Genoveva von Paris
auch: Genovefa
französischer Name: Geneviève
Gedenktag katholisch: 3. Januar
nicht gebotener Gedenktag in Frankreich
Erhebung der Gebeine: 10. Januar
in Paris: Übertragung der Gebeine: 28. Oktober, 29. Oktober, 10. November
Gedenktag orthodox: 3. Januar
Name bedeutet: die sich weiträumig Bewegende (germanisch)
oder: Frau des Adels (gallisch)
oder: Tochter des Mannes, der im Recht ist (keltisch)
Genoveva war die Tochter von gallisch-römischen Patriziern, ihr Vater hatte den römischen Namen Severus, ihre Mutter den griechischen Gerontia. Die Legende lässt Engel über der Wiege des neugeborenen Kindes singen. Im Alter von sieben Jahren erlebte Genoveva in der heimatlichen Kirche in Nanterre zwei Wanderbischöfe, die - unterwegs nach England - Station machten und predigten: Germanus von Auxerre und Lupus von Troyes; sie gaben ihr - mit dem Hinweis, es statt Gold und Perlen zu tragen - ein kupfernes Medaillon mit dem Kreuzzeichen und weihten sie 429 für ein heiligmäßig zu führendes Leben als Jungfrau.
Ihre durch ungerechte Vorwürfe erblindete Mutter heilte Genoveva mit Wasser, später wirkte sie Wunder gegen viele Arten von Erkrankungen, offensichtlich besonders wirksam auch gegen Formen der Besessenheit; Bischof Germanus musste deshalb die gegen sie erhobenen Verleumdungen, sie sei Zauberin, zurückweisen.
Im Alter von fünfzehn Jahren legte Genoveva das Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Vor 451 - der Überlieferung zufolge schon im Alter von 16 Jahren - ging sie nach dem frühen Tod ihrer Eltern zu einer Tante nach Paris, wo sie großen Einfluss auf die Bürgerschaft hatte und im Dienst für Arme und Kranke lebte. Als sie vor Erschöpfung zu sterben drohte, berichtete sie nach ihrer Genesung, Engel hätten sie bis vor Gottes Angesicht getragen.
Genovevas Gebet soll die Stadt Paris vor den Hunnen gerettet haben: als Attila 451 auf Paris marschierte, sammelte sie der Legende nach Frauen zum Gebet - darunter Aude - und feuerte in einer leidenschaftlichen Predigt die Männer an, Maßnahmen zur Verteidigung zu ergreifen. Die geängstigten Männer wollten Genoveva steinigen, ja sogar in den Fluss werfen, die Frauen jedoch ließen sich von der Jungfrau umstimmen und beteten mit ihr. Das Wunder geschah: die Hunnen wichen zurück und umgingen die Stadt, um sich nach Orléans zu wenden - gerade dorthin, wohin die Bevölkerung hatte fliehen wollen. In der Schlacht bei den Katalaunischen Feldern - wohl nahe Troyes - wurden die Asiaten dann besiegt.
Bei einer späteren Belagerung der Stadt Paris durch die letzten römischen Truppen rettete Genoveva die Bevölkerung vor dem Hungertod: es gelang ihr, mit Schiffen aus der Stadt zu entkommen; mit reich beladenen Schiffen kehrte Genoveva aus Troyes zurück und konnte allen das Notwendige austeilen. Dabei hat sie der Legende zufolge zwei Drachen, die an einer Seine-Biegung den Schiffen den Untergang androhten, durch ihr Gebet für immer vertrieben.
Zur Verbreitung des Christentums soll Genoveva beigetragen haben, indem sie Merowingerkönig Chlodwig I. bekehrte und mit ihm das gesamte Volk zum Christentum brachte. Der Christianisierung der Bevölkerung sollte auch um 475 der von ihr geleitet Bau der ersten, Dionysius von Paris geweihten Kirche dienen - an der Stelle der 1204 errichteten Kirche Saint-Denys-de-la-Chapelle - damals noch außerhalb von Paris im danach benannten Dorf La Chapelle, heute ein Stadtteil von Paris. Genoveva übte auch großen Einflus auf den KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. aus.
Ihre große Nächstenliebe wirkte nach den Legenden viele Heilungen und hilfreiche Taten: Genoveva rettete einen vierjährigen Knaben aus einem Brunnen; mit ihrem Pallium, das sie über ihn warf, erwachte er zum Leben. Beim Bau der Basilika Saint-Dénis, den Genoveva leitete, ging den Bauleuten das Getränk aus, sie ließ den Kelch holen, der sich auf ihr Gebet hin füllte und gefüllt blieb, bis der Bau vollendet war. Eine Kerze hatte ihr ein Teufel ausgeblasen, ein Engel aber wieder angezündet; auch wenn Kerzen beim Kirchgang oder in ihrer Kammer erloschen, entzündeten sie sich wieder, wenn Genoveva sie in die Hand nahm. Partikel ihrer Kerzen bewirkten Heilungen. Als Merowingerkönig Childerich I. die Stadttore schließen ließ, damit Genoveva die Gefangenen nicht befreie, eilte sie herbei, die Tore öffneten sich von selbst und die Schlüssel blieben in ihrer Hand.
