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Odilia war eine Tochter des als gewalttätig bekannten Herzogs Eticho aus dem Elsass; er ließ u.a. Germanus von Granfelden ermorden. Odilia gründete um 690 das später nach ihr benannte Kloster Odilienberg - heute Mont Sainte-Odile - und stand ihm als Äbtissin vor. Zehn Jahre später erfolgte ihre zweite Klostergründung am Fuß des Berges: das Kloster Niedermünster mit Spital und heilkräftiger Quelle, dessen Platz ihr nach der Überlieferung Johannes der Täufer in einer Vision gezeigt hatte.
Die Legende berichtet, dass ihr Vater seine blind geborene Tochter Odilia
töten lassen wollte, die Mutter Bethsvinda sie aber retten konnte und durch eine
Amme in das Kloster Palma
- wohl das heutige Baume-les-Dames
am Doubs - bringen ließ. Dort wurde Odilia das Augenlicht geschenkt, als der
durch einen Engel zu ihr gewiesene Wanderbischof Erhard
von Regensburg sie taufte. Ihr jüngerer Bruder ließ sie nach Jahren wieder
nach Hause holen, der unzugänglich zornige Vater schlug seinen Sohn so, dass der
tot niederstürzte; Odilia erweckte ihn wieder zum Leben und musste nun abermals
vor dem Vater fliehen. Der Vater verfolgte seine Tochter, da tat sich bei Sankt
Ottilien unweit von Freiburg im Breisgau ein Felsspalt auf, in dem sie sich
verstecken konnte; herabstürzende Steine verwundeten den Vater schwer. Nach
Jahren besuchte Odilia den inzwischen schwerkranken Vater, der sich mit ihr
versöhnen wollte; sie erhielt von ihm den Platz auf der Hohenburg südlich von
Straßburg - dem heute nach ihr benannten Odilienberg, Mont Sainte-Odile
-, wo sie ein Frauenkloster gründete und dessen erste Äbtissin wurde. Dort
pflegte sie auch ihre Eltern bis zu deren Tod.
Zehn Jahre nach der Klostergründung auf dem Berg gründete Odilia um 700 am
Fuß des Odilienberges ein weiteres Kloster, die Frauenabtei Niedermünster.
Die Überlieferung berichtet auch, wie die sterbende Odilia ihre Schwestern zum
Gebet in die Kirche sandte. Als sie zurückkamen, fanden sie Odilia tot. Von
ihren inständigen Gebeten ins Leben zurückgerufen, erklärte Odilia: Warum
beunruhigt ihr euch? Lucia war bei mir
und ich sah und hörte, was man mit Augen nicht sehen, mit Ohren nicht hören,
sondern nur mit dem Herzen wahrnehmen kann.
Dann ergriff sie selbst den Kelch,
nahm die Kommunion und starb. Dieser Kelch wurde noch 1546 auf dem Odilienberg
gezeigt, lange Zeit gab man den Pilgern aus ihm zu trinken. Odilia wurde auf dem
Odilienberg
bestattet.
Mehrmals wurde das Kloster dann zerstört und wieder aufgebaut und als
Augustiner-Chorfrauenstift
geführt. Seine Blütezeit war im 12. Jahrhundert, damals verfasste Äbtissin Herrad
von Landsberg die Enzyklopädie Hortus Delicarum
, in der das Wissen des
Mittelalters zusammengefaßt wurde. Während des Bauernkrieges 1521 wurde es geplündert. Ein Brand
verwüstete 1546 die Gebäude, das Nonnenkloster wurde aufgelöst.
Prämonstratensermönche wachten dann
über das Grab von Odilia und machten den Odilienberg
zu einem sehr bekannten Wallfahrtsort,
besonders für Augenkranke. Die französische Revolution von 1789 vertrieb die
Mönche. 1853 wurde das Kloster aus Privatbesitz zurückgekauft und dem Bischof
von Straßburg
geschenkt, die Wallfahrt erfuhr einen neuen Auftrieb. Heute beherbergt es ein
Hotel, und einen Konvent der Schwestern vom Heiligen Kreuz.
Odilias Gebeine ruhen noch heute in
einem steinernen Sarkophag in der Grabkapelle. Reliquien liegen auch in Prag,
in Lissabon,
in Verona,
in Corbie
und in Taing
bei Erding in Bayern. Der Odilienberg
gilt als der heilige Berg des Elsass
, Odilia wurde im Mittelalter zu einer der
am meisten verehrten Heiligen. Ihr Grab ist noch immer einer der bedeutendsten
Wallfahrtsorte in Frankreich. Heute
besuchen jedes Jahr an die zwei Millionen Menschen den Odilienberg, die Quelle
gilt als hilfreich bei Augenleiden.
Odilia segnet das Elsass. Statue auf dem Dach des Klosters
In Bayern gibt es heute noch die einzige Männerkongregation, die sich der Odilia geweiht hat und die derzeit acht Hauptklöster und 15 Häuser in Europa und Übersee besitzt. Ihr Kloster bei München gilt als eine wichtige Stätte des Dialogs zwischen Christentum und Buddhismus.
Kanonisation:
Papst Pius VII. erklärte 1807 Odilia zur Patronin des Elsass.
Attribute:
als Augustinernonne, zwei Augen in Händen,
mit einem Kelch, Hahn, Krebsschere
Patronin
des Elsass,
von Arlesheim
in der Schweiz; der Blinden; der Winzer; gegen Augen-, Ohren- und Kopfleiden
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Das
Hotel auf dem Odilienberg informiert
auf seiner Homepage in Deutsch auch über die Geschichte des Klosters.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon