnungen. Sein berühmtester Schüler zu
Fritzlar war der hl. Abt Sturmius von Fulda
(s. d.) Die
hl. Messe feierte er mit größter Andacht, und oblag fast unablässig der Lesung
der hl. Schriften und der Betrachtung. Endlich verschied er nach längerer
Krankheit im J. 747. Als seine Leiche ausgestellt war, sahen die anwesenden
Brüder ein wunderschönes Vögelein, das vorher und nachher niemals mehr gesehen
wurde, dreimal zu derselben hinfliegen. Er wurde in der Vorhalle der Kirche
prunklos (in conditione nullius ambitionis) bestattet. Sein Grab blieb in Ehren;
das Kirchengebet zu seinem Gedächtnisse lautet: Gott, der du dem seligen
Wigbertus einen besondern Eifer im Unterrichte der Jugend geschenkt hast,
verleihe, daß wir die Vorschriften des göttlichen Gesetzes, welche wir durch
deine Güte empfangen haben, zu unserm und des Nächsten Seelenheile getreulich
vollziehen.
Das Proprium von Mainz bittet Gott durch seine Fürbitte um
fortdauernden Schutz gegen die Kirchenfeinde. Vor und nach seinem Tode erzählte
man sich von ihm wunderbare Thaten. So brachte er eines Tages, als der nöthige
Meßwein fehlte, aus einer frisch gepflückten Traube, deren Saft er mit seinen
Händen in den Kelch preßte, völlig ausgegorenen Wein hervor. Als im J. 774 die
noch heidnischen Sachsen Fritzlar beunruhigten, wurden die hl. Reste nach
Buraburg (Buriburg) geflüchtet. Bei der aus diesem Anlasse abgehaltenen
Prozession ließ eine Frau ihre Kerze in die Edder fallen, ohne daß dieselbe
erlosch. Ein Sachse, welcher die Kirche in Brand stecken wollte, wurde mit
schwerer Krankheit für diesen Frevel gestraft. Um d. J. 780 soll der hl. Leib
durch den Bischof Albuin (Witla, Wittanus,
Wizzo) nach Hirschfeld gekommen sein. Die Fritzlarer Tradition will aber
dieses nicht einräumen (Rettb. II. 598) und behauptet, diese Uebertragung sei
erst im 13. Jahrh. geschehen. Die Muttergotteskirche zu
Fulda besaß schon im 9. Jahrh. Reliquien des Heiligen in ihrer östlichen Krypta.
Als Hauptorte seiner Verehrung werden (Thuringia S. fol. 544) genannt:
Hirschfeld (Hersfeld), die Stadtkirche hier trägt noch seinen Namen, Quedlinburg,
Erfurt, Colleda, wo die Stadtkirche gleichfalls ihm geweiht ist, und in dessen
Nähe noch ein Wigbertsberg
ist. Zu Colleda (Kuhköln) befindet sich auf dem
Brunnen des Marktplatzes sein Bildniß; er trägt den Stab und die übrigen
Insignien eines Abtes. Ebenso war bis in die neueste Zeit in der Hauptkirche
nahe bei der Orgel ein ihn darstellendes Gemälde zu sehen. Der Heilige trägt in
der Rechten den Stab, in der Linken ein Buch mit einer auf demselben liegenden
Traube. Auf einem alten Altarbilde trägt er den Kelch, aus welchem eine Traube
hervorsieht, und die Weinsippe. ***
* Sein Leben ist von Servatius Lupus im Kl. Hersfeld (bei Mab. Saec. III p. 1. fol 622-629 ed. Venet. und bet den Boll. Aug. um das J. 836 beschrieben worden. Es ist auch zu Parts und Leipzig (im J. 1710) gedruckt worden.
** So das Proprium von Mainz. Andere erzählen, das Wunder sei erst nach dem Tode des Heiligen, im J. 774, geschehen.
*** Die Cistercienserklosterfrauen zu Colleda
(St. Johannes) wollten wie viele andere zur Reformationszeit durchaus nicht
evangelisch
werden. Da wendete der Churfürst August von Sachsen Gewalt an,
verkaufte das Kloster an die Stadt, und vertrieb die letzte Abtissin Sophie von
Schaffstett. Seitdem herrscht in ganz Kuhköln das reine Evangelium.

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