Ökumenisches Heiligenlexikon

Vortrag: Auf den Spuren von Franziskus von Assisi

Bilderdatei: Franziskus.exe.

Asssi von Ferne vor dem 1290 m hohen Monte Subasio.

Fresko in der Unterkirche der Basilika San Francesco in Assisi von Giovanni Cimabue, entstanden um 1280. Es zeigt den Heiligen in der authentischsten und ursprünglichsten Darstellung, gemalt nach der Beschreibung des Thomas von Celano: „Von kleiner Statur, regelmäßiger und runder Kopf, ein ovales und etwas vorgestrecktes Gesicht, flache und schmale Stirn, schwarze Augen, normale Größe und einfache Erscheinung, dunkle Haare, gerade Augenbrauen, feine und gerade Nase, kleine Ohren, flache Schläfen, sanfte, scharfe und durchdringende Sprache, laute, sanfte und sonore Stimme, … magere Hände, lange Finger, vorspringende Nägel, schlanke Beine, kleine Füße, zarte Haut; und er ist mager, kleidet sich einfach, schläft wenig und ist großzügig. In seiner unvergleichlichen Demut zeigte er sich gut und verständnisvoll zu Allen.“

Denkmal für Franziskus' Eltern – Mutter mit Kette / Vater mit Tuch - vor deren Haus in Assisi.
Thomas von Celano erzählte in der bis 1229 verfassten „Vita prima Santi Francici“, der „Ersten Lebensbeschreibung des heiligen Franziskus“, dass sein Vater ihn in Ketten legte und einsperrte, nachdem Franziskus ihm einige Tuchballen entwendet hatte, um eine Kirche zu renovieren:
„Als sein Vater in einer dringenden Familienangelegenheit für kurze Zeit außer Haus war und der Mann Gottes gefesselt im Hause eingesperrt blieb, redete seine Mutter, die mit ihm allein daheim geblieben war und das Vorgehen ihres Manns nicht billigte, mit zärtlichen Worten ihrem Sohne zu. Da sie aber sah, dass sie ihn von seinem Vorhaben nicht abbringen könne, ließ sich ihr Mutterherz über ihn erweichen; sie löste die Bande und ließ ihn frei davongehen.“

Taufstein in der Kathedrale San Rufino

Erdgeschoss des Elternhauses von Franziskus in Assisi

Tür des Elternhauses

Stall des Elternhauses, in dem Franziskus 1181/82 – angeblich – geboren wurde. Schon der Geburtsort weist also hin auf „Francesco il poverello“, „Franziskus den Armen“ – und schafft eine Erinnerung an die Geburt Jesu Christi!

Relief über dem Eingang zum Stall

Wie vor jeder von Touristen besuchten Kirche - und jedem Supermarkt - in Italien: der Bettler

Giotto di Bondone, 1267 geboren, 1337 in Florenz gestorben schuf von 1297 bis 1299 den einzigartigen Freskenzyklus der „Leggenda Francescana“ im unteren Teil der Oberkirche der Basilika di San Francesco in Assisi.
Das Leben des Heiligen Franziskus wird hier in 28 Szenen dargestellt. Giotto führte die Fresken mit Hilfe von Schülern und einigen älteren Malern der römischen Schule aus. Die Arbeiten wurden in Eile ausgeführt, da Giotto viele andere Aufträge aus Rom und Florenz hatte. Vor allem an den letzten Szenen war Giotto selbst nur noch wenig beteiligt.
Giotto folgte mit seinen Darstellungen der von Johannes Bonaventura verfassten „Legenda Maior“, der „großen Legende“, deren Texte unter den Fresken wiedergegeben wurden und die wir jeweils zitieren:
„Ein einfacher Mann aus Assisi breitet die Gewänder vor dem Heiligen Franziskus auf dem Boden aus und erbietet seinem Schritt Ehre und bestätigt obendrein, dass Franziskus von Gott inspiriert und jeglicher Reverenz würdig sei, da er bald großartige Dinge vollbringen werde und deshalb von allen geehrt werden müsse.“

„Nachdem der Heilige Franziskus in der folgenden Nacht kurz eingeschlummert war, sah er einen prächtigen Palast mit Ritterwaffen, die das Kreuzzeichen Christi trugen, und als er fragte, wem sie gehören, wurde ihm von oben geantwortet, es seien alle seine und die seiner Ritter.“ – Das ist also der Vision der Ordensgründung.

„Der Heilige Franziskus begegnete einem adligen, aber armen und schlecht gekleideten Ritter und bewegt vor Mitleid entledigte er sich sofort des Gewandes und zog es ihm an.“ – Das erinnert an Martin von Tours und dessen Mantelteilung..

Der Heilige Franziskus betet vor einer Darstellung eines Kruzifix, als vom Kreuz herab eine Stimme zu hören ist Franziskus geh und bereite mein Haus, das sich in Ruinen auflöst, womit die römische Kirche gemeint ist.

Das mit der Kirche in Ruinen, die wieder aufbereitet werden muss, vollzog Franziskus zunächst ganz praktisch im Kleinen:
Für die Wiederherstellung der kleinen Kirche San Damiano etwas außerhalb von Assisi verkaufte Franziskus im Jahr 1207 einige Tuchballen aus dem Besitz seines Vaters und wurde von diesem der Überlieferung zufolge - wie wir oben geshen haben - erst eingesperrt und dann zur Rede gestellt.

Während einer Messe im Jahr 1208 vernahm Franziskus in dieser Kirche San Damiano eine von diesem Kreuz her - es hängt heute in der Kirche Santa Chiara in Assisi - zu ihm er schallende Stimme, die ihn mit dem Wortlaut des Matthäusevangeliums aufforderte, in die Welt zu gehen, allem Besitz zu entsagen und Gutes zu tun.
Matthäusevangelium 10, 5 – 14: Jesus sendet seine Jünger aus und beauftragt sie: „Geht und verkündigt: Nahe gekommen ist das Himmelreich. Kranke macht gesund, Tote weckt auf, Aussätzige macht rein, Dämonen treibt aus! Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst sollt ihr es geben. Füllt eure Gürtel nicht mit Gold-, Silber- oder Kupfermünzen! Nehmt keinen Sack mit auf den Weg, kein zweites Kleid, keine Schuhe, keinen Stab! Denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Kommt ihr aber in eine Stadt oder in ein Dorf, dann fragt nach, wer da würdig ist; dort bleibt, bis ihr weiterzieht.“
1207 bis 1209 führte Franziskus ein Einsiedlerleben, währenddessen wird ihm der Aufbau von zwei anderen zerstörten Kirchen zugeschrieben.

