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Ökumenisches Heiligenlexikon

Warbede

auch: Borbet, Vorbetta

Gedenktag katholisch: 16. September

Name bedeutet: die Besitz Verteidigende (althochdt.)

Jungfrau, Märtyrerin
† um 450 in Worms in Rheinland-Pfalz (?)


Steinskulpturen: Warbede, Embede und Wilbede in der Nikolauskapelle im Dom in Worms
Steinskulpturen: Warbede, Embede und Wilbede in der Nikolauskapelle im Dom in Worms

Die drei Jungfrauen Embede, Wilbede und Warbede wurden der Überlieferung nach von den Hunnen erschlagen.

Im ehemaligen Bergkloster in Worms werden sie als Töchter eines Frankenkönigs verehrt, an anderen Orten mit teilweise abgewandelten Namen und anderer Legende, so am Niederrhein als Ambet, Wilbet und Worbet, in der Kirche St. Alto in Leutstetten in Oberbayern als Ainpet, Gberpet und Firpet, in Klerant / Cleran - einem Ortsteil von Sant'Andrea in Südtirol - als Ampet, Gewer und Bruen.

In Frauweiler - einem heute abgegangenen Ort bei Bedburg -, wo um 1500 durch die Bedburger Augustiner-Eremiten ein Lucia geweihtes Frauenkloster gegründet wurde, war die Verehrung von diesen dreien sowohl unter diesen Namen als auch unter den lateinischen Namen Caritas, Fides und Spes, den Töchter dern Sophia, bekannt. In Frauweiler galt ebenso wie z. B. in Wickrath bei Mönchengladbach der 1. August als Festtag, als Attribute galten Fruchtschale, Schwert und Grill. Auf ähnliche Wurzeln gründet sich die Verehrung der drei heiligen Madl.

Im Kölner Hinterland lag in römischer Zeit der Schwerpunkt des Matronen-Kultes, wobei die Matronen stets drei Frauen waren, von denen zwei eine Haube trugen, nicht aber die jüngste; auch Fruchtschalen sind auf den römischen Weihesteinen zu finden. Die drei Matronen sind Repräsentanten der drei Lebensabschnitte Jungfrau, Mutter und Greisin. In der Region ist in der mündlichen Tradition noch lebendig, dass auf den Feldern die drei weißen Frauen umgehen, denen man etwa in Neukirchen - heute Stadtteil von Grevenbroich - noch um 1800 die letzte Garbe auf dem Feld übrig ließ.

Die drei Bethen werden meist als gütigen Frauen beschrieben, die durch die Lande ziehen, weisen Rat erteilen, Gaben schenken und mit denen man auch über das Schicksal reden oder verhandeln kann. Die Menschen glaubten an die Kraft der Bethen und wandten sich an sie bei Angelegenheit in Sachen Fruchtbarkeit bei Mensch, Tier und Feldern, für den Schutz der Arbeit bei allen Erntezyklen, bei Geburten, Krankheiten und Tod. Die Namen Embede, Wilbede und Warbede gehen auf die keltische Tradition zurück, unter dem Einfluss des Christentums wurden Motive ihrer Verehrung oft auf Fides, Spes und Caritas übertragen; zur Zeit der Kreuzzüge wurde der Bethen-Kult auch in die Verehrung der drei Heiligen Mädchen übernommen. Die drei Bethen treten oft am Ende der Raunächte in der Nacht zum 6. Januar auf; das ist auch die große Zeit der Percht, weswegen die Bethen oft auch Perchten genannt werden. Sie segnen Haus, Hof, Mensch und Vieh.

Die Silbe Beth in Embede, Wilbede und Warbede ist der keltische Name der Erdgöttin, der sich bis heute in dem Wort Bett erhalten hat, denn ursprünglich schliefen die Menschen auf der Erde. Auch die Blumen wachsen aus dem Beet. Beten und bitten ist davon abgeleitet und heißt eigentlich die Göttin anrufen. Die Beteltänze und Bettelumzügeaus dem Mittelalter, die Bettelstege auf Wanderwegen, auch der Bittgang sind von den Bethen abzuleiten. In der Butter findet sich eine weitere Abwandlung des Wortes wieder, deshalb kommen in vielen Märchen und Sagen melkende und butternde Frauen vor und manche solcher Sagen erinnern an eine matriarchale Zeit.

