Ökumenisches Heiligenlexikon

Laurentius von Brindisi

italienischer Name: Lorenzo da Brindisi
Taufname: Giulio Cesare Rossi

Gedenktag katholisch: 21. Juli
nicht gebotener Gedenktag
Fest im Kapuzinerorden
gebotener Gedenktag im Bistum Astorga, im Bistum Altamura-Gravina-Acquaviva delle Fonti und im Orden der Franziskaner-Observanten
Regionalkalender deutsches Sprachgebiet
Diözesankalender Graz-Seckau
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

Todestag: 22. Juli

Name bedeutet: der Lorbeergeschmückte oder: Mann aus Laurentum (latein.)

Priester, Ordensgeneral, Kirchenlehrer
* 22. Juli 1559 in Brindisi in Italien
22. Juli 1619 in Lissabon in Portugal


Julius Caesar Russo kam als Sohn wohlhabender Kaufleute Guglielmo Russo und Elisabetta Masella zur Welt, die aus Venedig stammten. Nach dem Besuch der Schule der Franziskaner in Brindisi und dem frühen Tod seiner Eltern 1573 kam er zu seinem Onkel nach Venedig; 1575 schloss er sich in Verona dem Kapuzinerorden an mit dem Ordensnamen Laurentius. Er studierte in Padua und im Kloster an der neuen Kirche Santissimo Redentore in Venedig Philosophie und Theologie, lernte die Bibel in Griechisch und Hebräisch auswendig, sprach auch Deutsch, Französisch, Spanisch und Tschechisch fließend und war profunder Kenner der Literatur der Kirchenväter. Sein Eifer galt aber vor allem dem Studium der Bibel, die er als seine Braut bezeichnete; ginge sie durch einen Brand verloren, so könne er sie, sagte er, aus der Erinnerung vollständig im Urtext rekonstruieren. 1581 wurde er Lektor an Santissimo Redentore in Venedig, 1583 zum Priester geweiht.

Raffaele Minossi: Laurentius erhält die Gaben der Eucharistie aus der Hand Christi, vor 1805, in der Kirche Santa Maria della Concezione in Rom
Raffaele Minossi: Laurentius erhält die Gaben der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. aus der Hand Christi, vor 1805, in der Kirche Santa Maria della Concezione in Rom

Seine Predigten in Vicenza, Padua, Pavia und Venedig ließen Laurentius weithin bekannt werden; Papst Clemens VIII. beauftragte ihn nun, den Juden in Rom - die nach den Bestimmungen der Bulle Cum nimis absurdum, Da es überaus unangebracht ist, von Papst Paul IV. seit 1555 im Ghetto rund um die heutige Große Synagoge leben mussten - zu predigen. 1586 wurde er Novizenmeister im Kloster in Bassano del Grappa, 1590 Provinzial seines Ordens in der Toskana, 1593 in Venedig, 1596 Generaldefinitor, d. h. engster Mitarbeiter des Generaloberen.

Laurentius war ein großer Verehrer der Maria, der die Heilsbedeutung der Mutter Jesu Christi in dessen Nähe stellte. Sein asketisches Leben wurde Vorbild für seine Zeitgenossen. Messfeier dauerten bei ihm oft acht und mehr Stunden, was gelegentlich Kritik hervorrief, aber seiner Poularität keinen Abbruch tat.

1599 sandte Papst Clemens VIII. den begnadeten Prediger nach Deutschland, um im Land der Reformation den Orden zu verbreiten. Auf seinen Reisen durch Deutschland entdeckte Laurentius seine Liebe zu diesem Land, dem er auf dem Sterbebett sein Herz vermachte. In Österreich und Tschechien gelang es ihm, Ordensniederlassungen einzurichten, so 1600 das erste Kloster - das heutige Mecharistenkloster - in Wien und ein weiteres in Prag; ebenso konnte er den Konvent an der Grabenkirche in Graz und den in Bruck an der Mur aufzubauen.