„Der heilige Franziskus gibt dem Vater alles zurück, verzichtet auf väterliche und irdische Güter und sagt: Von heute an kann ich mit aller Bestimmtheit sagen: Vater unser, der Du bist im Himmel, da Pietro di Bernardone - sein Vater - mich verstoßen hat.“
Franziskus entledigte sich der Überlieferung nach vor den Augen des Bischofs von Assisi und einer großen Menge Zuschauer aller seiner Kleider und entsagte dem Erbe mit den Worten: „Weder Geld noch Kleider will ich von dir, von jetzt an nenne ich nur noch einen Vater, den im Himmel!“ Er rannte nackt aus der Stadt und verabschiedete sich so von Herkunft und Gesellschaft.
Thomas von Celano schrieb: „Als aber der Vater sah, dass er ihn von dem eingeschlagenen Weg nicht abbringen könne, bemühte er sich mit allen Kräften, ihm wenigstens das Geld zu entwinden. … Darauf schleppte er ihn vor den Bischof der Stadt, damit er in dessen Hände auf sein ganzes Vermögen verzichte und alles zurückgebe, was er habe. Dem stimmte Franziskus nicht nur freudig zu, vielmehr beeilte er sich voll Freude, die Forderung mit bereitwilligem Herzen zu erfüllen.“
„Vor den Bischof geführt, duldete er weder Aufschub noch irgendeine Verzögerung; ja, nicht einmal Worte wartete er ab, noch sprach er solche, sondern legte sofort all seine Kleider ab, warf sie hin und gab sie dem Vater zurück. Nicht einmal die Hose behielt er zurück, vollständig entblößte er sich angesichts aller. Als aber der Bischof seine Entschlossenheit bemerkte, erhob er sich allsogleich voll hoher Bewunderung für seinen glühenden Eifer und seine Standhaftigkeit, schloss ihn in seine Arme und bedeckte ihn mit dem Mantel, den er trug. Klar sah er ein, dass der Entschluss von Gott komme, und er erkannte, dass das Tun des Mannes Gottes, das er mit eigenen Augen gesehen, ein Geheimnis in sich berge.“

In dieser Kirche Santa Maria Maggiore, damals der Dom von Assisi, wurde Franziskus getauft und im daneben liegenden Bischofspalast entschied sich die Auseinandersetzung mit seinem Vater.

Das Verlies im Elternhaus, in das Franziskus von seinem Vater eingesperrt wurde, weil er ihm einen Stoffballen entwendet hatte, mit dessen Erlös er die Renovierung der Kirche San Damiano bezahlte.

Die ersten Hütten der ersten Brüder von Franziskus in der heutigen Kirche - Santuario Rivotorto.
Rivotorto liegt in der Ebene, rund zwei km östlich der Altstadt von Assisi. Das Heiligtum bewahrt die „Heilige Hütten“, die Anfänge der franziskanischen Bruderschaft. Nach einem Jahr, in dem Franziskus alleine lebte, lebte er ab 1208 mit anderen zusammen: „Nachdem der Herr mir Brüder gegeben hat, zeigte mir niemand, was ich zu tun hätte, sondern der Höchste selbst hat mir geoffenbart, dass ich nach der Vorschrift des heiligen Evangeliums leben sollte“, schrieb Franziskus in seinem „Testament“.
Was „leben nach der Vorschrift des heiligen Evangeliums“ bedeutet, beschrieb Franziskus' Gefährte Leo später in einer Anekdote: „Zur Anfangszelt des Ordens, als Franziskus mit seinen beiden ersten Brüdern in Rivotorto wohnte, kam eines Tages ein Mann namens Ägidius und nahm als dritter Bruder die Lebensweise des hl. Franziskus an. Dieser behielt zunächst die Kleider, die er bisher in der Welt getragen hatte. Da kam ein armer Mann, der den hl. Franziskus um ein Almosen bat. Da wandte sich Franziskus an Ägidius und bat ihn: 'Gib dem armen Bruder deinen Mantel'. Und Egidius zog hocherfreut sofort seinen Mantel aus und gab ihn dem Bettler.“

Auf den Umbruch von einer rein bäuerlich strukturierten Gesellschaft zur Geldwirtschaft gab das geregelte Leben des Benediktinerordens damals keine Antwort; Franziskus wollte in dieser Zeit eine evangeliumsgemäße Antwort auf diese Herausforderung geben und deshalb eine Gemeinschaft bilden, die nach dem Vorbild Jesu lebt. Gegen die Gewalt von Machthabern stellte er Jesu Gewaltverzicht, gegen die Geldwirtschaft das Prinzip der Armut. Franziskanischer Geist ist der Protest und ein Modell gegen die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft. Franziskus lebte – beeinflusst durch die Gedanken des Joachim von Fiore – im Horizont des ewigen Heils. Endzeiterwartung prägte Jesus, Paulus, Luther, Franziskus …

