Ökumenisches Heiligenlexikon

Lanfranc von Canterbury

auch: von Bec

Gedenktag katholisch: 28. Mai

Gedenktag anglikanisch: 28. Mai

Name bedeutet: der freie Landbesitzer (althochdt.)

Abt in Caen, Erzbischof in Canterbury
* um 1005 in Pavia in Italien
28. Mai 1089 in Canterbury in England


Lanfranc war Sohn einer vornehmen Familie, er studierte die freien Künste und möglicherweise Rechtswissenschaft und lehrte dann Grammatik, Logik und Rhetorik in Burgund und an der Schule der Kathedrale in Avranches; dort gründete er um 1035 eine wissenschaftliche Schule zum Studium der Rechte und der freien Künste, die schnell Berühmtheit erlangte. 1042 legte er in einer lebensbedrohlichen Situation das Gelübde ab, Mönch zu werden, was er im neuen Benediktinerkloster unter Herluin in Le Bec-Hellouin verwirklichte. Er wurde 1045 dort Prior und Leiter der Klosterschule; Schwerpunkt des Unterrichts war die Auslegung der Heiligen Schrift, v. a. der Psalmen und der Paulus-Briefe; damit begründete er die Einführung grammatischer und rhetorischer Fragestellungen und Methoden in die Exegese. Abgesehen von Herluin, der sich das Lesen und Schreiben im Alter selbst beigebracht hatte, gab es damals im Kloster fast nur Analphabeten, so auch den Prior, der einmal Lanfranks Aussprache des Lateinischen falsch verbesserte. Da habe der große Gelehrte ohne Protest die Ausspracheregeln ignoriert, weil er es für wichtiger erachtete, Christus (in seinem Vorgesetzten) zu gehorchen als Donat (dem Grammatiker, dessen Werk an den Klosterschulen zum Lateinunterricht eingesetzt wurde). Zu Lanfrancs Schülern gehörten Anselm von Canterbury, Ivo von Chartres und der spätere Papst Alexander II.

Giovanni Battista Cima da Conegliano: Lanfranc thronend zwischen Johannes dem Täufer und == Liberius, um 1515 - 1516, ursprünglich in der Kirche S. Maria dei Crociferi in Venedig, heute im Fitzwilliam Museum in Cambridge
Giovanni Battista Cima da Conegliano: Lanfranc thronend zwischen Johannes dem Täufer und Papst Liberius, um 1515 - 1516, ursprünglich in der Kirche S. Maria dei Crociferi in Venedig, heute im Fitzwilliam Museum in Cambridge

Auf Veranlassung von Papst Leo IX. befasste Lanfranc sich mit der Abendmahlslehre des Berengar von Tours; dieser vertrat gegen die Lehre der Realpräsenz Christi bei der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. eine symbolisch-spiritualistische Lehre, nach der Brot und Wein der Substanz nach bleiben, was sie waren, und nur eine geistige Bedeutung hinzukommt; Christus ist real, aber nicht physisch-dinglich präsent; ähnliches hat später Martin Luther gelehrt. Lanfranc nahm an den SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Vercelli 1050, in Tours 1054 und am Sitz des Papstes in der Kirche San Giovanni in Laterano in Rom 1059 teil; sowaohl in Vercelli als auch in Rom wurde Berengar verurteilt. 1063 verfasste Lanfranc seine Schrift De corpore et sanguine Domini, Über Leib und Blut des Herrn, in der er Berengar vor allem durch die Autorität der Kirchenväter widerlegte; sein Verweis auf die Lehre des Aristoteles über Substanz und Akzidenz trug bei zur Ausbildung der Lhre von der Transsubstantiation.

Als es Auseiandersetzungen gab um die Gültigkeit der Ehe, die Herzog Wilhelm II. von der Normandie 1053 mit seiner nahen Verwandten Mathilde geschlossen hatte, unterstützte Lanfranc den Herzog, bis Papst Nikolaus II. 1059 Dispens gewährte. 1063 ernannte der dankbare Wilhelm Lanfranc zum Abt des Klosters Saint Étienne in Caen. 1066 unterstützte Lanfranc den Einfall Wilhelms in England - der seinen Beinamen der Eroberer begründet -; 1070 ernannte Wilhelm ihn zum Erzbischof von Canterbury.

Zeichnung von Ivan Lapper: Rekonstruktion der Kathedrale in Canterbury, wie sie um 1077 unter Lanfranc gebaut wurde, erstellt aufgrund archäologischer und dokumentarischer Funde
Zeichnung von Ivan Lapper: Rekonstruktion der Kathedrale in Canterbury, wie sie um 1077 unter Lanfranc gebaut wurde, erstellt aufgrund archäologischer und dokumentarischer Funde Canterbury Archaeological Trust Ltd

Lanfranc blieb eng verbunden mit dem normannischen Königshaus und er bemühte sich besonders um die engere Anbindung der englischen Kirche an Rom. Er hielt SynodenSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. ab, forderte Treuebekenntnisse der Bischöfe und festigte die Vorrangstellung des Bischofs von Canterbury gegenüber dem von York. In Canterbury baute er die verfallene Kathedrale und das Domkloster wieder auf und eröffnete die Bibliothek. Im Auftrag von Papst Gregor VII. versuchte Lanfranc vergeblich, Wilhelm den Eroberer zur Ablegung des Lehenseides gegenüber dem Papst zu bewegen. Nach dem Tod von Wilhelm dem Eroberer 1087 unterstützte Lanfranc auch dessen Nachfolger Wilhelm II. Rufus, doch es gab erste Spannungen, die dann unter Lanfrancs Nachfolger Anselm von Canterbury offen ausbrachen.

