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Ökumenisches Heiligenlexikon

Karl I. Franz Joseph - unfähiger Kriegsherr oder Lichtgestalt?


Prof. Helmut Bouzek stellt Leben und Handeln von Kaiser Karl I. Franz Joseph, des letzten Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn dar.

Übersicht:
Jugend und Thronbesteigung
Der Kaiser im Krieg
Thronverzicht und Exil
Seligsprechung

Jugend und Thronbesteigung

Karl I. Franz Joseph wurde am 17. August 1887 auf Schloss Persenbeug in Niederösterreich als älterer Sohn des Erzherzogs Otto Franz Joseph, Bruder des späteren Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este, und dessen Ehefrau Maria Josepha Luise von Sachsen geboren. Er war von 1916 bis 1918 Kaiser von Österreich und als Karl IV. (ungarisch IV. Károly, kroatisch Karlo IV.) König von Ungarn (bis November 1921) und Kroatien und als Karel III. König von Böhmen, in Ungarn auch als Letztkönig bezeichnet.

Zwei Tage nach seiner Geburt wurde er von Dr. Matthäus Binder, Bischof von St. Pölten, auf den Namen Carl Franz Joseph Ludwig Hubert Georg Otto Maria getauft.

Niemand dachte an eine Krone für den kleinen Prinzen. Kronprinz Rudolf lebte, und auch nach dessen unglücklichem Tod am 30. Januar 1889 standen noch Erzherzog Karl Ludwig, dessen Sohn Franz Ferdinand und seine möglichen Nachkommen zwischen Erzherzog Otto und seinem Sohn in der Erbfolge der Krone. Dies änderte sich im Jahr 1900 durch die am 1. Juli dieses Jahres geschlossene morganatische EheEine morganatische Ehe (von lat. matrimonium morganaticum, althochdt. morgangeba, Morgengabe) ist im Adel eine Ehe, bei der einer der Ehepartner von niedrigerem Stand ist als der andere. Durch morganatische Ehen kann man Verhältnisse mit Mätressen legalisieren oder eine Liebesheirat vollziehen - oft nach dem Tod der ersten, standesgemäßen Frau, mit der es schon standesgemäße Kinder gab. des nach dem Tod seines Vaters am 19. Mai 1896 zum Thronfolgers gewordenen Franz Ferdinand mit Sophie Gräfin Chotek und die dadurch notwendige Verzichtserklärung auf die Thronfolgerechte für seine Nachkommen vom 28. Juni 1900. Als Karls Vater am 1. November 1906 starb, wurde sein Onkel Franz Ferdinand sein Mitvormund und er zum nächsten Thronanwärter.

Karl wurde zunächst vor allem von seiner frommen Mutter betreut. Sein Vater war ein skandalumwitterter Müßiggänger, der sich dem kaiserlichen Hof entfremdete, so dass sich die kaiserliche Familie und schließlich auch seine Gemahlin von ihm zurückzogen.

1894 wurde der General Georg Graf von Wallis mit der Leitung von Karls Erziehung betraut, sein Hauslehrer wurde der sportliche Philologe J. Holzlechner; mit im Team der Erzieher war auch der Generalvikar und Weihbischof der Erzdiözese Wien, Godfried Marschall. Karl genoss ein umfangreiches Lernprogramm mit der besonderen Betonung auf Sprachen.

Unüblich für ein Mitglied des Kaiserhauses, besuchte er von 1900 bis 1902 das Schottengymnasium in Wien als Privatschüler, nahm aber nur in den naturwissenschaftlichen Fächern am Klassenunterricht teil. Auch legte er die Abschlussprüfung nur für den Lehrplan der Unterstufe ab. Karl erhielt auch eine vorbereitende militärische Erziehung, weshalb ihn sein Großonkel Kaiser Franz Joseph I. 1903 zum Leutnant des Ulanenregiments Erzherzog Otto Nr. 1 ernannte. Am 1. Oktober 1905 begann seine militärische Ausbildung beim Regiment der Savoyen-Dragoner Nr. 7. Die Garnison war zuerst in Kutterschitz bei Bilin - heute der Stadtteil Chudeřice von Bílina - in Böhmen, 1906 in Brandeis-Altbunzlau - seit 1960 die tschechische Doppelstadt Brandys nad Labem-Stará Boleslav - stationiert. Am 1. November wurde er zum Oberleutnant befördert. In diesem Jahr unterbrach er den Militärdienst für ein zweijähriges Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Prager Karl-Ferdinands-Universität. Ab Sommer 1908 war er wieder bei seiner Garnison.