Franziskus, wie er auf Holz und mit einem Stein als Kopfkissen schlief; Liegefigur in der Kirche - Santuario Rivotorto
Das macht den asketischen Lebensstil deutlich – der aber nicht dogmatisch war, sondern auch dabei stand stets der Mensch im Mittelpunkt, wie die von Bruder Leo berichtete Anekdote zeigt:
„Zur Anfangszeit, als die ersten Brüder sich Franziskus anschlossen und er mit ihnen zusammen in Rivotorto wohnte, geschah es einmal, dass zur Mitternachtsstunde ein Bruder zu schreien anfing: 'Ich sterbe, ich sterbe'. Erstaunt und erschrocken wachten alle auf. … Der Heilige fragte: 'Wer hat das gesagt: ich sterbe?' Und jener Bruder sagte: 'Ich war es!' Und Franziskus darauf: 'Was hast du?'. Und jener 'Ich sterbe vor Hunger!' Daraufhin ließ Franziskus den Tisch zubereiten, und da er ein Mensch mit großem Mitgefühl und Einfühlungsvermögen war, aß er mit ihm zusammen, damit dieser sich nicht schämen müsse, allein zu essen. Er wollte zudem, dass alle andere mitaßen.“

Papst Benedikt XVI. im Juli 2007 im Oratorium von Rivotorto

Die Kirche Rivotorto und das angeschlossene Franziskanerkloster heute

Franziskus pflegt und heilt einen Leprakranken, Bronzestatue, 1001, vor dem Santuario Rivotorto

Bronzerelief, 2006: „Bekehrung des Franziskus - Ja zu Christus und zu den Gefährten“; links im Hintergrund die Kirche San Damiano, der Ort der Bekehrung; rechts Franziskus, der Kranke pflegt.
Mit elf Brüdern ging Franziskus im Frühjahr 1209 nach Rom, um von Papst Innozenz III. die erste mündliche Bestätigung für die neue Bruderschaft zu erhalten.

„Der Papst sah die Lateransbasilika, die schon fast in Ruinen lag und Franziskus, nahm sie auf seinen Rücken und hielt sie um zu verhindern, dass sie fiel.“
Dieser Innozenz III., ein Machtpolitiker durch und durch, hatte also doch einen klaren Blick auf die innere Verfassung seiner Kirche. Er gab Franziskus die Erlaubnis zum Leben in Armut und zur Laienpredigt, gab aber zu bedenken, dass die Armutsregel allzu rigide sei:
„Meine lieben Söhne, eure Lebensweise scheint uns allzu hart und rau; wenn wir auch glauben, ihr besitzt so große Begeisterung, dass wir euretwegen keine großen Bedenken zu haben brauchen, so müssen wir trotzdem auch an jene denken, die nach euch kommen, dass es ihnen nicht allzu rau erscheint.“

„Papst Innozenz III. hatte die Regel genehmigt und gab den Auftrag, sie zu predigen und den Mönchen, die den Heiligen begleitet hatten, erlaubte er, die klerikale Tonsur durchzuführen um Gottes Wort zu predigen.“
Damit war der Franziskanerorden – die Erneuerung der Kirche durch Caritas – gebildet.
Fast gleichzeitig wurde 1216 der Dominikanerorden genehmigt – die Erneuerung durch Intellekt – deshalb auch „Predigerorden“ genannt, deshalb die großen Hallenkirchen - aber eben auch die Inquisition.

Die nächsten Jahre verbrachte Franziskus mit der Planung eines neuen Ordens - des späteren Dritten Ordens, der Tertiare der Franziskaner: ein Orden für Menschen, die zwar in der Welt, aber nach Ordensregeln leben wollen.
Eigentlich wollte Franziskus für sich und seine Brüder gar keine Ordensregel, ihm genügte die Botschaft Jesu: „Willst Du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es Armen“ (Matthäusevangelium 19, 21). Aber das Leben in der Gemeinschaft brauchte doch eine Ordnung. 1221 entstand auf Drängen des Papstes die „Regula non bullata“, die „nicht bestätigte Regel“ und 1223 die von Papst Honorius III. bestätigte endgültige Regel des Franziskanerordens.

„Der Heilige Franziskus betete in einer Hütte und war weit entfernt von seinen Mönchen, die sich in einer Hütte außerhalb der Stadt versammelt hatten, als sie den heiligen Franziskus auf einem feurigen Wagen hell erleuchtet um Mitternacht im Haus herumfahren sahen und das ganze Haus ward hell, und die Wachenden waren sehr erstaunt und die Schlafenden erwachten und erschraken sehr.“
Also: ein Feuerwagen wie bei Elijas Entrückung in den Himmel – Franziskus ist demnach ebenso wie jener eine messianische Gestalt.

Die Portiuncula-Kapelle, heute in der riesigen Basilika Santa Maria degli Angeli bei Assisi.
Nach der Legende wurde diese kleine Kapelle von „Portiuncula“ - „kleiner Flecken Land“ -, unter Papst Liberius um 360 von Einsiedlern, errichtet, die aus dem Tal Josaphat bei Jerusalem gekommen waren. Sie hatten Reliquien aus dem Grab der Maria mitgebracht, die ihren Platz in der Kapelle erhielten.
Diese damals verlassen und zerfallen in einem Eichenwald liegende Kapelle wurde um 1208 vom Abt des Benediktinerklosters am Monte Subasio Franziskus übergegeben unter der Bedingung, dass sie das Mutterhaus seiner religiösen Familie werde. Franziskus restaurierte die Kapelle mit seinen eigenen Händen.
Die Portiuncula war die dritte Kirche, die von Franziskus restauriert wurde, nach San Damiano und einer heute nicht mehr vorhandenen.

Die Portiuncula-Kapelle innen

Die Basilika Sta Maria degli Angeli außen
Papst Pius V. veranlasste den 1569 bis 1578 ausgeführten Bau einer großen Basilika, die diese Portiuncula-Kapelle umschließt und schützt und die den großen Strom der Pilger aufnehmen konnte. Das großartige Gebäude in klassizistischem Stil, von einer Kuppel gekrönt und von weitem sichtbar, beherrscht die gesamte Ebene unterhalb von Assisi. Die Basilika ist eine der größten der Welt, 116 Meter lang und bis zu 65 Meter breit, dreischiffig mit 12 Seitenkapellen.

Basilika Sta Maria degli Angeli, im Hintergrund Assisi

Franziskus-Statue, 1926

Franziskus mit Lamm, Bronzestatue im Innenhof

Franziskus-Statue mit lebender Taube, im Kreuzgang der Basilika Santa Maria degli Angeli

Giotto di Bondone: Franziskus predigt den Vögeln, Fresko, 1297 - 99, in der Oberkirche der Basilika di San Francesco.