Gedenktafel am Wohnhaus an der Stelle des früheren Klosters der Kapuziner in Bruck an der Mur
Gedenktafel am Wohnhaus an der Stelle des früheren Klosters der Kapuziner in Bruck an der Mur

Im Krieg gegen die Türken von 1601 begleitete Laurentius die kaiserlichen Truppen und hatte durch sein Mut machendes Predigen und seelsorgerisches Wirken wesentlichen Anteil am Sieg bei Stuhlweißenburg - dem heutigen Székesfehérvár - am 11. Oktober: Als vor der Grenzfestung die Schlachtordnung wankte, zog er gegen den Halbmond mit dem Kreuz voraus und motivierte mit donnernder Stimme die zaudernden Soldaten zum siegreichen Kampf gegen den überlegenen Feind; die Überlieferung erzählt, dass die Geschosse der Türken am Ordenskleid des Kapuziners abprallten wie an einem Panzer.

1602 wurde Laurentius selbst Ordensgeneral der Kapuziner mit Sitz in Rom. Von dort visitierte er zu Fuß Klöster in Italien, Frankreich, Spanien und der Schweiz. 1608 gelang es ihm am Königshof in Madrid, Spanien zur Unterstützung der katholischen Liga, dem Bündnis der deutschen katholischen Fürsten gegen die protestantischen, zu bewegen. 1611 predigte er in Bayern, der Pfalz und in Sachsen zur Stärkung der Katholiken; er wurde zu einem der führenden Vertreter der Gegenreformation und galt als die Seele der katholischen Liga. Im Konflikt zwischen dem nicht an der Liga beteiligten Erzbischof von Salzburg und Bayernherzog Maximilian I., mit dem Laurentius ein einzigartiges Vertrauensverhältnis verband, versuchte er zu vermitteln; der Erzbischof wurde bis an sein Lebensende in strenger Einzelhaft eingesperrt. 1616/17 vermittelte er den Frieden zwischen Spanien und Savoyen. 1618 reiste er - schon schwer von Gicht geplagt - noch einmal nach Madrid, um beim spanischen König die Absetzung des Vizekönigs von Neapel zu erreichen, der die Stadt tyrannisch regierte.

Laurentius verfasste eine Fülle von Predigten, eine vollständige Zusammenfassung der Lehren über Maria sowie die Explanatio in Genesim, die Erklärung zu (dem biblischen Buch) Genesis, eine herausragende Erläuterung biblischer Kosmologie. 1610 schrieb er die Lutheranismi Hypotyposis, die anschauliche Beschreibung des Luthertums als polemische Streitschrift zur Widerlegung der reformatorischen Theologie von Martin Luther anhand der Bibel, die aber erst 1930 vollständig gedruckt erschien. Seine Treue zur Lehre der katholischen Kirche brachte Laurentius den Ehrentitel Doctor apostolicus ein.

Während einer diplomatischen Mission bei König Philipp III. von Spanien starb Laurentius an seinem 60. Geburtstag in Lissabon; dort erinnert die Kirche São Cristóvão e São Lourenço an ihn. In Villafranca del Bierzo in der nordspanischen Provinz León wurde er auf dem Friedhof des Klarissen-Klosters de la Anunciada beigesetzt; während der Besetzung durch die Truppen Napoleons wurde das Grab 1808 zerstört.

Kanonisation: Der bald nach Laurentius' Tod eingeleitete Seligsprechungsprozeß konnte erst durch Papst Pius VI. mit der Feier am 1. Juni 1783 abgeschlossen werden. Am 8. Dezember 1881 erfolgte Laurentius' Heiligsprechung durch Papst Leo XIII.; am 19. März 1959 erhielt er von Papst Johannes XXIII. den Titel eines Kirchenlehrers.
Patron von Brindisi