Franz Ferdinand kümmerte sich um Karls Ausbildung, er setzte seinen Neffen – etwa ab 1913 - über seine Reformpläne ins Bild und fungierte auch als Trauzeuge. Es war wohl vor allem Karls geschmeidige Fügsamkeit und seine völlige Abstinenz in allen politischen Fragen, die ein dauerhaftes und friedliches Nebeneinander zwischen dem Thronfolger und dem Thronanwärter garantierten.

Am 13. Juni 1911 verlobte sich Karl in der Villa delle Pianore bei Lucca in Italien mit Zita von Bourbon-Parma, die er am 21. Oktober des gleichen Jahres in Schloss Schwarzau am Steinfeld in Niederösterreich heiratete. Seine Entscheidung für die Italienerin, als die seine Gattin von Gegnern dieser Verbindung speziell nach Italiens Kriegserklärung an Österreich-Ungarn 1915 bezeichnet wurde, trug nach Meinung von Kritikern nichts zur wünschenswerten internationalen Verankerung des Hauses Habsburg-Lothringen bei, da Zita aus einem nicht mehr regierenden Adelshaus und aus einem mit Österreich nicht befreundeten Land stammte.

Die Trauungszeremonie im Beisein des Kaisers wurde von Monsignore Bisletti, einem Freund des Hauses Parma und dem Majordomus von Papst Pius X. geleitet. Im März 1912 wurde Karls Regiment nach Kolomea in Ostgalizien - dem heutigen Kolomyja in der Ukraine - verlegt. Seit 1909 Rittmeister, wurde Erzherzog Karl am 1. November 1912 zum Major im Infanterie-Regiment Nr. 39 befördert. Er und Zita übersiedelten nach Wien, wo er in der Stiftskaserne den Befehl über das 1. Bataillon übernahm. Am 20. November kam in Reichenau das erste Kind zur Welt. Karl und Zita nannten ihren Sohn nach Karls verstorbenem Vater Otto. In Wien wurde der erzherzoglichen Familie das Schloss Hetzendorf zur Verfügung gestellt.

Nach der Ermordung Franz Ferdinands am 28. Juni 1914 war Karl nach den Hausgesetzen der Dynastie Habsburg ex lege, d. h., ohne dass der Kaiser eine Entscheidung zu treffen gehabt hätte, Erzherzog-Thronfolger. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs war er auch Mitglied des obersten Armeekommandos, aus dem er bald von Generalstabschef Conrad von Hötzendorf hinausgedrängt wurde. Er besuchte danach im Auftrag des Kaisers oft die Truppen an vorderster Front. 1916 war er Kommandierender General des 20. Armeekorps (Edelweiß) in Italien und befehligte danach Truppen in Rumänien.

Der alte Kaiser starb am 21. November 1916 nach einer Regierungszeit von 68 Jahren. Österreich hatte ein neues, junges Kaiserpaar. Ein Thronwechsel mitten im Krieg ist keine leichte Aufgabe. Die Nachfolge einer lebenden Legende wie Kaiser Franz Joseph anzutreten, war sogar für den Tapfersten eine nur schwer bewältigbare Herausforderung. In seinem Manifest anlässlich der Thronbesteigung kündigte Kaiser Karl sehr deutlich seinen festen Willen zum Frieden an, allerdings nur, um seine Macht erhalten zu können.

