Ökumenisches Heiligenlexikon

Ludwig Orione

italienischer Name: Luigi
deutsch auch: Aloisius

1 Gedenktag katholisch: 12. März
Hochfest im Kleinen Werk von der göttlichen Vorsehung: 16. Mai
nicht gebotener Gedenktag bei den Salesianern Don Boscos: 16. Mai
nicht gebotener Gedenktag im Erzbistum Mailand: 16. Mai

Name bedeutet: der ganz Weise (latein. Form von Alwis, althochdt.)

Priester, Ordensgründer
* 23. Juni 1872 in Pontecurone bei Alessandria in Italien
12. März 1940 in Sanremo in Italien


Ludwig Oriones Geburtshaus in Pontecurone
Ludwig Oriones Geburtshaus in Pontecurone

Ludwig, ältester Sohn des Straßenarbeiters Vittorio Orione und der frommen Carolina geb. Feltri, kam in seinem 13. Lebensjahr zu den Franziskanern an der Kirche San Pietro in Voghera, wurde aber nach knapp zwei Jahren wegen einer schweren Lungenentzündung das Kloster wieder verlassen und half dann seinem Vater beim Straßenbau.

Kirche San Pietro in Voghera; das Kloster wurde 1928 von den „Söhnen der göttlichen Vorsehung” übernommen
Kirche San Pietro in Voghera; das Kloster wurde 1928 von den Söhnen der göttlichen Vorsehung übernommen

Sein Ortspfarrer vermittelte Ludwig Orione 1886 den Besuch des Gymnasiums Valdocco der Salesianer in Turin, wo er vor Michael Rua das Gelübde der Keuschheit ablegte. Nach dem Tod von Johannes Don Bosco 1888 wurde Ludwig wundersam geheilt und konnte 1889 mit dem Theologiestudium am Priesterseminar in Tortona beginnen. Noch als Student gründete er 1892 in Tortona ein kirchliches Kinder- und Jugendzentrum, das Feiertags-Oratorium - heute Oratorium San Luigi - und 1893 ein Heim für mittellose Priesteramtskandidaten, die im Seminar nicht aufgenommen wurden, zudem erhielt schon der Studierende Predigterlaubnis in der ganzen Diözese. 1895 wurde er zum Priester geweiht.

Institut Don Orione in Messina
Institut Don Orione in Messina

Aus seiner Kinder- und Jugendarbeit entwickelte Ludwig Orione das caritative Piccolo Opera della Divina Provvidenza, das kleine Werk der göttlichen Vorsehung, getragen von den zwei durch ihn ins Leben gerufenen Ordensfamilien, den 1903 päpstlich anerkannten Figli della Divina Provvidenza, Söhnen der göttlichen Vorsehung, und den 1915 approbierten gegründeten Piccole Suore Missionarie della Carità, den Kleinen Missionsschwestern von der Liebe mit dem ersten Mutterhaus an der Kirche San Michele Arcangelo in Tortona.

Papst Pius X. beauftragte Ludwig Orione mit Seelsorge im Gebiet vor der Porta San Giovanni in Rom; er arbeitete an der damals kleinen Kapelle, an deren Stelle dann die Kirche Ognisanti gebaut wurde. Nach dem schweren Erdbeben von 1908 ging er nach Messina und sammelte zu Waisen gewordene Kinder in neu errichteten Heimen; 1909 wurde er zum Generalvikar der Erzdiözese Messina ernannt; das Amt übte er bis 1912 aus.

Kathedrale in Messina
Kathedrale in Messina

Auch die Opfer des Erdbebens von Marsica - der Gegend um den im 19. Jahrhundert trocken gelegten Fucino-See - mit über 30.000 Todesopfern im Jahr 1915 und die zahlreichen Kriegswaisen von 1915 bis 1918 erfuhren seine Hilfe. Orione sah sich in alledem als Verkündiger des Evangeliums, besonders auch gegenüber der Kirche ferne Stehenden. Im Auftrag der Päpste betreute er im Modernismusstreit ausgeschiedene Priester. Er solidarisierte sich auch mit den Nöten der Arbeiter, so anlässlich eines Streiks in Candia Lomellina 1901.

Ora et labora, bete und arbeite, das Motto von Benedikt von Nursia wurde auch Ludwigs Leitmotiv, gepaart mit der Kreuzesliebe des Franziskus von Assisi, dem Vorbild der Schwerstkrankenpflege bei Josef Benedikt Cottolengo sowie der Arbeit unter Jugendlichen und der Missionen seines Lehrers Johannes Don Bosco. Die Verehrung der Maria war für ihn immerwährende Kraftquelle. Briefe und von ihm gegründete Zeitschriften verbreiteten seine Einsichten, weitere von ihm gegründete Vereinigungen wie die Suore Sacramentine, die Sakramentsschwestern und die Einsiedler des hl. Albert arbeiteten nach seinem Vorbild. Volksmissionen, die Organisation von Wallfahrten, die Errichtung von Heimen mit dem Namen Piccolo Cottolengo, die Einrichtung landwirtschaftliche Kolonien und weiterer caritativer Hilfseinrichtungen prägten sein Wirken. Schon 1913 sandte er Missionare nach Brasilien, 1921 nach Argentinien, Uruguay und Palästina, 1923 nach Polen, 1925 nach Rhodos, ab 1934 in die USA, nach Großbritannien und nach Albanien.

Ludwig starb unerwartet während eines Erhloungsaufenthaltes in der Villa Santa Clotilde in Sanremo. Sein Grab ist in dem von ihm errichteten Sanktuarium Madonna della Guardia in Tortona, wo sich die Zentrale seines Werkes befindet. Bei einer Sargöffnung zum 25. Todestag fand man seinen Leichnam unverwest. Er wird als Apostel der Caritas und Vater der Armen verehrt. Eine Reliquie wird auch in der Kathedrale in Tortona bewahrt.

Noch vor seinem Tod breitete sich Ludwig Oriones Werk in Polen, Brasilien und den USA aus. Bei seinem Tod zählten die beiden Kongregationen 820 Mitglieder, darunter 220 Priester, die in mehr als hundert Werken Dienst an Armen, Kranken und an jungen Menschen taten. Bis heute wird die Arbeit der Gemeinschaft unterstützt von den Absolventen seiner Schulen und den Amici di Don Orione, den Freunden von Don Orione. Die von ihm gegründete Ordensfamilie arbeitet heute in fast allen Ländern der Welt als Helfer für Alte, Kranke und Notleidende, besonders unter der Jugend.

Kanonisation: Ludwig Orione wurde am 26. Oktober 1980 von Papst Johannes Paul II. selig- und am 16. Mai 2004 vom selben Papst heiliggesprochen.

Die Kirche San Pietro in Voghera ist täglich von 7 Uhr bis 11.30 Uhr und von 15.30 Uhr bis 18.40 Uhr geöffnet. (2023)
Das Sanktuarium Madonna della Guardia in Tortona ist täglich von 6.30 Uhr bis 12 Uhr und von 14.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. (2023)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 31.05.2023

Quellen:
• Otto Wahl. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. VI, Herzberg 1993
• Rudolf Hauschka: Substanzlehre, Klostermann-Verlag, Frankfurt, 11. Aufl. 1996
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 6. Herder, Freiburg im Breisgau 1997
• Ferdinand Holböck: Die neuen Heiligen der katholischen Kirche, Band 1. Christiana, Stein am Rhein 1991
• https://it.wikipedia.org/wiki/Luigi_Orione - abgerufen am 24.03.2023

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.


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