Ökumenisches Heiligenlexikon

Philipp Neri
italienischer Name: Filippo de Neri

Gedenktag katholisch: 26. Mai
     gebotener Gedenktag
     nicht gebotener Gedenktag im Trappisten- und Zisterzienserorden
Gedenktag anglikanisch: 26. Mai
Name bedeutet: der Pferdefreund (griech. - italienisch)
Ordensgründer, Mystiker
* 21. Juli 1515 in Florenz in Italien
† 26. Mai 1595 in Rom
Kartenskizze

Frederico Zuccari: Portrait, 1593

Frederico Zuccaro: Portrait, 1593   

Filippo Romolo de Neri war Sohn eines Rechtsanwaltes, wurde aber früh Waise. Er besuchte die Dominikanerschule seiner Heimatstadt Florenz, wo ihn deren Leiter, der später auf dem Scheiterhaufen verbrannte Savonarola, faszinierte. Bei einem Onkel absolvierte er eine dreijährige kaufmännische Lehre in der Nähe des Klosters Montecassino, wo er viel Zeit im Mutterkloster des Benediktinerordens verbrachte und vom klassischen Ideal des Einsiedlerlebens angesteckt wurde; er erlebte eine Bekehrung, die er als Gabe der Inbrunst schildert.

Arm und mittellos ging er 1533 nach Rom, dort war er 16 Jahre lang als Erzieher in einer Familie tätig. Er studierte Theologie und Philosophie, lernte Ignatius, den Gründer des Jesuitenordens, kennen und kümmerte sich um Arme und Kranke. Noch während des Studiums verkaufte er alle seine Bücher außer der Bibel, gab den Erlös den Armen und widmete sich der religiösen Unterweisung des Volkes auf der Straße. Entsprechend seinem sonnigen Naturell führte er heitere, witzige und schlagfertige Gespräche mit Straßenjungen und einfachen Leuten, aber auch mit Kaufleuten und Künstlern, was ihm den Beinamen der lachende Heilige eintrug. Zunehmend wurden ihm mystische Gnadenbeweise zuteil, so in den Katakomben des Sebastian, wo sich zwei Rippen über seinem Herzen stark wölbten, ohne Schmerzen zu verursachen. Ohne Unterlass betete er, manchmal schlief er in einer Kirche, um auch im Schlaf Gott nahe zu sein.

1548 gründete Filippo gemeinsam mit seinem Beichtvater die Bruderschaft der Heiligsten Dreieinigkeit, eine Gesellschaft von Laien zur Betreuung von bedürftigen Rompilgern, Kranken und Armen. 1551 empfing Filippo die Priesterweihe und schloss sich bald darauf der Kirchengemeinde von S. Girolamo della Carità in Rom an. Seine Versammlungen und Gottesdienste mit Lobliedern und Gebeten in der Volkssprache wurden so beliebt, dass über dem Kirchenschiff ein zusätzlicher Raum eingerichtet werden musste, um die wachsende Zuhörerschaft unterzubringen. In diesem Raum, dem Oratorium, entstand eine Wohngemeinschaft Gleichgesinnter, innerlich zusammengehalten von gemeinsamem Glaubensgespräch, von Beten und Bibelbetrachtung. Das Oratorium wurde zum Mittelpunkt der Tätigkeit Filippo Neris, die auch geistliche Lieder umfasste, wovon sich der Begriff Oratorium als musikalische Gattung ableitet. 1552 gründete er seine WeltpriesterWeltpriester - oder auch Diözesanpriester - sind in der römisch-katholischen Kirche alle Priester, die keinem Orden angehören.-Kongregation der Oratorianer, die 1575 vom Papst bestätigt wurde. Ihre Aufgabe war, dass die Priester durch tägliches Gebet, geistliche Diskussionen und unermüdliche Abnahme der Beichte das Heil förderten.

Im Mittelpunkt von Filippos Frömmigkeit stand das Pfingstwunder und besonders die Verehrung der Maria. Erzählt wird, wie er an einem sehr heißen Sommertag mit einer Pilgergruppe eine Wallfahrt zu den 7 Hauptkirchen Roms unternahm; es war so heiß, dass vor Erschöpfung fast niemand mitbetete; da nahm er sein Birett, warf es in die Luft, sprang hinterher, fing es auf und rief: Paradiso, paradiso!. Alle lachten und klatschten in die Hände, dann gingen Gebet und Wallfahrt fröhlich weiter. Heute steht an dieser Stelle bescheidenes Kapellchen mit einer Marmortafel, eingemeisselt: Paradiso, paradiso.

Zwischen 1564 und 1575 war Filippo auch Pfarrer der Kirche S. Giovanni dei Fiorentini in Rom, wo er ein weiteres Oratorium einrichtete. Er wurde ein begehrter Beichtvater, war Berater von Päpsten und befreundet mit Karl Borromäus und Franz von Sales. Die ihm mehrfach angebotene Kardinalswürde lehnte er ab. 1575 begann er mit dem Bau der wuchtigen Kirche S. Maria in Vallicella, auch Chiesa Nuova genannt, die aber erst 10 Jahre nach seinem Tod fertiggestellt wurde.

Filippo starb am Fronleichnamstag an Blutsturz. Zu seiner Beisetzung kam eine unübersehbare Menschenmenge; dass er beim Volk Pippo buone, der gute Philipp genannt wurde, zeigt seine Beliebtheit; er gilt als der zweite Apostel Roms; in seiner Chiesa Nuova ist der goldene Schrein mit seinen Gebeinen zu finden.

Kanonisation: 1611 wurde Filippo selig und 1622 von Papst Gregor XV. heiliggesprochen.
Attribute: flammendes Herz, Rosenkranz
Patron von Rom; der Spezialeinheiten der US-Army; der Humoristen; gegen Unfruchtbarkeit der Frauen, Gliederkrankheiten und Erdbeben

Giambattista Tiepoli: Maria mit dem Jesuskind erscheint Filippo Neri, 1739 / 1740, in der Chiesa di San Filippo in Camerino

Giambattista Tiepoli: Maria mit dem Jesuskind erscheint Filippo Neri, 1739 / 1740, in der Chiesa di San Filippo in Camerino   

Catholic Encyclopedia

Goethe schrieb in seiner italienischen Reise ein ganzes Kapitel über den Mann, bei dem das Heilige mit dem Weltlichen, das Tugendsame mit dem Alltäglichen sich vereinigen und vertragen konnte: Philipp Neri, der humoristische Heilige, online beim Projekt Gutenberg.

Die Oratorien in Deutschland haben eine eigene Homepage mit Informationen zur Geschichte und aktuellem Wirken.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München, 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• CD Microsoft Encarta Enzyklopädie 1998
• http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Tiepolo,+Giovanni+Battista


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