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Die Eltern von Johann Christoph lebten in bescheidenen Verhältnissen - der Vater war Bäcker - und in den Traditionen des württembergischen Pietismus; sie ermöglichten ihrem Sohn aber den Besuch des Gymnasium. Dank eines Stipendiums konnte er ab 1820 im Seminar in Schöntal seine Ausbildung fortsetzen, dann im Stift in Tübingen Theologie studieren; von großer Wichtigkeit wurde die Freundschaft mit dem Studienkollegen Eduard Mörike. Aus den Erfahrungen einer erlebten Hilfe durch Gott entwickelte Blumhardt sein herzliches, warmes Wesen, das später so vielen Menschen eindrücklich wurde. Nach dem Studium versah er verschiedene Pfarrstellen; 1830 wurde er von seinem Großonkel als Lehrer an das Missionshaus in Basel gerufen, wo ihm eine große Weite des Denkens und Welterlebens eröffnet wurde.
Berühmt wurde Blumhardt an seiner ersten ständigen Pfarrstelle in Möttlingen
bei Calw, die er 1838 als Nachfolger von Christian
Gottlob Barth antrat. Er mühte sich um seine Gläubigen, hatte dabei aber mit
großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine zeitgenössische Chronik berichtet von
sichtbarlichem Leichtsinn und Gleichgültigkeit
unter den Dorfbewohnern. Bald
schon kamen die Besucher seiner Gottesdienste auch aus der weiteren Umgebung. In
dieser Situation wurde Johann Christoph mit der Krankheit eines Gemeindeglieds
konfrontiert: Eine junge Frau litt unter Krämpfen, Blutungen und unerklärlichen
Geistererscheinungen
und wandte sich Hilfe suchend an ihren Pfarrer.
Damit begann die Geschichte der Krankenheilung von Gottliebin Dittus, die
Blumhardt genau dokumentiert hat. In dem Bericht ist von unerklärlichen Stimmen,
Krämpfen und sogar von Drahtstücken und Stricknadeln die Rede, die aus dem
Körper der Kranken heraustraten, ohne dass eine Wunde vorhanden war. Der betende
Seelsorger schaffte, dass seine beharrlichen Bitten - oft Schreie in großer Not -
nicht ohne Antwort blieben. Was sich gegen die Kranke richtete, die satanischen
Mächte
, konnte überwunden werden. Vier Jahre lang währte die Leidenszeit der
Frau, bis Ende 1843 der laute Ruf Jesus
ist Sieger
durch das Dorf drang, so Zeugenaussagen: Gottliebin Dittus war
geheilt. Ab 1844 leitete sie den Möttlinger
Kindergarten, später die Hauswirtschaft in Bad
Boll. Im Ort führten diese Ereignisse zu einer Buß- und Erweckungsbewegung.
Der Ruf des Heilungswunders in dem kleinen Schwarzwalddorf verbreitet sich
bald weit ins Land hinaus. Kollegen neideten Blumhardt seine große Popularität,
ermahnten ihn, an der Demut zu halten
, zeigten ihn schließlich bei der
Kirchenleitung in Stuttgart an. Das Konsistorium verhörte ihn und erteilte ihm
einen Verweis. Begründung: Bei seinen zahlreichen Nebengottesdiensten habe er
sich nicht an die vorgeschriebenen Zeiten und an die Grenzen seiner Gemeinde
gehalten. Tatsächlich strömten Menschen aus fast ganz Europa nach Möttlingen,
um den berühmten Pfarrer zu hören; Blumhardt predigte jeden Sonntag drei Mal,
damit die herbei geströmten Menschen ihn alle hören konnten. Ab 1850 stellen
sich Heilungen auch in der Ferne ein; oft genügte es, wenn Blumhardt schriftlich
seine Fürbitte zusagte.
Glaubensheilung war für Blumhardt immer Gottes Geschenk, für Menschen unverfügbar und auch nicht durch Beten erzwingbar: Gott hat das letzte Wort. Die Grundlage von Blumhardts Wirken war seine Hoffnung auf eine neue Geistausgießung im Reich Gottes und Christi baldige Wiederkunft. Diese in Blumhardt höchst lebendige Sehnsucht und Ungeduld wurde durch die erfahrenen Heilungen nicht gemildert, sondern noch verstärkt. Blumhardt engagierte sich auch auf sozialem Gebiet. Er richtete in Möttlingen eine Leihkasse ein. Den Betrag konnten die Schuldner in Naturalien zurückbezahlen: die Männer sammelten Tannenzapfen, die Frauen konnten spinnen. Wer sich eine eigene Kuh anschaffen wollte, konnte bei einer Viehkasse Geld aufnehmen. Eine Strick- und Nähschule und ein Kindergarten wurden auf Betreiben Blumhardts in Möttlingen eingerichtet.
Kurhaus Bad
Boll 
1852 kaufte Blumhardt mit Hilfe von Freunden das königliche Bad in Bad Boll, um dort ein Seelsorge- und Heilungszentrum aufzubauen. Die mittlerweile versöhnlich gestimmte Kirchenleitung in Stuttgart richtete ihm eine besondere Pfarrstelle für seine Hausgemeinde ein. Auch in Bad Boll blieb Blumhardt ein gefragter Mann, aus ganz Europa kamen die Besucher zu ihm. Daneben unternahm er Vortragsreisen, veröffentlichte Andachten und Predigten und führte eine umfangreiche Korrespondenz. Von seinen Liederdichtungen findet sich im Evangelischen Gesangbuch heute das Lied EG 375.
Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Christoph Friedrich die Leitung von Bad Boll. Im ehemaligen Wohnhauses der Gottliebin Dittus in Möttlingen wurde eine Ausstellung eingerichtet, die ihr Leben und ihre Krankheit die Heilung durch Blumhardt behandelt.
Dieter Ising
verfasste die wohl maßgebende Biografie Johann
Christoph Blumhardt. Leben und Werk werden anschaulich dargestellt aufgrund
vieler Quellen, Fotos und viele anderen Dokumenten. Die Deutung und Interpretation
der Ereignisse zeigt, dass hier keine esoterischen Machenschaften am Werk waren.
Leicht zu lesen ist Friedrich Zündels eher erbauliches Buch Johann
Christoph Blumhardt - Jesus ist Sieger
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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