Karl I. von Österreich sah seine nun übernommene Herrschaft als Gottesgnadentum an. Das Gottesgnadentum ist eine Begründung für monarchische Herrschaftsansprüche. Der Begriff entwickelte sich aus dem Titelzusatz Dei Gratia (lateinisch: [durch die] Gnade Gottes). Es findet seinen Ausgangspunkt bei den Karolingern, speziell bei Pippin dem Jüngeren in Bezug auf seine Herrschaft als fränkischer König, sowie bei Karl dem Großen, der seine Herrschaft als römisch-deutscher Kaiser im Hochmittelalter kirchlich legitimiert sah und der sein Reich als Einheit von Staat, Kirche und Religion verstand. Das Gottesgnadentum beinhaltet die Legitimation des Herrschers durch den Willen Gottes (Stellvertreter Christi auf Erden). Der Absolutismus vertrat davon ausgehend die Position, dass der König weder absetzbar noch in einer anderen Weise an der Ausübung seiner Regentschaft zu hindern sei. Prominente Beispiele dafür sind: Ludwig XIV. von Frankreich, Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, das Erzhaus Habsburg oder die russischen Zaren.

Der Kaiser im Krieg

Mit dem Thronwechsel drängten die durch die lange Kriegsdauer vertieften Probleme zur Lösung, wobei lang verdeckte Probleme offengelegt wurden.

Noch Ende November enthob Karl Erzherzog Friedrich des Oberbefehls über die k.u.k. Armee und übernahm am 2. Dezember 1917 selbst den Oberbefehl.

In Ungarn wurde der Kaiser durch den willensstarken Ministerpräsidenten István Tisza gezwungen, sich ohne vorhergehende politische Verhandlungen bzw. Verfassungsänderungen als ungarischer König krönen zu lassen. Die Krönung erfolgte am 30. Dezember 1917. Auch nach der am 23. Mai 1917 erfolgten Demission Tiszas konnte Karl die Budapester Regierung nicht dazu bewegen, eine Demokratisierung des Wahlrechts durchzuführen, die er nach der Märzrevolution in Russland für unerlässlich hielt.

In Österreich versuchte Karl durch die Wiedereröffnung des seit März 1914 vertagten Reichstages am 31. Mai 1917 sowie durch eine politische Amnestie und durch den Abbau der Ausnahmegesetzgebung eine Versöhnung der nationalen Gegensätze herbeizuführen, um eine auf parlamentarischer Grundlage basierende umfassende Verfassungsreform zu ermöglichen. Doch im Verlauf des Jahres 1917 wendeten sich die meisten Führer der nichtdeutschen Völker Österreichs angesichts der wachsenden Abhängigkeit Wiens vom deutschen Bundesgenossen von der Habsburgerdynastie ab und knüpften Verbindungen zu den auf die Zerstörung der Monarchie hinarbeitenden Exilpolitikern im feindlichen Ausland.

Das Oberkommando der Armee verlegte Karl I. von Teschen - der heutigen polnisch-tschechischen Doppelstadt Cieszyn / Český Těšín - ins Kaiserhaus nach Baden bei Wien und der machtbewusste und eigensinnige Generalstabschef Conrad von Hötzendorf wurde am 27. Februar 1917 seines Postens enthoben; er erhielt den Oberbefehl über die Heeresgruppe Südtirol. Karl selbst leitete von da an mit Unterstützung des Generals Arthur Arz Baron von Straußenburg als Chef des Generalstabes und General Josef Ernst Graf von Waldstein-Wartenberg die oberste militärische Befehlsstelle.

Waren diese militärischen bzw. personellen Entscheidungen als geglückt zu bezeichnen, so waren seine Friedenbemühungen dilettantisch. Nach der alliierten Zurückweisung des wegen der zu hohen deutschen Ansprüche fehlgeschlagenen Friedensangebots der Mittelmächte vom 12. Dezember 1916 versuchte Karl, gemeinsam mit seiner Gattin, durch die Vermittlung von Zitas Bruder - Prinz Sixtus von Bourbon-Parma - geheime Friedenssondierungen in Frankreich einzuleiten. Karl verpflichtete sich in dem am 24. März 1917 an Sixtus gerichteten Brief, der eigentlich für den französischen Präsidenten Raymond Poincaré bestimmt war, die gerechten Rückforderungsansprüche Frankreichs auf Elsass-Lothringen zu unterstützen. Trotz der freundlichen Aufnahme in Paris und London scheiterte diese Sondierung am Einspruch Italiens, dessen Interessen ignoriert worden waren.