Religionsgeschichtlich gesehen handelt es sich bei den drei Bethen vermutlich um die ältesten Zyklus-Göttinnen unseres Kulturraums, ähnlich wie Isis oder Artemis. In der Volksfrömmigkeit vom 12. bis ins 20. Jahrhundert spielten sie eine Rolle als Hüterinnen von Quellen und Bäumen sowie als Patroninnen für gutes Wetter, reiche Ernte und Frauen mit Kinderwunsch. Die Kirche hatte Probleme mit den drei Bethen, viele kirchliche Handschriften, Bußordnungen und Visitationsprotokolle berichten indirekt von der Bekämpfung ihres Kults; dementsprechend wurden sie auch nie in Heiligenkalender aufgenommen.

Damit reihen sie sich in die Überlieferungsgeschichte der großen Schicksalsgöttinnen wie der drei griechischen Moiren, der germanischen Nornen oder der römischen Parzen. In der slawischen Mythologie gibt es die drei Himmels- und Lichtgöttinnen Zorya - albanisch Fati, rumänisch Ursitori, serbokroatisch Sudice, slowenisch Rojenice und tschechisch Sudicky.

Bei der Kalenderreform      Nach Abschluss und im Auftrag des => 2. Vatikanischen Konzils wurde im Jahr 1969 eine Liturgiereform in der römisch-katholischen Kirche durchgeführt; in diesem Rahmen wurden auch Änderungen im Römischen Generalkalender vorgenommen; der erneuerte wurde mit dem 1. Januar 1970 in Kraft gesetzt. wurden die drei Bethen aus dem römischen Kalender gestrichen.


Web 3.0 - Leserkommentare:

Zu den - vor allem in feministischen Kreisen kursierenden - Beden habe ich folgendes mit einem Wörterbuch Walisisch-Englisch feststellen können: Ambet: amwas [gesprochen ambas] = charity [caritas, Nächstenliebe] Wilbet: ffidlondeb [gesprochen fielondeb] = fidelity [fide, Treue] Worbet: [g]orbaith [gesprochen [g]orbäß] = hope [spes, Hoffnung] Quelle: Geiriadur Cymraeg-Saesneg a Saesneg-Cymraeg gan T. Gwynn ac Arthur ap Gwynn, Caerdydd 1953 [Cardiff, Wales]

Im Walisischen mutiert je nach grammatikalischer Stellung der Anlaut, so dass es sowohl orbaith als auch gorbaith im selben Satz heißen kann. Die Lautverschiebung von g zu w kennen wir in Garantie, engl. warranty, oder guerre, engl. war. Vor diesem Hintergrund kann die Formel Ambet, Wilbet und Worbet nur als Assimilation dreier keltisch-stämmiger Allegorien zu sehen sein, die keine Eigennamen darstellen, sondern lediglich im Auslaut sich an dem biblischen Frauennamen Elisabeth orientierten und die ähnlichen Auslaute einheitlich zu -beth, bzw. -bed gemacht haben. Da ich einen keltischen Vornamen um 1200 noch bei Neuss finden konnte, der im Bewusstsein der Bedeutung gewählt wurde (Harper von Helpenstein, Ritter, wobei harper im Bretonischen heißt: celui, qui aide, also Helfer), ist die Parallelität zwischen Kirchenlatein und volkstümlichem Namen nichts besonderes.

