Ökumenisches Heiligenlexikon

Kassia die Hymnographin
auch: Kassiana, Ikasia

Gedenktag orthodox: 7. September

Name bedeutet: die dem Zimt Gleiche (griech.)

Äbtissin, Hymnenschreiberin
* um 810 in Konstantinopel, heute Ístanbul in der Türkei
† nach 843, vor 867

Kartenskizze

Kassia war Tochter einer adeligen Familie. Ihr Vater war hoher Offizier am kaiserlichen Hof. Sie wurde – damals durchaus ungewöhnlich – im Schreiben und Lesen, in Philosophie und christlicher Theologie ausgebildet und führte einen Briefwechsel mit Theodor Studites, dem Verteidiger der Ikonenverehrung. Im Mai 830 nahm sie an der Brautschau für Kaiser Theophilos teil. Als dieser äußerte, dass Frauen in der Welt Grund für viele Übel gewesen seien, wie Eva beweise, entgegnete Kassia, Frauen seine ebenso Grund für viel Gutes gewesen, wie Maria beweise. Wegen dieser Widerrede war sie als Kaisergemahlin disqualifiziert, Theophilos heiratete Theodora.

Kassia gründete um 843 in Konstantinopel ein Kloster auf dem Hügel Xerolophos in der Nähe der Konstantinsmauer - an der Stelle der heutigen Haseki Sultan Camii - das sie bis zu ihrem Tod als Äbtissin leitete. Über 50 Hymnen, von denen 33 erhalten sind, verfasste sie dort. Die berühmteste ist das Troparion der Kassiana für den Großen Mittwoch, den Mittwoch der Karwoche. Außer den geistlichen Dichtungen und Kompositionen sind auch weltliche Schriften von ihr in Form von 261 Epigrammen überliefert. Im Bilderstreit, in dem Kaiser Theophilos für die Ikonoklasten, die Ikonenzerstörer, unterstützte, wurde Kassia wegen ihres Eintretens für die Ikonenverehrung zusammen mit anderen Frauen ausgepeitscht. Kaiserin Theodora beendete den Streit nach Theophilos Tod 843 mit der Bestätigung der Ikonenverehrung.

Kassia wird, obwohl in den alten Synaxarien nicht als Heilige erwähnt, in Griechenland seit langem verehrt, besonders auf der Insel Kasos. Im 20. Jahrhundert wurde Kassia unter dem neugriechischen Namen Kassiani unter die Heiligen gezählt.

Kassias Kompositionen – 300 Jahre vor Hildegard v. Bingen – sind auf CD erhältlich: Kassia. Byzantine Hymns from the First Female Composer of the Occident, Christophorus, Heidelberg 2009. Diese Stücke gibt es auch zum kostenpflichtigen Download bei amazon; sie wurden 2009 beim Rheingau-Musik-Festival zur Aufführung gebracht.





Quellen:
• Dr. Guntram Michael Schwitalla, E-Mail vom 14. November 2010
• http://lexikon.huettenhilfe.de/gewuerze/zimt/zimt-synomyme-und-namen.html
• Friedrich Wilhelm Unger: Quellen der Byzantinischen Kunstgeschichte, I. Bd., Wilhelm Braumüller, Wien 1878