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Friedrich Joseph Haass, Sohn eines Apothekers, studierte in Köln und Jena, promovierte 1805 in Göttingen zum Dr. med. und absolvierte in Wien eine Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde. 1806 eröffnete er in St. Petersburg, bald darauf in Moskau eine Praxis als Augenarzt. Er wurde schnell einer der berühmtesten Ärzte Moskaus. Die Zarin ernannte ihn 1807 zum Chefarzt des Pauls-Krankenhauses, 1811 zum Kaiserlichen Hofrat. Während des Krieges von 1812 gegen Napoleon arbeitet er als Chirurg in der Russischen Armee.
1828 wurde Haass Mitglied im Moskauer
Gefängniskomitee und Chefarzt der Gefängniskrankenhäuser. Unermüdlich war er nun
tätig für Erleichterungen im Leben der Gefangenen, schrieb Bittgesuche, reichte
Vorschläge ein an das Kommitee und den Moskauer Generalgouverneur, sogar bis zum
Zaren. Er erreichte, dass auch für die Gefangenen in Sibirien
schwere Eisenfesseln durch leichtere ersetzen wurden, die innen mit Leder
ausgelegt waren, so dass sie nicht mehr länger die Füße bis auf das Blut
durchscheuern konnten. Beim Marsch nach Sibirien waren die Gefangenen bis zum
erfolgreichen Einschreiten des Dr. Haass an die Prut
gekettet, eine
Eisenstange, an die acht bis zehn Strafgefangene gekettet waren. Die Botschaft
Jesu stellte für den deutschen
Arzt eine wichtige Stütze des geistig-geistlichen Korsetts der Häftlinge dar,
deshalb hat er über einen befreundeten Kaufmann für die Gefangenen rund 50.000
Bibeln anschaffen können. Für die Kinder der Gefangenen gründete er eine eigene
Schule und 1844 ein Krankenhaus für Obdachlose, bezahlt mit Geld von Haass und
privaten Spendern. Bis zu seinem Lebensende lebte und arbeitete Haass in diesem
Krankenhaus, wo viele Menschen medizinische Hilfe und moralische Unterstützung
fanden. Seit 1827 behandelte er mehr als 70.000 Kranke und betreute rund 200.000
Gefangene.
Briefmarke der Deutschen Bundespost zum 200. Geburtstag für den Heiligen Doktor
von Moskau
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Friedrich Joseph Haass starb in Moskau, verarmt und erschöpft vom Kampf gegen die Bürokratie und die Grausamkeit der Behörden. Mit Genehmigung des orthodoxen Metropoliten Filaret wurde für ihn von einem orthodoxen Geistlichen eine Messe gefeiert und ihm von diesem auch die Sterbesakramente gespendet.
Zu seiner letzten Ruhestätte auf dem deutschen Friedhof begleiteten ihn
20.000 Menschen. Auf der Umzäunung seines Grabes hängen gesprengte Fesseln, der
Stein unter dem Grabkreuz trägt seinen Leitsatz als Aufschrift: Beeilt Euch,
Gutes zu tun
. Als Heiliger Doktor
wird er von der russischen Bevölkerung
heute noch verehrt. Auch in der russischen Literatur wird das Andenken an ihn
hochgehalten: Dostojewski setzte ihm in der Gestalt des alten Generals in seinem
Roman Der ldiot
ein Denkmal; Maxim Gorky, Nikolay Gogol, Ivan Turgeniev, Lew
Kopelew und Alexander Solschenizyn sind seinen Spuren in Rußland nachgegangen;
Lew Kopelew veröffentlichte 1984 seinen Roman Der Heilige Doktor Fjodor
Petrowitsch - Die Geschichte des Friedrich Joseph Haass
. Zum 200. Geburtstag
1980 brachte die Deutsche Bundespost eine Briefmarke und der Russische
Monetenhof
eine Gedächtnismedaille mit seinem Konterfei heraus. Die Deutsche
Schule Moskau
ist heute nach ihm benannt.
Kanonisation:
Das Seligsprechungsverfahren wurde eingeleitet. Auch die russische orthodoxe
Kirche bat 1998 den Vatikan, den heiligen Doktor
selig zu sprechen.
Alexander Neshnyi
ist Herausgeber eines Sammelbandes, der die von Lew Kopelew verfasste Biografie enthält, dazu
Zeugnisse von Moskauer Zeitgenossen des heiligen Doktors und Beiträge russischer Ärzte,
Juristen und Historiker der Gegenwart zu Leben, Werk und Bedeutung: Der
heilige Doktor - Friedrich Joseph Haass
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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