Der bis heiute überlebende Olivenbaum, in dessen Zweigen die Vögel Franziskus' Predigt hörten, an der Einsiedelei / Eremo delle Carceri.
Thomas von Celano zitierte Franziskus erste Vogelpredigt: „Meine Brüder Vögel! Gar sehr müsst ihr euren Schöpfer loben und ihn stets lieben, er hat euch Gefieder zum Gewand, Fittiche zum Flug gegeben und alles, was ihr nötig habt. Vornehm macht euch Gott unter seinen Geschöpfen und in der reinen Luft schuf er euch Wohnung. Ihr sät nicht und erntet nicht, und doch schützt und leitet er euch, ohne dass ihr euch um etwas kümmern braucht.“
Über die Wirkung berichtete Thomas: „Bei diesen Worten jubelten jene Vögel auf ihre Art und fingen an, die Hälse zu strecken, die Flügel auszubreiten, die Schnäbel zu öffnen und auf ihn hinzublicken.“

Originalbrief von Franziskus an seinen ständigen Gefährten Leo:
„Bruder Leo, dein Bruder Franziskus mit dem Wunsch nach Gesundheit und Frieden. Und wie ich dir versprochen habe, mein Sohn: als eine Mutter will ich alle Worte, die wir neulich gesprochen habe, hier kurz wiederholen und dich wie folgt beraten: dass durch alle Mittel, die du verwendest, um dich für unseren Herren Gott bereit zu machen und seinem Beispiel und seiner Armut zu folgen, du unter unseres Herren Gott Segen und mit meiner Erlaubnis handelst. Aber wenn du wollen solltest für das Heil deiner Seele oder für anderen Trost und wünscht, zu mir zu kommen, Bruder Leo: komme, wenn du willst.“

Die Einsiedelei „delle Carceri“, „in der Einsamkeit“ bei Assisi.
Im dichten Eichenwald am Berg Subasio befindet sich die Einsiedelei, in die sich Franziskus erstmals 1205 zum Gebet zurückzog. Später kamen auch seine ersten Gefährten immer wieder zur Einkehr hierher. Die Einsiedelei ist auf dem Fels errichtet, manche Teile sind in Höhlen in den Fels eingeschlagen.

Thomas von Celano über Franziskus' erste Besuche dort:
„In Assisi lebte ein Mann, den er (Franziskus) mehr als andere schätzte, weil er gleichen Alters mit ihm war. …
In der Nähe der Stadt war eine Grotte; dorthin gingen sie häufig und sprachen miteinander über den Schatz. Der Mann Gottes, der schon durch seinen heiligen Vorsatz ein Heiliger war, trat in jene Grotte ein, während der Gefährte draußen wartete, und betete inständig zu seinem Vater im Verborgenen … und befragte er Gott allein über seinen heiligen Vorsatz um Rat. Voller Hingebung betete er, der ewige, wahre Gott möge ihm seinen Weg weisen und ihn lehren, seinen Willen zu tun. … Eines Tages nun, als er mit höchster Inbrunst Gottes Barmherzigkeit angerufen hatte, ward ihm vom Herrn gezeigt, was er tun solle. Von der Stunde an ergriff ihn solche Freude, dass er sich vor Jubel nicht mehr beherrschen konnte und, ohne es zu wollen, vor den Ohren der Menschen etwas verlauten ließ.“

Franziskus' Gebetsnische in einer Höhle in der Eremo delle Carceri.
Unter der heutigen Kapelle befindet sich diese Grotte, der Ort des Gebets, des Fastens, des Weinens von Franziskus und# der Dialoge zwischen ihm und Gott, daneben die Zelle mit dem Stein, der ihm als Bett diente. Davor ist das „Loch des Teufels“, in das dieser verschwand, nachdem Franziskus ihn verjagt hatte.

Auch von Giotto: Franziskus und Klara, Fresko in der Oberen Basilika di San Francesco in Assisi.

Außerhalb der Stadtmauern von Assisi wurde im 7./8. Jahrhundert die Kapelle San Damiano erbaut. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war sie fast völlig verlassen, es gab nur einen Priester; da die Kapelle aber nicht für den Gottesdienst benutzt wurde, verfiel die Kapelle. Franziskus allerdings besuchte sie des öfteren, erstmals wohl 1205. Nachdem er hier 1208 die Stimme vom Kruzifix herab gehört hatte, die ihn zur Restaurierung veranlasste, wurde er bis 1209 der Erneuerer des Kirchleins.

Der Innenhof des Klosters San Damiano
Als dann die ebenfalls in Assisi geborene Klara dem Beispiel von Franziskus folgen wollte – sie war 12 Jahre jünger als Franziskus und damals 19 Jahre alt –, schenkte er ihr 1212 diesen Ort.

Noch im Original erhalten ist im Kloster San Damiano das Chorgestühl aus Klaras Zeit, auf einem Pergament sind die Namen der ersten Klarissen aufgeschrieben.

Im Dormitorium schliefen die Klarissen. Hier erlebte Klara Momente größten Leidens und größten Schmerzes, hier lebte sie 42 Jahre lang mit ihren Schwestern, hier erhielt sie den Besuch Papst Innozenz IV. und hier starb sie …

… an dieser Stelle.

Franziskus, Bronestatue von Fiorenzo Bacci vor dem Kloster San Damiano, 2006

Klaras Geburtshaus, direkt neben der Kathedrale San Rufino in Assisi

Kapelle im Geburtshaus von Klara.

