Ökumenisches Heiligenlexikon

Alfons von Orozco

spanischer Name: Alonso

Gedenktag katholisch: 19. September
gebotener Gedenktag in den Bistümern Madrid, Getafe und Toledo und im Orden der Augustiner-Eremiten
nicht gebotener Gedenktag im Erzbistum Sevilla

Name bedeutet: der edle Bereite (romanisch - althochdt.)

Priester, Mönch, Mystiker
* 17. Oktober 1500 in Oropesa bei Toledo in Spanien
19. September 1591 in Madrid in Spanien


Burg in Oropesa, erbaut ab 1402 an der Stelle der Burg aus dem 12. Jahrhundert
Burg in Oropesa, erbaut ab 1402 an der Stelle der Burg aus dem 12. Jahrhundert

Alfons aus nobler Familie aus dem Umfeld der Grafen von Oropesa studierte ab seinem 15. Lebensjahr an der Universität in Salamanca, lernte dort die Augustiner-Eremiten kennen und trat 1522 in deren Kloster ein. Er wurde 1527 zum Priester geweiht und arbeitete dann als Lehrer, Prediger und Beichtvater. 1549 brach er zu einer Reise nach Mexiko auf, um dort als Missionar zu wirken; auf den Kanarischen Inseln erkrankte er so schwer an Arthritis, dass ihm die Ärzte die Weiterreise untersagten. So wurde er 1554 Prior des Konvents in Valladolid und Hofprediger von Kaiser Karl V. und König Philipp II. Als der Königshof 1561 nach Madrid verlegt wurde, folgte er dorthin.

Alfons' Leben zeichnete sich durch Brüderlichkeit und Geduld gegen die Mitbrüder sowie durch seinen asketischen Lebensstil aus; er schlief nie mehr als drei Stunden und nahm nur eine Mahlzeit täglich zu sich. Er war einer der bedeutendsten unter den spanischen Mystikern des 16. Jahrhunderts, der in den Auseinandersetzungen unter verschiedenen Gruppen der Mystiker seiner Zeit maßgeblichen Einfluss im Sinne der Lehren der Kirche ausübte. Seine Schriften, darunter eine Biografie über Johannes „Chrysostomus” und Lumen Gentium ad revelationem, Licht, das die Heiden erleuchtet, waren weit verbreitet.

Seit 1978 ruhen Alfons' Gebeine in der Kirche des Augustinerinnenklosters de la Encarnación in Madrid.

Kanonisation: Alfons' Seligsprechung erfolgte am 15. Januar 1882, die Heiligsprechung am 19. Mai 2002 durch Papst Johannes Paul II..

Worte des Heiligen

Für die Beschreibung des Wegs zur Vollkommenheit wählt Alfons das traditionelle Bild der Jakobsleiter:
Errichte die so wunderbare Leiter [des Kreuzes] in deinem Herzen, wo du den Herrn finden wirst, der dir seine Hand reicht und seine Gunst spendet. Auf ihr wirst du die Engel aufsteigen und absteigen sehen; denn jeder heilige Wunsch, den du hast, ist [wie] ein Engel, der vom Himmel herabkommt, um dorthin zurückzukehren. Dann wirst du von Sprosse zu Sprosse und von Tugend zu Tugend aufsteigen und dabei großen Trost empfangen auf dem Weg dieser Pilgerschaft, bis du in die himmlische Stadt Jerusalem eintrittst.
Dein Wunsch hat mich dazu veranlasst, hier sieben Punkte vorzulegen, durch welche du, wie auf einer Treppe, zur geistlichen Vollkommenheit aufsteigen kannst. …
Die erste Sprosse oder der Punkt, um die Vollkommenheit zu erlangen, ist das Bemühen und ständige Sorge, die Reinheit des Gewissens zu bewahren, und zu beschließen, niemals Gott zu beleidigen, selbst wenn man das Vermögen, die Ehre und sogar das Leben verliert. …
Der zweite Punkt ist, dass du dich in einem ständigen inneren Gebet übst, da unser Erlöser sagt, dass wir immer beten müssen und niemals damit aufhören dürfen. …
Die dritte Sprosse dieser Leiter ist, dass du, wenn du beichten und kommunizieren und beten willst, nicht so sehr darauf schaust, was du fühlst und wie du dich zu fühlen wünschst. Das bedeutet: Auch wenn du Trockenheit verspürst, verlasse deine geistlichen Übungen nicht, denn Vollkommenheit ist nicht das, was kommt und geht, wie der Geschmack bei der Andacht, sondern der göttliche Glaube, die große Liebe zu Gott, die Geduld bei deinen Arbeiten. …
Der vierte Punkt ist, dass du sehr sorgfältig versuchst, eine Übung von großem Wert zu verrichten, nämlich mit dem aktiven Leben immer das kontemplative Leben zu verbinden. …
Der fünfte Punkt, Bruder, lautet, du sollst an keinem Tag aufhören, zur Messe zu gehen; denn unser Erlöser sagt: Lasst uns zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen, und alles andere wird uns dazu gegeben werden. …
Der sechste Punkt, den du befolgen sollst, ist, dass du dich nach dem Messbesuch in frommen Werken übst wie dem Besuch kranker und gefangener Menschen und Almosen verteilst nach deinen Fähigkeiten. …
Der letzte Punkt besagt, dass Sie mindestens zweimal täglich jeweils eine halbe Stunde einplanen sollst, um die Wohltaten Gottes, die Schöpfung, ihre Erhaltung, die Erlösung Verherrlichung zu betrachten.

Quelle: Alonso de Orozco: Antologia de sus obras. Madrid 1991, S. 79f, eigene Übersetzung

Zitate von Alfons von Orozco:

Das christliche Leben ist ein Weg zum Himmel; und jede Tugend, die wir ausüben, ist wie eine Tagesetappe, die wir gehen, um die Schönheit Gottes in seinem Wesen zu sehen.
Hierin gründet der Hauptteil der christlichen Philosophie, nämlich dass wir dieses Leben als eine mühsame Wallfahrt und nicht als ein Land, in dem wir bleiben, verstehen sollten.
Der Pilger, der mit Bedacht unterwegs ist, hält sich nicht dabei auf, nutzlos Neues zu hören, die Antiquitäten und Türme von Städten oder andere Kuriositäten zu betrachten; denn er weiß, dass dabei die Zeit verloren geht und es keine Frucht bringt, sich dabei aufzuhalten.
Oh du Vater der Pilger, oh du guter Jesus, dreiunddreißig Jahre bist du in diesem Tal des Elends gepilgert, bei deiner unendlichen Güte bitte ich dich: Lass mich nicht allein auf dieser Pilgerfahrt! Begleite mich, du König des Himmels …. Sprich zu mir auf diesem langen Weg Worte des Lebens, die mein Inneres und mein Herz entflammen. Ich liebe dich mit inniger Liebe. Ich bin ein Pilger so wie die alten Väter.

Quelle: Alonso de Orozco: Antologia de sus obras. Madrid 1991, S.68, 71, eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Die Burg in Oropesa kann täglich außer montags von 10 Uhr bis 14 Uhr und von 17 Uhr bis 19 Uhr, samstags und sonntags bis 20.30 Uhr, sonntags aber erst ab 11 Uhr besichtigt werden, der Eintritt beträgt 3 €. (2016)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 16.09.2021

Quellen:

• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993
• http://www.wikisalamanca.org/?title=Convento_de_San_Agust%C3%ADn
• https://de.zenit.org/articles/alfonso-von-orozco-1500-1591/

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.


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