Über Genovevas Grab wurde durch Chlodwig die Apostelkirche - die seit dem 9. Jahrhundertcdann ihr geweihte Kirche Sainte-Geneviève, sie stand an der Ostseite des heutigen Panthéons - errichtet. Nach ihrem Tod ereigneten sich noch zahlreiche Wunder an ihrer Grabstätte. Mitte des 6. Jahrhunderts berichtete Gregor von Tours über sie, Mitte des 7. Jahrhunderts wurde Genoveva in Luxeuil - dem heutigen Luxeuil-les-Bains - verehrt. Mehrfach wurden im 9. Jahrhundert ihre Reliquien vor den Normannen gerettet, 885/886 wurde die Rettung der Stadt Paris ihrer Fürbitte zugeschrieben.
Als im Jahr 1129 in Frankreich eine bisher unbekannte Fieberkrankheit durch verunreinigtes Getreide auftrat, bei welcher menschliche Heilkunst versagte, wandte man sich an die Schutzheilige um Fürsprache; alle, die ihre Reliquien berührten, wurden der Überlieferung zufolge geheilt; für dieses Wunder legte Papst Innozenz II. den 26. November als Gedenktag fest. 1162 veranlasste König Ludwig VII. eine Überprüfung ihrer Reliquien und der 10. Januar wurde als Feiertag dieser Erhebung der Gebeine eingeführt.
Im Mittelalter war Genoveva als die merowingische
Johanna von Orléans
die volkstümlichste Heilige
Frankreichs und wurde zur Schutzheiligen von Paris. Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie als junge Hirtin, umgeben von Schafen,
dargestellt, möglicherweise aufgrund einer Verwechslung mit Johanna von Orléans und derdamals aufkommende Mode für Hirtenszenen.
König Ludwig XV. ließ ihr zu Ehren 1764 die Kirche Sainte-Geneviève erneuern, die in der Französischen Revolution 1791 von der Konstituierenden Versammlung benutzt und dann zum Panthéon umgebaut wurde, der Totengedenkstätte für hochrangige französische Persönlichkeiten. Genovevas Gebeine wurden 1793 verbrannt und in die Seine geworfen, ihr kostabares Reliquiar wurde in der Pariser Münze eingeschmolzen, seine Edelsteine weiter verwendet: Gegenüber des Pantheon hat man ihr in der Kirche Saint-Étienne-du-Mont am Place Sainte-Geneviève in Paris ein neues Grabmal errrichtet und verehrt dort - angeblich - gerettete Reliquien..
Unabhängig von den in drei Hauptversionen erhaltenen Lebensbeschreibungen Genovevas - der ältesten von 520, wohl durch Chlothilde beauftragt - ist die von den deutschen Volksbüchern aufgenommene Kreuzzugslegende der Genoveva, die dort mit ihrem Sohn Schmerzensreich vertrieben und im Wald von einer Hirschkuh ernährt wurde. Diese Legende gehört aber egentlich zu Genoveva von Brabant.
Attribute:
Kerze, Engel und Teufel, kelchartiges Gefäß und die Schlüssel von
Paris
Patronin
von Paris, der Frauen, Hirten, Winzer, Wachszieher
und Hutmacher; gegen Augenleiden, Fieber, Blattern, Aussatz, Pest, Trockenheit und Krieg
Bauernregel:
Bringt Genoveva uns Sturm und Wind, / so ist uns Waltraud oft gelind.
Die
Kathedrale Notre-Dame in Paris ist täglich von
7 Uhr bis 19 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Um die lange Wartezeit zu verkürzen, empfiehlt sich dringend einige Stunden
zuvor eine Reservierung auf der Internetseite. (2026)
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Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 09.05.2026
Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Erna und Hans Melchers: Das große Buch der Heiligen. 5. Aufl., Südwest, München 1982
• François Pottier, Präsident der Bruderschaft der Träger vom Reliquienschrein der heiligen Genovefa aus Paris, E-Mail
vom 27. 10. 2004
• Iris Vandenbroeck-Akhouti, E-Mail vom 26. Januar 2005
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. II,
Hamm 1990
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl.,
Bd. 4. Herder, Freiburg im Breisgau 1995
• Infotafeln in der Kirche Saint-Étienne-du-Mont in
Paris
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_Sainte-Genevi%C3%A8ve_de_Paris - abgerufen am 01.05.2026
• art culture et foi Paris: Faltblatt Égilse Saint-Bernard-de-la-Chapelle
, Paris o.J. (2026)
• https://fr.wikipedia.org/wiki/La_Chapelle_(Seine)#La_chapelle_de_sainte_Genevi%C3%A8ve - abgerufen am 06.05.2026
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der
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https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.