Fresko von Simone Martini: Klara von Assisi, um 1317, in der Unterkirche der Basilika di San Francesco in Assisi

Tunika und Mantel von Klara, in der Kirche Santa Chiara in Assisi

Genehmigung der Regel der „Armen Schwestern von San Damiano“ durch Papst Innozenz IV., die Klara 1253 zwei Tage vor ihrem Tod erhielt, in der Kirche Santa Chiara in Assisi

zurück zu Franziskus: Tunika, Brevier und Kordel von Franziskus, in der Capella del Crocifissio in der Kirche Santa Chiara in Assisi.

weiter mit den Freskos von Giotto:
„Eine Vision von oben zeigte einem Mönch viele Prunksessel im Himmel und einer war glänzender als der andere und er hörte eine Stimme zu ihm sprechen: dieser Prunksessel gehörte einem Engel, der wegen seines Hochmuts fiel, und jetzt ist er für den demütigen Franziskus reserviert.“ – die Botschaft ist also: Franziskus ist ein Heiliger.

und als Heiliger vollbrachte er auch viele Wunder: „Der Heilige Franziskus sah über der Stadt Arezzo viele jubelnde Dämonen und sagte zu seinem Anhänger Silvestro: geh und vertreibe im Namen Gottes die Dämonen … und schreie in der Nähe der Pforte; er gehorchte und schrie und die Dämonen flüchteten sofort und sofort kehrte der Frieden zurück zwischen den Aretinern.“

„Der heilige Franziskus wollte zusammen mit den Priestern des Sultans von Babilonia ein großes Feuer durchschreiten, um den Glauben zu Christus zu bezeugen; jedoch keiner von ihnen wollte mit ihm gehen, sondern alle flüchteten sofort vor der Anwesenheit des Heiligen und des Sultans.“
Den Hintergrund zu dieser Passage erläutert dieses …

… Fresko, das Franziskus' und seiner Brüder Abreise ins Heilige Land zeigt und in der Franziskanerkirche in Osimo zu sehen ist.
Bei Reisen im Rahmen des 5. Kreuzzuges gelang es Franziskus zwar 1219, in Ägypten zu predigen, jedoch nicht, den Sultan el Malik el Kamil bei einer Begegnung in Damiette - dem heutigen Dumyat - in Ägypten zu bekehren. Franziskus bot den muslimischen Priestern die Feuerprobe an, der Sultan jedoch lehnte ab.
Von dort aus zog Franziskus weiter ins Heilige Land, wo er bis 1220 blieb. Er erkrankte an Malaria und einer Augenkrankheit, kehrte in die Heimat zurück, fand die Ordensbrüder in Uneinigkeit vor und trat 1221 von der Leitung des Ordens zurück.

„In tiefem Gebet versunken wurde der Heilige Franziskus von seinen Mönchen beobachtet, wie er sich vom Boden abhob, die Arme nach oben streckte und eine leuchtende Wolke hüllte ihn ein.“ – also wie bei der Verklärung Jesu.

„Zur Erinnerung an Weihnachten befahl der Heilige Franziskus, ihm Heu, einen Ochsen und einen Esel zu bringen; daraufhin predigte er über die Armut des Königs, und während der Heilige im Gebet versunken war, sah ein Ritter das Jesuskind dort liegen.“

Das Kloster bei Greccio
Franziskus besuchte dieses Kloster im Jahr 1217. 1223 feierte er hier in einem echten Stall in einer Felsgrotte mit Ochs und Esel und einer strohgefüllten Krippe die Geburt Christi, um der Bevölkerung die Geburtsgeschichte Jesu zu vermitteln. Schon bald nach Franziskus' Tod wurde eine Kirche angebaut und ihm geweiht.

Franziskus-Statue am Kloster Greccio
Aus Thomas von Celanos Lebensbeschreibung:
„In eingehender Betrachtung rief Franziskus die Erinnerung an Jesu Christi Worte wach. Vor allem war es die Demut der Menschwerdung Jesu und die durch sein Leiden bewiesene Liebe, die seine Gedanken derart beschäftigten, dass er kaum an etwas anderes denken wollte. …
In jener Gegend lebte ein Mann mit Namen Johannes, von gutem Ruf, aber noch besserem Lebenswandel. … Diesen ließ nun der selige Franziskus, wie er oft zu tun pflegte, zu sich rufen, etwa vierzehn Tage vor der Geburt des Herrn, und sprach zu ihm: 'Wenn du wünschtest, dass wir bei Greccio das bevorstehende Fest des Herrn feiern, so gehe eilends hin und richte sorgfältig her, was ich dir sage. Ich möchte nämlich das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Bethlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen.' Als der gute und treuergebene Mann das hörte, lief er eilends hin und rüstete an dem genannten Ort alles zu, was der Heilige angeordnet hatte.“

Die Höhle, in der Franziskus mit seinen Brüdern 1223 das erste Fest der Geburt des Herrn mit einer Krippe feierte, im Kloster bei Greccio.
Das Fresko, Giotto-Schule aus dem 14. Jahrhundert, zeigt rechts die Geburt im Stall von Betlehem, links wie Franziskus, vor dem Kind knieend, mit Würdenträgern feiert.
Thomas von Celano schrieb:
„Es nahte aber der Tag der Freude, die Zeit des Jubels kam heran. Aus mehreren Niederlassungen wurden die Brüder gerufen. … Zu Ehren kommt da die Einfalt, die Armut wird erhöht, die Demut gepriesen, und aus Greccio wird gleichsam ein neues Betlehem. Hell wie der Tag wird die Nacht, und Menschen und Tieren wird sie wonnesam. Die Leute eilen herbei und werden bei dem neuen Geheimnis mit neuer Freude erfüllt. Der Wald erschallt von den Stimmen, und die Felsen hallen wider von dem Jubel. Die Brüder singen und bringen dem Herrn das schuldige Lob dar, und die ganze Nacht jauchzt auf in hellem Jubel. Der Heilige Gottes steht an der Krippe, er seufzt voll tiefen Wehs, von heiliger Andacht durchschauert und von wunderbarer Freude überströmt.“

