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Filippo Romolo de Neri war Sohn eines Rechtsanwaltes, wurde aber früh Waise.
Er besuchte die Dominikanerschule seiner
Heimatstadt Florenz,
wo ihn deren Leiter, der später auf dem Scheiterhaufen verbrannte Savonarola,
faszinierte. Bei einem Onkel absolvierte er eine dreijährige kaufmännische Lehre
in der Nähe des Klosters Montecassino,
wo er viel Zeit im Mutterkloster des Benediktinerordens
verbrachte und vom klassischen Ideal des Einsiedlerlebens angesteckt wurde; er
erlebte eine Bekehrung, die er als Gabe der Inbrunst
schildert.
Arm und mittellos ging er 1533 nach Rom,
dort war er 16 Jahre lang als
Erzieher in einer Familie tätig. Er studierte Theologie und Philosophie, lernte
Ignatius, den Gründer des
Jesuitenordens, kennen und kümmerte sich um
Arme und Kranke. Noch während des Studiums verkaufte er alle seine Bücher außer
der Bibel, gab den Erlös den Armen und widmete sich der religiösen Unterweisung
des Volkes auf der Straße. Entsprechend seinem sonnigen Naturell führte er
heitere, witzige und schlagfertige Gespräche mit Straßenjungen und einfachen
Leuten, aber auch mit Kaufleuten und Künstlern, was ihm den Beinamen der
lachende Heilige
eintrug. Zunehmend wurden ihm mystische Gnadenbeweise zuteil,
so in den Katakomben des Sebastian,
wo sich zwei Rippen über seinem Herzen stark wölbten, ohne Schmerzen zu
verursachen. Ohne Unterlass betete er, manchmal schlief er in einer Kirche, um
auch im Schlaf Gott nahe zu sein.
Guido
Reni (1575 - 1642): Vision des Heiligen Filippo Neri, in der Kammer des Heiligen
Filippo in der Chiesa
Nuova in Rom 
1548 gründete Filippo gemeinsam mit seinem Beichtvater die Bruderschaft der
Heiligsten Dreieinigkeit
, eine Gesellschaft von Laien zur Betreuung von
bedürftigen Rompilgern, Kranken und Armen. 1551 empfing Filippo die
Priesterweihe und schloss sich bald darauf der Kirchengemeinde von S.
Girolamo della Carità in Rom an. Seine Versammlungen und Gottesdienste mit Lobliedern und
Gebeten in der Volkssprache wurden so beliebt, dass über dem Kirchenschiff ein zusätzlicher
Raum eingerichtet werden musste, um die wachsende Zuhörerschaft unterzubringen.
In diesem Raum, dem Oratorium
, entstand
eine Wohngemeinschaft Gleichgesinnter, innerlich zusammengehalten von
gemeinsamem Glaubensgespräch, von Beten und Bibelbetrachtung. Das Oratorium
wurde zum Mittelpunkt der Tätigkeit Filippo Neris, die auch geistliche Lieder
umfasste, wovon sich der Begriff Oratorium als musikalische Gattung ableitet.
1552 gründete er seine WeltpriesterWeltpriester - oder auch Diözesanpriester - sind in der römisch-katholischen Kirche alle Priester, die keinem Orden angehören.-Kongregation
der Oratorianer
, die 1575 vom Papst bestätigt wurde. Ihre Aufgabe war,
dass die Priester durch tägliches Gebet, geistliche Diskussionen und unermüdliche
Abnahme der Beichte das Heil förderten.
Im Mittelpunkt von Filippos Frömmigkeit stand das Pfingstwunder
und besonders die Verehrung der Maria.
Erzählt wird, wie er an einem sehr heißen Sommertag mit einer Pilgergruppe eine
Wallfahrt zu den 7 Hauptkirchen
Roms
unternahm; es war so heiß, dass vor Erschöpfung fast niemand mitbetete; da nahm
er sein Birett,
warf es in die Luft, sprang hinterher, fing es auf und rief: Paradiso,
paradiso!
. Alle lachten und klatschten in die Hände, dann gingen Gebet und
Wallfahrt fröhlich weiter. Heute steht an dieser Stelle bescheidenes Kapellchen
mit einer Marmortafel, eingemeisselt: Paradiso, paradiso
.
Zwischen 1564 und 1575 war Filippo auch Pfarrer der Kirche S.
Giovanni dei Fiorentini in Rom, wo er ein weiteres Oratorium
einrichtete. Er wurde ein begehrter Beichtvater, war Berater von Päpsten und befreundet mit
Karl Borromäus und
Franz von Sales. Die ihm mehrfach angebotene
Kardinalswürde lehnte er ab. 1575 begann er mit dem Bau der wuchtigen Kirche S.
Maria in Vallicella, auch Chiesa Nuova
genannt, die aber erst 10 Jahre nach
seinem Tod fertiggestellt wurde.
Filippo starb am Fronleichnamstag
an Blutsturz. Zu seiner Beisetzung kam eine unübersehbare Menschenmenge; dass er
beim Volk Pippo buone
, der gute Philipp
genannt wurde, zeigt seine
Beliebtheit; er gilt als der zweite Apostel Roms
;
in seiner Chiesa
Nuova
ist der goldene Schrein mit seinen Gebeinen
zu finden.
Kanonisation:
1611 wurde Filippo selig und 1622 von Papst Gregor XV. heiliggesprochen.
Attribute:
flammendes Herz, Rosenkranz
Patron
von Rom;
der Spezialeinheiten der US-Army; der Humoristen; gegen Unfruchtbarkeit der
Frauen, Gliederkrankheiten und Erdbeben
Giambattista Tiepoli: Maria mit dem
Jesuskind erscheint Filippo Neri,
1739 / 1740, in der Chiesa
di San Filippo in Camerino 
Goethe
schrieb in seiner italienischen Reise
ein ganzes Kapitel über den Mann, bei
dem das Heilige mit dem Weltlichen, das Tugendsame mit dem Alltäglichen sich
vereinigen und vertragen
konnte: Philipp
Neri, der humoristische Heilige
, online beim Projekt Gutenberg.
Die
Oratorien in Deutschland haben eine eigene Homepage
mit Informationen zur Geschichte und aktuellem Wirken.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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