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Oscar Romero
Oscar Arnulfo Romero y Galdámez wurde in einer kleinen Gebirgsstadt als Sohn eines Fernmeldearbeiters geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Im Alter von 13 Jahren kam er als Internatsschüler in das Seminar in San Miguel, mit 20 Jahren begann er das Theologiestudium am Priesterseminar in San Salvador, das er in Rom zum Abschluss brachte; dort wurde er 1942 zum Priester geweiht. 1943 brach er sein Doktoratsstudium in Rom ab, um als Priester in seiner Heimat zu wirken. Er arbeitete als Pfarrer, dann als Redakteur kirchlicher Zeitschriften und als Generalsekretär der Nationalen Bischofskonferenz. 1970 wurde er zum Weihbischof, 1974 zum Titularbischof der Diözese Santiago de Maria ernannt, 1977 zum Erzbischof von San Salvador.
Die Politik in El Salvadors war geprägt von Unterdrückung der Arbeiter, der
Bauern und Teilen des Klerus durch das Militär und die rechtsgerichteten
Herrscherfamilien. Romero galt als Konservativer, der ein gutes Einvernehmen
mit der Regierung garantierte. Doch die Brutalität der Militärs und die Not
der Landbevölkerung bewirkten eine deutlich kritische Positionierung des neuen
Erzbischofs. Schlüsselerlebnisse waren für Romero das im Februar 1977 von
Militärs und Sicherheitskräften verübte Massaker an Demonstranten, die sich
auf der Plaza Libertad
, dem Platz der Freiheit
in San
Salvador versammelt hatten, um gegen den Betrug bei den
Präsidentschaftswahlen zu protestieren, zum anderen die Ermordung des
Jesuitenpaters Rutilio Grande und zweier
seiner Begleiter im 1977. Sein radikales Eintreten für die Armen, Entrechteten
und Ausgebeuteten und sein unbeugsamer Einsatz für Gerechtigkeit machten ihn
bald schon zur herausragenden Stimme der lateinamerikanischen
Befreiungstheologie.
In Ansprachen und Predigten prangerte er die Verbrechen des Militärs, der
Regierung und der herrschenden Oligarchie an. Seine Reden wurden in vielen
Ländern Lateinamerikas im Rundfunk übertragen. 1978 und 1979 wurde er für den
Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Als er 1980 den Ehrendoktortitel der
Universität Löwen
in Belgien verliehen bekam, sagte er in seiner Ansprache: Es gibt viele
Menschen und Christen in El Salvador, die bereit sind, ihr Leben zu geben, damit
die Armen Leben haben. Darin folgen sie Christus
und machen ihren Glauben an ihn sichtbar. Sie sind eingefügt in die Welt - wie
er, sie werden verfolgt und bedroht - wie er, sie geben ihr Leben - wie er, und
so geben sie Zeugnis vom 'Wort des Lebens'.
Video mit Oscar Romero und seiner letzten Predigt am 23. März 1980
In seiner letzen Sonntagspredigt, am 23. März 1980, wandte Romero sich noch
einmal direkt an die Angehörigen der Armee, der Nationalgarde und der Polizei:
Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Wehklagen täglich
eindringlicher zum Himmel steigen, flehe ich Sie an, bitte Sie inständig,
ersuche ich Sie im Namen Gottes: Machen Sie der Repression ein Ende.
Am
nächsten Tag sagte der Sprecher des Generalstabes des Heeres vor der Presse,
der Erzbischof habe mit seinem Aufruf ein Vergehen begangen, das ihn an den
Rand des Gesetzes des Militärs bringe. Am Nachmittag des selben Tages wurde er
während der Messfeier bei der Darbietung der eucharistischen Gaben am Altar
erschossen. Seit der Ermordung von Thomas
Becket im 12. Jahrhundert war kein so hoher kirchlicher Würdenträger mehr
am Altar ermordet worden.
Oscar Romero
Der Mord an Romero war der Auftakt des Bürgerkrieges in El Salvador, der in zwölf Jahren mehr als 75.000 Todesopfer, davon 70.000 Zivilisten, kostete. Schon während seiner Begräbnisfeier, an der etwa eine Million Menschen teilnahm, feuerten Scharfschützen vom Nationalpalast aus in die Trauernden und verübten ein Massaker mit 40 Toten verübt.
Der Bericht der Wahrheitskommission
für El Salvador, die aufgrund der
Friedensvereinbarungen zwischen der Regierung und der Befreiungsbewegung 1992
eingerichtet worden war, kam 1993 zum Ergebnis, dass der frühere Geheimdienstchef
Roberto D'Aubuisson den Befehl zur Ermordung Romeros gab und dass er den
Mitgliedern seines Sicherheitsdienstes, den berüchtigten Todesschwadronen
,
genaue Anweisungen gab, wie der Mord zu organisieren und zu überwachen sei.
Außerdem habe der Oberste Gerichtshof die Auslieferung des früheren Kapitän
Saravia, der zusammen in die Planung und Ausführung des Mordes verwickelt war,
aus den USA verhindert. So wurde nie jemand für den Mord vor Gericht gestellt.
Roberto D'Aubuisson gründete später die Partei Republikanisch Nationalistische
Allianz
, die von 1989 bis 2009 El Salvador regierte. Die zugesagte Agrarreform ist
in dieser Zeit nicht zustande gekommen, ebensowemig wurde ein Täter oder
Anstifter vor Gericht gestellt. In Zeiten der Globalisierung der Wirtschaft ging
es den Armen noch schlechter als zu Romeros Zeiten. 2009 kam erstmals ein linksgerichteter
Präsidenten an die Macht; bei seiner Amtseinsetzung verwies er auf Romero als Lehrer
und Leitfigur
. Das Parlament erklärte den 24. März zum jährlichen Gedenktag für Romero.
Transparent mit dem Bild Romeros an der Kathedrale in San Salvador als Einladung zu einer Gedenkmesse
Romero zählt heute für die Kirche der Armen zu den gefeiertsten Gestalten der
Kirche Lateinamerikas und gilt als Heiliger des Volkes
und Schutzpatron Amerikas.
Im Vatikan
und für einige Teile der Kirche in El Salvador ist er noch immer umstritten,
weil er der Stärkung linksgerichteter Gruppierungen Vorschub geleistet habe.
1995 ernannte Papst Johannes
Paul II. Fernando Saénz Lacalle, den Militärbischof der salvadorianischen
Armee, zum neuen Erzbischof von San
Salvador. Die der politischen Rechten verbundene Tageszeitung El Diario de
Hoy
, kommentierte die Ernennung: Papst Johannes Paul II. hat damit der
bisherigen pastoralen Arbeit der Erzdiözese ein entschiedenes 'Basta' - 'Schluss
jetzt' zugerufen.
1996 besuchte der Papst zum zweiten Mal El Salvador, das
erhoffte Wort zur Würdigung der christlichen Märtyrer blieb aus.
Kanonisation:
Der Seligsprechungsprozess wurde 1997 eingeleitet. Die Armen in Lateinamerika
verehren Romero wie einen Heiligen und wünschen sich dringend die Seligsprechung
durch den Papst, aber die Reichen und manche Kirchenführer in Rom
wollen diesen radikalen Gesellschaftskritiker lieber nicht offiziell selig
sprechen. Verehrt wird Oscar Romero bislang auch in der Kirche S.
Bartolomeo auf der Tiberinsel in Rom, die den Märtyrern des 20. Jahrhunderts geweiht ist.
Der Vatikan hatte 2005 die Orthodoxie der Theologie
des Ermordeten bestätigt,
eine Kommission des Vatikans überprüft nun
die Orthopraxis
Romeros.
Romero war kein Intellektueller, kein Organisator, kein Reformator und
schon gar kein Politiker, sondern Bischof
, schrieb der Postulator im
Seligsprechungsverfahren, Bischof Vincenzo Paglia, im März 2008 in der
Vatikan-Zeitung L' Osservatore Romano
. Er stand zwischen zwei Extremen: den
Guerilla und den Todesschwadronen der Regierung, die das ganze Volk wie in
Sklaverei hielten. Romero war gegen jede Art von Gewalt, von rechts wie von
links. Er wollte das Problem mit der katholischen Soziallehre lösen. Das wurde
ihm von einigen auf der rechten Seite verübelt; deswegen wurde ihm vorgehalten,
ein Kommunist zu sein. Andererseits war er den Guerilla-Kämpfern zu konservativ;
die bezichtigten ihn des Verrats. Doch Romero hat weder sein Volk noch das
Evangelium verraten, auch nicht die Kirche oder gar sein Amt.
Kurienkardinal José Saraiva Martins, der Präfekt der Kongregation für die Selig-
und Heiligsprechungsprozesse, führte 2008 aus, dass für einen positiven Entscheid des
Vatikans der Hass gegen den Glauben
, odium fidei
, als treibendes Motiv
hinter der Ermordung Romeros zu erkennen sein müsste. Monseñor Rafael Urrutias, der
im Auftrag der salvadorianischen Bischofskonferenz die Seligsprechung vorantreibt,
erläuterte dazu: Man muss sehen: Monseñor Romero wurde von Katholiken ermordet,
von Menschen desselben Glaubens. Das ist ein Problem für Rom,
denn Märtyrer werden normalerweise nicht von Katholiken erzeugt, sondern von
anderer Seite.
Die salvadorianische Bischofskonferenz forderte Rom - erfolglos - auf, zum 30. Jahrestag der Ermordung von Romero im Jahr 2010 die Seligsprechung zu verkünden.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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