Fresko neben der Grotte im Kloster bei Grecchio

anderes Fresko neben der Grotte im Kloster bei Grecchio
Weiter Thomas von Celano:
„Dann predigt er dem umstehenden Volk von der Geburt des armen Königs und bricht in lieblichen Lobpreis über die kleine Stadt Betlehem aus. Oft wenn er Christus 'Jesus' nennen wollte, nannte er ihn, von übergroßer Liebe erglühend, nur 'das Kind von Betlehem', und wenn er 'Betlehem' aussprach, klang es wie von einem blökenden Lämmlein. Mehr noch als vom Worte floss sein Mund über von süßer Liebe. … Der Jesusknabe war in vieler Herzen vergessen.“ – Schon damals war die Marienverehrung ganz in den Mittelpunkt gerückt. Weiter Thomas von Celano:
„Da wurde er (der Jesusknabe) in ihnen mit seiner Gnade durch seinen heiligen Diener Franziskus wieder erweckt und zu eifrigem Gedenken eingeprägt. Endlich beschließt man die nächtliche Feier und ein jeder kehrt in seliger Freude nach Hause zurück.“

Papst Johannes Paul II. besuchte am 2. Januar 1983 die Grotte im Kloster bei Greccio.
Weiter Thomas von Celano:
„Das Heu, das in der Krippe gelegen, bewahrte man auf, damit der Herr, der sein heiliges Erbarmen gar mannigfach erzeigt, Pferde und andere Tiere dadurch heile. Und so geschah es in der Tat, dass in der umliegenden Gegend viele Tiere, die verschiedene Krankheiten hatten, von diesen befreit wurden, wenn sie von dem Heu fraßen. Ja, auch Frauen, die unter schweren und lange dauernden Geburtswehen zu leiden hatten, ließen sich von dem Heu auflegen und konnten dann glücklich gebären. Auch erlangten ebendort herbeiströmende Pilger beiderlei Geschlechtes die ersehnte Heilung von verschiedenen Unglücksfällen.“

Keller des Franziskus im Kloster bei Greccio

Flur der Mönchszellen

Gottesdienstraum im Kloster

Zelle von Johannes Bonaventura, dem späteren Ordensgeneral, im Kloster Greccio

Blick vom Kloster bei Greccio auf die Ebene von Rieti.

Weiter mit den Giotto-Bildern und der „Legenda Maior“:
„Der Heilige Franziskus stieg auf dem Rücken eines Esels auf einen Berg; da der Besitzer des Esels, ein armer Mann, leidend war und vor Durst zu sterben drohte, betete er für ihn und ließ aus einem Stein Wasser hervorquellen, das niemals dort gewesen war und auch nie wieder dort gesehen worden war.“ – Ein Wunder, wie damals durch Mose in der Wüste.

„Als der Heilige Franziskus nach Bevagna ging, predigte er vielen Vögeln, die sich vor Freude erregten, die Hälse reckten, mit den Flügeln schlugen, die Schnäbel öffneten und seine Kutte berührten; dies alles sahen seine Schüler, die auf dem Weg warteten.“

„Der Heilige Franziskus bat für die Gesundheit der Seele des Ritters von Celano, der ihn demütig zum Essen eingeladen hatte und der, nach der Beichte und nachdem er seine persönlichen Dinge im Haus geordnet hatte und während sich die anderen zu Tisch begaben, plötzlich starb und im Herrn ruhte.“

„Der Heilige Franziskus predigte vor dem Papst und Kardinal so demütig und wirkungsvoll, dass klar wurde, dass er nicht mit gelehrten Worten sondern durch göttliche Inspiration sprach.“

„Während der Heilige Antonius von Padua dem Kapitel von Arles predigte, erschien der abwesende Heilige Franziskus, breitete die Hände über sie und segnete die Brüder, wie es ein gewisser Monaldo sah; und die anderen Mönche freuten sich unbändig.“
Antonius von Padua – der „Schlamperheilige“, bis heute der wohl meistverehrte Heilige – war 1212 Augustiner in Coimbra in Portugal geworden und 1220 dort zu den Franziskanern gewechselt. Die Szene ereignete sich um 1223, als Antonius gegen die Katharer (Albigenser) und Waldenser predigte.Sie weist hin auf Franziskus' Fähigkeit zur Ubiquität - die Fähigkeit, an mehreren Orten gleichzeitig zu sein.

„Als der Heilige Franziskus am Abhang des Alverner Berges predigt, sieht er Christus in Form eines gekreuzigten Seraphs, der ihm auf den Händen und Füßen und auf der rechten Brust die Stigmata des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus aufdrückt.“

Caravaggio: Franziskus in Ekstase, um 1595

El Greco: Die Stigmatisierung des Franziskus, 1577 - 1579, im Prado in Madrid
Auf seine Bitte, am Leiden Jesu Anteil haben zu dürfen, wurde er am Michaelistag, also dem 29. September - nach anderer Überlieferung am Tag der Kreuzfindung, also dem 3. Mai - des Jahres 1224 nach 40 Tage langem Fasten auf dem Berg La Verna stigmatisiert: der Gekreuzigte in Gestalt eines Seraphs neigte sich ihm; seitdem trug Franziskus, vom Leidenserlebnis Christi durchdrungen, die Wundmale an Händen, Füßen und an der Seite, aber er# verheimlichte sie, so dass sie erst bei seinem Tod erkannt wurden.
Dies war die erste bezeugte Stigmatisierung der Kirchengeschichte, viele weitere folgten Sie kennen vielleicht Therese Neumann von Konnersreuth, die 1962 starb.

Simone Martini: Franziskus mit den Stigmata, um 1317, in der Unterkirche der Basilika di San Francesco in Assisi

Kloster auf dem Felsen La Verna, wo Franziskus stigmatisiert wurde
Die Entbehrungen und die Erschöpfung beeinträchtigten zunehmend seine Gesundheit, schließlich drohte Franziskus auch zu erblinden. Zur Behandlung kam er nach Siena, doch er lehnte weitere medizinische Hilfe ab, diktierte sein Testament und ließ sich in sein Ursprungskloster Portiuncula unterhalb von Assisi zurücktragen.