Der Sixtusbrief wurde später als Zeichen für die naive Impulsivität Kaiser Karls bezeichnet, weil er die Gefahren der Aufdeckung des geheimen Vorgangs und die Reaktion der Entente falsch eingeschätzt habe. Die Billigung französischer Ansprüche auf Elsass-Lothringen durch den Kaiser stand in offensichtlichem Gegensatz zum Unwillen, eigene territoriale Zugeständnisse (etwa bei der Frage der Abtretung des Trentino an Italien) zu machen. Der Wunsch des Kaisers nach Friedensgesprächen scheiterte letztlich an der französischen Hoffnung auf einen Sieg (die USA waren am 6. April in den Krieg eingetreten), an den Forderungen Italiens, aber auch an der Unnachgiebigkeit des Deutschen Reiches, wo sich immer mehr jene Kräfte durchsetzten, die an einen militärischen Sieg glaubten. Karls weitere Versuche auch über den Papst, den König von Spanien sowie die Königin von Belgien blieben ebenso erfolglos, da die Alliierten Österreich-Ungarn zunehmend als willenloses Werkzeug Deutschlands betrachteten.

Papst war zu dieser Zeit Benedikt XV. (1914 – 1922), der, obwohl er ein Verfechter der Politik Leos XIII. und ein Parteigänger Frankreichs war, anfänglich zugunsten der Mittelmächte agierte. Dass der KurieAls römische Kurie (von lateinisch curare = „pflegen, sich kümmern”) werden seit dem 11. Jahrhundert die Leitungs- und Verwaltungsorgane der katholischen Weltkirche in Rom genannt. Die Kurie ist für die Gesamtkirche zuständig, nicht für die Regierung des Staates Vatikan. das Schicksal Österreich-Ungarns am Herzen lag, ist leicht verständlich. Sogar der katholische Papsthistoriker Josef Schmidlin hielt dazu fest: Ganz natürlicherweise stand schon während des Weltkrieges bei aller Neutralität [!] im Prinzip die persönliche wie amtliche Sympathie des Papstes auf seiten des habsburgischen Doppelreiches in Anbetracht seines katholischen Charakters gegenüber dem schismatischen Russland, protestantischen England und ungläubigen Frankreich. Schließlich war die Doppelmonarchie die einzige dem Vatikan eng verbundene Großmacht, die einen wirksamen Schutz gegen Slawismus und Orthodoxie versprach. Im Interesse seiner Ostpolitik lenkte der Heilige Stuhl auch Bulgarien auf der Seite der Mittelmächte in den Krieg. Und gerade im Hinblick auf das katholische Österreich-Ungarn bekräftigte Benedikt noch im Frühjahr des Jahres 1915 die absolute Identität unserer Interessen. Erst als das Kriegsglück wechselte, wechselte auch der Vatikan ins Lager der Entente. Doch im Osservatore Romano vom 24. Mai 1919 war zu lesen: Der Heilige Stuhl handelte während des Krieges ständig (constantamente) zugunsten der Ententemächte (a favore delle potenze dell’Intesa), besonders zugunsten Belgiens, Italiens und Frankreichs. Und Benedikt erklärte jetzt: Diesen Krieg hat Luther verloren. Während des Infernos spielte Benedikt XV. den großen Unparteiischen, den Friedenspapst. Doch die Streitparteien sahen das anders. Die Mittelmächte nannten ihn zeitweise den französischen Papst, die Alliierten le pape boche, der deutsche Papst, wobei boche die diffamierende Bezeichnung für Deutsche ist; er selbst beanspruchte für sich die Worte Benedikts XIV. vom Martyrium der Neutralität.

