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Ökumenisches Heiligenlexikon

Matthäus Ricci

italienischer Vorname: Matteo
chinesischer Name: Lì Mǎdòu

Gedenktag katholisch: 11. Mai

Name bedeutet: Gottes Geschenk (griech.-hebr.)

Ordensmann, Priester, Missionar
* 6. Oktober 1552 in Macerata in Italien
† 11. Mai 1610 in Beijing / Peking in China


Matthäus Ricci besuchte das Jesuitenkolleg in seiner Heimatstadt Macerata. Im Alter von 18 Jahren trat er in den Orden ein und studierte am Kolleg der Jesuiten in Rom - damals noch auf dem Kapitolshügel - Philosophie, Mathematik, Astronomie und Kosmographie. 1577 wurde er als Missionar nach Goa - das heutige Velha Goa - ausgesandt, dort wurde er zum Priester ordiniert. Nachdem erste Missionierungsversuche der Jesuiten in China gescheitert waren, ging er 1582 nach Macau und erlernte Sprache, Schrift und Kultur der Chinesen. 1583 begab er sich zusammen mit == Michelle Ruggieri nach Zhaoqing. In kluger und zurückhaltender Weise begannen sie ihre Missionsarbeit, nahmen das lokale Brauchtum an, trugen das Gewand buddhistischer Mönche und wurden von den Chinesen auch als solche angesehen. Matthäus fand schnell einflussreiche Freunde.

In Zhaoqing übersetzten Matteo Ricci und == Michele Ruggieri ein chinesisches Lexikon ins Portugiesische; damit wurde erstmals die chinesische in eine europäische Sprache übersetzt. Ab 1588 war Ricci alleiniger Leiter der katholischen Mission in China; er fand schnell einflussreiche Freunde unter hochrangigen Gelehrten und Beamten, von denen er umfangreiche Kenntnisse über den Konfuzianismus erwarb. 1591 übersetzte er die Abhandlung des griechischen Mathematikers Euklid über Arithmetik und Geometrie, die Elemente und die Kommentare des Mathematikers und Jesuitenpaters Christophorus Clavius, der Riccis Mathematiklehrer war, ins Chinesische.

Pater Manuel Perreira: Porträt, gemalt in der Nacht nach Riccis Tod, gemalt mit offenen Augen, als ob er auch nach dem Tode wache
Pater Manuel Perreira: Porträt, gemalt in der Nacht nach Riccis Tod, gemalt mit offenen Augen, als ob er auch nach dem Tode wache

Ricci zog dann weiter nach Chaozhou im Norden der Provinz Guangdong, denn er wollte bis nach Beijing kommen, dort als Botschafter des Papstes Kaiser Wanli aufsuchen und ihn möglichst auch bekehren. 1594 verfasste Ricci sein missionarisches Hauptwerk Tiānzhǔ Shíyì, Die wahre Lehre vom Herrn des Himmels, 1595 erschien Jiāoyǒu lùn, Über die Freundschaft, über das Ideal der Freundschaft und Ethik, eines der meistgelesenen westlichen Bücher im damaligen China. Nachdem 1592 Japan Korea besetzt hatte, wurden alle Ausländer der Spionage für Japan verdächtigt. Ricci kam 1595 noch bis in die alte Hauptstadt Nanjing / Nanking, musste aber zunächst wieder umkehren und konnte sich erst 1598 dort niederlassen. Ab 1599 widmete er sich mathematischen, astronomischen und geographischen Studien. Auch auf dem Gebiet der Kartografie betätigte er sich, fertigte einen Stadtplan von Nanking an, zeichnete eine runde Weltkarte und bestimmte später in Beijing die Koordinaten der Stadt. Ricci gab die erste Weltkarte heraus, auf der China genau in der Mitte der bekannten Welt dargestellt wurde, was den Vorstellungen vom Reich der Mitte entsprach; zudem war es die erste chinesische Karte, in der auch Amerika abgebildet war.

Die „Kunyu Wanguo Quantu”, „Karte der unzähligen Länder der Welt”, gedruckt von Matthäus Ricci auf Anfrage von Kaiser Wanli in China, 1602
Die Kunyu Wanguo Quantu, Karte der unzähligen Länder der Welt, gedruckt von Matthäus Ricci auf Anfrage von Kaiser Wanli in China, 1602, Nachdruck von 1604, Universitätsbibliothek in Tōhoku in Japan

1601 kam Ricci schließlich nach Beijing und dort auch in die Verbotene Stadt; er erhielt die Erlaubnis, sich in der Hauptstadt niederzulassen. Bald konnten ihm weitere Jesuiten aus Europa folgen. Wegen seiner mathematischen, geographischen und astronomischen Fähigkeiten wurde dann auch Kaiser Wanli auf ihn aufmerksam, Ricci durfte ihn aber nie persönlich kennenlernen. Einige hohe Beamte konnte er zum Christentum bekehren; 1584 gab es in China drei Christen, bei Riccis Tod zählte sein Orden in Peking vier Missionsstationen und eine Gemeinde von rund 2500 Mitgliedern. 1605 schrieb er einen chinesischen Katechismus. Riccis zwischen 1609 und 1610 verfasster Bericht über die China-Mission Della Entrata della Compagnia di Giesù e Chirstianità nella Cina, Vom Eintritt der Gesellschaft Jesu und des Christentums in China wurde nach seinem Tod von einem Ordensbruder ins Lateinische übersetzt und 1615 in Augsburg veröffentlicht; er beeinflusste weithin die europäische Sichtweise auf China.

Ricci war Vermittler zwischen zwei gegensätzlichen Kulturen. Die Chinesen überzeugte er weniger durch christliche Verkündigung als durch seine hervorragenden Kenntnisse in der Wissenschaft. In dem im Jahr 2000 eingeweihten Milleniumsdenkmal in Beijing ist Matthäus Ricci neben Marco Polo abgebildet. Gegen seine Auffassung von Missionsarbeit als Anpassung an die fremde Kultur und Übernahme ihrer Vorstellungen und Begriffe wurden alsbald von Missionaren aus dem Dominikaner- und Franziskanerorden grundlegende dogmatische Einwände erhoben: dieser Ritenstreit wurde erst 1704 entschieden, als Papst Clemens XI. ein Verbot der chinesischen Bräuche aussprach. Daraufhin verbot Kaiser Yongzheng 1724 das Christentum in China, das kirchliche Leben wurde in den Untergrund abgedrängt, Missionare mussten das Land verlassen. Erst 1939 wurde das Verbot von Papst Pius XII. wieder aufgehoben.

Nach Matthäus Riccis Tod erwies ihm Kaiser Wanli die Ehre, ein Grab in Beijing zu belegen, in dem seine Gebeine bis heute ruhen.

Die Instituts Ricci mit Sitz in Paris und Taipei übersetzen wichtige Werke aus dem Chinesischen in europäische Sprachen und forschen über chinesische Wissenschaft und Kultur. Das chinesisch-französische Wörterbuch Le Grand Dictionnaire Ricci ist mit 7 Bänden, 13.500 Schriftzeichen und 300.000 zusammengesetzten Wörtern und Wendungen das größte chinesisch-westlichsprachige Wörterbuch.

Catholic Encyclopedia





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 24.02.2018

Quellen:
• http://de.wikipedia.org/wiki/Matteo_Ricci
• Walter Demel. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. VIII, Herzberg 1995

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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