Die kleine Hütte, in der Franziskus starb, steht dort in der Basilika Santa Maria degli Angeli. In ihr hatte Franziskus auch schon die erste Gruppe von Brüdern begrüßt. Franziskus spürte den Tod nahen, ließ sich auf den nackten Boden legen, dichtete die letzten Verse seines „Sonnengesangs“ - jene über „Bruder Tod“ - und verschied. An der linken Wand der Kapelle gibt es noch die hölzerne Tür von damals und auf dem Altar in einem Reliquienschrein Franziskus' Gürtel.
Dort starb er auf bloßem Boden liegend, nackt, um auch im Sterben Jesus ähnlich zu sein, laut singend, umgeben von seinen Ordensgenossen, mit denen er gemeinsam und in froher Erwartung von „Bruder Tod“ das Abendmahl gefeiert hatte. Als sein Gesang verstummte, zwitscherten die Lerchen heftig und plötzlich in die folgende Stille hinein.

Giotto-Schule, Fresko in der Unterkirche der Basilika di San Francesco, um 1310: Franziskus mit Wundmalen und der Tod als Skelett auf einem Sarg und mit einer zu Fallen drohenden Goldkrone auf dem Schädel.
Neben diesem Fresko befinden sich zwei weitere, in denen Franziskus zwei Tote auferweckt. Franziskus ist nicht nur Sieger über den Tod, sondern auch Freund und Bruder des Todes, wie er es in seinem Sonnengesang gezeigt hat: „Gepriesen seist Du, o Herr, durch unseren Bruder, den leiblichen Tod, welchem kein Lebender mag entrinnen.“

Franziskus' Sarg in der Unterkirche der Basilika di San Francesco in Assisi

Portal der Unterkirche der Basilika di San Francesco in Assisi

Der Platz vor der Unterkirche
Der Bau der Franziskus-Basilika in Assisi begann im März 1228, 1½ Jahre nach Franziskus' Tod, mit der Schenkung eines Grundstückes zur Errichtung eines Gebäudes „für den seligsten Körper des Heiligen Franziskus“. Der Platz, eine bewaldete Gegend außerhalb der Stadt, wurde damals „Hügel der Hölle“ genannt, da auf ihm die zum Tod Verurteilten hingerichtet wurden.
Die Unterkirche sollte den Sarkophag des Heiligen aufnehmen, sie war 1230 fertiggestellt. Papst Gregor IX. proklamierte sie als „Haupt und Mutter“ des Franziskanerordens und stellte sie unter seinen persönlichen Schutz, am 25. Mai wurde Franziskus' Leichnam überführt.

Giotto-Fresko: „In der Stunde des Ablebens des Heiligen Franziskus sah ein Mönch seine Seele in Form eines leuchtenden Sternes zum Himmel auffahren.“

„Im selben Moment als der Heilige starb, schrie der Mönch Agostino, Prior des Konvents, leidend und seinem Ende nahe und schon seit längerer Zeit ohne Sprache: warte auf mich, Vater, ich komme mit Dir; und sofort starb er und folgte dem Heiligen Vater. Der Bischof von Assisi, der auf dem Berg des heiligen Michaels, des Erzengels, weilte, sah den Heiligen Franziskus, der ihm sagte: Jetzt fahre ich in den Himmel.“

„Als der Heilige Franziskus tot in der Porziuncola lag, kam Meister Girolamo, berühmter Arzt und Wissenschaftler, und bewegte die Nägel mit den eigenen Händen und berührte Hände, Füße und Brust des Heiligen.“

„Es hatte sich eine große Menge versammelt, als man den Körper des Heiligen nach Assisi brachte und der heilige Körper war mit Zweigen und himmlischen Gemmen geschmückt und viele Kerzen wurden angezündet und so brachten sie ihn zur Heiligen Klara und den anderen Gott geweihten Jungfrauen.“

„Der Papst (Gregor IX.) kam persönlich in die Stadt von Assisi, untersuchte sorgfältig die Wunder im Beisein seiner Mönche und kanonisierte den Heiligen Franziskus und schrieb ihn ins Album der Seligen.“

„Da Papst Gregor die Wunde in der Brust des Heiligen bezweifelte, erschien ihm der Heilige Franziskus im Traum und sagte ihm: Gib mir eine leere Ampulle; und nachdem er sie ihm gegeben hatte, sah er wie sie sich mit dem Blut aus der Brust des Heiligen füllte.“ – Auch der Papst erkannte also die Stigmatisierung.

Und dass Franziskus heilig ist, beweisen die Wunder nach seinem Tod:
„Nachdem er mit seinen Händen die Binden gelöst und die Wunden leicht berührt hatte, heilte er sofort Giovanni di Ilerda, der todkrank dalag und von den Ärzten aufgegeben ihn demütig sofort bei der Verwundung gerufen hatte.“

„Der Heilige Franziskus machte diese tote Frau wieder lebendig, die, nachdem sie im Beisein Geistlicher und anderer eine Sünde gestanden hatte, die sie noch nicht gebeichtet hatte, erneut starb und im Herrn ruhte; und der Teufel floh.“

„Der Heilige Franziskus befreite diesen Häftling, der der Ketzerei beschuldigt worden war und vom Papst dem Bischof übergeben worden war; dies geschah am Namenstag desselben Heiligen Franziskus, an dessen Vortag derselbe Häftling nach den Regeln der Kirche gefastet hatte.“

Giotto di Bondone: Kruzifix, um 1318, in der Unterkirche der Basilika di San Francesco in Assisi
Die Heiligsprechung erfolgte schon 1228, also 2 Jahre nach Franziskus' Tod, durch Papst Gregor IX.

Fassade der Oberkirche der Basilika di San Francesco in Assisi.
1236 wurden die tragenden Wände des Glockenturmes und der Oberkirche fertiggestellt. Sie ist im Gegensatz zur Unterkirche hell und großräumig als Ausdruck der Freude und Dankbarkeit.

Gesamtkomplex der Basilika di San Francesco
Im 14. Jahrhundert wurde die erste Erweiterung des Franziskanerkonvents gebaut. Im 15. Jahrhundert ließ Papst Sixtus IV. die gesamte der Ebene zugewandte Seite durch die 54 mächtigen Mauerbögen verstärken, der Komplex erhielt den Charakter einer Befestigung.