Am 24. Oktober 1917 begann schließlich jenes militärische Untenehmen, das als 12. Isonzoschlacht, die Durchbruchsschlacht von Flitsch-Tolmein, das Wunder von Karfreit oder auch die Katastrophe von Caporetto bekannt wurde. Innerhalb weniger Tage gelang es den österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen nach einem verheerenden Einsatz von Giftgas, die italienischen Linien zu überrennen. Die 2. und 3. italienische Armee musste sich hinter den Fluss Tagliamento zurückziehen, 200.000 Mann gerieten in österreichische Kriegsgefangenschaft. Die k.u.k. Truppen verfolgten die Italiener bis an den Fluss Piave, wo die Offensive am 2. Dezember 1917 zum Stillstand kam. Mit der Hilfe französischer und britischer Truppen konnten die Italiener die Krise meistern.

Die Beteiligung Österreich-Ungarns an dem harten Diktatfrieden mit Sowjet-Russland in Brest-Litowsk - dem heutigen Bjeraszje/Brest in Weißrussland - und mit Rumänien in Bukarest sowie die Besetzung der Ukraine durch österreichisch-ungarische Truppen veranlassten die Westmächte ab dem Frühjahr 1918, die Zerstückelung der Monarchie in unabhängige Nationalstaaten als offizielles Kriegsziel zu verfolgen.

Am 24. April 1918 veröffentliche der französische Ministerpräsident Georges Clémanceau als Antwort auf eine Rede des österreichischen Ministers des Äußeren, Ottokar Graf Czernin, vor dem Wiener Gemeinderat, in der er erklärt hatte, dass mit den Franzosen Friedensverhandlungen geführt worden, diese aber an der Forderung Frankreichs nach Elsass-Lothringen gescheitert seinen, den Sixtus-Brief. Damit war der Minister, der zugeben musste, den Brief nicht gekannt zu haben, desavoiert und durch den Vertrauensbruch sank Karls Ansehen bei den Verbündeten.

Thronverzicht und Exil

Karls späterer Versuch, mit dem Völkermanifest vom 16. Oktober 1918 die österreichische Reichshälfte in einen Bundesstaat von autonomen Nationalitäten-Einheiten umzuwandeln, beschleunigte nur den schon in Gang befindlichen Auflösungsprozess, der sich bald unter dem Eindruck der deutschen und bulgarischen Niederlagen auf die Frontarmeen ausdehnte.

Soziale Unruhen in den Großstädten, die Kündigung des Dualismus durch Ungarn und die Konstituierung der sich bildenden Nationalräte als provisorische Regierungen verschiedener Nationalstaaten folgten rasch. Nach dem Waffenstillstand vom 4. November 1918 lösten sich die Frontarmeen auf und damit verschwand die letzte Stütze des Habsburgerreiches.

Angesichts der drohenden Lage in Wien unterzeichnet Kaiser Karl am 11. November 1918 auf Drängen seiner österreichischen Minister ein Manifest, in dem er sich für den Rückzug aus allen Regierungsgeschäften verpflichtete, aber keinen ausdrücklichen Verzicht auf den Thron aussprach. Karl begab sich noch in der Nacht vom 11. auf den 12. November 1918 mit seiner engsten Familie auf Schloss Eckartsau im Marchfeld, das damals im Unterschied zu Schönbrunn habsburgischer Privatbesitz war. Der britische König Georg V. wollte ihm das Schicksal des russischen Zaren Nikolaus II. ersparen und ließ ihn dort vom britischen Oberstleutnant Edward Lisle Strutt beschützen. Karls und Zitas Hoffnung, die politische Lage werde sich zu seinen Gunsten normalisieren und man werde ihn einladen, wieder an die Spitze des Staates zu treten, wurde aber nicht erfüllt. Mit einer ähnlichen Erklärung wie in Wien verzichtete Karl am 13. November auf Schloss Eckartsau auf Wunsch ungarischer Spitzenpolitiker auf die Ausübung seiner Staatsgeschäfte in Ungarn. Auch dort dankte er aber nicht formell ab; seine Gattin Zita hielt dies auf Grund des Gottesgnadentums des Monarchen für unmöglich.

ehemaliger Bahnhof in Kopfstetten
ehemaliger Bahnhof in Kopfstetten

Nachdem die republikanische Staatsform in Österreich durch die konstituierende Nationalversammlung bestätigt worden war, hatte sich Karl geweigert, für sich und sein Haus einen förmlichen Thronverzicht abzugeben, und musste daher mit seiner Familie Österreich am 23. März 1919 verlassen. Vom Bahnhof in Kopfstetten im Marchfeld trat er unter britischem Militärschutz die Reise in die Schweiz an, die ihm am 18. März 1919 die Asylgewährung zugesagt hatte. Am 24. März 1919 nahm Karl im Feldkircher Manifest – vor der Ausreise aus Österreich – alle seit dem 16. Oktober 1918 gemachten Erklärungen und Zusagen zurück.

