Lanfranc von Canterbury
auch: von Bec
italienischer Name: Lanfranco
Gedenktag katholisch: 28. Mai
Gedenktag anglikanisch: 28. Mai
Name bedeutet: der freie Landbesitzer (althochdt.)
Lanfranc war ein Sohn von Ambaldo, einem Magistrat am
Palazzo Reale in Pavia. Er studierte die freien
Künste
und möglicherweise Rechtswissenschaft in Bologna an der ersten Universität Europas; ihr Ort ist unbekannt,
aber von ihr zeugen noch heute die Gräber der
Glossatoren. 1 Lanfranc lehrte dann ab 1035 Grammatik,
Logik und Rhetorik an der Schule an der damaligen
Kathedrale Saint-André in Avranches; dort
gründete er 1040 eine wissenschaftliche Schule zum Studium der Rechte und der freien Künste, die schnell Berühmtheit
erlangte.
1042 legte Lanfranc in einer lebensbedrohlichen Situation das Gelübde ab, Mönch zu werden, was er im neuen Benediktinerkloster unter Herluin in Le Bec-Hellouin verwirklichte. Er wurde 1045 dort Prior und Leiter der Klosterschule; Schwerpunkt des Unterrichts war die Auslegung der Heiligen Schrift, v. a. der Psalmen und der Paulus-Briefe; damit begründete er die Einführung grammatischer und rhetorischer Fragestellungen und Methoden in die Exegese. Abgesehen von Herluin, der sich das Lesen und Schreiben im Alter selbst beigebracht hatte, gab es damals im Kloster fast nur Analphabeten, so auch den Prior, der einmal Lanfrancs Aussprache des Lateinischen falsch verbesserte. Da habe der große Gelehrte ohne Protest die Ausspracheregeln ignoriert, weil er es für wichtiger erachtete, Christus (in seinem Vorgesetzten) zu gehorchen als Donat (dem Grammatiker, dessen Werk an den Klosterschulen zum Lateinunterricht eingesetzt wurde). Zu Lanfrancs Schülern gehörten Anselm von Canterbury, Ivo von Chartres und der spätere Papst Alexander II.
Auf Veranlassung von Papst Leo IX. befasste Lanfranc sich mit der Abendmahlslehre des
Berengar, dem Leiter der Domschule an der damaligen
Kirche Saint-Martin in Tours; dieser vertrat
gegen die Lehre der Realpräsenz Christi bei der
EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.
eine symbolisch-spiritualistische Lehre, nach der Brot und Wein der Substanz nach bleiben, was sie waren, und nur eine
geistige Bedeutung hinzukommt; Christus ist real, aber nicht physisch-dinglich präsent; ähnliches hat später
Martin Luther gelehrt. Lanfranc nahm 1050 an der
SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
in Vercelli teil; die Kathedrale der Stadt stand dort damals an der Stelle der heutigen
Kirche Santa Maria Maggiore - und ebenso an den
Synoden in Tours 1054 - die damalige, Mauritius geweihte Kathedrale stand dort
an der Stelle der heutigen Kathedrale - und am Sitz
des Papstes in der Kirche
San Giovanni in Laterano in Rom 1059; sowohl
in Vercelli als auch in Rom wurde Berengar verurteilt. 1063 verfasste Lanfranc seine Schrift De corpore et sanguine
Domini
, Über Leib und Blut des Herrn
, in der er Berengar vor allem durch die Autorität der Kirchenväter widerlegte;
sein Verweis auf die Lehre des Aristoteles über Substanz und Akzidenz trug bei zur Ausbildung der Lehre von der
Transsubstantiation.
Als es Auseinandersetzungen gab um die Gültigkeit der Ehe, die Herzog Wilhelm II. von der Normandie - bekannter als
Wilhelm „der Eroberer” - um 1050 mit seine Cousine Mathilde
von Flandern geschlossen hatte, unterstützte Lanfranc den Herzog,
bis Papst Nikolaus II. 1059 Dispens gewährte. 1063 ernannte der dankbare Wilhelm Lanfranc zum Abt des von ihm neu
gegründeten Klosters Saint Étienne - meist
Abtei aux Hommes
genannt - in Caen. 1066 unterstützte Lanfranc den Einfall Wilhelms in England - der dessen Beinamen
der Eroberer
begründet -; 1070 ernannte Wilhelm ihn zum Erzbischof von
Canterbury.
Lanfranc blieb eng verbunden mit dem normannischen Königshaus und er bemühte sich besonders um die engere Anbindung der englischen Kirche an Rom. Er hielt SynodenSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. ab, forderte Treuebekenntnisse der Bischöfe und festigte die Vorrangstellung des Bischofs von Canterbury gegenüber dem von York.
Canterbury Archaeological Trust LtdIn Canterbury baute Lanfranc die verfallene Kathedrale und das Domkloster wieder auf und eröffnete die Bibliothek. Im Auftrag von Papst Gregor VII. versuchte Lanfranc vergeblich, Wilhelm den Eroberer zur Ablegung des Lehenseides gegenüber dem Papst zu bewegen. Nach dem Tod von Wilhelm dem Eroberer 1087 unterstützte Lanfranc auch dessen Nachfolger Wilhelm II. Rufus, doch es gab erste Spannungen, die dann unter Lanfrancs Nachfolger Anselm von Canterbury offen ausbrachen.
Das Kloster aux Hommes in Caen musste 1790 in der Französischen Revolution von den Mönchen verlassen werden. 1791 wurde die Gebäude von der Kommune übernommen, die Kirche Saint-Étienne wurde Pfarrkirche. 1804 wurde ein Gymnasium eröffnet, im 2. Weltkrieg wurde es Lazarett, seit 1965 ist es das Rathaus der Stadt.