Aus dem armen Orden war ein reicher geworden, aus der Lehre von Gewaltlosigkeit ein Festungsbau.
Anscheinend war also die alte Ordnung wieder hergestellt: der caritative Impuls der Franziskaner, das Leben in der strikten Nachfolge Jesu, war in die Macht- und Herrschaftsstrukturen eingefügt; der intellektuelle Impuls des Dominikanerordens war kompromittiert durch dessen Wüten in der Inquisition. Anscheinend also alles wieder beim Alten.
Aber nur scheinbar: der Preis war später die Reformation.
Ohne Wandel bleibt nichts, das ist auch heute wieder aktuell – und die Kirchen sind wohl dabei, die alten Fehler zu wiederholen.

Vor der Oberkirche: die Bronzestatue von 1006: „Die Rückkehr des Franziskus nach Assisi“

Schon zu seinen Lebzeiten begann der Kampf um die richtige Darstellung von Franziskus. Informationen über sein Leben und Wirken sind erhalten in seinem „Testament“ und in den 1228 verfassten „Legenden der drei Gefährten“, die 1318 mit den Tagebuchnotizen des Bruders Leo, des ständigen Begleiters und Beichtvaters von Franziskus, als „Spiegel der Vollkommenheit“ zusammengefasst wurden.
Der Vita des Franziskanerbruders Thomas von Celano von 1228/29, verfasst im Auftrag von Papst Gregor IX., folgte 1246/1247 seine zweite Lebensbeschreibung, von Thomas geschrieben im Auftrag der Ordensleitung, und 1250 bis 1252 dessen Abhandlung über die Wunder des heiligen Franziskus. Der spätere Ordensgeneral Johannes Bonaventura, dessen Klosterzelle im Kloster Greccio wir gesehen haben, schrieb 1260 die „Legenda maior“, die für Jahrhunderte zur offiziellen Biografie wurde; alle anderen sollten auf Bonaventuras Anweisung vernichtet werden.

Bartolomé Esteban Murillo: Bonaventura (links) und Erzbischof Leander von Sevilla, 1665/1666
Die Rolle, die Bonaventura als Ordensgeneral spielte, ist oft und heftig kritisiert worden. Er wollte die Einheit des von Parteienkämpfen bedrohten Ordens erhalten und tat dies als Machtpolitiker und ganz und gar auf Kosten jener Kräfte, die sich auf Franz' ursprünglichen Geist beriefen. Das strenge Armutsgebot, das Verbot, Geld auch nur zu berühren, war für Bonaventura eine Übertreibung der Eiferer im Orden, die es in Franz' Namen zurückzudrängen galt.
Franziskus wollte seinen Weg gehen, kompromisslos, aber ganz bewusst in der Kirche. Bonaventura wollte den Orden der Kirche gefügig machen, ganz bewusst auf Kosten der Prinzipien des Gründers.

Francisco de Zurbarán: Der nach seinem Tod aufgebahrte Bonaventura, 1629, im Louvre in Paris
– wenn Sie dieses Bild des Gestorbenen mit jenem von Franziskus vergleichen, dann sehen Sie, was aus dem Erbe gemacht wurde.

Papst Benedikt XVI. sagte 2010 über Bonaventura, der Thema seiner Habilitationsarbeit war: „Er lebte im 13. Jahrhundert, einem Zeitalter, in dem der christliche Glaube zutiefst in die Kultur und Gesellschaft Europas eingedrungen war und so im Bereich der Literatur, der Kunst, der Philosophie und Theologie unvergängliche Werke inspirierte.“
Das 13. Jahrhundert, die Zeit des finstersten Mittelalters, als Zeit der Blüte des Geistes zu beschreiben, zeigt, wie sehr dieser Papst bar jeglichen Verständnisses für Geschichte, Theologie, biblische Botschaft und Kirche ist.
Kirche muss natürlich prinzipientreu und deshalb konservativ sein. Aber: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Oder: „Wer nicht mit der Zeit geht, der geht.“

Giovanni Cimabue: Fresko in der Unterkirche, um 1280: Maria mit dem Jesuskind auf dem Thron, umgeben von Engeln, rechts die berühmte Darstellung des Franziskus als „Il Poverello“, die authentischste Darstellung, die wir schon am Anfang in groß gesehen hatten.

Wir schließen mit dem „Sonnengesang“, genauer dem „Lied der Schwester Sonne oder Lob der Schöpfung“:

„Du Höchster, allmächtiger, guter Herr,
Dir seien das Lob, der Ruhm und die Ehre und alle Lobpreisung.
Nur Dir, Höchster, gebühren sie und kein Mensch ist würdig, Dich nur zu nennen.

Gelobt seist Du, mein Herr, mit allen Deinen Geschöpfen,
insbesondere der Herrin, der Schwester Sonne,
die den Tag heraufführt und uns beleuchtet mit ihren Strahlen.
Und sie ist schön und wärmend mit mächtigem Glanz, von Dir, Höchster, trägt sie das Zeichen.
Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Mond und die Sterne,
am Himmel zeigen sie sich klar und kostbar und schön.

Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Nebel und Wetter zu jeder Zeit,
durch sie werden alle deine Geschöpfe.

Gelobt seist Du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
das sehr nützlich und demütig und köstlich und keusch ist.

Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du uns die Nacht erleuchtest und das schön und freundlich und widerstandsfähig und kräftig ist.

Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde, die uns aufrecht gehen lässt und leitet und uns mancherlei Frucht bereitet mit farbigen Blumen und Gräsern.

Gelobt seist Du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um Deiner Liebe willen und Barmherzigkeit Krankheit und Drangsal tragen.
Selig sind jene, die das in Frieden überwinden, denn durch dich, Höchster, werden sie belohnt werden.

Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsern Bruder, den leiblichen Tod, dem kein lebender Mensch entrinnen kann.
Wehe jenen, die sterben in schweren Sünden, selig jene, die gefunden werden in Deinem heiligsten Willen, denen der zweite Tod nichts Böses anhaben kann.

Lobet und preiset meinen Herrn,
und dankt und dient ihm mit großer Demut.“

fotografiert im August 2010


Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 20.03.2020

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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