In seinem Schweizer Exil, von seiner Gattin Zita und konservativen Ratgebern aus den Nachfolgestaaten beeinflusst, überschätzte Karl seine Möglichkeiten, den Thron wiederzuerlangen, der als Mittelpunkt einer Donauföderation dienen sollte. Er erwartete vor allem in Ungarn eine günstige Aufnahme durch seinen alten Anhänger Admiral Miklós von Horthy, der sich dort als Reichsverweser etabliert hatte. Durch Horthy getäuscht, versuchte Karl auch militärische Mittel, um seine Ansprüche durchzusetzen, doch schlugen die Restaurationsversuche fehl.

Karl hatte getreu seinem Königseid und auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes gehandelt, der die Errichtung eines kommunistischen Regimes in Ungarn bzw. ein bolschewistisches Chaos in Europa befürchtete. Der erste Restaurierungsversuch des Exilkaisers erfolgte in der Zeit vom 26. März bis zum 4. April 1921. Dabei wurde er in Steinamanger - dem heutigen Szombathely - zur Umkehr gezwungen. Am 12. Oktober des gleichen Jahres versicherte der Exkaiser, keinen Restaurationsversuch mehr zu planen, landete aber schon 20. Oktober mit seiner Ehefrau in der Nähe von Ödenburg - dem heutigen Sopron - mit einem Flugzeug. Am 22. Oktober begann der Marsch der Truppen Karls in Richtung Budapest. Am 24. Oktober 1921 wurden seine Truppen unter General Anton von Lehar – dem Bruder des bekannten Operettenkomponisten Franz Lehar – bei Budaörs geschlagen, und Karl geriet in Gefangenschaft. Nach einer kurzen Internierung in der Abtei Tihany am Plattensee wurde Karl am 1. November mit seiner Frau Zita an Bord des britischen Donauschiffes Glowworm bis zum Schwarzen Meer und dann auf dem britischen Kreuzer Cardiff über Gibraltar auf die portugiesische Insel Madeira gebracht. Dorthin hatte ihn die Triple Entente nun verbannt, um ihm Auftritte in seinem ehemaligen Herrschaftsbereich unmöglich zu machen. Das Paar traf dort am 19. November 1921 ein. Karls und Zitas Kinder kamen erst am 2. Februar 1922 bei ihren Eltern an.

Die Familie lebte zunächst im Hotel Victoria in Funchal. Nach dem Diebstahl der als letzte Mittel verbliebenen persönlichen Juwelen übersiedelte er in die Villa Gordon - eine Quinta, ein Herrenhaus - in Monte, oberhalb von Funchal, die ihnen der Bankier Luis da Rocha Machado kostenlos berlassen hatte. Am 9. März zog er sich eine Erkältung zu. Um Geld zu sparen, wurde erst am 21. März ein Arzt gerufen, der eine schwere Lungenentzündung feststellte. Am 1. April 1922 starb Karl knapp fünfunddreißigjährig.

An seiner Beisetzung am 5. April nahmen etwa 30.000 Personen teil. Sein Leichnam wurde in der Kirche Nossa Senhora in Monte begraben. Sein Herz wird seit 1971 im Kreuzgang des Klosters der Benediktiner im Kanton Aargau in der Schweiz, der ältesten Stiftung und Grablege der Habsburger, aufbewahrt.

Seligsprechung

Der einstige Kaiser Karl I. von Österreich ist der 1338. Selige, den Papst Johannes Paul II. in seiner Amtszeit am 3. Oktober 2004 zur Ehre der Altäre erhoben hat. Für seine Beatifikation hatte sich die 1925 gegründete Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Weltfrieden – ein Sammelbecken für Monarchisten und katholische Traditionalisten - unter ihrem damaligen Präsidenten - Bischof Dr. Kurt Krenn - eingesetzt.