Worte des Seligen

Einiges hält Lanfrank im klösterlichen Leben für wesentlich. Er schreibt:

Acht Punkte sind es, die von Ordensleuten sorgsam beobachtet werden sollen, damit sie von denen, die ein gesundes Urteil besitzen, ohne weiteres als eifrige Hüter ihres Ordensstandes beurteilt werden können:
1. dass sie ihre Klausur einhalten und das Kloster auf keinen Fall ohne Erlaubnis verlassen, auch dann nicht, wenn sie einen vernünftigen Grund dafür haben.
2. dass sie streng ihr Stillschweigen einhalten und es um nichts in der Welt leichthin brechen, wenn sich nicht ein vernünftiger und unvermeidlicher Anlass ergibt.
3. dass sie kein persönliches Eigentum haben und dies auch nicht durch eine Erlaubnis, mehr als die Notwendigkeit erfordert, begehren.
4. dass sie ihren Vorgesetzten in allem gehorchen, es sei denn – was ferne sei! –, dass diese etwas gegen den Willen Gottes befehlen; denn – so sagt der selige Gregor [der Große]: Böses darf niemals aus Gehorsam geschehen; Gutes kann aber zeitweilig ausgesetzt werden.
5. dass sie aus keinem Grund, auch wenn er ihnen gerechtfertigt erscheint, zu murren oder [jemanden] herabzusetzen wagen, damit sie nicht alles Gute, wenn sie ein solches zu vollbringen scheinen, durch dieses schlechte Verhalten außer Kraft setzen.
6. dass sie sich nach Gott gegenseitig lieben und alles Gute, das jeder von anderen erwartet, selbst anderen froh und mit Freude erweisen.
7. dass sie den gemäß dem Brauch ihrer Kirche festgesetzten Dienst, falls sie ihn leisten können, nicht vernachlässigen und dabei voll Konzentration und nicht unstet verharren. So sollen sie nicht durch ihre Unbeständigkeit die Augen der göttlichen Majestät, vor dessen Angesicht sie zu stehen scheinen, beleidigen.
8. dass sie in lauterer Gesinnung über all ihre Sünden Beichte ablegen. Doch diese Beichte sollen sie nicht ohne Unterschied vor allen, wie es einem beliebt, sondern nur vor ihren Vorgesetzten oder denen, die eine Vollmacht dazu besitzen, ablegen.
Das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen heißt, die Güter der himmlischen Heimat zu ersehnen und unablässig zu suchen, mit welchen Verdiensten der Gerechtigkeit man dorthin gelangen soll.
Dabei sollen wir die Unkundigen belehren und ihnen keine Vorwürfe machen, so wie wir auch Blinden keine Vorwürfe machen, sondern sie an der Hand führen.
Je mehr wir vom lauten Lärm fleischlicher Gedanken bedrängt werden, umso glühender sollen wir dem Gebet obliegen. Der Lobgesang ist unserem Gott dann angenehm, wenn wir das, was wir mit dem Mund singen, durch unser Handeln nicht Lügen strafen.
Wenn du einen Psalm betest, dann besinne dich drauf, wessen Worte du sprichst, und freue dich mehr an der Zerknirschung der Seele als an den lieblichen Schwingungen deiner Stimme: denn Gott hat mehr Gefallen an den Tränen des Psalmbeters als an deinem Geplapper.

Quelle: Beati Lanfranci sermo sive sententiae. In: Migne Patrologia Latina, t. 150, Sp. 637 - 630; eigene Übersetzung
Nach neueren Forschungen stammt dieser Text von Lanfrancs Schüler Ralph von Battle, der aber die Ansichten Lanfrancs widerspiegelt, welcher im Prolog zu seinen Constitutiones für das Kathedralkloster in Canterbury ganz Ähnliches schrieb. (Bernd Goebel, E-Mail vom 29. Mai 2019 an Peter Paul Bornhausen, Redaktion Katholische SonntagsZeitung)

Zitate von von Lanfrank:

Einem müßigen Geist flößen böse Geister schlechte Gedanken ein, so dass dieser, wenn er von seiner Arbeit ruht, keine Ruhe findet vor der Verlockung böser Taten.
Dein Geist verweile nicht in verschiedenartigen Verwirrungen; denn wenn sie sich einmal in deinem Herzen eingenistet haben, werden sie dich beherrschen und zum schlimmsten Vergehen verleiten.
Handle auch in den geringsten Angelegenheiten mit Bedacht; denn es ist für einen Menschen in seinem Leben nichts ganz Geringes, auch nur ganz Geringes zu vernachlässigen.
Ein wahrer Tempel Christi ist die Seele eines Glaubenden.

Quelle: Beati Lanfranci sermo sive sententiae. In: Migne Patrologia Latina, t. 150, Sp. 9 - 640; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia

  Schriften von Lanfranc und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 17.11.2019

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Klaus Reinhardt. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. IV, Herzberg 1992

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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