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Ambrogio Lorenzetti: Dorothea, rechter Flügel eines Marienaltars, um 1325,
Pinacoteca Nazionale in Siena

Nach den Legenden flüchtete die christliche Familie des Dorus und der Thea aus einer altrömischen Senatorenfamilie mit ihren zwei Töchtern vor der Zeit der Christenverfolgung unter Diokletian und siedelte nach Cäsarea in Kappadokien - dem heutigen Kayseri - über, wo die dritte Tochter, Dorothea, geboren wurde. Der Statthalters der Provinz, Fabricius, wünschte die Herangewachsene zu heiraten; sie offenbarte, dass sie Christin sei und nur Christus angehören wolle; Fabricius ließ sie deshalb vor Gericht bringen.
Die erste Marter mit wallendem Öl
konnte Dorothea nichts anhaben; sie
entstieg dem Kessel als wie mit edlem Balsam gesalbt
. Nach neuer Bedrohung
wurde sie neun Tage und Nächte ohne Nahrung in einen lichtlosen Kerker gesperrt;
schöner als je zuvor trat sie aus ihm heraus. Noch schrecklicher bedroht, bat
sie ihren himmlischen Gemahl um ein Zeichen: Ein Götterbild auf hoher Säule
wurde daraufhin von Engeln gestürzt und zerbrochen, viele Menschen sahen die
Engel, hörten Teufel in der Luft schreien und bekehrten sich. Als auch gütliches
Beschwören des Richters nichts vermochte, ließ er Dorothea mit den Füßen an das
Folterpferd hängen, geißeln, die Brüste mit Fackeln brennen - dem Tode nahe
wurde sie davongetragen. Über Nacht heilten ihre Wunden, sie stand ohne Schaden
auf. Da ließ der Richter ihre beiden Schwestern greifen, die zwar wieder
ungläubig geworden waren, sich nun aber doch öffentlich zu Christus bekannten.
Aneinander gebunden wurden sie in ein Feuer geworfen und verbrannt.
Als sie mit dem Tod bedroht wurde, erwiderte Dorothea, den wolle sie gerne
leiden aus Liebe zu ihrem Herrn,
in dessen Garten sie sich ewiglich erfreuen, Rosen und Äpfel brechen werde. Das
hörte der Schreiber Theophilus und rief Dorothea höhnisch zu: Wenn du zu deinem
Gemahl in den Garten kommst, so schicke mir doch von den schönen Rosen und süßen
Äpfeln welche zu!
Hinausgeführt betete Dorothea an der Richtstätte, als ein
goldlockiger Knabe in sternbesticktem Kleidchen mit einem Korb voller Rosen und
Äpfeln erschien. Dorothea schickte ihn zu Theophilus, neigte sich und wurde
enthauptet. Das Kind brachte Rosen und Äpfel zu Theophilus und wurde vor seinen
Augen entrückt. Dieses, und die Gabe mitten im Winter empfangen zu haben,
bekehrte Theophilus; er bekannte sich mit lauter Stimme, wurde ergriffen,
vielfältig gemartert, nach erbetener Frist getauft, schließlich enthauptet und
sein Leichnam zerstückelt den Tieren vorgeworfen.
Zum ersten Mal genannt wurde Dorothea - zusammen mit Theophilus - im Hieronymus zugeschriebenen Martyrologium. Seit dem 14. Jahrhundert wurde die Leidensgeschichte auch in zahlreichen deutschen Vers- und Prosafassungen überliefert. In England sind Legenden aus dem 15. Jahrhundert überliefert.
Dorothea gehört mit den Heiligen Mädchen
Barbara, Margareta
und Katharina zu den
Virgines Capitales
, wird verehrt als Nothelferin
und ist in der mittelalterlichen Kunst eine der beliebtesten Heiligen.
Reliquien werden in Rom und Bologna verehrt. Die Dorotheen-Kirche in Breslau / Wroclaw wurde ursprünlich für Augustiner-Eremiten erbaut und ist bis heute Pfarrkirche. In der Breslauer Ratskapelle wurde ab 1445 eine Kopfreliquie aufbewahrt. Verbreitet waren im Mittelalter besonders in Ostdeutschland Dorotheaspiele. In Eger - dem heutigen Cheb in Tschechien - ist seit 1455 bezeugt, dass Schulkinder am Dorotheatag öffentlich Dorothealieder sangen und beschenkt wurden.
Attribute:
Körbchen von Blumen (Rosen) und Äpfeln
Patronin
der Blumengärtner und -händler, Bierbrauer, Bergleute, Bräute, Neuvermählten und
Wöchnerinnen; gegen Armut, falsche Anschuldigungen, Geburtswehen und Todesnöte
Bauernregeln:
St. Dorothee / gibt den meisten Schnee.
Dorothea mit einem Korb voll Rosen / lässt den Winter nochmals tosen
Manchmal bringt die Dorothee / uns den allermeisten Schnee.
Die Heilige Dorothee / watet gerne durch den Schnee.
Dorothea feiert gern ein Winterfest, / hängt Girlanden aus Schnee in der Bäume Geäst.
Hat Dorothea noch Winterkraft, / sie Wehen aus Schnee am Wegesrand schafft.
Bringt Dorothee recht viel Schnee, / bringt der Sommer guten Klee.
Wärmt Dorothea mit Schnee die Saaten, / wird’s Korn vortrefflich im Sommer geraten
Streut Dorothea Schnee über Wald und Feld, / ist’s gut um unser täglich’ Brot bestellt;
doch fehlt dem Acker die weiße Pracht, / sein Anblick den Bauer nicht glücklich macht.Wenn Dorothea noch Schnee bestellt / bringt Matthias
den Frühling zur Welt
Vermehrt sich um Dorothea die weiße Pracht / um Roman
bestimmt der Frühling erwacht
Wenn Dorothea aus Eis noch Brücken baut / der Schnee um Roman
ganz gewiss taut
Nach dem Dorotheentag / kein Schnee mehr gerne kommen mag.
Wenn Dorothea über Pfützen springt, die Amsel erst im April wieder singt
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
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