Der erste Anstoß für einen Seligsprechungsprozess kam – so erklärte es der Priester und Kirchenhistoriker Jan Mikrut – schon im Jahr 1923. Der spätere österreichische Bundespräsident Wilhelm Miklas soll sich in einem Brief an den damaligen Wiener Erzbischof Kardinal Friedrich Gustav Piffl dafür ausgesprochen haben. Die ersten eindeutig belegten Bestrebungen zur Seligsprechung wurden vom Wiener Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer initiiert. 1954 wurde mit dem Seligsprechungsprozess begonnen, der durch die vorgenannte Gebetsliga wesentlich gefördert wurde.

Kenner der Materie sind der Meinung, es sei kein Kunststück, die Gebetsliga der Lächerlichkeit preiszugeben. Ein Blick in ihre Jahrbücher, Kapitel Gebetserhörung, so heißt es, genüge: Während einer längeren Abwesenheit habe ich dem Diener Gottes Karl meine Wohnung anvertraut, da schon zweimal in meinen Keller eingebrochen wurde. Die Wohnung ist unversehrt geblieben. Nimmt man die Jahrbücher der Gebetsliga (oratio et satisfactio) als Maßstab, dann ist Karl - der Selige, den seine Zeitgenossen noch den Wankelmütigen nannten, weil seine Entscheidungen oft nur wenige Stunden Gültigkeit hatten - ein Universal-Problemlöser im Fall von Schwangerschaften, Verletzungen, Auseinandersetzungen oder materiellen Verlusten. Wunder im Sinn des Kirchenrechts sind hier keine zu finden - dafür mussten die Krampfadern der in Brasilien lebenden polnischen Ordensschwester Maria Zita Gradowska von der Gesellschaft der Töchter der Liebe des Heiligen Vinzenz von Paul herhalten.

Die am 4. April 1894 geborene Nonne litt jahrelang an einem Unterschenkelgeschwür im rechten Bein, die damit verbundenen Schmerzen stiegen langsam aber beständig an. Schließlich wurde sie 1960 bettlägerig. Die vom Arzt verschriebenen Injektionen und Salben brachten ihr weder Erleichterung, noch erlaubten sie ihr wieder zu gehen. Eine Mitschwester, die sich um sie kümmerte, erhielt zu dieser Zeit einige gedruckte Blätter, die Berichte über das Leben des Diener Gottes, Kaiser Karl von Österreich und Gebete zu seiner Lobpreisung enthielten. Schwester Maria Zita wurde davon berichtet, doch war sie zunächst nicht bereit, sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen. Aber eines Abends, Ende Dezember 1960, sprach sie eine kurze ängstliche Fürbitte aus und versprach für den nächsten Tag mit einer Novene zu beginnen, um die Gnade der Seligsprechung für den Diener Gottes zu erbitten. Nach dem Gebet schlief sie rasch ein, da der Schmerz, der sie wach gehalten hatte, aufhörte. Am nächsten Morgen stellte Sr. Maria Zita mit Erstaunen fest, dass sie keinen Schmerz fühlte, dass die Binde, die üblicherweise eng an die Wunde anlag, von selbst auf den Knöchel des Fußes gefallen war und dass die Wunde vollständig von einer trockenen Kruste bedeckt zu sein schien. Sie konnte sofort aufstehen, in die Kapelle gehen, in einer Bank niederknien und mit ihren Mitschwestern an der Andachtsübung teilnehmen. Von da an konnte sie uneingeschränkt ihrer Tätigkeit nachgehen, kurze Zeit später fiel die Kruste, die sich auf dem Unterschenkelgeschwür gebildet hatte, von selbst ab. Die schon nach einem kurzen Gebet und einem Versprechen geheilte Ordensfrau starb am 21. September 1989 in Curitiba, der Hauptstadt des Bundesstaates Paraná, Brasilien.

43 Jahre nach dem Wunder und etwas mehr als 14 Jahre nach dem Tod der Geheilten unterzeichnete Papst Johannes Paul II. am 20. Dezember 2003 das Dekret über die Wunderheilung.