Worte des Heiligen

Das wirksamste Bittgebet geschieht im Namen Christi:
Es ist dies jedenfalls eine große und universale, aber doch eine bedingte Zusage. Denn er [Christus] sagt nicht einfach und absolut: Alles, was ihr erbittet, werdet ihr erhalten, sondern: Wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bittet, wird er euch es geben (Johannesevangelium 15, 16). … In meinem Namen: das bedeutet: durch meine Verdienste. … Im Namen Christi bitten heißt mit der Kraft lebendigen Glaubens bitten, mit dem Glauben, wie ich sagte, an die Verdienste Christi bei Gott. …
Christi Name ist wie ein Schlüssel zum Öffnen eines Riegels. Es gibt nämlich keine künstlich verfertigten Riegel, die ohne Schlüssel nur durch die Nennung des Namens geöffnet werden können.
In Christi Namen aber bittet der, der Christus wahrhaft ehrt. Deshalb sagt er: … Wenn ihr meine Gebote haltet und meine Worte in euch bleiben, dann bittet, um was ihr wollt, und es wird euch zuteil (vgl. Johannesevangelium 15, 7).
Der Herr lehrte aber [auch], dass Glauben beim Gebet nötig sei und ebenso Demut, weswegen der Zöllner vom Tempel hinabstieg in sein Haus, mehr gerechtfertigt als der Pharisäer (Lukasevangelium 18, 9 - 14), und außerdem Beharrlichkeit. Diese lehrte er im Gleichnis des Mannes, der von seinem Freund drei Brote erbat (Lukasevangelium 11, 5 - 8), und im Gleichnis von der Witwe und dem ungerechten Richter (Lukasevangelium 18, 1 - 8).
Zu erbitten ist wohl besonders Geistliches, denn er sagte: Wenn ihr, obwohl ihr böse seid, euren Kindern nur gute Gaben gebt, um wie viel mehr wird der himmlische Vater vom Himmel her den guten Geist denen geben, die ihn darum bitten (Lukasevangelium 11, 9 - 13). Das aber ist der Grund dafür, dass er sagte: damit eure Freude vollkommen sei (Johannesevangelium 15, 11); denn Zeitliches bringt nicht die volle Freude, sondern Geistliches und Göttliches. Wenn ihr den Vater in meinem Namen bittet: Das ist so, wie wenn jemand einem Fürsten eine Bittschrift überreicht und dabei vom Fürsten etwas im Namen seines Vaters erbittet, der sich um den Fürsten sehr verdient gemacht hat.

Quelle: S. Laurentii a Brundisio Opera omnia, Vol 10, P. 2. Patavii 1956, S. 266f; eigene Übersetzung

Zitate von Laurentius von Brindisi:

Das Wort Gottes ist von unschätzbarem Wert. Es ist wie ein Schatz, der alles Gute enthält. Denn aus ihm kommen Glaube, Hoffnung und Liebe; alle Tugenden, alle Gaben des Heiligen Geistes, die Seligpreisungen des Evangeliums; alle guten Taten, alle vorzüglichen Werke des Lebens und alle Herrlichkeit des Paradieses. … Das Wort Gottes ist Licht für den Verstand und Feuer für den Geist, so dass der Mensch Gott erkennen und lieben kann. Dem inneren Menschen, der vom Geist Gottes lebt, ist es Brot und Wasser. Aber das Brot ist süßer als Honig und Honigwaben, das Wasser besser als Wein und Milch. Es ist für die Seele ein Schatz geistlicher Werte; deshalb wird es Gold und kostbarer Edelstein genannt. Gegen das Herz, das sich in der Sünde verhärtet, ist es wie ein Hammer. Gegen Welt, Fleisch und Teufel ist es wie ein Schwert, das jede Sünde tötet.

Christus lässt die Kirche bekämpft, aber nicht erkämpft werden: Die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen (Matthäusevangelium 16, 18). In den größten Gefahren, wo die Lage menschlich gesehen verzweifelt ist, ist von Gott aus gesehen Christus in seiner Kirche anwesend.

Die Waffen, mit denen der Glaube verteidigt sein will, sind: das heilige Leben derer, die den Glauben predigen und lehren, und die Geduld in Leiden und Verfolgung.

Wenn wir wirklich ein Abbild Gottes sein wollen, müssen wir Christus ähnlich werden, denn er ist das Abbild der Güte Gottes und das Abbild seines Wesens (Hebräerbrief 1, 3).

Quellen: S. Laurentii a Brundisio Opera omnia, Vol 10, P. 2. Patavii 1956, S. 155; eigene Übersetzung
S. Laurentii a Brundisio Opera omnia, Vol 5, P. 1. Patavii 1938, zitiert nach Monastisches Lektionar zum 21. Juli
http://www.kathpedia.com/index.php/Laurentius_von_Brindisi, abgerufen am 21. November 2019
http://kirchlich.net/pages/spiritualitaet/zitate-von-kirchenlehrern, abgerufen am 21. November 2019

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia

Die Kirche Santissimo Redentore in ist täglich von 10.30 Uhr bis 13.30 Uhr und von 14.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 3,50 € oder mit dem Chorus-Pass, gültig für 12 kostenpflichtige Kirchen in Venedig, er kostet 12 €. (2020)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.10.2020

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• C. S., Brief vom 22. Juni 2008
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz † (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. IV, Herzberg 1992
• http://es.wikipedia.org/wiki/Villafranca_del_Bierzo

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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