1 ▲ Glossator
,
Kommentator
nannte man die Gelehrten, die die antiken römischen (Rechts-)texte interpretierten.
Worte des Seligen
Einiges hält Lanfranc im klösterlichen Leben für wesentlich. Er schreibt:
Acht Punkte sind es, die von Ordensleuten sorgsam beobachtet werden sollen, damit sie von denen, die ein
gesundes Urteil besitzen, ohne weiteres als eifrige Hüter ihres Ordensstandes beurteilt werden können:
1. dass sie ihre Klausur einhalten und das Kloster auf keinen Fall ohne Erlaubnis verlassen, auch dann nicht, wenn
sie einen vernünftigen Grund dafür haben.
2. dass sie streng ihr Stillschweigen einhalten und es um nichts in der Welt leichthin brechen, wenn sich nicht ein
vernünftiger und unvermeidlicher Anlass ergibt.
3. dass sie kein persönliches Eigentum haben und dies auch nicht durch eine Erlaubnis, mehr als die Notwendigkeit
erfordert, begehren.
4. dass sie ihren Vorgesetzten in allem gehorchen, es sei denn – was ferne sei! –, dass diese etwas gegen den Willen
Gottes befehlen; denn – so sagt der selige Gregor [der Große]: Böses
darf niemals aus Gehorsam geschehen; Gutes kann aber zeitweilig ausgesetzt werden.
5. dass sie aus keinem Grund, auch wenn er ihnen gerechtfertigt erscheint, zu murren oder [jemanden] herabzusetzen
wagen, damit sie nicht alles Gute, wenn sie ein solches zu vollbringen scheinen, durch dieses schlechte Verhalten außer
Kraft setzen.
6. dass sie sich nach Gott gegenseitig lieben und alles Gute, das jeder von anderen erwartet, selbst anderen froh und
mit Freude erweisen.
7. dass sie den gemäß dem Brauch ihrer Kirche festgesetzten Dienst, falls sie ihn leisten können, nicht vernachlässigen
und dabei voll Konzentration und nicht unstet verharren. So sollen sie nicht durch ihre Unbeständigkeit die Augen der
göttlichen Majestät, vor dessen Angesicht sie zu stehen scheinen, beleidigen.
8. dass sie in lauterer Gesinnung über all ihre Sünden Beichte ablegen. Doch diese Beichte sollen sie nicht ohne
Unterschied vor allen, wie es einem beliebt, sondern nur vor ihren Vorgesetzten oder denen, die eine Vollmacht dazu
besitzen, ablegen.
Das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit suchen heißt, die Güter der himmlischen Heimat zu ersehnen und unablässig zu
suchen, mit welchen Verdiensten der Gerechtigkeit man dorthin gelangen soll.
Dabei sollen wir die Unkundigen belehren und ihnen keine Vorwürfe machen, so wie wir auch Blinden keine Vorwürfe machen,
sondern sie an der Hand führen.
Je mehr wir vom lauten Lärm fleischlicher Gedanken bedrängt werden, umso glühender sollen wir dem Gebet obliegen. Der
Lobgesang ist unserem Gott dann angenehm, wenn wir das, was wir mit dem Mund singen, durch unser Handeln nicht Lügen strafen.
Wenn du einen Psalm betest, dann besinne dich drauf, wessen Worte du sprichst, und freue dich mehr an der Zerknirschung
der Seele als an den lieblichen Schwingungen deiner Stimme: denn Gott hat mehr Gefallen an den Tränen des Psalmbeters als
an deinem Geplapper.
Quelle: Beati Lanfranci sermo sive sententiae. In: Migne Patrologia Latina, t. 150, Sp. 637 - 630;
eigene Übersetzung
Nach neueren Forschungen stammt dieser Text von Lanfrancs Schüler Ralph von Battle, der aber die Ansichten Lanfrancs
widerspiegelt, welcher im Prolog zu seinen Constitutiones
für das Kathedralkloster in
Canterbury ganz Ähnliches schrieb. (Bernd Goebel,
E-Mail vom 29. Mai 2019 an Peter Paul Bornhausen, Redaktion Katholische SonntagsZeitung)
Zitate von von Lanfranc:
Einem müßigen Geist flößen böse Geister schlechte Gedanken ein, so dass dieser, wenn er von seiner
Arbeit ruht, keine Ruhe findet vor der Verlockung böser Taten.
Dein Geist verweile nicht in verschiedenartigen Verwirrungen; denn wenn sie sich einmal in deinem Herzen eingenistet
haben, werden sie dich beherrschen und zum schlimmsten Vergehen verleiten.
Handle auch in den geringsten Angelegenheiten mit Bedacht; denn es ist für einen Menschen in seinem Leben nichts
ganz Geringes, auch nur ganz Geringes zu vernachlässigen.
Ein wahrer Tempel Christi ist die Seele eines Glaubenden.
Quelle: Beati Lanfranci sermo sive sententiae. In: Migne Patrologia Latina, t. 150, Sp. 9 - 640; eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung
Schriften von Lanfranc und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.
Die
Kirche Saint-Étienne des ehemaligen Klosters aux
Hommes
in Caen ist täglich von 9 Uhr bis 19.30 Uhr, montags und samstags nur bis 18 Uhr geöffnet. (2026)
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Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 28.06.2026
Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Klaus Reinhardt. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon,
Bd. IV, Herzberg 1992
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_aux_Hommes#Historique - abgerufen am 19.06.2026
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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