Man darf die in Rede stehende Seligsprechung aber nicht mit dem Hinweis auf ihre Skurrilität abtun. Wenn auch vom Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal José Saraiva Martins, bestritten, hat die Tatsache, dass mit dem letzten Habsburger-Kaiser ein Vertreter des politischen Katholizismus zu Ehre der Altäre erhoben wurde, einen ernsthaften Hintergrund. Dabei geht es nicht so sehr um einen neuen Monarchismus - auch wenn Otto Habsburg-Lothringen, der älteste Sohn des Seligen, daran glaubte -, sondern um eine Re-Katholisierung Europas. Schon 1990, anlässlich des 68. Todestages von Karl, hatte Kurt Krenn den Habsburger in seiner Predigt als Vorbild für die Neuevangelisierung Europas bezeichnet: Die Menschen in den vielen Ländern Europas brauchen eine neuerliche Bekehrung durch das Evangelium Christi. Ein Europa braucht Heilige und Vorbilder. … Im östlichen Europa sind es Millionen, die für ihre neue Freiheit die Gottesfurcht und das Gesetz Christi brauchen. Keinen Tag sollen wir mit der Neuevangelisierung warten.

Wer würde sich nun besser dafür eignen als jenes ehemalige Herrscherhaus, das sein Schicksal stets an jenes der römisch-katholischen Kirche knüpfte.

Die Verteidiger der Seligsprechung Karls haben für diese die verschiedensten Argumente vorgebracht. Einmal hieß es, das ganze Leben des Exmonarchen wurde in Betracht gezogen. Also die Kinder- und Jugendjahre bis 1905 und die daran anschließende militärische Laufbahn. In den sechzehn Jahren seiner militärischen Karriere hat er wenig Vorbildhaftes geleistet. Die gescheiterten Friedensbemühungen seien es gewesen, die eine Seligsprechung gerechtfertigt hätten, hieß es unter anderem. Dazu wurde festgestellt, dass man den Katholiken John F. Kennedy eher in den Kreis der Seligen hätte aufnehmen können, denn er hat die Welt voraussichtlich vor dem Ausbruch eines dritten Weltkrieges gerettet.

Der schon erwähnte portugiesische KurieAls römische Kurie (von lateinisch curare = „pflegen, sich kümmern”) werden seit dem 11. Jahrhundert die Leitungs- und Verwaltungsorgane der katholischen Weltkirche in Rom genannt. Die Kurie ist für die Gesamtkirche zuständig, nicht für die Regierung des Staates Vatikan.nkardinal José Saraiva Martins erklärte zur Seligsprechung, Karl habe im Exil auf der Atlantikinsel Madeira in großer Demut gelebt und sich ganz den Prinzipien des Christentums gewidmet. Es kann angenommen werden, dass Karl auf Madeira mit seiner Familie 1921 das Weihnachtsfest im christlichen Sinn begangen und fast vier Monate hindurch regelmäßig die Sonntagsmesse besucht hat.So gesehen musste Karl zur Ehre der Altäre erhoben werden.

Die Berufung des Christen zur Heiligkeit auch im politischen Handeln zu verwirklichen, sei Karls Anliegen gewesen, betonte der Papst am Sonntag, dem 3. Oktober 2004 anlässlich der Seligsprechung. Er hat Karls Friedenssehnsucht unterstrichen, der versucht habe, die Friedensinitiative von Papst Benedikt XV. aufzugreifen. Wörtlich sagte er: Krieg war etwas Entsetzliches für ihn. Karl hatte von Anfang an sein Herrscheramt als heiligen Dienst verstanden. In diesem Sinn bezeichnete Johannes Paul II. den letzten Kaiser von Österreich als Vorbild auch für jene, die heute in Europa politische Verantwortung tragen.

Für Historiker ist der letzte österreichische Kaiser ein unfähiger Kriegsherr, für die Kirche eine Lichtgestalt.

Prof. Helmut Bouzek, E-Mail vom 4. Dezember 2011

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Autor: Prof. Helmut Bouzek - zuletzt aktualisiert am 28.11.2019
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