Die Matronen wurden wahrscheinlich am 1. August (dem keltischen Lugnasad-Fest, einem der vier Hauptfeste) verehrt. Die Umdeutung erfolgte nicht in christliche Personen, sondern in Allegorien aus dem Brief an die Korinther (sog. Hohes Lied der Liebe nach Paulus). An der Ruhr zwischen Düren und Roermond hießen die drei Jungfrauen Mergen, Marien mit den Beinamen Pellmerge, Schwellmerge und Krieschmerge. Die Pellmerge wurde angerufen, wenn es Hautkrankheiten gibt (die Pelle ausschlägt), die Schwellmerge, wenn der Bauch schwillt (d. h. die Frau schwanger ist, bzw. wenn sie nicht schwanger werden will trotz ehelichem Verkehr), während die Krieschmerge angerufen wurde, wenn die Kleinkinder am kriesche waren, das heißt Schreikinder waren (von Koliken wusste man noch nichts).
Dazu: Sagen, Märchen und Schwänke des Jülicher Landes, Aus dem Nachlaß Heinrich Hoffmanns, hrsg. Gottfried Henßen, 1955, S. 175 ff: Die drei Frauen in der Legende; dazu der Abschnitt S. 138 ff: Die Juffern (hier werden allerdings die Juffern = Mehrzahl, stets anonym, mit der Juffer, die in der Regel mit einer historischen Person identifiziert wird, zusammen behandelt).

In Helden im Bergischen Land gibt es eine romanische Krypta, in der auf zwei mittelalterlichen Wandmalereien Embede und Notburga zu sehen waren, die leider durch amerikanische Soldaten 1945 als Zielscheibe für pietätslose Schießübungen benutzt wurden, so dass sie heute völlig zerstört sind. Dort gab es weiter eine Holzfigur, die Griescha genannt wurde. Dort betete man, wenn Kinder zahnten (also Kriescher / Kreischer waren).

Noch merkwürdiger wird es mit dem germanischen Gott Wotan. Die Legende von Bonn-Bad Godesberg sagt, dass der dortige Berg, der seit dem 13. Jahrhundert die Godesburg der Erzbischöfe von Köln trägt, ursprünglich Wodansberg hieß und eine Kultstätte des Germanengottes sein sollte. Vor der Godesburg liegt außerhalb der Burgmauer eine Michaelskapelle, die in ihrem Fundament aus dem 10. Jahrhundert stammen soll. Nun habe ich ermittelt, dass auf Sylt der Wotanskult noch heute mit Feuern zum 22. Februar (Petri Stuhlfeier) begangen wird. Manche führen den Brauch, zum Erlöschen des Feuers auch eine Strohpuppe in die Flammen zu werfen, die Pietermann heißt, auf die Reformation und das Ablehnen des römischen Primates (wie gesagt, Termin ist Petri Stuhlfeier) zurück. Aber in Bedburg wird dieser Brauch auch geübt, allerdings zur Kirchweih. Die Strohpuppe heißt hier Zacheies (Zacharias, der Held des Kirchweih-Evangeliums). Die Wotansfeuer auf Sylt werden zum Sonnenuntergang am Vorabend des 22. Februar angezündet. Und nun das Überraschende: Steht man am Altar der Michaelskapelle des Godesberges zu Bonn und schaut durch die Kapellentür auf die Ausläufer der Ville, erblickte man im 9. Jahrhundert exakt in der Kapellenachse den Sonnenuntergang am Wotanstag (22. 2.). Die Kapellenachse zeigt also nicht in Ost-West-Richtung, sondern ist deutlich daraus verdreht. Dass Michael als Himmelswächter/Drachentöter gerade das besiegt, was durch Wotan repräsentiert wird, ist ja nicht so verwunderlich; dass aber die christliche Kirche so gebaut wird, dass heidnische Rituale dort nachvollzogen werden können, ist schon erstaunlich.

In der Tat gibt es noch einige Petrus-Kirchen, die auch so gebaut sind, dass man um das Fest Petri Stuhlfeier in der Achse der Kirche vom Altar durch die Türe hinaus zum Horizont den Sonnenuntergang beobachten kann. Ob es sich um christianisierte Wotans-Kultorte handelt, ist mir allerdings nicht bekannt. Zumindest zeigt diese Beobachtung, dass man es im Zuge der Christianisierung Deutschlands mit Festen, Kulten und Heiligen nicht so streng historisch nahm, wie es viele heute gerne sehen würden.

Christian Wiltsch über E-Mail, 29. September 2010




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 13.09.2015
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:

• Christian Wiltsch, E-Mail vom 29. September 2010
• http://www.hanna-strack.de/die-drei-bethen/
• http://www.artedea.net/bethen-die-heiligen-drei-madln/